15 Monate mit dem Wohnmobil durch Nordamerika (Dez 95 - Mär 97)
 

Am 03.12.95 um 8.30 Uhr war es soweit, unser großes Abenteuer Nordamerika begann. Helga, Gerd, Maike und Michael holten uns zuhause ab. Wir verstauten die vier Koffer und drei Taschen in den Autos und fuhren zum ZOB. Maike und Michael hatten zum Abschied noch eine Flasche Sekt mitgebracht, die wir vor der Abfahrt des Kielius um 9.10 Uhr noch köpften. Der Kielius bracht uns dann pünktlich zum Flughafen Fuhlsbüttel, wo wir noch etwas warten mußten, bis die Schalter von British Airways geöffnet wurden. Einen unserer Koffer mußten wir für die Sicherheitskontrolle noch einmal öffnen, weil dem Sicherheitsbeamten die Bleibeutel für die 400er Filme wohl etwas komisch vorkamen. Als wir gerade den Koffer wieder zumachen wollten kamen Antje, Daniel und Björn um sich von uns zu verabschieden. Wir kamen etwas verspätet in Hamburg los, aber pünktlich in London an. Sowohl auf der Kurzstrecke als auch bei dem langen Flug hatten wir absolute Spitzenplätze an den Notausgängen, so daß die Flugzeit einigermaßen zu bewältigen war. "Nine Month" und "Apollo 13" verkürzten die Flugzeit und wir kamen pünktlich um 18.55 Uhr Ortszeit in Los Angeles an. Die Einwanderungsbehörde erteilte uns gleich eine Aufenthaltsgenehmigung für 6 Monate, so daß wir erstmal bis zum 02.06.96 bleiben dürfen. Etwas schwierig gestaltete sich der Transfer zum Hotel, da das Holiday Inn Crowne Plaza jetzt nur noch Crowne Plaza heißt, was aber selbst der Fahrer des einen Shuttle-Busses nicht zu wissen schien. So kamen wir erst mit dem zweiten Shuttle mit und waren uns im Bus noch nicht einmal sicher, ob wir nun beim richtigen Hotel landen werden, was dann aber der Fall war.   

 
 

Nach einem ausgiebigen Frühstücksbuffet riefen wir bei Moturis an, die uns dann zwischen 11.00 und 12.00 Uhr abholen wollen. Nachdem wir dann auch noch die Telefonkarten, die wir von Todts bekommen hatten per Kreditkarte aufgefüllt hatten konnte es so richtig losgehen. Moturis kam um 12.00 Uhr und 20 Minuten später waren wir an der Station. Wir waren die einzigen Kunden an diesem Tag, so daß die Womo-Übernahme in aller Ruhe über die Bühne gehen konnte. Die Unterlagen waren vorbereitet und das Womo in bester Ordnung. Nach der Übernahme stellten wir nur unser Gepäck in den Wagen und fuhren erstmal los. In zwei verschiedenen Supermärkten beschafften wir uns eine Grundausstattung an Geschirr, Besteck, Töpfen, Kopfkissen, Nahrungsmitteln und allerlei Kleinkram. Mitten in der Rushhour fuhren wir über die verstopften Highways von Los Angeles bis nach San Dimas am Puddingstone Lake, wo wir im East Shore RV-Park einen Stellplatz bekamen. Bis 23.00 Uhr waren wir dann damit beschäfftigt unser Gepäck auszupacken und mehr oder weniger ordentlich in dem begrenzten Stauraum des Womos unterzubringen.

Das erste Frühstück im eigenen Wohnmobil schmeckte uns ausgezeichnet. Wir haben es aber immer noch nicht so richtig verarbeitet, daß das Womo uns gehört und nicht bloß gemietet ist und das wir nicht nach 4 Wochen wieder zurück müssen. Als wir bei 27°C in kurzen Hosen und T-Shirt mit den Oldies und Baums telefoniert haben und von saukaltem Schneewetter erfuhren, waren noch glücklicher im sonnigen Kalifornien zu sein. Nach weiteren Aufräumungsarbeiten im und am Wohnmobil, u.a. verstauten wir die leeren Gepäckstücke und Ersatzprothesen im Dachkoffer und brachten die mitgebrachten Schleswig-Holstein und Kiel-Aufkleber an, setzten wir in Pomona unsere Einkäufe fort. So langsam wird unser neues Zuhause immer wohnlicher. Am Abend erkundeten wir den Campingplatz und hielten unser Womo und den Sonnenuntergang am Puddingstone Lake im Bild fest. Unser Tourenplan wurde dann auch zum erstenmal geändert: wir beschlossen Palm Springs und Joshua Tree NP einzuschieben.

Einst eine Palmenoase, in der die Agua-Caliente-Indianer lebten, ist Palm Springs heute das Winterziel der Reichen und Schönen und ein beliebter Altersruhesitz der Hollywood-Stars. Doch es sind nicht mehr nur die Alten, die in dieser Stadt der Luxusklasse gediegenen Luxus und warme Winter genießen. In den edlen Boutiquen und Cafés am Palm Canyon Drive drängen sich die Yuppies aus L.A. und stellen ihre teuren Nobelkarossen zur Schau. Auf die Fahrt mit der Aerial Tramway zum Mt. San Jacinto State Park (2595m) haben wir aufgrund des diesigen Wetters verzichtet. Im sehr gut ausgestatteten (Pool, Spa) Happy Traveller RV Park fanden wir einen Stellplatz mitten in der Stadt und damit einen optimalen Ausgangspunkt zur Erkundung der Agua Caliente Indian Reservation mit den Indian Canyons, die wie uns für den nächsten Tag vorgenommen hatten.

Am Ende des Palm Canyon Drive beginnt die Agua Caliente Indian Reservation. In den Indian Canyons zeugen Felszeichnungen und Mahlsteine von der frühzeitigen indianischen Besiedlung dieses Gebietes durch die Vorfahren der Agua Caliente Cahuilla Indianer. Schon vor Jahrhunderten bildeten sie ausgedehnte und komplexe Gemeinden im Palm, Murray, Andreas, Tahquitz und Chino Canyon. Reichlich Wasser und hunderte von Tieren und Pflanzen, die überall zu finden waren, garantierten stabile Lebensbedingungen. Die heißen Sommer verlebten sie in den palmembeschatteten Canyons, die kalten Winter in der umliegenden Wüstenregion. Im Andreas Canyon kontrastiert das Grün der prächtigen Fächerpalmen mit den rötlich-braunen Felsen der den Andreas Creek umgebenden Felswüste. Hier findet auch noch Mahlsteine, die in der Vorzeit der Zubereitung der Nahrunsmittel dienten. Der über 15 Meilen lange Palm Canyon zählt aufgrund seiner Flora und Fauna zu den landschaftlich reizvollen Plätzen im westlichen Nordamerika, insbesondere wegen der über 3..000 Washintonia-filifera-Palmen, deren Alter auf über 200 Jahre geschätzt wird. Ich mußte hier leider auf die Nase fallen und mir diverse Splitter in beiden Händen zuziehen, deren "operative" Entfernung einige Zeit in Anspruch nahm. Einen Stop lohnt auf jeden Fall The Living Desert Wildlife and Botanical Park in Palm Desert. Dieser nicht profitorientierte Park ist dem Schutz der Pflanzen- und Tierwelt der Wüstenregionen gewidmet. Man lernt auf dem Rundgang durch dieses sehr schön angelegte Gebiet, daß Wüsten nicht einfach Brachland sind, sondern komplizierte und sehr zerbrechliche Ökosysteme mit einer erstaunlichen Vielfalt an tierischem und pflanzlichem Leben. Da die Zeit mittlerweile schon wieder sehr fortgeschritten war und es bereits um 17.00 Uhr stockfinster ist, übernachteten wir im Indian Waters RV Resort in Indio und verschoben den Joshua Tree NP auf morgen.

Zwei Wüsten, zwei große Ökosysteme, die hauptsächlich durch ihre Höhenlage bestimmt sind, kommen im Joshua Tree NP zusammen. Wenige Gegenden zeigen den Kontrast zwischen hoher und niederer Wüste lebendiger. Die Colorado Wüste, unter 910m gelegen, dehnt sich über die östliche Hälfte des Parks aus und ist reich bewachsen mit dem Creosotobusch. Hinzu kommen kleine Bestände des "Spidery Ocotello" und des "Jumping Cholla Cactus". Die höher gelegene, etwas kühlere und feuchtere Mojave Wüste ist das eigentliche Wachstumsgebiet des Joshua Trees, einer Art Riesen-Yuccapalme, die in der westlichen Hälfte des Parks zahlreich vertreten ist. Wie Inseln in einem verlassenen Ozean bilden die Oasen, als drittes ökologisches System, einen dramatischen Kontrast zu ihrer verdorrten Umgebung. Fünf mit Fächerpalmen bewachsene Oasen sind über den Park verstreut und zeigen die wenigen Orte an, wo natürliche Wasservorkommen an oder nahe der Oberfläche zu finden sind. Der Park enthält einige der interessantesten geologischen Landschaften der kalifornischen Wüsten. Schroffe Berge und bloßgelegte Granitmonolithe zeugen von den ungeheuren Erdkräften, die diese Landschaft formten. Täler, Flächen, trockene Flußbetten, Schluchten, Felsstufen, Niederungen, Granite, Quarz und Gneiß bilden ein gigantisches Wüstenmosaik immenser Schönheit und Kompliziertheit. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden kann man gut beobachten, was hier kreucht und fleucht: vom Kojoten bis zur Känguruhratte und vom Präriehasen bis zur Tarantel. Wir erreichten den Park über den Highway 10 am südlichen Eingang bei Cottenwood. Von dort aus fuhren wir auf der Parkstraße in Richtung Norden. Etwa auf halber Strecke zwischen Cottonwood und Twentynine Palms liegt der Cholla Cactus Garden, in dem ein Lehrpfad durch eine dichte Ansammlung von Bigelow Kakteen führt. An der Übergangszone zwischen Mojave- und Colorado-Wüste beginnt auch schon das Wonderland of Rocks, das Herzstück des Parks mit seinen Granitmonolithen. Auf den inmitten dieser grandiosen Landschaft liegenden Campingplätzen sind alle Stellplätze liebevoll zwischen Felswände und die karge Wüstenvegetation plaziert. Wir übernachteten auf dem Belle Campground, wo wir einen Cojoten und einen Präriehasen beobachten und die stimmungsvolle Dämmerung genießen konnten.

Wir nutzten die faszinierende Lichtstimmung der aufgehenden Sonne zu einem weiteren Rundgang durch die Joshua Trees und Felsformationen des Belle Campground. Auf unserem Weg zum Parkplatz des Trails zur Fortynine Palms Oasis im Norden des Parks, legten wir am Oasis Visitor Center Headquarter einen Zwischenstop ein. Von einer hier seit einem Jahr arbeitenden deutschen Rangerin bekamen wir Tips und Informationen zu den Trails des Parks, besonders zum Arch Rock Trail vom White Tank Campground aus. Für die insgesamt 5km lange Strecke vom Trailhead bis zur Fortynine Palms Oasis und zurück brauchten wir ca. 2h. Der Weg ist recht anstrengend aber die Fächerpalmenoase inmitten der kargen Wüstenlandschaft lohnt diese Mühen. Von hier aus fuhren wir aufgrund des Tips der Rangerin zurück zum White Tank Campground und nahmen den nur 0,5km kurzen Trail zum Arch Rock in Angriff. Oftmals klettert man mehr durch die bizarren Felsformationen, in die dieser reizvolle Campground integriert ist, als das man wandert. Das Ziel ist ein Felsbogen, der mit etwas Phantasie an einen Elefanten erinnert und gut versteckt in diesem Felslabyrinth liegt. Auf unserer weiteren Fahrt durch den Park bestaunten wir im Queen Valley die zum Teil riesigen Joshua Trees. Vom 1576m hoch gelegenen Keys View Aussichtspunkt hatten wir bei hervorragender Sicht einen grandiosen Blick über die angrenzenden Täler und Berge bis nach Palm Springs und zum Salton Sea. Über den westlichen Eingang verließen wir den Park und fuhren über den kleinen Ort Joshua Tree am Highway 62 zum Black Rock Canyon Campground, der wieder im Gebiet des Nationalparks liegt. Im Campground-Office stand dann noch ein Diavortrag über den Park auf dem Programm. Der Vortragende, ein älterer Volunteer-Ranger, hatte die sehr schönen Tier- und Pflanzenaufnahmen in den letzten 13 Jahren im Parkgebiet aufgenommen. Der Vortrag war sehr informativ und der Raum mit brennendem Kamin liebevoll vorbereitet, alles in allem ein gelungener Abend und ein schöner Tagesabschluß.

Kurz nach Sonnenaufgang unternahmen wir einen kurzen Rundgang über den Black Rock Canyon Campground. Anschließend haben wir in Yucca Valley unsere Ausrüstung vervollständigt und und einen kleinen Backofen, der in unserem Wohnmobil leider fehlte, und einen Grill gekauft. Über den wenig befahrenen Highway 247 ging es dann nach Barstow und von dort auf der Interstate 15 in Richtung Las Vegas. 10 Meilen östlich von Barstow liegt die Calico Ghosttown, eine rekonstruierte Silberminenstadt des 19. Jahrhunderts in malerischer Umgebung. Der Calico Ghost Town Regional Park ist eine Art "Zwitter" zwischen historischem Erhaltungsanliegen à la Nationalpark und kommerzieller Touristenattraktion. Aus den umliegenden Calico Mountains wurden von 1888-1907 Millionenwerte an Silber abgebaut, die aber nur wenige Bergleute reich machten. Die 1951 restaurierte Bergbaustadt mit Schule, Bergwerk, Läden und Kneipe zeugt von dieser Zeit und läßt die Träume der längst vergangenen Schürfer wieder aufleben. Leider brach beim Einsteigen in Trambahn, die vom Parkplatz zur eigentlichen Stadt hinaufführt, bei meiner neuen Prothese der Fuß ab, so daß wir von der Ghosttown nicht viel gesehen haben und Geli mich im geliehenen Rollstuhl zum Womo zurückbrachte. Wir beschlossen es morgen, mit Ersatzprothese, noch einmal zu versuchen. Auf dem KOA-Campground in Calico haben wir den gebrochenen Adapter aus dem Prothesenfuß ausgebaut und werden versuchen in den nächsten Tagen Ersatz zu bekommen. Auch der Zusammenbau des in Yucca Valley gekauften Grills erwies sich mit dem beschränkten Bordwerkzeug als nicht ganz einfach.

Der zweite, ausführlichere Besuch der Calico Ghost Town war dann doch etwas enttäuschend. Die einzelnen Häuser sind zum Teil zwar sehr fotogen, aber uns war das ganze doch zu sehr kommerzialisiert. In jedem Haus ein Souvenir- oder Tingeltangel-Shop war uns dann doch zu viel Touristennepp. Von Calico fuhren wir dann auf dem Highway 15 nach Las Vegas. Auf dem zum Circus Circus Hotel gehörenden Circusland RV Park fanden wir einen Stellplatz in unmittelbarer Nähe des Las Vegas Boulevard, genannt "The Strip". Nach einer ersten Erkundung des Circus Circus mit anschließendem "All you can eat" Dinner Buffet für $ 4.99, fuhren wir mit dem Strip Shuttle (Buslinie 301 oder 302) bis zum Luxor Hotel. Nachdem wir uns das Luxor, das Excalibur und das MGM Grand Hotel angesehen und ein paar Dollar geopfert hatten, fuhren wir zurück zum Campground. Die Fahrt über den von Leuchtreklamen fast taghell erleuchteten Strip, eine Insel des Lichts inmitten der nachtschwarzen Wüste, ist schon ein Erlebnis. Der Boom der neonglitzernden Spielerstadt hält, allen Kritikern zum Trotz, ungebrochen an. Immer neue Shows, Attraktionen und spektakuläre Fantasiehotels sichern den steten Zustrom der Spieler. Die Casinos unternehmen alles, um den Besuchern, den goldenen Kühen Nevadas, den Aufenthalt zu versüßen: preiswerte Luxushotels und fabelhafte Shows mit internationalen Stars, billiges Essen und - falls gewünscht - schnelles Heiraten. Rund 70..000 Ehen werden alljährlich in Las Vegas geschlossen. Entstanden ist die Stadt um eine Oase an einem der Immigration Trails von Osten nach Kalifornien. Las Vegas war bis zum Beginn der 30er-Jahre nur ein kleines Mormonenstädtchen mit Bahnstation an der Strecke Los Angeles- Salt Lake City. Als es 1931 in Nevada zur Aufhebung des sonst landesweit geltenden Glückspielverbotes kam, begannen zufällig auch die Arbeiten für den Bau des Hoover Dam. Scharen von Arbeitskräften strömten in die Las Vegas Region und kamen gerade recht , um an den Segnungen der liberalisierten Gestzgebung zu partizipieren. Kein Wunder, daß dort die Casinos am schnellsten aus dem Wüstensand wuchsen und - einmal vorhanden - mehr Spieler anzogen als jede andere Stadt. Die Fertigstellung der Hoover-Kraftwerke sorgte zuden für preiswerten elektrischen Strom, Voraussetzung für den Betrieb unzähliger Klimaanlagen und die üppige Beleuchtung der Fassaden und Spielsäle. Zwei Bereiche buhlen um die Gunst der Besucher: Downtown Las Vegas um die taghell erleuchtete Fremont Street bietet die größte Dichte von Casinos. Etwas weiter südlich, am Las Vegas Boulevard, dem "Strip", reihen sich die in jüngster Zeit entstandenen Superpaläste, in denen Amusementparks eine zusätzliche Besucherattraktion bilden. Einmal im Inneren der Kasionos wird man feststellen, daß sich die riesigen Spielsäle im Prinzip kaum voneinander unterscheiden, viel interessanter sind die Architektur und Attraktionen der großen und bekannten Casinos. So gibt es kaum einzelne Sehenswürdigkeiten in Las Vegas. Die großen Erlebnisse in dieser verrückten Stadt sind die atemberaubenden Hotelpaläste, die Atmosphäre beim nächtlichen Bummel und ein Besuch einer der großen Shows.

Nachdem wir heute (12.12.95) endlich einmal wieder so richtig ausgeschlafen haben, machten wir uns auf, Fahrräder zu kaufen. Für Geli ist das ja kein Problem, aber bei meiner Größe. Zunächst einmal stellte sich heraus, daß 28" Reifen in USA nicht zu haben sind, maximal 27", was aber wieder bei uns unüblich ist, so daß wir uns für 26" Mountainbikes entschieden, um möglichst wenig Probleme zu bekommen. In einem kleinen Laden irischer Einwanderer, den wir erst auf die Empfehlung eines anderen Fahrradhändlers hin gefunden haben, wurden wir tatsächlich fündig. Ich bekam einen 24" (entspricht 61cm) Rahmen und Geli einen 19,5" (entspricht 49,5cm) der Marke Trek. Alles mögliche Zubehör vom Tacho bist zum Gepäckträger wurde gleich fachmännisch installiert und mit $ 1407,86 waren wir dabei. Wir haben dann noch eine Plane erworben, um die am Womo montierten Räder vor Wind und Wetter zu schützen. An diesem Tag haben wir also von Las Vegas nichts gesehen.

Per Fahrrad fuhren wir den Strip ab, von der Sahara bis zur Tropicana Avenue. Dabei sahen wir uns folgende Casinos etwas näher an: Luxor, Excalibur, MGM Grand, Caesar´s Palace, The Mirage und das Treasure Island. Die erst Ende 1993 fertiggestellte Pyramide von Luxor mit der Sphinx am Eingang ist das bis heute spektakulärste Bauwerk am Strip und ein tolles Fotomotiv. Hinter der verspiegelten Fassade verbergen sich Hotelzimmer, die nur über Arkaden im riesigen Hohlkörper zugänglich sind. Der altägyptische Amusementpark im Zentrum der Pyramide besteht aus einer Reihe von separaten Rides und einem originalgetreu nachgebautem Tut-ench-Amun-Grab. Das burgartige Excalibur kann seine Anleihen bei Disneyland nicht verheimlichen. Das Fantasy Fairyland, ein kleiner Amusementpark und das zweimal täglich stattfindende Ritterspektakel King Arthur´s Tournament erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf der Ecke diagonal gegenüber dem Excalibur sitzt der überdimensionale MGM-Goldlöwe vor einem grünen Glaspalast kolossalen Ausmaßes, dem mit über 5..000 Zimmern derzeit größten Hotel der Welt. Nach Durchschreiten des Haupteinganges, zwischen den Klauen des Löwen, öffnen sich Spielsäle enormer Ausdehnung und Deckenhöhe. Hinter dem Gebäude befindet sich mit dem Grand Adventure Theme Park ein eher konventioneller Vergnügungspark im Jahrmarktstil. Obschon in die Jahre gekommen, ragt der römischen Palästen nachempfundene Bau des Caesar´s Palace immer noch weit aus der Masse der Konkurrenten heraus und kann innen wie außen ohne weiteres mit den neuen Attraktionen mithalten. Besonders sehenswert ist die dem antiken Rom nachempfundene Einkaufs- uns Restaurant-Arkade. Das Mirage, die Heimkulisse des berühmten deutschen Magier-Paares Siegfried & Roy und ihrer weißen Tiger. Vor dem Mirage bricht alle 15 Minuten ein Minivulkan aus spektakuläre Art und Weise aus. Sagenhaft ist die Seeschlacht zwischem englischen Linien- und Piratenschiff in der Bucaneer Bay vor Treasure Island, einer Schatzinsel im karibischen Fantasiestil á la Disneyland. Die Breitseiten bis zum spektakulären Ende werden ab 16.00 Uhr im 90minütigen Abstand abgefeuert.

Am Vormittag erkundeten wir den Factory Outlet District von Las Vegas am südlichen Ende des Strip. Drei Meilen hinter dem Hacienda Hotel befindet sich Belz Factory Outlet World mit 75 Outlets, darunter 25 Bekleidungsgeschäfte. Die Waren werden 20 bis 70 Prozent unter dem normalen Ladenpreis angeboten. Außer dem Levis-Store konnte uns das Angebot nicht so recht begeistern. Eine weitere Meile südlich findet man die mit 50 Outlets etwas kleinere Anlage der Factory Outlet Stores of America mit ähnlichem Angebot. Zum Mittagessen fuhren wir zur Las Vegas Chinatown in die Spring Mountain Road. Auf dem Rückweg haben wir uns dann noch einen kleinen Schwarz-Weiß-Ferseher und Adapter zum Anschluß an unsere Dachantenne gekauft. Unsere Absicht die Casinos in der Fremont Street zu besuchen scheiterte an der fehlenden Parkmöglichkeit für Wohnmobile im Bereich der Innenstadt. Wir beschlossen, die Fremont Street später einmal per Bus anzusteuern. Vom Circusland RV Park aus ging es dann, wieder per Bike, zum nächtlichen Bummel über den Strip, wieder von der Sahara bis zur Tropicana Avenue, mit den gleichen Casinos im Visier wie am Tag zuvor.

Nach einem üppigen Frühstücksbuffet im Circus Circus machten wir uns auf zum Bryce Canyon. Auf die Fahrt durch den Zion NP haben wir aufgrund der Restriktionen für Motorhomes (nur Konvoi-Durchfahrten, $ 10 Gebühr) verzichtet und auch die geplante Fahrt auf dem Highway 14 durch das Cedar Breaks NM mußten wir aufgrund der Schneeverhältnisse verzichten. So erreichten wir den Bryce Canyon NP schließlich aus nördlicher Richtung über die Highways 20 und 89. Schon auf dem Highway 20 fuhren wir durch die verschneite Landschaft. Im Bryce erwartete uns eine traumhafte Winterlandschaft mit verschneiten Bäumen und glitzerndem Schnee. Den North Campground, den einzigen ganzjährig geöffneten Campingplatz im Park, hatten wir fast für uns allein. Zu Recht gilt der Bryce Canyon NP neben dem Grand Canyon als der spektakulärste Park des Südwestens. Die Bezeichnung Canyon erzeugt allerdings eine falsche Vorstellung. Es handelt sich keineswegs um eine Schlucht im üblichen Wortsinn. Der Begriff bezieht sich im Fall des Bryce auf die östliche Abbruchkante des Paunsaugunt Plateaus, das sich einige hundert Meter über das östliche Tropic Valley und die sich daran anschließenden Tallandschaften erhebt. Zwischen dem Rand der Hochebene und dem tiefer gelegenen Gelände erstreckt sich auf etwa 40km Länge ein Gebiet bizarr-skurriler Formationen erodierten Sandsteins. Im Laufe vieler Jahrtausende entstanden im rot-gelb-rostbraunen Gestein eigenartige Säulen, Türme und Skulpturen. Diese bizarren Felsformationen, Ergebnisse des Erosionprozeßes, werden "Hoodoos" genannt. Besonders bei tiefstehender Sonne am frühen Morgen und am späten Nachmittag bietet dieser Park ein faszinierendes, mit den Lichtverhältnissen wechselndes Farbspiel. Man kann dann gebannt am Rand des "Amphitheaters", des besonders dicht mit Skulpturen "bevölkerten" Kernstücks des Parks, stehen und dem wunderbaren Spiel der Felsen und Farben zusehen. Hier waltet ein Geist, der nicht nur mit Gesteinen zu tun hat. Die heimischen Paiute-Indianer erklären ihn so: Einst gab es tierähnliche Geschöpfe, die sich zu Menschen machten. Aber sie waren schlecht, und so verwandelte sie Coyote in Felsen von vielerlei Gestalt. Die verzauberten Geschöpfe drängen sich hier noch immer aneinander, und ihre Gesichter sind bemalt wie vor ihrer Versteinerung. Man wartet geradezu darauf, daß diese Märchenwelt zum Leben erwacht. Zum großen Erlebnis wird der Besuch des Bryce Canyon NP erst auf einer Wanderung mitten hinein in die geologische Wunderwelt. Die Ausgangspunkte solcher Trails liegen an den verschiedenen Aussichtspunkten, die sich wie Perlen an einer Kette an die Whiteman Bench Road reihen, die auf 17 Meilen Länge bis zum Rainbow Point, dem Endpunkt der Stichstraße führt. Seinen Namen hat der Bryce Canyon von dem mormonischen Siedler Ebenezer Bryce, der fünf Jahre versuchte diese Traumlandschaft zu besiedeln.

 

Als wir am frühen Morgen den Sonnenaufgang am Bryce Canyon erleben wollten, stellten wir fest, daß die Parkstraße nur bis zum Inspiration Point geöffnet war. Wir bewunderten den Sonnenaufgang also vom Inspiration Point aus und frühstückten danach ersteinmal ausgiebig auf dem Parkplatz. Danach fuhren wir zum Sunset und Sunrise Point, den beiden weiteren offenen View Points im Park. Der Schnee kontrastiert die rötliche Färbung der Felsen und steigert noch die Erhabenheit der ohnehin phantastischen Landschaft des Amphitheaters. Im Visitor Center erfuhren wir dann, daß nicht das Wetter für die Schließung der Straße der verantwortlich ist, sondern das fehlende Geld von der Verwaltung. Aus diesem Grunde war auch das Visitor Center nur sehr eingeschränkt geöffnet. Wir hatten schon in Deutschland von der Finanzkrise gehört, hielten sie aber mittlerweile für beigelegt. Wir machten dann den Fehler im Visitor Center nicht nach unserem nächsten Ziel, dem Great Basin NP, zu fragen. Als wir dort ankamen, war der gesamte Park geschlossen, auch die Lehman Caves, die eigentlich ganzjährig geöffnet sein sollten. Wir wissen jetzt nicht, ob hier nun Wetter oder Finanzen für die Schließung verantwortlich waren. Auch in Ely, dem nächst größeren Ort, in dem wir auf einem KOA-Campground übernachteten, war man erstaunt über die Schließung. Wir hoffen jetzt, daß das Death Valley, unser nächstes Ziel, nicht auch der Finanzkrise der USA zum Opfer fällt.

Als wir uns am morgen aus den Schlafsäcken pellten, waren nicht nur die Scheiben des Womos völlig vereist, auch die gesamte Wasserversorgung war eingefroren. So waren wir also auf die, zum Glück beheizten, Einrichtungen des Campingplatzes angewiesen. Glücklicherweise hat nach dem Auftauen wieder alles funktioniert, so daß die Leitungen wohl keinen Schaden genommen haben. Da wir nach diesem Schock von der Kälte ersteinmal genug hatten fuhren wir durch bis in den Death Valley NP, der bis vor kurzem noch als National Monument geführt wurde. Sein Name stammt aus dem vorigen Jahrhundert, als ungedulgige Glücksritter im fieberhaften Goldrausch 1849 glaubten, ihren Weg nach Kalifornien abkürzen zu können. Statt ortskundigen Führern zu folgen , gerieten sie in diese Wüste, wo sie Hab und Gut, wenn nicht sogar ihr Leben verloren und weitaus später in Kalifornien ankamen als diejenigen, die den Umweg um die Wüste genommen hatten. Urzeitlich war das Death Valley ein Teil Ozeans, geriet dann während der Auffaltungen der Sierra Nevada in den Regenschatten der westlichen Berge, so daß heute dort nahezu kein Regen mehr fällt. Aus dem Teil des Ozeans wurde zunächst ein Salzsee und später ein Verdunstungsbecken, dessen Salzkrusten wie Wasser schimmern. Der 230km lange, von über 3000m hohen Bergen umrahmte Grabenbruch gilt als eine der spektakulärsten Wüstenregionen des Südwestens. Fast 20% des Parkgebietes liegen unterhalb des Meeresspiegels, und im Sommer klettern die Temperaturen regelmäßig auf über 50°C. Eine einsame Welt von Salzseen und Wanderdünen, von vielfarbigen Canyons und unter der sengenden Sonne liegenden Wüstenebenen. Trotz der nur 50mm Niederschlag pro Jahr konnte sich eine einzigartige Wüstenvegetation entwickeln - sogar mit etwa 20 Pflanzen- und Tierarten, die nur hier vorkommen.Wir fuhren von Norden in den Park und kamen so an Scotty´s Castle vorbei. Dieses schloßartige Anwesen im mexikanischen Stil ließ der Scotty genannte Cowboy und Golsucher Walter E. Scott Ende der 20er Jahre mitten in der Wüste errichten. Geldgeber war Albert M. Johnson, ein Finanzmagnat der Ostküste, dem das Wüstenklima behagte und der auch das nötige Geld für kleine Spielereien, wie einen Wasserfall im Wohnzimmer, übrig hatte. Wir begnügten uns mit einem Blick von außen auf die imposante Anlage, es werden aber auch Führungen angeboten. Beim passieren des nördlichen Parkeingangs machte uns ein Schild darauf aufmerksam, daß auch dieser Park, bzw. seine Service-Stellen, bis zur Entscheidung der Verwaltung geschlossen bleiben. Aber wir kamen wenigstens hinein und haben den Weg nicht umsonst gemacht. Die abendlichen Temparaturen von 15°C empfanden wir nach zweitägigem Winterurlaub als äußerst angenehm. Unser Campingplatz auf der Furnace Creek Ranch ist zwar nicht besonders schön, bietet aber als einziger weit und breit die vollen Anschlußmöglichkeiten (Full Hook Up) für Wohnmobile.

Von Furnace Creek aus sind es nur 5 Meilen auf der 190-East zum populärsten Aussichtspunkt des Parks, dem Zabriskie Point in den zerklüfteten Funeral Mountains. Gleich dahinter beginnt der Twenty Mule Team Canyon, ein ca. 5km langer Schotter-Rundkurs, der für Wohnmobile gesperrt ist. So machten wir unsere Mountainbikes startklar und bekamen die prächtigen Sandsteinformationen des gleichnamigen Canyons doch noch zu sehen. Es ist aber wohl wirklich besser diesen Weg nicht für Wohnmobile freizugeben. Wieder nur wenige Meilen weiter gen Osten zweigt eine gut ausgebaute Straße zum Dante´s View ab, die besonders auf dem letzten Stück sehr steil ansteigt. Oben angekommen befindet man sich auf 1669m Höhe und hat einen grandiosen Blick über das gesamte Death Valley und die gegenüberliegende Panamint Mountain Range. Direkt unter einem liegt inmitten eines schneeweiß glitzernden ausgetrockneten Salzsees Badwater, der mit 86m unter dem Meeresspiegel tiefste Punkt der westlichen Hemisphäre.

Die reizvollste Strecke durch das Death Valley ist der Highway 178 von Furnace Creek nach Shoshone. Kurz hinter der Abzweigung von der 190 liegt der Golden Canyon. der wahrscheinlich schönste Wanderweg des Parks führt hinein in die goldgelb gefärbten Felsformationen der Funeral Mountains, wer will kann von hier aus bis zum Zabriskie Point hinauf klettern. Für die 3,2km lange Strecke (eine Richtung) sollte man allerdings eine gute Kondition, festes Schuhwerk und reichlich Trinkwasser mitbringen. Wir begnügten uns damit dem Golden Canyon bis zum Fuße der Red Cathedral genannten Felswand zu folgen und kehrten dann zum Parkplatz zurück. Auf keinen Fall sollte man den Artist´s Drive versäumen, einen 9 Meilen langen asphaltierten Rundkurs durch ein besonders farbenprächtiges Felslabyrinth. Der Devil´s Golf Course, eine salzverkrustete, aufgeworfene Ebene, die die Goldsucher von 1849 mit Ihren Planwagen durchquerten, ist auf einer kurzen Schotterstraße zu erreichen. Die ebenfalls geschotterte Natural Bridge Road führt zu einem Parkplatz von wo aus man die bemerkenswerte Brücke erreicht. Die Straße ist so steil, daß sie im Sommer vollständig für den Verkehr gesperrt wird und wir sie unserem Wohnmobil auch im Winter nicht zumuten mochten. Bei Badwater liegt am Rande eines ausgedehnten Salzsees mit 86m unter dem Meeresspiegel die tiefste Stelle der westlichen Hemisphäre. Von hier aus hat man über den Salzsee hinweg einen schönen Blick auf den Telescope Peak, mit 3368m die höchste Erhebung des Parks. Wir fuhren über Shoshone weiter nach Pahrump, wo wir uns ersteinmal wieder mit Proviant eindeckten und auch einen Campingplatz fanden.

Von Pahrump aus fuhren wir nicht auf dem direkten Weg nach Las Vegas zurück, sondern nahmen den Umweg über den Highway 95, um den Toiyabe National Forest nordwestlich von Las Vegas zu besuchen. Rund um den 3633 m hohen Charleston Peak erstreckt sich ein landschaftlich sehr reizvolles Naherholungsgebiet, in dem es auch sehr gute Wintersportmöglichkeiten gibt. Zurück in Las Vegas, sahen wir uns die "Legends" Show im Imperial Palace Hotel an. In dieser Show treten Imitatoren von Stars aus der Musikszene der letzten dreißig Jahre auf und präsentieren unter anderen Michael Jackson, Madonna, Elvis Presley und Roy Orbison. Nach der Show schlenderten wir durch die Casinos und Shopping Malls im Ceasar´s Palace und Mirage.

Nachdem wir am Nachmittag dem MGM-Grand Hotel einen Besuch abgestattet hatten, fuhren wir abends mit dem Bus in die Innenstadt zur Glitzerschlucht der Fremont Street. Wo seit Jahrzehnten der berühmte Neoncowboy die Besucher begrüßt, entstand ein Phantasieland unter einem 30 m hohen Dach, das die Straße auf 500 m Länge überwölbt. Das gesamte Dach ist eine einzige Leuchtfläche, auf der eine animierte Weihnachts-Illumination gezeigt wurde.

Nach einem ausgiebigen Frühstücksbuffet im OZ-Buffet des MGM-Hotel machten wir uns auf den Weg zum Grand Canyon.Von dem kleinen, vierzig Kilometer südöstlich von Las Vegas an der Grenze zu Arizona gelegenen Städtchen Boulder hat man einen schönen Blick auf den Lake Mead. Der 177 km lange Stausee, der eine Küstenlinie von 885 km hat, ist das größte künstlich angelegte Reservoir in den USA und kann die in einem Zeitraum von nahezu 2 Jahren geführte Wassermenge des Colorado speichern. Weniger Kilometer hinter Boulder erreicht man dann den im engen, 300 m tiefen Black Canyon des Colorado River erbauten Hoover Dam. Über Jahrhunderte hatte der Fluß alljährlich im Frühjahr tieferliegende Landstriche in Südkalifornien überschwemmt; im Herbst herrschte regelmäßig Dürre, und der Fluß führte kaum Wasser. So beschloß die US-Regierung durch einen Damm das Wasser zu regulieren. Die 221,28 m hohe und an der Basis 201,2 m dicke Staumauer wurde von 1931 bis 1935 gebaut und gilt auch heute noch als ein technisches Wunderwerk. Der Fluß wurde durch vier riesige Tunnel umgeleitet, ehe mit dem Bau begonnen werden konnte. Die mittlerweile 17 großen Generatoren leisten fast 2 Millionen Kilowatt und versorgen heute große Teile Nevadas, Arizonas und Südkaliforniens mit Strom. Der Damm erfüllt einen Mehrzwecknutzen: er kontrolliert Überschwemmungen, speichert Wasser für Bewässerungsanlagen, dient zur hydroelektrischen Stromerzeugung und schafft neue Erholungs- und Naturschutzgebiete. Im modernen Visitor Center auf der Westseite des Dammes sind ein Modell des Flußtales und Bilder aus der Bauzeit zu sehen. Wer sich für die technische Seite der Stromgewinnung interessiert, kann eine 35 minütige Führung durch die Generatorhallen am Fuß des Dammes mitmachen (Eintritt $ 5). Mitten durch den Damm verläuft die Grenze zwischen Nevada und Arizona, die gleichzeitig die Zeitgrenze zwischen Pacific- und Mountain-Time darstellt. Auf unserer Weiterfahrt in Richtung Grand Canyon büßten wir also eine Stunde ein und blieben für eine Nacht in Seligman, auf halber Strecke, auf einem Campingplatz.

Fast 4 Millionen Menschen kommen jährlich zum Grand Canyon NP, 90 Prozent schauen sich die gähnende Schlucht des Colorado zuerst vom South Rim an. Man nähert sich dem Grand Canyon von Süden (Highway 64/180) über einsanft ansteigendes Plateau, das nicht ahnen läßt, was einen erwartet: Auf einmal öffnet sich eine ungeheure Schlucht - 1600 m tief und bis zu 29 km breit. Die Dimensionen sind so gewaltig, daß man auch vom günstigsten Aussichtspunkt nur einen Bruchteil der 445 km des Canyons sehen kann. Er ist das Meisterwerk des Colorado Rivers, der sich im Laufe der Jahrmillionen durch die roten, gelben, grauen, braunen, grünen und schwarzen Schiefer-, Granit-, Kalk- und Sandsteinschichten hindurchgearbeitet hat. Am Fuß des Canyons liegen einige der ältesten sichtbaren Gesteine der Erde - 1,7 Milliarden Jahre alt. Je nach Lichteinfall kann sich die Färbung dieser Gesteinsschichten innerhalb von Minuten verändern, so daß sich die Grenzen zwischen Illusion und Wirklichkeit verwischen. Der gesamte südliche Rand des Parks wird vom Rim Drive gesäumt, der sich vom Visitor Center aus gesehen in West und East Rim Drive aufteilt. Viele Aussichtspunkte liegen an dieser Straße, deren westlicher Abschnitt in den Sommermonaten für Privatwagen geschlossen ist. Eis kostenloser Shuttleservice der Parkverwaltung sichert in dieser Zeit den Zugang zu allen wesentlichen Punkten. Von jedem dieser Aussichtspunkte erscheint der Canyon in neuem Licht und gewährt Perspektiven, die an den anderen Punkten nicht zu sehen sind. Wir fuhren den Mather, Yavapai und Trailview Overlook Aussichtspunkt an und erwarteten schließlich am Hopi Point den Sonnenuntergang, der aber aufgrund des wolkenverhangenen Himmels nicht so spektakulär ausfiel, wie wir uns erhofft hatten. Auf unserem Campingplatz auf dem Trailer Village Campground nahe dem Visitor Center richteten wir uns auf eine kalte Nacht ein.

Ohne Frühstück fuhren wir zum Yavapai Point, um den Sonnenaufgang zu erleben. Der Himmel war klar und es war bitterkalt, aber zu sehen, wie die Sonne langsam vom Canyon Besitz ergreift und dabei ständig dessen Farben verändert, war der Mühe wert. Zum Weihnachtsfrühstück fuhren wir zurück auf unseren Campground. Anschließend wollten wir die Aussichtspunkte des East Rim Drive abfahren, mußten aber feststellen, daß fast alle großen Punkte aufgrund der immer noch nicht beigelegten Haushaltskrise der USA geschlossen waren. Von den wenigen offenen Aussichtsmöglichkeiten hatten wir, bedingt durch die klare, kalte Winterluft phantastische Einblicke in den von der Morgensonne erleuchteten Canyon. Eine herausragende Formation ist die imposante Pyramide des 2386 m hohen Vishnu Temple. Einer der wenigen offenen Punkte war der Desert View am östlichen Ende des Rim Drive. Leider konnten wir in den 1932 erbauten, 20 m hohen Watchtower, der diesen Viewpoint beherrscht nicht hinein, da er geschlossen war. Im Inneren des Turms sind Fresken des Indianer-Künstlers Fred Kabotie zu Mythen der Hopi zu bewundern. Wir fuhren dann über die 64 und 89 weiter in Richtung Flagstaff. Die Wegschleife durch das Wupatki und Sunset Crater NM hat sich für uns auch nicht gelohnt, da auch hier alle Aussichtspunkte dem Budgetstreit zum Opfer gefallen waren und für die Besucher geschlossen blieben. Allerdings fuhren wir im Gebiet des Sunset Crater NM durch eine herrliche Winterlandschaft, die uns etwas entschädigt hat. Auf einem festlich geschmückten Campground der KOA-Kette verbrachten wir unser erstes Weihnachten im Wohnmobil mit einem kleinen (künstlichen) Tannenbaum und einer bunter Lichterkette.

Die schnellste Verbindung von Flagstaff nach Phoenix ist die Interstate 17. Interessanter und vor allem landschaftlich reizvoller ist jedoch die Route 89A durch den Oak Creek Canyon, ein in die Künstlerhochburg Sedona führendes Flußtal. In dem dicht bewaldeten Canyon befinden sich einige sehr schöne einfache Campingplätze direkt am Flußufer. Wir fuhren zunächst bis nach Cottenwood, wo sich 3 km außerhalb der Stadt das Tuzigoot NM befindet, in dem eine auf einem Hügel im Tal des Verde River liegende Dorfruine der Sinagua-Indianer zu besichtigen ist. Leider machte uns auch die ausstehende Entscheidung der US-Regierung über den Haushalt einen Strich durch die Rechnung, das National Monument war geschlossen. Zurück in Sedona fuhren wir auf die 179, die zurück auf die I-17 führt. Am Stadtrand von Sedona befindet die Chapel of the Holy Cross, eine sehr schön in die Landschaft eingepaßte Kirche, die statt eines Altars ein riesiges, von einem Kreuz geteiltes Fenster, mit Blick auf die rostroten Felsen des Oak Creek Canyon hat. Die Sandsteinberge und riesigen Monolithen des Oak Creek Canyon, insbesondere der glockenförmige Bell Rock, erinnern ein wenig an das Monument Valley, wobei hier Tal und Hänge bewaldet sind. Die fortschreitende Zersiedlung dieser, nicht unter Schutz stehenden Landschaft trübt den Eindruck allerdings etwas. Auf der I-17 fuhren wir zum Montezuma Castle NM, ahnten aber schon, daß wir auch hier vor verschlossenen Türen stehen würden, was dann auch der Fall war. Wir hoffen nur, daß die Regierung bald eine Entscheidung fällt, damit uns nicht noch mehr der unter staatlicher Verwaltung stehenden Naturschutzgebiete vorenthalten bleiben. In Black Canyon City, ca. 30 Meilen nördlich von Phoenix steuerten wir einen Campingplatz an. Den Winter haben wir jetzt hinter uns gelassen und freuen uns auf den, hoffentlich sonnigen Süden der USA.

Von Black Canyon City fuhren wir mit einem Stop an den Arizona Factory Outlet Stores auf der I-17 bis nach Mesa, einem Ort in dem "Valley of the Sun" genannten Ballungsgebiet rund um Phoenix. Dieses Tal wird durch ein raffiniertes System von Kanälen großflächig bewässert und macht so trotz des Wüstenklimas den Obst- und Gemüseanbau möglich. Die Verbindung derartiger Wasserreserven mit dem trockenen Klima einerseits und die ungemein attraktiven Freizeitmöglichkeiten der Region andererseits machten das Sonnental für viele Jahre zur "Metropolitan Area" mit den höchsten Wachstumsraten Nordamerikas. Bei Tagesdurchscnittstemperaturen um die 20°C und "ewigem" Sonnenschein von November bis März ist ein Teil der Expansion auch zurückzuführen auf die Beliebtheit des Gebietes als Winterresidenz gutbetuchter Rentner aus den kälteren Regionen Nordamerikas, die Snowbirds genannt werden. Der Campground Trailer Village in Mesa, auf dem übernachteten, war jedenfalls fest in der Hand der hier überwinternden Snowbirds. Den Nachmittag haben wir bei einem Wohnmobilhändler zugebracht, wo wir einige Zubehörteile gekauft und uns die riesigen und sehr luxuriös ausgestatteten Fahrzeuge angesehen haben. Ein Bad im palmengesäumten Pool beendete unseren ersten Tag im sonnigen Süden.

Von Hügeln umringt bietet Phoenix Erholungs- und Wandergebiete in Stadtnähe. Wir suchten eines dieser Gebiete, den Squaw Peak Park, auf. Dieser Park liegt im Norden der Stadt und bietet, wenn man den Aufstieg auf einen der Gipfel nicht scheut, einen herrlichen Überblick über die Stadt und das gesamte Valley of the Sun. Unser Ausblick war leider vom Smog über der Stadt getrübt. Unsere Fahrt zurück zum Campground führte uns durch Scottsdale, eine der anspruchvollsten Adressen im Valley of the Sun. Resort-Hotels und Wohnanlagen mit allen Schikanen sind in Scottsdale noch zahlreicher als ohnehin schon und die Einkaufszentren noch aufwendiger. Die kleine Altstadt ist im Western Look gehalten und markiert das Zentrum der Stadt.

Nachdem wie einen Tag mit Arbeiten am Wohnmobil, sonnen am Pool, Shuffleboard und Billard spielen auf dem Trailer Village Campground verbracht hatten, verließen wir am 29.12.95 Mesa auf dem Hwy 60 in Richtung Osten. Kurz vor Apache Junction besuchten wir einen Flohmarkt, was unserer Reisekasse gar nicht so gut tat, aber dafür besitzen wir jetzt jeder einen Cowboyhut, Indianerschmuck und allerlei Krimskrams. Von Apache Junction aus führt die Straße #88 in einer großen Schleife bis nach Globe. Sie folgt dabei einem alten Apache Trail durch eine schroffe Bergwelt oberhalb einer ganzen Kette von Stauseen, bestehend aus: Canyon, Saguaro, Apache und Roosevelt Lake. Etwa 5 Meilen nördlich von Apache Junction liegt der Lost Dutchman State Park mit reizvollen Trails in die Bergwelt der Superstition Mountains. Die Goldfield Ghost Town lockt im perfekten 90er Jahre Look des letzten Jahrhunderts mit dem Besuch einer alten Schachtanlage unter Tage. In der kleinen, 6 Einwohner zählenden Siedlung Tortilla Flat lohnt für hungrige ein Stop für einen, in einer zum Grill umgebauten alten Lokomotive zubereiteten Bullrider Burger von beachtlicher Größe. Wenige Meilen hinter Tortilla Flat endet die asphaltierte Straße und eine Schotterpiste beginnt. Vom Fish Creek Hill aus hat man einen herrlichen Blick auf den vom gleichnamigen Fluß gebildeten Canyon. Bis zur Brücke über den Fish Creek, an der auf jeden Fall ein Stop eingelegt werden sollte, ist die Schotterstraße in einem guten Zustand und für nicht alzu große Wohnmobile durchaus befahrbar (genaue Auskunft bei der Visitor Information in Apache Junction oder Globe). Danach nimmt die Fahrbahn die Gestalt eines Waschbrettes an und unser Wohnmobil wurde ordentlich durchgeschüttelt. Man hat von dieser Straße sehr schöne Blicke auf den Apache und Roosevelt Lake, wie überhaupt die gesamte Strecke landschaftlich sehr reizvoll ist. Aufgrund des Straßenzustandes würde ich diese Strecke für Camperfahrer aber nicht empfehlen, man kann nur sehr langsam fahren und sowohl Fahrzeug als auch die Nerven der Fahrer werden über Gebühr beansprucht.. Alle die sich das nicht zumuten wollen, sollten spätestens an der Brücke über den Fish Creek kehrt machen. Nahe des Rossevelt Lake befindet sich das Tonto NM, eine Felsensiedlung der Salado-Indianer die, anders als das Montezuma Castle, für die Besucher über Stiegen zugänglich ist. Für uns war leider das ganze Gebiet nicht zugänglich, wie in den letzten Tagen schon so oft. Auf dem Apache Trail Campground, 6 Meilen nördlich von Globe, haben wir übernachtet.

Auf unserem Weg zum Organ Pipe Cactus NM fuhren wir bis nach Casa Grande. Beim Casa Grande Ruins NM standen wir wieder einmal vor verschlossenen Türen. Der Sierra Vista R.V. Park am Hwy 84 in Casa Grande liegt mitten in der Wüstenlandschaft.

In Gila Bend verließen wir die I-8 und fuhren auf dem Hwy 85 ca. 56 Meilen gen Süden, nahe an die mexikanische Grenze heran. Hier liegt, im Herzen der Sonorawüste, das Organ Pipe Cactus NM,der beste Kakteenpark überhaupt. Zwar war auch hier eigentlich alles geschlossen, da aber ein Hwy durch das Parkgebiet führt, kamen wir zumindestens hinein. Am Visitor Center befanden sich in einer Box auch Broschüren über den Park und alle Wanderwege waren offen. Der namensgebende Organ Pipe, ein ansonsten in den USA sehr seltener, loser Strauß stacheliger Arme ist jedoch nicht die überwiegende Kaktusart im Parkgebiet. Die Vegetation umfaßt die ganze Vielfalt der Wüstengewächse (allein 26 Kakteenarten), wie sie in anderen, zivilisationsnäheren Parks kaum mehr zu finden ist. Neben den bis zu 7 m hohen Orgelpfeifenkakteen fallen besonders die riesigen Saguaros (Armleuchterkakteen), die Ocotillo und Cholla Kakteen auf. Der Park ist auch die Heimat vieler Vögel. Besonders häufig sieht man die Gambel´s Wachtel, aber auch Gila Specht und Weißschwingentaube sind vom Wegesrand aus zu beobachten. Ein Nature Trail direkt hinter dem Visitor Center informiert über die kaktusspezifische Flora und Fauna des National Monuments. Ebenfalls am Visitor Center beginnt der ca. 4 km lange Rundweg des Palo Verde Trail, der uns mitten in die Wüstenvegetation hinein führte. Auf diesem Weg kamen wir auch an dem, in einem Kakteenfeld eingebetteten Campingplatz vorbei, der aber leider geschlossen war. Ebenso gesperrt waren die beiden großen Autorundfahrten durch die ungewöhnliche Wüstenlandschaft des Parks, der 21 Meilen lange Ajo Mountain Drive und der 53 Meilen lange Puerto Blanco Drive. So fuhren wir die 22 Meilen zurück nach Why, wo wir auf dem Las Palmas RV-Park einen Stellplatz bekamen. Der glutrote Sonnenuntergang über der Wüstenlandschaft verschaffte uns einen schöneren Silvesterabend als das beste Feuerwerk. Wir verbrachten den Abend am Lagerfeuer bei einem, von den Campingplatzverwaltern für alle Gäste veranstalteten gemütlichen Beisammensein.

Auf dem Hwy 86 fuhren wir durch die Einsamkeit der Sonora Wüste und der Papago Indian Reservation in Richtung Tucson. 39 Meilen westlich von Tucson passiert man die Zufahrt zum Kitt Peak Observatorium. Die nationale Sternwarte, auf 2097 m Höhe in den Quinlan Mountains gelegen, stellt die größte Ansammlung optischer Teleskope der Welt dar. Wer die steile Strecke (ca. 20 Meilem retour) nicht scheut, kann die Anlage besichtigen. In Tucson fuhren wir auf den städtischen Gilbert Ray Campground im Tucson Mountain Park mitten in der Sonora Wüste. Er befindet sich zwischen Old Tucson und dem Desert Museum und ist die beste Basis für einen Besuch der Westernstadt Old Tucson, des Desert Museums und des westlichen Teils des Saguaro NM. Nachdem wir uns einen Stellplatz gesichert hatten fuhren wir mit unseren Fahrrädern die 2 Meilen zurück zu den Old Tucson Studios. Diese Westernstadt wurde 1939 von Columbia Pictures für den Film "Arizona" als originalgetreuer Nachbau von Tucson vor der Jahrhundertwende erbaut und später der Stadt Tucson geschenkt. Mehr als 300 Film- und Fernsehproduktionen wurden hier gedreht, darunter Filme wie "El Dorado", "Rio Lobo" und "Rio Bravo", sowie die auch bei uns bekannten Serien "High Chaparral" und "Unsere kleine Farm". Leider wurden am 24.04.95 ungefähr 70% des Geländes durch ein Feuer zerstört und es wird erst Ende 1996 mit der Widereröffnung für Besucher gerechnet. So standen wir einmal mehr vor verschlossenen Türen.

Der Saguaro NP ist ein Schutzgebiet für die bis zu 15 m hohen, 7 t schweren und 200 Jahre alten Saguaro-Kakteen und viele weitere Pflanzen und Tiere der Sonora-Wüste. Der Park besteht aus zwei Teilen, der 22 km westlich von Tucson gelegenen Tucson Mountain Unit und der Rincon Mountain Unit 28 km östlich der Stadt. Die riesigen Saguaros sind in Arizona zwar noch recht häufig anzutreffen, ihre Zahl hat jedoch mit der zunehmenden Erschließung und Urbanisierung einst abgelegener Gebiete rapide abgenommen. Wir besuchten heute den westlichen Teil des Parks, der zwar auch von der allgemeinen Schließung betroffen war, aber der Zugang war zumindestens möglich. Der Bajada Loop Drive, ein 8,4 km langer Schotterrundkurs durch den Park, war für den Autoverkehr gesperrt. So nahmen wir unsere Mountainbikes und fuhren diese Strecke durch die dichten und ungewöhnlich geformten Kakteenbestände des Parks. Im Anschluß an diese Radtour gingen wir noch auf den sehr kurzen, behindertengerecht ausgebauten Desert Discovery Trail und haben so, trotz eigentlicher Schließung einen Eindruck von diesem Park gewinnen können.

Gleich morgens fuhren wir die wenigen Meilen vom Campground zum Arizona-Sonora Desert Museum. Der Begriff Wüsten-Museum trifft nach deutschsprachigen Verständnis nicht ganz, was den Besucher erwartet. Tatsächlich handelt es sich um eine hervorragend gelungene Kombination von Botanischem Garten und Kleintierzoo unter der Thematik "Flora und Fauna der Wüste". Daneben geben Höhlen, Mineralien und Gesteine Einblick in die unterirdische Welt der Wüste. Gezeigt werden mehr als 300 Tier- und 1200 Pflanzenarten mit ihren Beziehungen untereinander und ihrem Lebensraum, der Sonora-Wüste. Dieses Museum sollte man auf keinen Fall versäumen, da man zu diesem Themenbereich nirgendwo etwas besseres finden wird. Von hier aus machten wir uns auf den Weg zur Biosphere 2, ca. 30 Meilen nördlich von Tucson am Hwy 77. Biosphere 2 stellt ein geschlossenes, mit der Umwelt nicht verbundenes ökologisches System dar. Es beherbergt unter Glaskuppeln alle Öko-Systeme dieser Welt, die nötigen klimatischen Bedingungen werden künstlich erzeugt. Mit einer Größe von mehr als drei Fußballfeldern, abgedichtet mit mehr als 6500 Glasscheiben, ist Biosphere 2 eines der ehrgeizigsten wissenschaftlichen Experimente, die jemals in Angriff genommen wurden. Das Projekt ist auf 100 Jahre angesetzt und soll zu einem besseren Verständnis und einer entsprechenden Würdigung der Zusammenhänge führen, die das Leben auf diesem Planeten ermöglichen. Im September 1991 ließen sich 8 Wissenschaftler für zwei Jahre in diesem Ökosystem einschließen und lebten, bis auf eine einmalige Sauerstoffzufuhr, völlig autark. Ein weiteres Team bewohnte Biosphere 2 für zehn Monate bis zum Sommer 1994, dann wurde das Konzept insoweit geändert, daß die Menschen aus dem Versuch ausgekoppelt wurden. Die Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten jetzt in kürzeren Abschnitten an der Erforschung der komplexen Wechselwirkungen zwischen der Erde, der Atmosphäre und des Lebens auf unserem Planeten. Auf einer eindrucksvollen Führung erfuhren wir eine Menge über den technischen Aufbau und die praktische Durchführung dieses Projektes. So dienen z.B. zwei kuppelförmige Gebäude als künstliche Lungen des Systems. Sie nehmen tagsüber die sich erwärmende und damit ausdehnende Luft der Biosphäre auf und geben sie während der nächtlichen Abkühlungsphase an das System zurück. Wir erhielten auch einen Einblick in die sieben Ökosysteme (Steppe, tropischer Regenwald, Marschland, Ozean, Wüste, Argrarland und Mini-Stadt) von Biosphere 2. Der von uns ausgesuchte Campinplatz im Catalina State Forrest war leider ausgebucht, so daß wir bis nach Tucson zurückfahren mußten.

Am nächsten Tag standen Arbeiten am Wohnmobil im Vordergrund. Zuerst fuhren wir zu einer Autowaschanlage mit ausreichender Deckenhöhe und unterzogen das Wohnmobil und unsere Fahrräder einer gründlichen Reinigung. Auf den sauberen Wagen klebten wir dann Aufkleber mit den Umrissen aller amerikanischen Bundesstaaten und canadischen Provinzen, die dann entsprechend dem Routenverlauf eingeklebt werden. Mit diesen Arbeiten waren wir fast den ganzen Vormittag beschäfftigt, so daß wir uns danach nur noch die San Xavier del Bac Mission,15 km südlich von Tucson am Hwy 19, ansahen. Diese Mission, deren Anfänge ins Jahr 1692 zurückreichen, ist das bemerkenswerteste Bauwerk in Tucson und Umgebung. Die derzeitigen Gebäude der schneeweißen Kirche mit ihrer Rokokofassade wurden zwischen 1783 und 1797 als Zentrum einer Siedlung der Papago-Indianer angelegt. Dieses Glanzstück des Missionsbaus trägt den Beinamen "White Dove of the Desert" und wird noch heute als Kirche benutzt. Am Parkplatz der Mission bieten die dort heute noch lebenden Papago-Indianer "Fry Bread", fritiertes Brot mit unterschiedlichen Füllungen an, das man unbedingt probieren sollte. Entgegen unserer ursrünglichen Planung blieben wir also noch einen weiteren Tag in Tucson. Geli nutzte den Nachmittag, um einen Roadrunner auf die Fahrerseite unseres Wohnmobils zu malen, denn wir hatten beschlossen unser fahrendes Zuhause "Roadrunner" zu nennen. 

Unsere Absicht auch den Ostteil des Saguaro NP, die Rincon Mountain Unit, zu besuchen scheiterte an der kompletten Schließung dieses Parkteils, die bereits an der Zufahrtsstraße begann. So fuhren wir über I-10 und den Hwy 80 bis nach Tombstone. Als Ed Schieffelin 1877 aufbrach um in der Nähe des heutigen Tombstone nach Silber zu suchen, warnten ihn Freunde, daß alles was er jemals finden würde sein eigener Grabstein (tombstone) sein würde. Aber statt einer Kugel der Apachen fand er wirklich Silber und nannte seinen ersten Claim "Tombstone". Eine Boomtown gleichen Namens enstand und erlangte mit dem berühmtesten Schußwechsel des Wilden Westens 1881 Weltruhm. Im O.K. Corral lieferten sich Wyatt Earp, Sherrif in Tombstone, seine Brüder und Doc Holiday diesen legendären Gun Fight mit dem Clanton Clan. Dieser Bekanntheitsgrad sicherte Tombstone, "the town too tough to die", das Überleben, denn ein kontinuierlicher Besucherstrom sicherte ausreichende Einnahmen, nachdem die Silberader erschöpft war. Im wesentlichen besteht Tombstone, das inzwischen zur National Historic Site erklärt wurde, aus seiner historischen Hauptstraße, der Allen Street, die trotz der starken Kommerzialisierung recht authentisch wirkt.

Um ein paar Meilen einzuspaaren nahmen wir von Tombstone aus die gut befahrbare Gravel Road über die Ghosttown Gleeson und die Dragoon Mountains in Richtung Chiricahua NM. Da sich Bill Clinton und der Kongeß am 05.01.96 auf eine dreiwöchige Übergangslösung geeinigt haben, ist die seit dem 16.12.95 andauernde Finanzkrise zunächst einmal beigelegt und alle Parks, so auch das Chiricahua NM, sind wieder geöffnet.Vor etwa 27 Millionen Jahren kam es ungefähr 15 km südlich des heutigen Parks zu einem gigantischen Vulkanausbruch, der etwa fünf- bis zehnmal stärker war, als der legendäre Ausbruch des Krakatoa 1883. Dieser Vulkan bedeckte die ganze Gegend mit einer 800 m dicken Schicht aus glühend heißer Asche. Diese Asche kühlte ab und und erhärtete zu einer dicken Vulkangesteinschicht, die als Rhyolit bekannt ist. Das Chiricahuagebirge entwickelte sich durch die tektonische Anhebung Anhebung dieses Gesteins. Anschließend meisselten die Meister der Erosion - Wasser, Wind und Eis - die heutigen, die Phantasie anregenden Gebilde aus dem Gestein. Der Park, der auf einer Höhe von 1570 bis 2246 m liegt, ist nach den Chiricahua-Apachen benannt, die bis zur Ankunft der Weißen in diesem Gebiet lebten. Unter der Führung ihrer berühmten Häuptlinge Cochise und Geronimo versuchten sie die unaufhaltsam vordringende Welle der Pioniere zu stoppen. 1886 mußten sie diesen aussichtslosen Kampf aufgeben und wurden in eine abgelegene Reservation verbannt. Das heutige Parkgebiet, das von den Apachen das "Land der Steh-auf-Felsen" und von den ersten Siedlern "Wonderland of Rocks" genannt wurde, besteht aus sich auftürmenden Zinnen, massiven Steinsäulen und riesigen Balancefelsen. Der kurvenreiche, 12 km lange Bonita Canyon Drive führt vom Visitor Center durch Eichen-, Wacholder- und Kiefernwälder zum 450 m höher gelegenen Massai Point. Auf dieser Strecke befinden sich Aussichtspunkte bei besonderen Felsformationen, wie Organ Pipe, Sea Captain und China Boy. Auf der Stichstraße zum Sugarloaf Mountain befindet sich der Ausgangspunkt des Echo Canyon Trails, eines der vielen Wanderwege, die in dieses Wunderland der Formen und Farben hineinführen. Die Wanderung auf dem Echo Canyon Trail kann über den Hailstone Trail zu einem Rundweg von knapp 6 km länge ausgebaut werden und nimmt mindestens zwei Stunden in Anspruch. Wir benötigten inklusiver vieler Foto-, Film- und Begeisterungspausen knapp zweieinhalb Stunden. Aufgrund der phantastischen Felsformationen, besonders im Echo Canyon, sollte dieser Weg das Minimalprogramm eines Besuchs im Chiricahua NM sein. Wer mehr Zeit und Ausdauer mitbringt, kann auf einem Rundwanderweg von ca. 14 km bis ins Heart of Rocks, dem Höhepunkt der Chiricahua-Skulpturen vordringen. Vom Massai Point und dem dort oben angelegten Nature Trail bietet sich ein überweltigender Rundblick über den Park, den in einer Wüstentiefebene gelegenen Harris Mountain, den Sugarloaf Mountain und den, den Kopf des 1874 verstorbenen Häuptlings Cochise darstellenden Berg namens Cochise Head. Wir waren nach diesem Tag im Chiricahua NM von diesem kleinen Park begeistert und fühlten uns oft an den Bryce Canyon NP erinnert. Wer keinen allzuweiten Umweg machen muß, sollte sich dieses Wonderland of Rocks nicht entgehen lassen. Wir verbrachten die Nacht auf dem kleinen Campground des Parks, der sehr hübsch in einem Wäldchen versteckt liegt.

Über Willcox und Lordsburg fuhren wir bis nach Silver City, eine alte Boomtown, die das Versiegen ihrer Silberadern dank großer Kupfervorkommen überlebte. Ansonsten zehrt die Stadt vom zweifelhaften Ruhm, Heimat des berüchtigten Killers Billy the Kid zu sein, der in die Wildwestgeschichte eingegangen ist. Wir benutzten Silver City lediglich als Zwischenstop auf unserem Weg zum Gila Cliff Dwellings NM und fanden auf dem KOA-Campground 5 Meilen östlich der Stadt einen schönen Platz für die Nacht.

Wir begannen den Tag mit einer Besichtigung des Fort Bayard, ca. 8 Meilen östlich von Silver City. Das Fort wurde 1866 für das 9. Kavalarieregiment erbaut und diente bis 1899 dem Schutz der Siedler gegen Übergriffe der Indianer und der Sicherung der territorialen Ansprüche gegenüber den Mexikanern. Die Unterkünfte der Offiziere sind bis heute erhalten geblieben und werden auch immer noch bewohnt. Die gesamte Anlage ist heute ein staatliches Sanatorium für ältere und behinderte Menschen. Nur 6 Meilen nördlich von Silver City liegt am Highway 15 der kleine Ort Pinos Altos. Im Jahre 1859 entdeckte eine, sich auf dem Heimweg vom 1849 Goldrausch in Kalifornien befindliche Gruppe von Goldsuchern Gold unter den "Hohen Kiefern" von Pinos Altos. Hier befindet sich eine der urigsten Kneipen des ganzen Westens, der Buckhorn Saloon mit stimmungsvollem Steak-Restaurant. Direkt nebenan steht das Opera House aus dem Jahre 1969, dessen sehenswerte Inneneinrichtung zum Teil aus früheren Opernhäusern, zum Teil aber auch aus dem ehemaligen Bordellviertel in Silver City stammt. Das Pinos Altos Museum ist in einer Blockhütte aus dem Jahre 1866 untergebracht, die einmal die erste Privatschule in dieser Gegend war. Die Ausstellung ist ein kunterbuntes Sammelsurium der letzten 130 Jahre. Das Santa Rita del Cobre Fort ist eine Nachbildung eines 1804 zum Schutz der Santa Rita Kupfermine gegen Überfälle der Apachen errichteten Forts, das 1851 den Namen Fort Webster erhielt. Für die 39 Meilen von Pinos Altos bis zum Gila Cliff Dwellings NM benötigt man auf der engen und kurvenreichen aber landschaftlich sehr reizvollen Gebirgsstraße durch den Gila National Forest und die Gila Wilderness Area knapp zwei Stunden. Uns begegnete kurz nachdem wir Pinos Altos verlassen hatten ein Wohnmobil mit der Aufschift "Germany - Alemania" auf der Frontseite. Wir stoppten und gaben uns ebenfalls als Deutsche zu erkennen, daraufhin fuhren wir unsere Autos an den Straßenrand und es entwickelte sich ein fast zweistündiges, sehr interessantes Gespräch. Wir waren auf Linda und Ludwig Brandmüller getroffen, die 1990 alle Zelte in Deutschland abgebrochen haben und seidem auf Reisen sind. Zunächst waren sie mit ihrem 30 Jahre alten, geländegängigen Wohnmobil in Südeuropa und Nordafrika unterwegs. Seit Juli 1995 sind sie in Nordamerika und haben ihren alten Mercedes inzwischen mit einer, nach eigenen Entwürfen gefertigten, neuen Wohnkabine ausgerüstet. Sie wollen jetzt ersteinmal einen Abstecher nach Mittelamerika unternehmen, bevor sie im nächsten Sommer, genau wie wir, nach Alaska wollen. Von Alaska wollen die beiden dann in den nächsten drei bis vier Jahren bis nach Feuerland fahren und sich dann irgendwo in Nordamerika niederlassen. Über eine Kontaktadresse in British Columbia wollen wir versuchen ein Treffen in Alaska zu arrangieren. Aufgrund dieser Begegnung brauchten vier fast vier Stunden, bis wir das Gila (Aussprache: Hila) Cliff Dwellings NM erreichten. Hier liegen in fünf natürlichen Höhlen 42 gut erhaltene Räume der Mogollon-Indianer (Aussprache: Mogoion) in einer Höhe von 55 m über einem malerisch bewachsenen Canyon. Diese Felswohnungen entstanden etwa 1270 und wurden von etwa 40 bis 60 Menschen bewohnt, die hier Getreide anbauten und auf die Jagd gingen. Die meisten Mogollon-Gemeinschaften bauten auf flachen Terrassen in der Nähe ihrer Felder. Es ist bis heute nicht bekannt, warum diese Gruppe in den Höhlen lebte. Vielleicht ahmten sie die im Norden lebenden Anasazi nach, die erfahrenen Felsenbewohner waren und die Mogollon in dieser Zeit auf vielfältige Weise beeinflußten. Vielleicht hatten diese Siedler aber auch nur ein größereb Schutz- und Sicherheitsbedürfnis. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde diese Siedlung bereits wieder aufgegeben. Warum die Bewohner wegzogen und wohin sie gingen ist nicht bekannt. Ein hübscher, ca. 1 Meile langer Trail führt durch den Canyon hinauf zu den Cliff Dwellings. Direkt am Eingang zum Trail befindet sich eine kleine Ranger Station, das Visitor Center liegt etwa zwei Meilen entfernt am Ende der Straße. Da die Räume sehr gut erhalten und zum Teil auch restauriert sind, fühlt man sich ein wenig in die damalige Zeit zurückversetzt und bekommt eine Vorstellung davon, wie diese Menschen gelebt haben müssen. Alle, die sich für die Kultur und Lebensweise der Ureinwohner Amerikas interessieren, sollten das Gila Cliff Dwellings NM in ihre Reiseroute einplanen. In Gila Hotsprings nahmen wir uns einen Campinplatz, der über einen mit natürlichem Thermalwasser gespeisten Jacuzzi verfügt und beendeten diesen erlebnisreichen Tag mit einem entspannenden Bad.

Von Gila Hotsprings fuhren auf der 15 und 35 durch den Gila National Forest und das Tal des Mimbres River gen Süden. Kurz hinter der Abzweigung der 35 von der 15 kommt man am Lake Roberts vorbei. Dieser See wurde künstlich angelegt und bietet ein schönes Freizeitgebiet zum Angeln, Wandern, Bootfahren und Campen. Am Hwy 61 südlich von San Lorenzo liegt der bezaubernde City of Rocks SP. Der Park verdankt seine Entstehung einem Vulkanausbruch vor 35 Millionen Jahren. Ein Gemisch aus heißer Asche, Bimsstein und Gas wurde in das heutige Parkgebiet geschleudert und bildete durch Verdichtung und Erkaltung Felsformationen vulkanischen Ursprungs. Die Kräfte der Erosion haben über Jahrmillionen eine Phantasiewelt aus Felsen erschaffen. Für einige ist der Park ein nachgebildetes mittelalterliches Dorf, andere sehen in ihm eine Ansammlung verunstalteter aber freundlicher Riesen, die sich zur Ruhe gelegt haben. Was immer man auch in diesem Felslabyrinth zu erkennen glaubt, zusammen mit dem kleinen botanischen Garten für Wüstenpflanzen und den liebevoll angelegten Stellplätzen des Campingplatzes inmitten der "Felsenstadt" ist dieser State Park auf jeden Fall einen Besuch wert. Da wir die ca. 70 Meilen von Gila Hotsprings in knapp zwei Stunden zurückgelegt hatten, waren wir schon gegen Mittag in der City of Rocks angekommen. Per Fahrrad und zu Fuß erkundeten wir das Gelände mit seinen eigentümlichen Felsgebilden, balancierenden Steinen und Spuren menschlichen Lebens (Malsteine, Felszeichnungen). Von dem zum Park gehörenden Aussichtspunkt hatten wir einen schönen Blick über die Felsen und die weitere Umgebung des Parks.

Rechtzeitig zum Sonnenaufgang waren wir schon wieder in der Felsenstadt unterwegs, um die herrlichen Lichtstimmungen mitzuerleben. Nach dem Frühstück fuhren wir dann wieder einmal auf die I-10, die uns heute bis nach El Paso bringen sollte. Die im offiziellen New Mexico Vacation Guide als historisch angepriesene Altstadt von Mesilla, 3 Meilen südlich von Las Cruces an der I-10, entpuppte sich als recht hübsch restaurierter Marktplatz mit vielen Läden, der einen Stop nicht unbedingt verdient hat. Kurz hinter der texanischen Grenze gibt es, wie immer an den Interstates bei Überquerung einer Staatsgrenze, ein Visitor Center. Dieses verdient eine besondere Würdigung, da die Dame hinter dem Schalter so aufmerksam und zuvorkommend war und uns mit sämtlichen Landkarten, Stadtplänen und Informationsmaterialien für unsere gesamte Route duch Texas versorgt hat. In El Paso suchten wir das Postamt für postlagernde Sendungen auf, wo tatsächlich 4 Briefe von Verwandten und Freunden auf uns warteten. Da wir aber nicht nur wegen unserer Post nach El Paso gekommen waren, mußten wir uns einen möglichst stadtnahen Campingplatz suchen. Der Roadrunner RV Park nahe der I-10 ist zwar nicht schön, bietet aber für die Erkundung von El Paso und des mexikanischen Gegenübers Ciudad Juarez eine ideale Lage.

Nachdem ich mir am Vormittag einen Zahnarzttermin für den nächsten morgen besorgt hatte, damit meine verlorengegangene Plombe ersetzt werden kann, buchten wir am Campground-Office eine Fahrt nach Mexiko, in El Pasos Nachbarstadt Ciudad Juarez. Die gut dreieinhalbstündige Fahrt mit Frank´s Tours (Tel.: (915) 598-7255) und unserem mexikanischen Tourguide hat sich wirklich gelohnt. Es wurden nicht nur Shopping-Center oder andere Touristenfallen angefahren, sondern der Fahrer war bemüht uns einen Eindruck vom Leben und Arbeiten in der brodelnden und pulsierenden mexikanischen Metropole zu verschaffen. Vom Industrieviertel mit sehr vielen amerikanischen und internationalen Firmen (u.a. Siemens), die Mexiko als Billiglohnland nutzen und ihre ganzen Profite außer landes transferieren, schönen Wohnhäusern, ärmlicheren Vierteln, kleinen Läden und dem bunten City Market und lebhaften Straßenszenen in der Innenstadt war alles enthalten. Wer ein ernsthaftes Interesse an Schmuck, Lederwaren, Wolldecken oder den anderen auf den Märkten angebotenen Waren hat, sollte das Handeln nicht vergessen und darf sich von der uns aufdringlich erscheinenden Verkaufsstrategie der Mexikaner nicht abschrecken lassen. Der Unterschied zwischen den USA und Mexiko wird auf dieser Fahrt auf jeden Fall sehr deutlich, die Armut vieler Menschen ist allgegenwertig.

Nachdem ich meinen Zahnarzttermin hinter mich gebracht hatte, fuhren über die Ausfahrt 18A von der I-10 zur Rim Road, einem schönen Scenic Drive im Norden der Stadt. Vom Hang des Comanche Peak überblickt man ganz El Paso, den Rio Grande und den mexikanischen Nachbarn Ciudad Juarez. Auf der Trans Mountain Road durchquerten wir den Franklin Mountains State Park nördlich der Stadt und kamen schließlich wieder auf die I-10. In Las Cruces bogen wir auf den Hwy 70 ab und erreichten 14 Meilen südwestlich von Alamogordo mit dem White Sands NM eine der ungewöhnlichsten und seltsamsten Landschaften Amerikas - die größte Gipswüste der Erde. Der Park umfaßt nur ein Drittel des Gipsgebietes, zwei Drittel werden von der White Sands Missile Range eingenommen, einer für die Öffentlichkeit gesperrten Raketentestzone, in der 1945 auch die erste Atomexplosion der Welt stattfand. Das gesamte Gebiet liegt im wüstenhaften Tularosa Basin und wird von den Bergketten der Sacramento und der San Andres Mountains eingerahmt. Seit Jahrmillionen waschen Niederschläge Gips aus diesen Gebirgen ins Tal, wo es sich an der tiefsten Stelle, dem Lake Lucero ansammelt. Der ständig wehende Südostwind pulverisiert dieses Erosionsmaterial und häuft die Kristalle zu den schneeweißen Dünen des Parks an. Da dieser Prozeß der Dünenbildung auch heute noch anhält, verändert die weiße Wüste mit ihren bis zu 20 m hohen Dünen ständig ihre Gestalt. Die 13 km lange Besucherstraße, The Dunes Drive, wird an windigen Tagen von Schneeflügen freigehalten und führt mitten hinein in das blendende Weiß. Der Playa Trail, der Big Nature Trail und der Interdune Boardwalk bieten erste, kurze Exkursionen in die Dünen. Am Ende erweitert sich die Parkstraße zu einem Loop mit vielen Parkplätzen und Picknickmöglichkeiten. Vom Parkplatz am Beginn des Alkalai Flat Trail aus kann man die Gipsdünenlandschaft am besten erkunden. In der Gewaltigkeit dieser Landschaft kommt man sich sehr schnell klein und einsam vor. Am intensivsten kann man White Sands am frühen Morgen (Einlaß ab 7.00 Uhr) oder am Spätnachmittag bis zum Sonnenuntergang erleben. Da es im Park keine Campingmöglichkeit für Wohnmobile gibt, fuhren wir nach dem Sonnenuntergang weiter bis nach Alamogordo, um am nächsten Morgen noch einmal zurückzukehren.

Das Weiß der Gipsdünen erschien uns im Licht der Morgensonne noch greller und wir kamen uns vor wie in einer riesigen Schneelandschaft. Auf einem Faltblatt, das wir am Campingplatz bekommen hatten, erfuhren wir von der Three Rivers Petroglyph Site ca. 30 Meilen nördlich von Alamogordo und beschlossen, sie in unsere Route einzubauen. In diesem Park befinden sich über 21..000 Felszeichnungen des Jornada-Zweiges der Mogollon-Indianer. Masken, Menschen, Tiere, Sonnensymbole, Handabdrücke und geometrische Formen sind größtenteils noch sehr gut zu erkennen. Die Zeichen sind ähnlich denen der Mimbre-Indianer, die im ganzen Südwesten New Mexicos sehr stark vertreten sind. Sie wurden zwischen 900 und 1300 mit einfachen Werkzeugen in die verwitterte Oberfläche der Basaltsteine geritzt. Warum die Indianer diese Hügel oberhalb des Three River Valley für ihre Felszeichnungen gewählt haben ist bis heute nicht geklärt. Vielleicht war es ein religiöser Ort, eine gute Gegend zum Leben an einem bekannten Reiseweg der damaligen Zeit oder die Hügel boten lediglich einen guten Ausblick auf jagbares Wild und sich nähernde Feinde. Auch wenn man die Bedeutung der Symbole heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen kann, so enthalten sie doch einiges an Informationen. Die dargestellten Tiere geben Aufschluß über die Fauna der damaligen Zeit, das Getreide und die Sonnensymbole lassen darauf schließen, daß diese Indianer auch Ackerbau betrieben und die Masken und Gesichter geben einen Einblick in die religiöse Welt der Jornada Mogollon. Die hohe Anzahl von Felszeichnungen auf einem recht kleinen Gebiet machen diesen Park zu einem der wichtigsten und interessantesten Plätze für Felszeichnungen im gesamten Südwesten der USA.

Von Carrizozo fuhren wir auf der 380 ostwärts, eine bis zu Einmündung in den Highway 70 in Hondo, landschaftlich reizvolle Strecke durch den Lincoln National Forest. In dem kleinen Ort Lincoln sind noch viele Häuser aus der Zeit des "Wilden Westens" erhalten geblieben, darunter auch El Torreon, ein von den ersten spanischen Siedlern errichteter Felsenturm. Bedeutung erlangte Lincoln in der Geschichte des Westens im Jahre 1878, als Billy the Kid, einer der berüchtigsten Desperados seiner Zeit, hier wegen mehrer Morde zum Tode verurteilt wurde. Er konnte vor der Vollstreckung des Urteiles fliehen und wurde von Sheriff Pat Garret verfolgt, der ihn am 14.07.1881 in Fort Sumner schließlich zur Strecke brachte. Der weitere Verlauf unserer Fahrt in Richtung Carlsbad Caverns NP war dann recht eintönig und endete 20 Meilen südlich von Carlbad in Whites City. Nach den zahlreichen auffälligen Werbetafeln für Whites City an der Zufahrt zu den Carlsbad Caverns erwartet man zumindestens ein kleines Städtchen. Tatsächlich aber besteht Whites City nur aus ein paar Shops, Restaurants und Kneipen, einem Opera House, zwei Motels und einem Campingplatz. Da es im Nationalpark keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt, lebt Whites City, 6 Meilen von den Höhlen entfernt, von Leuten wie uns, die möglichst nah am Park einen Platz zum Schlafen suchen.

Am Nordrand der Chihuahua-Wüste breitet sich unter der Gebirgskette der Guadalupes eine der tiefsten, größten und formenreichsten Höhlen der Welt aus, ein "Grand Canyon untertage", die Carlsbad Caverns. Wasser hat diese Unterwelt geformt. Vor etwa 250 Millionen Jahren lag das Gebiet unter einer Meeresbucht. Nahe der Küste entstand ein Kalkriff. Als sich das Meer zurückzog, ragte das Riff Hunderte Meter auf, um später unter Tausenden Metern Erde begraben zu werden. Dann, vor 20 bis 40 Millionen Jahren, hob sich das Land. Schwach saures Grundwasser drang in die Spalten des Kalksteins ein und erweiterte diese allmählich zu einem Netz von Löchern und Kammern. Weitere Millionen Jahre vergingen, bis die "Innenausstattung" der Höhle vor etwa 500..000 Jahren begann. Kalzithaltige Rinnsale schufen, Tropfen um Tropfen, eine außerordentliche Vielfalt an glitzernden Tropfsteingebilden. Einige von ihnen sind heute sechs Stockwerke hoch, andere blieben hauchzarte Miniaturen. Höhlenwissenschaftler haben bisher über 20 Meilen Durchgänge erforscht, für Touristen sind 3 Meilen davon zugänglich. Alle Höhlenwege sind geteert und angemessen beleuchtet, festes Schuhwerk sollte man allerdings dabeihaben. Eine weitere Attraktion der Carlsbad Caverns, das abendliche Ausschwärmen der Free-Tail Fledermäuse, kann nur von April bis Oktober beobachtet werden, da die Tiere im wärmeneren Mexiko überwintern. Durch das Ausschwärmen der Fledermäuse wurde die Höhle Ende des letzten Jahrhunderts wiederentdeckt, nachdem bereits Indianer vor mehr als 1..000 Jahren diese Höhle kannten. Einige der Entdecker witterten ein gutes Geschäft im Abbau des Fledermaus-Guanos und dessen Vermarktung als natürliches Düngemittel. Einer dieser Männer war Jim White, der von der Höhle fasziniert war und sie mehr und mehr erforschte. Er erkundete weite Teile des heute bekannten Höhlensystems mit nur einer Kerze als Lichtquelle. Als er dann anderen die natürlichen Wunder dieses außergewöhnlichen Platzes zeigen wollte, glaubten nur wenige seinen unwahrscheinlichen Erzählungenvon einer riesigen, unterirdischen Welt voller ungewöhnlicher Höhlengebilde. Erst die Schwarz-Weiß Fotografien, die ein Fotograf 1915 machte, als er White auf einer seiner Touren begleitete, erregten dann das öffentliche Interesse an der Höhle. 1923 wurde das Gebiet zum National Monument und 1930 schließlich zum National Park erklärt. Jim White, der seine Höhlenforschungen für den größten Teil seines Lebens fortsetzte, wurde der erste Chief Ranger der Höhlen. Eine weitere Höhle des Parks, die Slaughter Canyon Cave oder auch New Cave ist seit 1974 ebenfalls für Besucher zugänglich. Diese Höhle ist allerdings nicht erschlossen und kann nur unter Führung eines Rangers mit Laternen bzw. Taschenlampen besichtigt werden. Die anderen, mehr als achtzig Höhlen im Parkgebiet sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Zurück zu der Haupthöhle, deren 3 Meilen zugänglicher Durchgänge teilen sich auf drei mögliche Touren auf. Auf der Natural Entrance Route (Blue Tour) folgt man dem Weg der ersten Entdecker und steigt vom historischen Eingang, auf zum Teil steilen Serpentinen 230 m tief ab. Dieser Weg durch den Main Corridor, wo sich die Decke teilweise mehr als 60 m über dem Pfad wölbt, vermittelt einen ersten Eindruck von den gewaltigen Ausmaßen der Höhle. Die ersten Tropfsteinformationen wie Devil´s Spring, Whale´s Mouth, Devil´s Den, Witche´s Finger und Iceberg Rock lassen die Schönheit der Höhle bereits erahnen. Wenn man nach 1 Meile unten ankommt, kann man die Besichtigung mit der ebenfalls 1 Meile langen Big Room Route (Red Tour) fortsetzen. Der Ausgangspunkt dieser Tour ist auch über einen Fahrstuhl vom Besucherzentrum aus zu erreichen. Der Big Room macht seinem Namen alle Ehre, er ist 540 m lang, 330 m breit und bis zu 78 m hoch. Die riesigen Höhlenkammern sind fast vollständig mit vielfältigen, zum Teil gewaltigen Tropsteinformationen bedeckt. Die schlichte und vorbildliche elektrische Beleuchtung verstärkt noch den Eindruck einer märchenhaften Unterwelt. Durch die Hall of Giants mit Giant und Twin Dome, vorbei an Formationen wie Temple of the Sun, Totem Pole, Crystal Spring Dome und Rock of Ages gelangt man wieder zum Ausgangspunkt dieser Tour zurück. Während diese beiden Wege individuell besichtigt werden können, handelt es sich bei der dritten, gleichfalss 1 Meile langen, Kings Palace Tour um eine von einem Ranger geführte, eineinhalbstündige Tour. Mit Kings Palace (253 m unter der Erdoberfläche), Papoose Room, Queens Chambers und Green Lake Room gelangt man auf dieser Tour in die schönsten Räume der Höhle. Im Queens Chamber gibt es zusätzlich zu den formenreichen und filigranen Formationen aus Stalaktiten und Stalagmiten der anderen Räume noch die seltenen Heliktiten, die scheinbar ungeachtet jeglicher Schwerkraft zu wachsen beginnen. Ihre sich windenden Formen sind durch Kristalle, Fremdkörper und Wasserdruck entstanden. Über den Fahrstuhl erreichten wir nach allen drei Touren und fast vier Stunden wieder das Tageslicht. Nachdem wir uns dann noch die Informationtafeln im Visitor Center angesehen hatten, beschlossen wir, heute nicht mehr weiterzufahren, sondern eine weitere Nacht in Whites City zu verbringen. Auf dem Campground konnten wir am Abend noch einige Maultierhirsche beobachten.

In West-Texas, nur etwa 40 Meilen südwestlich von den Carlsbad Caverns, liegt eine Perle von einem Park, von dem nur wenige Menschen außerhalb von Texas je gehört haben. Guadalupe Mountains NP nimmt den südlichsten und höchsten Teil der 50 Meilen langen Kette der Guadalupes ein. Von der Straße aus ähnelt der Gebirgszug einem einzigen Wall quer durch die Wüste, aber wenn man ihn aus der Nähe betrachtet, erkennt man scharf eingeschnittenen Canyons und schattige Niederungen mit einer überraschend vielfältigen Fauna und Flora. Diese äußerst empfindliche Ökologie hat die Parkverwaltung veranlaßt, die Besuchereinrichtungen auf ein Minimum beschränkt zu halten. So gibt es im gebirgigen Teil des Parks keinerlei Straßen und die landschaftlichen Schönheiten des Parks lassen sich dementsprechend vorwiegend wandernd erleben. Die ca. 130 km Wanderwege bieten eine breite Palette von Möglichkeiten die Wüste, die Canyons und das Hochland der Guadalupe Mountains zu erforschen. Die Wege sind in Länge und Schwierigkeitsgrad sehr unterschiedlich und reichen vom kurzen Naturlehrpfad bis hin zu mehrtägigen Gebirgstouren. Ebenso überraschend wie die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt ist die Entstehungsgeschichte dieser Gebirgskette: Die Guadalupe Mountains sind Teil eines urzeitlichen fossilen Riffs, das vor etwa 250 Millionen Jahren unter der Wasseroberfläche eines Binnenmeeres emporwuchs. Schließlich verdunstete das Meer, das Riff senkte sich und wurde von einer massiven Decke aus Ablagerungen und Mineralsalzen begraben. Für Millionen von Jahre lag es unter dieser Schicht, bis Bewegungen in der Erdkruste einen Teil des fossilen Riffs anhoben und in den Guadalupe Mountains freilegten. Die in den Bergen gefundenen Tonwaren, Körbe und Speerspitzen lassen vermuten, daß die ersten Menschen in den Guadalupes vor etwa 12..000 Jahren auftraten. Später lebten die Mescalero-Apachen an den Quellen am Fuße der Berge und nutzten das Hochland als Jagdrevier bis sie in den 1880er Jahren vollständig von amerikanischen Prospektoren, Siedlern und der Armee verdrängt oder umgebracht wurden. Einem dieser Siedler, Wallace Pratt, der seinen gesamten Landbesitz 1959 dem National Park Service stiftete ist letztlich die Gründung des Guadalupe Mountains NP (1972) zu verdanken. Von der Straße #62/#180, die durch die südlichen Ausläufer des Guadalupe Gebirges führt, gibt es lediglich zwei Zufahrten in diesen kaum berührten Park. Die nördliche Stichstraße endet nach 4 Meilen am McKittrick Canyon Visitor Center, wo verschiedene Wanderungen beginnen. Auf einer Wanderung durch die sich windende Schlucht des von eine Quelle gespeisten McKittrick Creek kann man den Übergang von Wüsten- auf Waldlandschaft beobachten. Am Eingang zum Canyon sind Wüstenpflanzen und -tiere vorherrschend. Wenn man weitergeht, verengt sich der Canyon und seine Wände ragen höher auf. In dieser kühlen, feuchten Umgebung ist eine üppige Vegetation von Laubbäumen, Wildblumen und Farnen vorhanden. Folgt man dem Lauf des Baches weiter hinauf, tauchen die ersten Hochlandkiefern und Fichten auf. Diese Vielfältigkeit in der Pflanzen- und Tierwelt brachte dem McKittrick Canyon den Beinamen "schönster Platz in Texas" ein. Unter den im Canyon anzuteffenden Bäumen ist auch die seltene und malerische texanische Madrona. Man erkennt diesen Baum leicht an seiner glatten, rötlich gefärbten Rinde und den immergrünen Blättern. Die Hauptzufahrt liegt 7 Meilen weiter südwestilch bei Pine Springs. Hier befindet sich das Main Visitor Center, wo man sich ausführlich über den Park informieren kann und der Pine Springs Campground, auf dem wir uns einen Platz gesichert haben. Eine Meile nördlich des Visitor Center liegt die Frijole Ranch, deren Ranchhaus aus dem Jahr 1870 das älteste Gebäude im Parkgebiet ist. Von hier aus führt eine kurze Wanderung zu den Manzanita Springs, einen hochgelegenen Oase mit einem schönen Blick über die Wüstenebene. Auf dem Rückweg zum Parkplatz konnten wir einige Maultierhirsche beobachten. Bevor wir auf den Campingplatz zurückkehrten fuhren wir den Highway einige Meilen weiter in südwestlicher Richtung. Von der zweiten Picnic-Area hinter der Abzweigung zum Visitor Center hat man einen herrlichen Blick auf die in der Abendsonne leuchtenden Guadalupe Mountains, besonders auf den 2464 m hohen El Capitan, den südlichsten Gipfel der Gebirgskette. Einen Blick auf den Guadalupe Peak, den mit 2667 m höchsten Berg von Texas hat man dann auf der Rückfahrt zum Campingplatz. Die in dieser Gegend häufig auftretenden starken Winde, die oft über 100 km/h erreichen, schüttelten unser Wohnmobil ordentlich durch und verschafften uns eine unruhige Nacht.

Auch am nächsten Morgen (17.01.96) hatte der Wind noch nicht nachgelassen, im Gegenteil, er wurde immer stärker. Es war auch der erste Tag seit unserem Start am 03.12.95, daß wir ohne Sonne und blauen Himmel auskommen mußten. Wir machten uns vom Campinplatz aus auf den Devil´s Hall Trail, der dem Pine Springs Canyon aufwärts folgt und in einem Engpass des Canyons, der Devil´s Hall, endet. Kurz vor diesem Engpass erreicht man eine Felsformation, die so aussieht, als hätte jemand ein Treppenhaus im Canyon aufgebaut. Dementsprechend wird diese Stelle des Trails Hiker´s Staircase genannt. Wir benötigten für die 4,2 Meilen lange Strecke (retour) ungefähr drei Stunden und hatten besonders auf dem Rückweg mit dem immer stärker werdenden Wind zu kämpfen. Auf dem Parkplatz wurde unserer Wohnmobil derart geschüttelt, daß wir ernsthaft befürchteten, es könnte umkippen. Aus diesem Grunde fragten wir im Visitor Center nach, ob wir der Straße #62/#180 über den Guadalupe Pass und dann weiter auf der #54 in südlicher Richtung folgen könnten. Die Ranger, die sich durch den mittlerweile orkanstärke erreichenden Sturm schon in Alarmbereitschaft befanden, rieten uns den Guadalupe Pass zu meiden und statt dessen über die #652 und #285 weiterzufahren. Durch diesen Umweg und die sturmbedingten Schwierigkeiten erreichten wir unser eigentliches Tagesziel Fort Davis nicht mehr, sondern machten in Pecos Station. Der vom Sturm aufgewirbelte Sand und Staub verdunkelte die Sonne und wirkte stellenweise wie Nebel. Obwohl die Vorhersagen ein Nachlassen des Sturms für den Abend angekündigt hatten, wurde unser "Roadrunner" auch auf dem Campground in Pecos durchgeschüttelt und der Sturm legte in den Abendstunden eher noch etwas zu. In den Nachrichten erfuhren wir, daß die Windgeschwindigkeiten am Guadalupe Pass fast 200 km/h erreicht haben und wir waren im nachhinein noch froh den Umweg über Pecos in Kauf genommen zu haben. Irgendwann in der Nacht ließ der Sturm dann nach, brachte aber kalte Luft aus dem Norden mit, so daß die Temperaturen um fast 20°C fielen.

Bei schönem, aber kaltem Wetter konnten wir dann am nächsten Tag unsere Fahrt nach Fort Davis fortsetzen. Neben dem kleinen, idyllischen Dorf Fort Davis, der höchstgelegenen Siedlung in Texas, gibt es die Fort Davis NHS, einen teilweise restaurierten Militärposten. Bedingt durch die Goldfunde in Kalifornien setzte Mitte des 19. Jahrhunderts ein gewaltiger Zug von Goldsuchern und Siedlern in Richtung Westen ein. Zum Schutz dieser Emigranten vor Übergriffen der Apachen und Kommanchen wurde 1854 Fort Davis, als Teil einer ganzen Kette von Forts auf dem Weg von San Antonio nach El Paso, gegründet. Während des Bürgerkrieges von 1861-1865 wurde Fort Davis aufgegeben und sollte erst 1867 wieder mit Truppen besetzt werden. Die Apachen hatten jedoch die Abwesenheit der Soldaten genutzt und das alte Fort weitestgehend zerstört. Bis 1880 wurde ein neues Fort Davis aufgebaut, daß dann in den Apachenkriegen, die 1886 mit der Kapitulation Geronimos endeten, ein wichtiger Militärposten wurde. Als das "Indianerproblem" gelöst war und die Eisenbahn zunehmend die Postkutsche ersetzte, wurde Fort Davis 1891 endgültig aufgegeben. Die über 60 Gebäude des Forts wurden sich selbst überlassen und verfielen bis sich 1961 der National Park Service der Ruinen annahm, sie restaurierte und die Fort Davis NHS ins Leben rief.. Von Fort Davis fuhren wir noch weiter bis nach Marfa, einem hübschen Städtchen inmitten großer Ranches, deren Handels- und Versorgungszentrum es ist. Per Fahrrad fuhren wir vom Campground in den Ort, um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Auf dem Parkplatz des Supermarktes entdeckten wir ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen. Die beiden Bewohner dieses Gefährtes waren bereits seit Dezember 1994 in Nordamerika unterwegs und befinden sich jetzt auf dem Weg nach Savannah in Georgia, um per Schiff die Rückreise nach Deutschland anzutreten. Wir erhielten von ihnen noch die Adresse einer Reederei, falls wir uns wirklich entschließen, unser Wohnmobil mit zurückzunehmen.

Der Mountain Trail (#67) führt über die Cuesta del Burro Mountains und die Silberminen-Ghosttown Shafter nach Presidio, einem von den Spaniern gegründeten Ort am Ufer des Rio Grande, der die Grenze zu Mexiko darstellt. Ab Presidio folgt der Hwy 170, auch Camino del Rio genannt, auf 80 km Länge dem Flußlauf des Rio Grande bis nach Lajitas. Diese, wie eine Achterbahn an den Hängen des Rio Grande entlang geführte Strecke bietet sehr schöne Blicke in das Flußtal und sollte bei einem Besuch des Big Bend auf jeden Fall eingeplant werden. In Lajitas verläßt die Straße den Fluß und trifft in der Doppelsiedlung Terlingua/Study Butte, der einzigen Ortschaft in Parknähe, auf die #118, die in den Park hineinführt. Die Siedlung hatte ihre besten Zeiten Anfang diesen Jahrhunderts, als in den Minen noch Quecksilber abgebaut wurde, heute sind diese alten Anlagen als Ghosttown zu besichtigen. Zu dem reizvollsten Campground der Siedlung, dem Big Bend Travel Park, gehört das originell in Form einer Kiva (unterirdischer Zeremonienraum der Pueblo-Indianer) gebaute Lokal "La Kiva". Das "La Kiva" ist Steak-House und Kneipe zugleich und lohnt schon allein aufgrund der eigenwilligen Inneneinrichtung (auch die Restrooms sind sehenswert) einen Besuch.

Der Big Bend NP umfaßt ein sehr trockenens Gebiet von 3244 km² innerhalb eines großen Bogens (big bend), den der Rio Grande auf seinem Weg nach Süden als Grenze zwischen Texas und Mexiko beschreibt. Bedingt durch seine Lage abseits der gängigen Touristen-Routen und der Hitze in den Sommermonaten, gehört der Big Bend NP zu den relativ wenig besuchten Parks. Einsamkeit und unberührte Landschaft, sowie seine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt machen ihn jedoch zu einem besonders attraktiven Ziel. Er beeindruckt vor allen durch seinen Kontrastreichtum: Zwischen 564 und 2388 m Höhe reicht die Landschaft von den Canyons des Rio Grande und dschungelähnlichen Flußniederungen über die Chihuahua-Wüste, die den größten Teil des Parkgebietes einnimmt, zu den vielfach bewaldeten Höhen der Chisos Mountains. Einer Legende der Indianer zufolge sind die Chisos Mountains entstanden, weil der große Manitou nach der Erschaffung der Erde noch Felsen übrig hatte, die er schließlich an dieser Stelle aufhäufte. Die Vegetation des Parks ist so unterschiedlich wie seine drei Ökosysteme Fluß, Wüste und Berge. Die Chihuahua-Wüste ist bedeckt mit Büschelgräsern, Kreosotbusch, verschiedenen Kakteenarten und Yuccas. Der Rio Grande hingegen ist mit deinen üppigen Talauen und seinen steilen, engen Canyons fast ein Park für sich. Das gilt auch für die Chisos Mountains: Bei bis zu 11 Grad kühleren Temperaturen als unten in der Wüste gedeihen hier Kiefern, Wacholder und Eichen. Insgesamt gibt es etwa tausend Pflanzenarten, von denen einige nur hier und sonst nigendwo aud der Welt vorkommen. Genauso vielfältig ist auch die Tierwelt des Parks: Pumas, Schwarzbären und Golden Eagle leben in den höheren Regionen, während in der Wüste und den Flußniederungen Kojoten, Jackrabbits, Känguruh-Ratten, Roadrunner und weitere 380 zum Teil exotische Vogelarten heimisch sind. Auch die Geologie von Big Bend ist komplex. Das Gebiet war vor vielen Millionen Jahren nacheinander von zwei Meeren bedeckt; als diese abflossen, hinterließen sie dicke Schichten Kalkstein und Schiefer. Das heutige Bergland - ausgenommen die Chisos - wurde zusammen mit den Rocky Mountains vor 75 Millionen Jahren angehoben. Im Inneren spien Vulkane immer neue Schichten von Asche in die Luft, drang geschmolzenes Gestein durch die Erdkruste nach oben, so daß vor 35 Millionen Jahren die Chisos Mountains entstanden. Von der durch den Park führenden Straße #118 gibt es drei asphaltierte Stichstraßen in das Hinterland, an deren Ende sich auch jeweils ein Campground befindet. Da wir aus westlicher Richtung in den Park hineinkamen, fuhren wir ab Santa Elena Junction auf der ersten Stichstraße, dem Ross Maxwell Scenic Drive, bis zum 48 km entfernt gelegenen Santa Elena Canyon. Diese Strecke ist wohl die reizvollste des Parks, da sie viele seiner Natursehenwürdigkeiten berührt. Im ersten Abschnitt durchquert man die nach den hier einmal lebenden Wildeseln benannte Ebene, die Burro Mesa. Auf der linken Seite liegen die Chicos, wo eine Window genannte Felsspalte den Blick auf den Casa Grande (2233 m), einen der höchsten Berge des Parks, freigibt. Bei den Überresten der Sam Nail Ranch kann man im Schatten der von den Nails hier gepflanzten Pecanobäume und Weiden Vögel beobachten. Etwas weiter südlich fallen steinerne Wälle auf, die die Landschaft durchziehen. Diese "dikes" entstanden vor etwa 17 Millionen Jahren, als flüssiges Magma in unterirdische Spalten eindrang und dort erstarrte. Durch die Erosion dieser weicheren Deckschichten kamen die Wälle dann zum Vorschein. Eine weitere, allerdings besser erhaltene Ranch ist die Blue Creek Ranch, auf die man von einem Aussichtspunkt herunterblicken kann. Die Farmer haben sich durch die intensive Viehwirtschaft die eigene Lebensgrundlage entzogen. Die vielen Tiere zerstörten die Grasdecke und Bodererosion war die Folge. Kreosot, Mesquite und andere Dornensträucher breiteten sich aus, allmählich kehren die Gräser aber in den Park zurück. Der Sotol Vista Overlook bietet einen schönen Blick über die Bergwelt des Parks, der Mule Ears Viewpoint dient einzig dem Blick auf die 1193 m hohen Mule Ears Peaks, die ihrem Namen alle Ehre machen. Im Tuff Canyon hat sich der Blue Creek durch das leicht graue, aus verhärteter Vulkanasche bestende weiche Tuff-Gestein gegraben und das darunter liegende harte Lava-Gestein freigelegt. Von den Aussichtspunkten oberhalb des Tuff Canyon blickt man auf den 1004 m hohen Cerro Castellan, der sich gut 300 m über sein Umland erhebt. Nach 35 km erreicht man schließlich Castolon, eine alte Garnison, die Siedler während des Grenzstreits mit Mexiko 1914-1918 vor Banditen schützen sollte. Hinter Castolon folgt die Straße dem Lauf des Rio Grande und führt an Lehmhäusern aus der Jahrhundertwende vorbei, deren Bewohner auf dem fruchtbaren Talboden einst Nahrungsmittel und Baumwolle anbauten. Am Santa Elena Canyon Overlook vorbei endet die Straße nach 13 km auf einem Parkplatz, dem Beginn des Santa Elena Canyon Trail. Der mäßig schwierige, knapp 3 km lange Weg (hin und zurück) belohnt den Wanderer mit überwältigenden Ansichten des 450 m tiefen Canyons. Wir ließen den wunderschön am Ufer des Rio Grande gelegenen Cottonwood Campground bei Castolon aus und fuhren den Ross Maxwell Scenic Drive zurück zur #118. Ab Basin Junction führt eine 10 km lange Stichstraße mitten hinein in die Chisos Mountains. Mit Lost Mine Peak (2301 m), Casa Grande (2233 m) und Emory Peak (2388 m) liegen hier die höchsten Berge des Parks. Bei der steilen und kurvenreichen Fahrt durch den Green Gulch Canyon, der für Wohnmobile über 24 ft gesperrt ist, bemerkt man, wie die Vegatation erst von Wüstengestrüpp zu Sotol-Wiesen, dann zu Pinyon-, Wacholder- und Eichenwald übergeht. Nach etwa 8 km erreicht man Panther Pass, den mit 1759 m höchsten Punkt der Straße. Nach Panther Pass fällt die Straße in Haarnadelkurven zum "The Basin" hin ab, eine fast 5 km breite Senke, die Wind und Wasser aus den Bergen herausgeschliffen haben. Hier gibt es neben dem sehr schön gelegenen Campingplatz auch noch eine Rangerstation, einen Laden und mit der Chisos Mountain Lodge die einzige Unterkunft im Park. Westlich der Ranger Station nehmen einige der schönsten Wanderungen ihren Ausgang. Wir begnügten uns nach unserem erlebnisreichen Tag mit dem 500 m kurzen Windows View Trail. Durch die 1500 m hohe V-förmige Öffnung in den Bergen fließ das Regen- und Schmelswasser des Beckens ab und sie ermöglicht einen, bei Sonnenuntergang besonders schönen Blick auf die dahinter legende Burro Mesa. Auf dem Campinplatz sahen wir dann noch einige Javelinas, jene kakteenfressenden Wildschweine. 

Auf unserem Weg zurück zur Parkstraße #118 genossen wir von den verschiedenen Aussichtspunkten die grandiose Bergwelt der Chisos Mountains. Im Visitor Center in Panther Junction deckten wir uns mit Informationmaterial ein und fuhren dann auf der dritten Stichstraße des Parks bis nach Rio Grande Village. Nach etwa 10 km der 32 km langen Strecke zweigt links eine unbefestigte Straße nach Dugout Wells ab, wo einst ein Ranch- und Schulhaus standen, konnten wir verschiedene Vogelarten und ein Javelina beobachten. Je weiter man in südöstlicher Richtung fährt, desto deutlicher werden in der Ferne die Umrisse der Sierra del Carmen in Mexiko. Sie besteht aus denselben Kalk- und Schiefergesteinen wie die Wände des Santa Elena Canyon. Eine weitere unbefestigte, für Wohnmobile nicht befahrbare Straße zweigt kurz vor Rio Grande Village rechts ab zu den Hot Springs. Diese, von Indianern jahrhundertelang als Heilquellen genutzten Hot Springs wurden erst 1909 von einem gewissen J.O. Langford entdeckt. Der nächste Stop, Rio Grande Overlook, bietet einen Ausblick auf das Flußtal und die Sierra del Carmen. Eine 6 km lange Stichstraße führt zum Ausgangspunkt des Boquillas Canyon Trail, wobei der Boquillas Canyon Overlook einen Stop lohnt. Per Fähre kann man hier auch den Rio Grande überqueren und das mexikanische Dorf Boquillas auf der anderen Seite besuchen. Der Boquillas Canyon Trail (ca. 2 km retour) führt durch das Uferschilf des Rio Grande ein Stück weit in den Canyon hinein, wo grandiose Felswände den Fluß überragen. Auch wer nicht in Rio Grande Village übernachten will, sollte den Campground ansteuern und den gegenüber Site 18 beginnenden, gut 1 km langen, Naturpfad begehen. Er führt zunächst über Stege durch eine üppige Auenvegetation, um dann einen Kamm zu erklimmen, der phantastische Blicke auf den Fluß und die Sierra del Carmen bietet. Wir fuhren zurück nach Panther Junction und von dort zum nördlichen Parkausgang bei Persimmon Gab. Dieses Teilstück hat, außer dem Fossil Bone Exhibit, einer Austellung fossiler Knochen, die man im Park gefunden hat und dem im Frühjahr, während der Blüte der Riesen-Palmlilien sehenswerten Dagger Flat Auto Trail, nicht viel zu bieten. Wir verließen den Park über den Highway 385 und bogen nach 5 km auf die Ranch Road 2627 ein. Nach 8 km auf dieser Straße erreichten wir die Stillwell Ranch, auf deren RV-Park wir übernachteten.

Nach einer ca. 250 km langen Fahrt durch fast menschenleeres und zum Teil recht trostloses Gebiet erreichten wir Langtry, einen kleinen Ort, der 1881 im Zuge des Eisenbahnbaus gegründet wurde. Über den Ursprung des Ortsnamens gibt es zwei unterschiedliche Geschichten: Die nüchterne besagt, daß Langtry der Name eines der Eisenbahningenieure war, der die Arbeiten vor Ort leitete, die romantische geht auf den berühmten Richter Roy Bean zurück, der behauptet hat, der Ort sei von ihm nach seinem Idol, der englischen Schauspielerin Lillie Langtry, die "Jersey Lily" genannt wurde, benannt worden. Dieser Roy Bean wurde 1882 zum ersten Richter in Pecos County ernannt und sorgte mit seiner eigenwilligen Rechtsprechung, deren Grundlage neben dem Gesetzbuch der Colt und eine gehörige Portion Humor war, zwei Jahrzehnte lang für das Gesetz westlich des Pecos. Das alte Holzgebäude, das Roy Bean "The Jersey Lily" genannt hatte und das gleichzeitig Saloon, Billardzimmer und Gerichtsstube war, kann heute besichtigt werden. Das Visitor Center hält die üblichen Informationen bereit und informiert in 6 Dioramen über das Leben und Wirken des Judge Roy Bean. Der angeschlossene Kakteengarten gibt einen Einblick in die Vegetation dieser noch immer einsamen Gegend. Ein Scenic Overlook bietet 18 mi westlich von Langtry einen phantastischen Blick auf das Tal des Pecos River, seine Einmündung in den Rio Grande und die höchste Highway-Brücke in Texas, die den Hwy 90 über den Pecos führt. Nur zwei Meilen weiter liegt der Seminole Canyon SP, wo man auf geführten Touren (Mi-So jeweils 10 und 15 Uhr), die mit 4..000 Jahren ältesten prähistorischen Felsmalereien Nordamerikas besichtigen kann. Da wir montags hier ankamen und nicht zwei Tage warten wollten, fuhren wir weiter in Richtung Del Rio. Zwölf Meilen nordwestlich des Ortes erreicht man die Amistad NRA, die 1969 durch die Aufstauung des Rio Grande und seiner Nebenflüsse Devils und Pecos entstanden ist. Der Amistad Damm, ein Gemeinschaftswerk der USA und Mexikos führte zur Bildung des International Amistad Reservoir, durch dessen Mitte die Grenze verläuft und das auf beiden Seiten der Grenze schöne Naherholungsgebiete hervorgebracht hat. Wir übernachteten auf einem der vier kostenlosen Campingplätze der Amistad NRA in unmittelbarer Nähe des Sees.

Der Tag in Del Rio war damit ausgefüllt unsere zur Neige gegangenen Vorräte zu ergänzen und ein paar Kleinteile für das Wohnmobil zu beschaffen. Vom Einkaufsstress erledigt, fuhren wir nur noch 32 mi bis nach Brackettville, wo wir auf dem Fort Clark Springs RV Park, inmitten der alten Fort-Anlage, übernachteten.

Die Hauptsehenswürdigkeit von Brackettville ist das Alamo Village. Eine Filmstadt, die 1959 für den John Wayne Film "The Alamo" auf dem Gelände der Shahan HV Ranch 7 mi nördlich von Brackettville am Hwy 674 aufgebaut wurde. Alamo Village ist die perfekte Nachbildung San Antonios des frühen 19. Jahrhunderts, zu dem auch eine originalgetreue Kopie des Alamo von San Antonio gehört. Dieser Alamo ist nach spanisch-mexikanischer Art aus luftgetrockneten Ziegeln (Adobe) von mexikanischen Handwerkern gebaut worden. Die so entstandene Filmkulisse verschlang die damals astronomische Summe von 12 Millionen Dollar und machte "The Alamo" zur bis dahin teuersten Filmproduktion. Der Alamo von San Antonio wurde zum Heiligtum der texanischen Geschichte als sich 1836 texanische Freiheitskämpfer in der zur Festung ausgebauten Mission The Alamo verschanzten und den weit überlegenen mexikanischen Streitkräften bis zum letzten Mann Widerstand leisteten. Die durch diesen Kampf zermürbten Mexikaner wurden wenig später von amerikanischen Truppen unter General Sam Houston besiegt und der Alamo gilt seit dem als die Wiege der texanischen Freiheit. Nachdem diese Geschichte von und mit John Wayne in Szene gesetzt worden war, wurde diese erste Kulissenstadt in Texas von vielen weiteren Film-, Fernseh- und Werbeproduktionen genutzt und Alamo Village weiter ausgebaut und um einen mexikanischen Teil ergänzt. Bedingt durch die einsame Lage abseits der Zivilisation inmitten des Ranchlandes wirkt Alamo Village viel authentischer als andere Western Towns. Von Brackettville fuhren wir bis nach Laredo, wo wir im Lake Casa Blanca SP östlich der Stadt einen schönen Campingplatz am Seeufer fanden. 

Von Laredo aus führt der Tropical Trail, über die Highways 83, 281 und 48 bis an den Golf von Mexiko. Die Gegend um McAllen ist geprägt von Zitrusfruchtplantagen, deren Erzeugnisse am Straßenrand angeboten werden. Der kleine Ort Mission nennt sich "Home of the Grapefruit", und zwar speziell der Sorte "Texas Ruby Red", die wirklich sehr köstlich schmeckt. Aber auch die hier angebotenen Orangen sind zuckersüß. Südöstlich von McAllen liegt die Santa Ana NWR direkt am Rio Grande. In diesem Schutzgebiet ist die ursprüngliche Vegetation des Rio Grande Valley, wie sie vor der landwirtschaftlichen Nutzung aussah, erhalten geblieben. Die Vegetation ist so dicht, daß vom 7 mi langen Wildlife-Drive fast nichts von der Tierwelt des Parks zu sehen ist. Man nutzt die Zeit besser auf dem 12 mi umfassenden Trailsystem, das direkt hinter dem Visitor Center beginnt und einen viel besseren Einblick in die reichhaltige Flora und Fauna dieses National Wildlife Refuges bietet. An den drei Seen kann man Vögel beobachten und die hier wachsenden Pflanzen gibt es zum Teil nirgendwo sonst in den USA. Über Brownsville erreichten wir dann schließlich Port Isabel und damit den Golf von Mexiko. Port Isabel ist ein kleiner, hübscher Ort an der Laguna Madre, dem Meeresarm zwischen dem texanischen Festland und Padre Island. Direkt vor der Brücke, die nach South Pare Island führt, steht linker Hand der historische Leuchtturm von Port Isabel. Er wurde 1853 erbaut und war bis 1905 in Betrieb. Über 74, zum Teil sehr enge Stufen, kann man bis in die Spitze des Leuchtturm klettern, von wo aus man den gesamten Küstenstreifen, die Laguna Madre und South Padre Island überblicken kann. Padre Island ist 180 km lang und in zwei Inseln geteilt, zwischen denen es keinerlei Verbindung gibt. Der gesamte nördliche Teil und weite Teile der südlichen Insel (110 km der Gesamtlänge) stehen unter Naturschutz und bilden die Padre Island National Seashore. Auf den Inseln lebten einst -als die Spanier diese Küste erkundeten - die kannibalischen Karankawa-Indianer. Heute sind die Bewohner freundlicher und besonders der südlichste Zipfel der Insel hat sich zu dem Touristenzentrum South Padre Island entwickelt. Das subtropische Klima zieht viele Snowbirds, d. h. die im Süden des Landes überwinternden Amerikaner aus nördlichen Bundesstaaten hierher, so daß wir einen der letzten Stellplätze des Isla Blanca Parks bekamen.Mit unseren Fahrrädern machten wir uns auf an den Golf von Mexiko. Bei unserer Rundfahrt über den Südzipfel der Insel testeten wir auch die Wassertemperartur des Golfs und beschlossen, in den nächsten Tagen unsere Badesaison 1996 zu eröffnen. Die Strände sind hier sehr schön, der Ort South Padre Island allerdings mit vielen Hotels, Restaurants und Souvenir-Shops für unseren Geschmack schon zu touristisch. Morgen werden wir uns den nördlichen, zum Schutzgebiet gehörenden Teil der Insel ansehen, der wohl eher unseren Vorstellungen entsprechen wird.

Ein Sturm brachte in der Nacht etwas Abkühlung, so daß wir unser Bad im Golf verschieben mußten. Nach dem Frühstück machten wir vom Campingplatz aus einen ausgiebigen Strandspaziergang am sturmgepeitschten Golf. Am nördlichen Ortsausgang von South Padre Island befindet sich am Convention Center ein maritimes Wandgemälde des Umweltkünstlers Wyland. Dieses Wal-Bild ist das 53 von geplanten 100, mit denen er auf die Wichtigkeit der Erhaltung der Weltmeere aufmerksam machen will. Direkt am Convention Center beginnt auch der kurze Laguna Madre Nature Walk, der auf zwei Holzstegen über ein künstlich angelegtes Feuchtgebiet an der Laguna Madre führt. Viele Wasservögel leben in diesem Gebiet und lassen sich von den Stegen aus beobachten. Wir fuhren dann den Padre Boulevard nach Norden, bis er mitten in den Sanddünen endet. Hier im Schutzgebiet der Padre Island National Seashore sind die Hotelburgen von South Padre vergessen und wir konnten die unberührte Natur der Golfküste genießen. Wir verließen South Padre Island und bezogen Quartier auf einem Campingplatz in Port Isabel.

Die Laguna Atascosa NWR liegt am südlichen Ende der "Central Flyway" genannten Route der Zugvögel, die alljährlich tausende von Wasservögeln aus den kälteren Regionen Nordamerikas hierher führt. Neben den Zugvögeln gibt es viele ständig hier lebende Seevögel und andere Tiere, wie Kojote, Luchs, Javelina und Rotwild. Das Schutzgebiet liegt an der Laguna Madre und umfaßt sowohl Salz- als auch Süßwasserareale und weite Marschlandgebiete. Der Lakeside Drive ist eine 2,4 km lange Stichstraße, die am Ufer der Laguna Atascosa endet und von der aus zwei Trails in das Schutzgebiet hineinführen. Der Bayside Drive führt in einer 24 km langen Schleife um den Pelican Lake herum und an die Küste der Laguna Madre. Mehrere Haltebuchten und zwei weitere Trails erlauben eine nähere Erkundung des Gebietes. Von der Parkstraße aus lassen sich verschiedene Wasservögel, vor allem Pelikane und Reiher, beobachten. Nur 18 mi westlich der Wildlife Refuge liegt Harlingen, wo wir auf einem riesigen Campground voller Snowbirds übernachtet haben. Schon beim Einchecken wurden wir auf das am Abend stattfindende "Ice Cream Social" aufmerksam gemacht. In der großen Recreation Hall des Campingplatzes kamen alle zusammen und nach einem Bericht über die Aktivitäten des letzten Monats gab es für 75 Cent eine große Portion köstlicher Eiskrem. Da wir unter all den vor dem Winter geflohenen Rentnern natürlich auffielen, wurden wir mehrfach darauf angesprochen, was uns denn hierher führen würde. Wir fanden es sehr interessant einen kleinen Einblick in das kulturelle und soziale Leben der Snowbirds erhalten zu haben.

Über den Hwy 77, die Fortsetzung des Tropical Trail, fuhren wir bis nach Corpus Christi. Mit ihrem natürlichen Hafen ist diese Stadt am Golf von Mexico ist ein wesentlicher Güterumschlagplatz, so daß Industrieanlagen und Werften Stadtbild dominieren. Die Stadt selbst ist arm an Sehenswürdigkeiten, der Bayfront Arts and Science Park, das Texas State Aquarium und das USS Lexington Museum sind die interessantesten Plätze, die alle am Fuße der Harbor Bridge zu finden sind. Der Bayfront Park ist wohl vor allem während der wärmeren Jahreszeit von Interesse, das 1990 eröffnete Texas State Aquarium führt den Besucher an die Golfküste ober- und unterhalb des Wassers. Die Pflanzen- und Tierwelt in den Marschen und am Korallenriff wie auch am Off-Shore Bohrturm wird in den Becken dargestellt. Wer bereits Seaworld oder einen ähnlichen Park gesehen hat oder einen Besuch dort plant, kann meiner Meinung nach auf einen Besuch dieser recht kleinen Anlage verzichten. Der 1943 fertiggestellte Flugzeugträger USS Lexington CV-16 liegt in der Bucht von Corpus Christi und kann besichtigt werden. Die "Lady Lex" wurde während des Zweiten Weltkrieges gegen Japan eingesetzt und lief 1945 als erster amerikanischer Flugzeugträger in die Bucht von Tokio ein. Die große Attraktion von Corpus Christi aber liegt außerhalb der Stadt: Padre Island, die 180 km lange Insel, die nur an wenigen Stellen mehr als 5 km breit ist und sich Port Isabel erstreckt. Nur die nördlichste Spitze der Insel, die mit der Stadt über den John F. Kennedy Causeway verbunden ist, ist bebaut. Das 130 km lange Mittelstück, bis kurz vor South Padre Island, bildet als Padre Island National Seashore ein Schutzgebiet, in dem die Insel in ihren Urzustand erhalten geblieben ist. Die Straße endet kurz hinter dem Visitor Center, Allradfahrzeuge können am Strand entlang die gesamte Küstenlinie abfahren. Die Sandstrände und Dünen laden zum Schwimmen, Sonnenbaden und Muschelsammeln ein. Wir übernachteten auf dem kostenlosen South Beach Campground direkt am Strand.

Der Nebel, der sich in der Nacht gebildet hatte, löste sich den ganzen Tag nicht richtig auf. So starteten wir, direkt von unserem Stellplatz zu einem ausgiebigen Strandspaziergang im Nebel. Mit Muscheln, Korallenteilen und Sanddollars beladen kamen wir zum Wohnmobil zurück und fuhren, nach einem Stop an der Dump-Station, über Padre und Mustang Island gen Norden. Am nördlichen Ende dieser Doppelinsel liegt Port Aransas, das durch eine kostenlose Autofähre und einen Straßendamm mit dem Festland verbunden ist. Auf dem Hwy 35 erreichten wir dann Rockport, einen beliebten Urlaubsort, der sehr schön auf einer Halbinsel zwischen Copano und Aransas Bay liegt. Nördlich der Stadt liegen mit dem Goose Island SP und der Aransas NWR zwei wichtige Stationen der nordamerikanischen Zugvögel an der texanischen Lagunenküste. Über 300 Vogelarten sind dort festgestellt worden, darunter auch der vom Aussterben bedrohte Whooping Crane (Schreikranich). Wir bekamen auf dem sehr schön gelegenen Campingplatz des Goose Island SP noch einen Stellplatz direkt am Ufer der Aransas Bay. Direkt vom Campingplatz und von der ca. 500 m langen Fishing Pier konnten wir Pelikane und Reiher beobachten. Neben der Beobachtung der Wasservögel zählt der Big Tree, eine riesige Eiche, deren Alter auf über 1..000 Jahre geschätzt wird, zu den Sehenswürdigkeiten dieses Parks.

Ein in der Nacht aufgekommener Sturm brachte uns die Kälte zurück, die wir geglaubt hatten, hinter uns gelassen zu haben. Während wir gestern bei 25° in kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs waren, mußten wir heute bei 4° bis 7° und eiskaltem Wind die dicken Wintersachen aus dem Schrank holen. Trotz der ungünstigen Witterungsbedindungen hat sich der Besuch der Aransas NWR auf jeden Fall gelohnt. Von allen Wildlife Refuges, die wir bisher besucht haben, haben wir hier die meisten Tiere beobachten können. Die allgegenwärtigen Wasservögel (Reiher, Schneegänse), verschiedene Raubvögel, Truthahngeier und Schwarze Geier, Weißwedelhirsche, Armadillo (Gürteltier) und die seltenen Schreikraniche konnten wir beobachten. Die Schreikraniche, deren Bestand 1938 auf 14 Tiere weltweit abgesunken war, haben sich inzwischen wieder auf 376 Exemplare vermehrt. Sie brüten im Wood Buffalo NP in West-Kanada und überwintern hier in der Aransas NWR. Von einem Aussichtspunkt konnten zwei dieser Tiere beobachten. Im Park sind aber noch weit mehr Tiere beheimatet: Berglöwen, Luchse, Wildschweine, Javelinas, Waschbären, Opossums, Skunks, Alligatoren, Eidechsen, Schildkröten, Schlangen und diverse Kleintier- und Vogelarten können hier angetroffen werden. Der gut 25 km lange Tour Loop Drive bietet die Möglichkeit meherer kurzer Trails, verschiedener Aussichtspunkte und fast immer einen guten Überblick über das Gelände, so daß sich auch vom Auto aus Tiere entdecken lassen. Wer an der Fauna Nordamerikas interessiert ist, sollte sich dieses Gebiet nicht entgehen lassen und mindestens einen dafür Tag erübrigen können. Man erreicht das Schutzgebiet 35 mi nordöstlich von Rockport (Hwy 35) über die Straßen #774 und #2040 oder von der Wasserseite per Ausflugsboot von Rockport. Wir fuhren auf der #35 noch bis Port Lavaca, der nächsten Campingmöglichkeit in nördlicher Richtung.

Heute gesellte sich zu dem ohnehin schon trüben und kalten Wetter auch noch Regen, der erste seit gut 8 Wochen. Der Hwy 35 führt vobei an teilweise ärmlichen und verlassenen Siedlungen bis er in der Brazosport Area, einer Vereinigung von neun Städten, eine Industrieregion erreicht. Raffinerien und chemische Industrie bestimmen hier das Bild und verstärken mit ihrem düsteren Erscheinungsbild und den Abgasen die trübe Stimmung noch weiter. Über eine gebührenpflichtige Brücke erreichten wir schließlich den südwestlichsten Zipfel von Galveston Island. Die Insel liegt zwischen der Galveston Bay / West Bay und dem Golf von Mexiko und besitzt an der Golfküste einen über 50 km langen Sandstrand. Die Stadt Galveston nimmt die Nordspitze der Insel ein. Sie wurde 1817 von dem Piraten Jean Laffite gegründet und war u.a. ein Zentrum des Sklavenhandels. 1821 verjagte die US-Marine Jean Laffite, und 1836 war Galveston für kurze Zeit die Hauptstadt des befreiten Texas. Wir nahmen uns südlich der Stadt einen Campingplatz und begnügten uns mit einem kurzen Spaziergang am Strand. Da die Wettervorhersagen für die nächsten Tage keine Besserung der Wetterlage in Aussicht stellen, werden wir u.U. unsere geplante Route ändern und versuchen dem schlechten Wetter zu entfliehen.

Aufgrund des schlechten Wetters haben wir am nächsten Morgen (Freitag, den 02.02.96) erst einmal ausgeschlafen. Die Wettermeldungen im Radio waren dann alles andere als ermutigend: Nördlich von Houston hat Eisregen zu katastrophalen Straßenverhältnissen und Sperrungen verschiedener Highways geführt, in Houston setzte Schneefall ein und die Schlechtwetterfront sollte weiter nach Süden vorrrücken. Es wurde nicht empfohlen in nördlicher Richtung zu fahren und die Hausbesitzer sollten sich für das Wochenende ausreichende Wasserreserven anlegen und dann ihre Wasserversorgung abstellen, um die Leitungen vor Frostschäden zu bewahren. Süd-Texas erwartete die kältesten Tage seit 7 Jahren. Wir hatten also die Wahl das schlechte Wetter in Galveston abzuwarten, d.h. mindestens bis Montag hier festzusitzen und dann wie geplant über Houston weiter gen Osten zu fahren oder aber sofort aufzubrechen, bevor der Eisregen Galveston erreicht. Wir beschlossen, auf Houston und das Space Center der NASA zu verzichten und vor dem schlechten Wetter die Flucht zu ergreifen. Eine kostenlose Fähre brachte uns von Galveston nach Port Bolivar, von wo aus wir über die #87 und #124 die I-10 bei Winnie erreichten. Auf der Interstate fuhren wir dann bei stürmischem, aber zum Glück trockenen Wetter bis nach Scott, einen kleinen Ort 5 mi östlich von Lafayette, wo wir auf einem KOA-Campground übernachteten. Der Kälte waren wir allerdings auch in Louisiana noch nicht entkommen, auch hier wurde in den Nachrichten von der "Arctic Freeze" gesprochen, es soll auch in den nächsten Tagen noch Minusgrade geben, d.h. ist 25°-30° kälter als normalerweise zu dieser Zeit. Auf dem Campingplatz sahen wir uns einen 20-minütigen Videofilm an, der auf die Sehenswürdigkeiten Süd-Louisianas, auch Cajun-Country genannt, hinwies. Typisch für diese Landschaft sind die Bayous, kurze, die Sümpfe am Golf von Mexiko entwässernden Flüsse. Eng verbunden mit den Bayous sind die Cajuns, wie man früher die Bewohner der Sumpfregion nannte. Heute bezieht sich der Begriff ganz generell auf die Bürger des südlichen Louisiana mit kreolischer Abstammung, d.h. mit spanisch/französischen Vorfahren. Der Begriff "Cajun" ist im Laufe der Zeit aus der Bezeichnung "Acadians" hervorgegangen, wie die französischstämmigen Siedler der kanadischen Kolonie Acadia genannt wurden. Diese französische Kolonie gelangte im Zuge der Kolonialauseinandersetzungen der Engländer und Franzosen 1755 unter britische Kontrolle. Die Acadians wurden von der Briten vertrieben, weil sie sich weigerten ihren katholischen Glauben aufzugeben und der anglikanischen Kirche beizutreten und fanden schließlich in Louisiana eine neue Heimat. Die Cajuns haben sich bis heute ihre eigene Kultur erhalten, wobei neben der Cajun-Musik vor allem die Cajun-Küche mit ihren Fisch- und Krabbenspezialitäten erwähnenswert und über die Landesgrenzen hinaus berühmt ist.

Nach einer frostigen Nacht stiegen auch die Tagestemperaturen kaum über den Gefrierpunkt, aber wir hatten wenigstens wieder Sonne und blauen Himmel. Nachdem wir am Vormittag in Lafayette eingekauft hatten fuhren wir zum Acadian Village, einem kleinen Acadianer-Dorf im Stil des 19. Jahrhunderts. Aus verschiedenen Dörfern sind rund ein Dutzend originaler Cajun-Häuser hier zu einem Museumsdorf zusammengefaßt worden. An einem gewundenen Bach gruppiert und typisch eingerichtet geben sie einen Eindruck vom Dorfleben der Acadians. Die kleine Siedlung macht einen so malerischen Eindruck, daß sie in einigen Filmen als nostalgische Kulisse diente. Auf dem Hwy 90 fuhren wir kurz hinter Broussard auf einen Campingplatz. Da diese Nacht noch kälter werden sollte, beschlossen wir die Heizung die Nacht über durchlaufen zu lassen, damit nicht die gesamte Wasserversorgung einfriert.

Wir hatten so zwar keine Probleme mit unserem Frischwasser, konnten aber unsere Abwässer nicht ablassen, da die außenliegenden Tanks zugefroren waren. Auch ein Auffüllen unseres Frischwassertanks war nicht möglich, denn die Wasserleitungen des Campingplatzes waren ebenfalls gefroren. Wir fuhren auf dem Hwy 90 weiter in Richtung New Orleans und erreichten bei New Iberia die Abzweigung nach Avery Island. Es handelt sich dabei nicht um eine "richtige" Insel, sondern um die Spitze eines unterirdischen Salzdomes, dessen bewaldete Kuppe aus den umliegenden Sümpfen und Marschen herausragt. Der Salzdom ist fast 13 km tief und hat an seiner Spitze einen Durchmesser von gut 3 km. Die Förderung von Steinsalz begann schon Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde aber erst gegen Ende des Jahrhunderts professionell betrieben, als ein gewisser Edward Avery McIlhenny das Areal kaufte. Er baute auf dem fruchtbaren Boden Pfefferschoten an und mischte beide Produkte zu der weltbekannten Tabascosoße. Noch heute kommt diese Spezialität fast ausschließlich aus der kleinen Fabrik in Avery Island, die besichtigt werden kann. Die eigentliche Sehenswürdigkeit aber sind die Jungle Gardens, eine phantastische Gartenanlage, die von E.A. McIlhenny mit vielen einheimischen und importierten Pflanzen aus aller Welt ausgestattet wurde. Ein Autoweg führt durch immergrüne Eichen und Zypressen, von denen spanisches Moos fahnenartig herunterhängt. Azaleen, Kamelien und Iris sorgen fast das ganze Jahr über für ein üppige Blütenpracht. In den Sümpfen tummeln sich Bisamratten und Alligatoren und das in den Garten integrierte Schutzgebiet für Wasservögel (Bird City) bietet vor allem Reihern einen sicheren Brutplatz. Zurück auf dem Hwy 90 fuhren wir über viele Brücken durch die schöne Bayou-Landschaft Süd-Louisianas bis nach Houma. Auf dem Campingplatz konnten wir dann endlich dumpen und unseren Frischwassertank auffüllen. Ab morgen soll es wieder etwas wärmer werden, so daß wir das schlimmste jetzt wohl überstanden haben. 

Auf dem Hwy 90 erreichten wir bei Raceland den Bayou Lafourche, an dem entlang ein 200 km langer Abstecher (retour) an die Golfküste führt. An dieser schmalen Wasserstraße reihen sich die Ortschaften z.T. so dicht aneinander, daß ein "ländlicher Ballungsraum" entsteht. Am Bayou kann man nicht nur Fischerboote und Luxusjachten sehen, sondern auch sehr viele Wasservögel beobachten. Sind es zu Beginn nur verschiedene Reiherarten, so gesellen sich gegen Ende der Straße bei Grand Isle auch Pelikane und Kormorane dazu. Der Grand Isle SP liegt auf erst in den letzten 150 Jahren angeschwemmten Land an der Golfküste. Von der Fishing Pier des Parks sieht man die gewaltigen Bohrplattformen im Golf. Wir konnten hier sogar eine Gruppe von Delphinen beobachten. Leider hatte ich von dieser sehr reizvollen Tour nicht allzuviel, da die letzten kalten Tage mir eine kräftige Erkältung eingebracht hatten. Wir checkten uns in New Orleans auf einem Campingplatz ein, von dem es eine gute Busverbindung zum French Quarter gibt und wollen die Wiege des Jazz morgen erkunden, wenn meine Erkältung es zuläßt.

Mit einem Bus fuhren wir vom Campingplatz in die Innenstadt von New Orleans, der einzigen US-amerikanischen Stadt mit einer erhaltenen Altstadt französischen Ursprungs. Die Stadt liegt eingezwängt zwischen einer Ausbuchtung des Mississippi River und dem Lake Pontchartrain. Die Gründung der Stadt im Jahre 1718 erfolgte durch die Franzosen, die sie zu Ehren ihres Königs, des Herzogs von Orleans, Nouvelle Orleans nannten. Ab 1769 geriet New Orleans für 31 Jahre lang an die Spanier, fiel aber im Jahre 1800 an Frankreich zurück, das 1803 alle seine nordamerikanischen Besitzungen im Louisiana Purchase für 15 Millionen Dollar an die USA veräußerte. Nach dem Bürgerkrieg entwickelte sich New Orleans dank seiner Lage vor dem Mündungsdelta des Mississippi zu einem der wichtigsten Häfen des Landes. Dennoch gehört es mit nur etwas über einer Million Einwohnern zu den noch überschaubaren Städten der USA. Das Vieux Carré, wie das "alte Viertel" in Französisch heißt, liegt zwischen Canal Street und Esplanade sowie dem Mississippi River und der Rampart Street. Obwohl das French Quarter, wie das Viertel offiziell heißt, heute extrem vermarktet wird und einige Gebäude renovierungsbedürftig sind, haben sich die Straßenzüge mit den New Orleans eigenen kreolischen Fassaden und schmiedeeisern verzierten Arkaden und Balkonen ihren besonderen Charme erhalten können. Eine derartige Ballung von Souvenirshops, Boutiquen, Hotels, Restaurants, Striptease-Schuppen und vor allem Kneipen findet man in den USA nicht noch einmal. Wir begannen unsere Tour durch das French Quarter in der Bourbon und Royal Street, wo sich einige sehenswerte Häuser des kreolischen Stils befinden. Über die St. Peter Street gelangten wir schließlich zum Jackson Square, der den Kern des French Quarter bildet. Rund um den Platz kann man Artisten, Zauberern und Schnellzeichnern bei der Arbeit zusehen. An der Nordseite des Platzes liegt die 1794 erbaute dreitürmige St. Louis Cathedral, die älteste katholische Kathedrale der USA und bereits die zweite an dieser Stelle. Die erste, 1724 erbaute Kirche fiel 1788 einem Brand zum Opfer. Der French Market an der Ecke Decatur Street und Jackson Square blickt auf eine über 200jährige Vergangenheit zurück. Wo heute die 1975 errichteten Arkaden mit Läden und Restaurants stehen, befand sich ein indianischer Handelsplatz, der später auch von den Franzosen und Spaniern benutzt wurde. Das Café du Monde ist eine lokale Institution, die seit etwa 130 Jahren rund um die Uhr geöffnet hat. Es gibt Café au lait, Beignets (Schmalzgebäck) und Konzerte von Straßenmusikanten. Direkt neben dem French Market befindet sich mit dem Old Farmer´s Market der älteste Markt der USA, auf dem die Farmer des Umlandes ihre Waren anbieten. Ein angrenzender Flohmarkt nutzt die touristisch interessante Lage. Jenseits der Gleise der Riverfront-Straßenbahn ist der Damm des Mississippi River unter dem Namen Moon Walk zur Flaniermeile geworden. Wir flanierten am Woldenberg Riverfront Park vorbei zum Liegeplatz der Mississippidampfer vor dem Aquarium. Die "Natchez" legte gerade zu einer Fahrt ab und bildete so ein sehr schönes Fotomotiv. Wir fuhren dann vom Terminal der Canal Street Ferry mit der, für Fußgänger kostenlosen, Autofähre über den Mississippi zum Stadtteil Algiers. Von der Fähre aus hat man den schönsten Blick auf die Skyline von New Orleans. Vor dem World Trade Center liegt die Spanish Plaza, ein Geschenk Spaniens zur 200-Jahr-Feier der USA 1976, mit ihrem sehenswerten Springbrunnen. Von diesem Platz führt der Weg zum Riverwalk Marketplace, einem restaurierten Lagerhauskomplex mit über 200 Geschäften und Restaurants. Vom French Quater aus fuhren wir dann nach 11 km Fußmarsch durch die Straßen von New Orleans mit dem Bus zurück zum Campingplatz.

Unserer heutiger Tag stand ganz im Zeichen des Mississippi River, Vater aller Flüsse oder auch "Ol´ Man River", wie dieser fast 3800 m lange Fluß auch genannt wird. Von rund 250 Zuflüssen gespeist, nimmt er Kurs auf den Golf von Mexiko, dessen Küste er mit seinen Riesenmengen von Schlick im Laufe der Zeit stark verändert hat. Jedes Jahrhundert verschiebt sich das Flußdelta 10 km weiter nach Südosten. Dieser gewaltige Strom beginnt als bescheidener Fluß am Lake Itasca in Minnesota. Bei St. Louis mündet der mächtige Missouri und weiter südlich bei Cairo der Ohio River in den Mississippi. Mit seinen Nebenflüssen durchfließt der Mississippi das gesamte zentrale Nordamerika und war bis zum Bau der Eisenbahn der wichtigste Transportweg des Landes. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts bildete er die Zivilisationsgrenze zwischen dem Osten und Westen der USA, mittlerweile ist er längst zum Mythos geworden. Wir hatten vor, dem Mississippi bis zu seiner Mündung, bzw. bis zu Ortschaft Venice zu folgen. Auf der Landkarte hat es den Anschein, daß der Hwy 23 immer am Fluß entlang führt und wir versprachen uns von dieser Strecke schöne Blicke auf den Fluß. Da der Fluß aber seit 1963 auf seinem letzten Abschnitt kanalisiert ist, bietet diese Strecke nicht den geringsten Ausblick auf den Mississippi. Da uns diese Strecke dann zu langweilig war, machten wir in Myrtle Grove kehrt und fuhren zurück nach New Orleans. Von dort aus folgten wir der Great River Road, die aus einer West- (#18, #1) und einer Ostroute (#48, #44, #942) besteht, dem Flußlauf des Mississippi folgt und zu einigen sehenswerten "Plantations" führt. Diese alten Herrenhäuser der Baumwollpflanzer, die es vor dem amerikanischen Bürgerkrieg dank der Sklavenarbeit zu Wohlstand gebracht hatten, werden auch "Antebellum Houses" genannt. Auf der Strecke von New Orleans nach Baton Rouge stehen sechs dieser Anwesen gegen Eintritt zur Besichtigung offen oder bieten sogar Übernachtungsmöglichkeiten. Wir sollten bei der San Francisco Plantation am Hwy 44 in der Nähe von Reserve den vollen Eintrittspreis von 7 Dollar bezahlen, obwohl wir gar nicht in das Haus hinein wollten. So fuhren wir weiter zur Oak Alley Plantation bei Vacherie am Hwy 18, wo aber die gleichen Bestimmungen galten. Dieses Anwesen, mit seiner wundervollen von 28 Eichen gebildeten Allee, war ein Schauplatz des Filmes "Fackeln im Sturm" und vieler anderer Produktionen. Die ehemalige Zuckerrohrplantage verfiel nach dem Bürgerkrieg und wurde schließlich von einer Stiftung übernommen und restauriert. Da wir es nicht einsahen für ein paar Fotos des Gebäudes den vollen Eintritt zu bezahlen, machten wir hier unsere Fotos von der Straße aus und fuhren dann wieder auf die I-10 Richtung New Orleans zurück. Die Plantagen an der Great River Road sind ohne Zweifel sehenswert, wer aber wie wir nicht bereit ist für jeden Blick aud die Gebäude Eintritt zu zahlen, sollte sich aus der beim Visitor Center in New Orleans erhältlichen Broschüre bestimmte Plantagen heraussuchen und diese gezielt anfahren. Zurück in New Orleans nutzten wir die mit fast 40 km längste Brückentrasse der Welt (Pontchartrain Causeway) über den Lake Pontchartrain, um im Fontainebleau SP am Nordufer des Sees zu übernachten. Bei einem abendlichen Spaziergang über den Campingplatz und zum See konnten wir nicht nur den gewaltigen Schaden begutachten, den der Southern Pine Beetle an dem Kiefernbestand des Parks angerichtet hat, sondern auch Eichhörnchen, Fledermäuse und einen Waschbären beobachten.

Nachdem wir am Morgen noch einmal den Blick über den riesigen Lake Pontchartrain und die Brückentrasse geworfen hatten, fuhren wir auf dem Hwy 190 bis zur I-10. Kurz hinter der Grenze zu Mississippi suchten wir das Visitor Center auf, um uns mit Karten und Campingplatz-Informationen einzudecken. Der Hwy 90 brachte uns in Pass Christian an den Golf von Mexiko. Wir sahen uns den kleinen Hafen des Ortes und die aufgeschütteten Strände an. Die hier ursrünglich vorhandenen versumpften Uferbereiche wurden trockengelegt und der breite Sandstrand zwischen Bay Saint Louis und Biloxi aufgeschüttet. Der Hwy verläuft immer an der Küste entlang und bietet noch einen weiteren Reiz, da wunderschöne alte Südstaatenvillen an der Straße liegen. Um Biloxi herum konzentrieren sich die jüngsten Attraktionen am Golf, die Spielkasinos. Wir sahen uns das Treasure Bay Casino in Form eines Schiffes an. Kurz hinter Biloxi erreichten wir den Davis Bayou der Gulf Islands NSS, einem mit Visitor Center, verschiedenen Trails und Campingplatz ausgestatteten, aber ansonsten naturbelassenen Mangrovensumpf, der vor der Trockenlegung bewahrt wurde. Die eigentlichen Attraktionen des Parks, die vorgelagerten Inseln, lassen sich z.T. per Ausflugsboot ab Gulfport und Biloxi oder auch nur mit Charterbooten erreichen. Im Visitor Center kamen wir mit einer Volunteer Rangerin ins Gespräch, so daß wir dann gar keine Zeit mehr hatten uns den Davis Bayou anzusehen, sondern uns einen Stellplatz auf dem Campingplatz (first come first serve) sichern mußten. Auch auf diesem Platz sind wieder Hörnchen und Waschbären unsere Nachbarn.

In der eigentümlichen Stimmung des Morgennebels sahen wir uns die Landschaft am Davis Bayou etwas genauer an. Der Nature Trail beginnt an einem kleinen Teich, in dem wir Schildkröten sahen und an dessen Ufer die vom Nebel befeuchteten Spinnweben glitzerten. Der Davis Bayou selbst war fast vollständig vom Nebel verschluckt. Kurz hinter Pascagoula trifft die #90 wieder auf die I-10, auf der wir dann Alabama erreichten. Auch hier gab es, wie auf den Interstates allgemein üblich, gleich hinter der Grenze ein Visitor Center. Mit Landkarte und Informationsmaterial bewaffnet bogen wir kurz vor Mobile von der I-10 ab und erreichten auf der #59, südlich von Theodore die sehr schönen Bellingrath Gardens. Ob es nun, wie ein Prospekt verspricht, einer der schönsten Gärten der Welt ist, sei dahingestellt, es handelt sich aber zweifelslos um eine sehr schöne und gepflegte Anlage. Leider war der Zeitpunkt unseres Besuches etwas unglücklich, da die wenigen Winterblüher in der zurückliegenden Frostperiode sehr gelitten hatten. So konnten wir nur im 1935 errichteten Tropenhaus einige Blüten bewundern, aber auch ohne Blütenpracht ist der Park sehenswert. Die reiche Industriellen-Familie Bellingrath hat diesen exquisiten Park in den 20er Jahren aus einem subtropischen Dschungel geschaffen. Vor dem Hintergrund mächtiger Bäume herrscht vom Frühling bis zum Spätsommer eine verschwenderische Blütenpracht. Der gestaffelte Eintrittspreis erlaubt den alleinigen Besuch der Gartenanlage, die zusätzliche Besichtung der Bellingrath Villa und die Teilnahme an einer Fahrt auf dem Fowl River. Wer in der Blütezeit in der Nähe ist, sollte sich diesen wunderschönen Park auf keinen Fall entgehen lassen. Über den Hwy 193 kamen wir nach Dauphin Island, wo wir in Fort Gaines auf dem Campingplatz übernachteten.

Der Morgen begann mit einer Panne. Wir wollten mit unseren Fahrrädern eine Tour über Dauphin Island unternehmen, mußten aber feststellen, daß mein Fahrrad einen Platten hatte. So packten wir die Fahrräder wieder weg und machten uns auf den Weg zur Mobile Bay Ferry, die alle anderthalb Stunden Fort Gaines und Fort Morgan miteinander verbindet. Die Fähre war trotz des starken Nebels über der Mobile Bay sehr pünktlich und wir setzten unsere Fahrt auf dem Dixie Graves Parkway (#180, #182) fort. Auch hier war die Küstenlinie in dichten Nebel gehüllt, was die Strandhäuser in eine fast unheimliche Atmosphäre rückte. In Orange Beach erreichten wir dann die Grenze nach Florida. Dieses südlichste Anhängsel an den nordamerikanischen Kontinent, heute ein Mekka für Touristen, war nicht immer so begehrt. Kaum 100 m aus dem Meer herausragend und durchsetzt von unzähligen Flüssen und Seen , war dieses tropisch-subtropische Land berühmter für seine tropischen Krankheiten als für seine Strände. Die Natur hat Florida für ein Urlaubsparadies bestens ausgestattet: Die Palette reicht von den tropischen Inseln der Keys im Süden bis zu den Wäldern Nordfloridas. Dazwischen liegen die faszinierenden Sümpfe der Everglades und die Seenplatte Zentralfloridas - und natürlich Hunderte von Kilometern herrlicher Strände. Die Blüte Floridas begann Ende des vorigen Jahrhunderts mit der Verlegung der Eisenbahn in den Staat. Gleichzeitig gebaute Hotels zogen die Touristen nach Süden, das Urlaubsland Florida war entdeckt. Heute trägt die moderne Vergnügungsindustrie das ihre dazu bei Florida abwechslungsreich zu gestalten. An die einhundert, zum Teil unglaublich aufwendig gestaltete "Theme Parks" und Attraktionen sorgen für die Unterhaltung der Touristen. Dieser Aufschwung der Tourismus-Industrie, dem wichtigsten Wirtschaftszweig des Staates, ist an der Natur jedoch nicht spurlos vorübergegangen. Viele Sümpfe wurden trockengelegt und Ökologen befürchten, daß die Everglades einen dauerhaften Schaden davongetragen haben. Wir fuhren auf dem Hwy 98 über Pensacola, Fort Walton Beach bis nach Panama City Beach. Die Strände auf diesem gut 160 km langen Abschnitt des Florida Panhandle werden von vielen als die schönsten in ganz Florida bezeichnet. Während die Strände im Süden aus körnigem Muschelsand bestehen, säumt die Küsten im Nordwesten feiner schneeweißer Quarzsand, den der Mississippi nach der Eiszeit aus dem Hinterland an die Küste schaffte. Besonders reizvoll ist der Abschnitt auf dem Hwy ALT 98, der die meiste Zeit direkt am Strand entlang führt. Wir mieteten uns in Panama City Beach gleich für zwei Nächte einen Campingplatz, da wir uns für den nächsten Tag einiges vorgenommen hatten: Auffüllen der Vorräte, Grundreinigung des Wohnmobils, Reparatur der im Sturm beschädigten Fernsehantenne und das Flicken meines Fahrrades stehen auf dem Programm.

Nach unserem gestrigen "Arbeitstag" konnte heute der Urlaub weitergehen. Panama City Beach ist durch und durch touristisch, gut 4..000 Einwohnern steht die zehnfache Menge an Touristen-Quartieren gegenüber. Am Miracle Strip, der parallel zum Strand verlaufenden Hauptstraße reihen sich Restaurants, Cafés, Bars, Diskotheken, Minigolfplätze und Amusementparks aneinander. Diesem Rummel kann man in der St. Andrews SRA südöstlich des Ortes entgehen. Hier kann man die herrliche weiße Dünenlandschaft und das kristallklare Wasser des Golfs von Mexiko in Ruhe genießen. Der Park liegt an der Spitze einer Landzunge zwischen der Grand Lagoon und dem Golf von Mexiko. Zwei Campingplätze bieten Übernachtungsmöglichkeiten in schöner Umgebung und in den Sommermonaten fahren Boote zu der unbewohnten, zum Park gehörenden Shell Island hinüber. Am Buttonwood Marsh Overlook konnten wir blaue Reiher beobachten und der Pine Flatwood Trail führte uns von der Grand Lagoon über Marschlandschaften bis zu einem Kiefernwald. Nach einem weiteren kurzenTrail am Ufer des Gator Lake beendeten wir unseren Besuch dieses Parks mit einem ausgiebigen Strandspaziergang an der Golfküste. Auf dem Hwy 98 fuhren wir weiter in östlicher Richtung, wo die Straße nach der Durchquerung der Tyndall Air Force Base auf einem wunderschönen Abschnitt zwischen Mexico Beach und Port St. Joe direkt an der Golfküste entlang führt. Über eine Country Road erreichten wir dann den St. Joseph Peninsula SP, der wie der Name schon sagt auf der St. Joseph Halbinsel zwischen Golf und St. Joseph Bay liegt. Von der in den Park hineinführenden Stichstraße gibt es Zugänge sowohl zum Golf von Mexiko als auch zu St. Joseph Bay. Vom palmenumstandenen, strandnahen Campingplatz aus gingen wir durch die Dünen an den herrlichen weißen Strand. Dank des klaren Himmels gab es einen phantastischen Sonnenuntergang, bei dem die Sonne wie ein roter Feuerball im Meer versank.

Die Folgen des Hurrican vom letzten Oktober haben uns heute unsere Pläne durcheinander gebracht. Nachdem wir die St. Joseph Peninsula verlassen hatten, erreichten wir mit dem kleinen Ort Apalachicola eine Hochburg der Austernzucht. Rund 70% der Gesamtproduktion an Austern in Florida stammt von den Austernfischern rund um Apalachicola. Auf über 5..000 ha Fläche liegt hier eine Austernzucht neben der anderen gut geschützt von den vorgelagerten Inseln. Eine dieser Inseln, die St. George Island kann man von Eastpoint aus über eine Brücke erreichen. Im St. George Island SP an der Nordspitze der Insel wollten wie heute campieren, aber der State hatte aufgrund der Hurrican-Schäden geschlossen. Auf unser weiteren Fahrt auf dem Hwy 98 immer entlang der Golfküste sahen wir auch in den vielen kleinen Austernfischerorten noch die Spuren dieses Hurrican. Entlang einsamer Strände erreichten wir den Abzweiger auf die #370, auf der wir nach Alligator Point fuhren, wo wir auf dem gleichnamigen Campground übernachteten. Der Ort liegt sehr schön auf einer Halbinsel zwischen Alligator Habor und Golf von Mexiko.

Über die Straßen #98, #319 und #276 erreichten wir die in den Wäldern des Edward Ball Walkulla Springs SP versteckten Walkulla Springs, die Quelle mit dem angeblich tiefsten Quelltopf der Welt (56 m). Aus ihm sprudeln pro Sekunde bis zu 54.000 Liter Wasser in ein kristallklares Becken. Die Wassertemperatur bleibt das ganze Jahr über relativ konstant bei 21° C. Mit Glasboden ausgestattete Boote fahren über das, inmitten eines Zypressenwaldes liegende Quellbecken und erlauben einen Einblick in die Unterwasserflora und -fauna. Eine weitere, 45minütige Bootstour auf dem Walkulla River führt durch unberührten Dschungel, ein Paradies für exotische Vögel, Fische, Schildkröten und Alligatoren. Aufgrund des Tierreichtums des Parks ist diese Tour jedem Tierliebhaber zu empfehlen. In diesem Gebiet wurden neben einigen anderen Produktionen auch die alten Tarzan-Filme mit Johnny Weißmüller in der Hauptrolle gedreht. Ein kleiner Badestrand lädt überdies zu einem alligatorsicheren Bad in dem glasklaren Quellwasser. Zurück auf dem Hwy 98 fuhren wir weiter in südlicher Richtung bis wir bei Chiefland die Abzweigung (#320) zum Manatee Springs SP erreichten. Die namensgebenden Manatee Springs speisen den Suwannee River mit über 5.000 Liter Wasser pro Sekunde. Auf dem sehr schön im Wald gelegenen Campingplatz hatten wir es uns gerade am Lagerfeuer gemütlich gemacht, als von einer der anderen Campsites der Klang einer Trompete zu uns herüber drang, was will man mehr? Ein andere Camper machte uns dann noch auf das heute abend stattfindende gemütliche Beisammensein mit Lagerfeuer, "Songs and Stories" aufmerksam. So saßen wir dann mit den anderen Gästen am Lagerfeuer und die "Wirtin" des Campingplatz las Geschichten vor, spielte Gitarre und animierte uns zum Mitsingen Ihrer Lieder. So ging ein sehr schöner Abend viel zu schnell vorüber. Auf dem "Sing Along" erfuhren wir dann noch, daß morgen früh eine gefuhrte Kanutour auf dem Suwannee River stattfindet und wir beschlossen, einen weiteren Tag in diesem schönen Park zu bleiben und an dieser Fahrt teilzunehmen.

Gleich nach dem Frühstück gingen wir zu den Manatee Springs. Das Quellbecken bietet das ganze Jahr über Bademöglichkeiten in dem konstant 22° C warmen Wasser. Ein Steg folgt dem Quellfluß bis zur Einmündung in den Suwannee River. Hier konnten wir Anchingas, Schildkröten, Fische, Geier und Raubvögel beobachten. Die Manatees (Seekühe), die der Quelle ihren Namen gegeben haben, waren aufgrund des unruhigen Wassers aber nicht zu erkennen. Während der Wintermonate wandern die Manatees vom kälter werdenden Golf von Mexiko die Flüsse zu den warmen Quellen hinauf. Im Mündungsbereich des Quellflusses mit dem Suwannee River halten sich fast täglich einige dieser seltenen Tiere auf und können vom Ende des Steges aus beobachtet werden. Auch auf der anschließenden gut einstündigen Kanutour auf dem Suwannee River sahen wir keine Manatees, dafür aber viele Schildkröten und Wasservögel aus nächster Nähe. Wir beschlossen dann eine weitere Nacht im Park zu bleiben und erkundeten am Nachmittag einen großen Teil des Trailsystems des Parks mit unseren Mountainbikes.

Über Nacht ereilte uns eine weitere Kälteperiode, die zwar nur einen Temperatursturz von 10° C brachte, aber wir müssen in den kommenden Nächten auch wieder mit Nachtfrösten rechnen. Wir haben schon etwas Pech, daß wir ausgerechnet in einem amerikanischen Rekordwinter unterwegs sein müssen. Bevor den Park verließen, machten wir uns noch einmal auf den Weg zum Suwannee River und hatten diesmal tatsächlich Glück: In der Einmündung des Quellflusses konnten wir ein Manatee beobachten. Wir sollten heute aber noch mehr dieser schwerfälligen, mit den Elefanten verwandten Säugetiere zu Gesicht bekommen. Im Homosassa Springs State Wildlife Park gibt es rund um die artesische, weitestgehend naturbelassene Quelle ein sehr schönes Wildschutzgebiet. Vom Hwy 19/98 aus erreichten wir den Wildpark über eine halbstündige Bootsfahrt durch die tropische Umgebung der Quelle, wo wir einige der farbenprächtigen Wood Ducks beobachten konnten. In einer tierparkähnlichen Anlage sind unter anderem ein Flußpferd, Alligatoren, Otter und Wasservögel zu sehen. Die meisten Greifvögel des Parks sind nur vorübergehend hier, es handelt sich um verletzt aufgefundene Tiere, die hier, wenn möglich, wieder gesund gepflegt und in die Freiheit entlassen werden. Im kristallklaren Wasser der Quelle kann man von einem schwimmenden Unterwasserobservatorium aus die zahllosen Fische und auch Manatees, die gutmütigen, dickhäutigen Seekühe beobachten. Bei den Manatees handelt es sich um von Motorbooten verletzte oder verwaiste Tiere, die in der natürlichen Umgebung der Quelle auf ein Leben in freier Natur vorbereitet werden. Wir fuhren in Holiday auf die ALT 19 und übernachteten auf einem Campingplatz südlich von Tarpon Springs.

Zunächst fuhren wir zurück nach Tarpon Springs, daß 1876 von A.P.K. Safford, einem früheren Gouverneur Arizonas gegründet wurde. Griechische Schwammtaucher fanden hier um die Jahrhundertwende ein neues Heim und begründeten eine blühende Industrie. Kunstschwämme haben heute das Schwammtauchen zu einem weniger gefragten Gerwerbe gemacht, das aber für die Menschen in Tarpon Springs immer noch sehr wichtig ist. Wie schon vor fünf Jahren, fanden wir es auch heute wieder sehr interessant durch die Schwamm-Docks zu schlendern und die griechische Atmosphäre dieses Städtchens zu genießen. Auch wenn der Bereich um die Sponge Docks sehr touristisch ist, lohnt sich ein Besuch von Tarpon Springs. Im Zentrum der Stadt besuchten wir noch die sehr schöne griechisch-orthodoxe Kirche St. Nicholas bevor wir uns auf den Weg nach Süden machten. In Clearwater erreichten wir das nach Miami/Fort Lauderdale/West Palm Beach zweitgrößte Ballungsgebiet Floridas mit den Städten Clearwater, St. Petersburg und Tampa. Dieses Gebiet wird geprägt durch seine Lage am Golf von Mexiko und rund um den Clearwater Harbor, die Tampa und Boca Ciega Bay. Wir fuhren in Clearwater Beach auf die rund 40 km lange, dem Festland vorgelagerte Inselkette. Am Gulf Boulevard, der die Inseln miteinander verbindet, reihen sich in ununterbrochener Folge Hotels, Motels und Restaurants aneinander. Die kleinen Strandorte gehen nahtlos ineinander über, auf der Ostseite gesäumt von Jachthäfen und von Kanälen durchzogenen Wohnvierteln an der Boca Ciega Bay und auf der Westseite von den herrlichen Sandstränden des Golfs von Mexiko. Wir fuhren hinunter bis zum Mullet Key, dem südlichen Ende der Inselkette, wo wir im Fort De Soto Park übernachten wollten. Da der Campground ausgebucht war, mußten wir uns eine andere Übernachtungsmöglichkeit suchen, haben uns aber einen Stellplatz für die nächsten beiden Nächte reservieren lassen. Wir fanden einen Capingplatz in St. Petersburg, ganz in der Nähe unserer morgigen Ziele, einem Flohmarkt und dem Salvador Dali Museum.

Der Wagonwheel Flea Market, 7801 Park Boulevard (Hwy 694) bietet auf 2.000 Ständen alles was man sich vorstellen kann. Jedes Wochenende öffnet dieser riesige Flohmarkt seine Tore, ein Muß für alle Flohmarkt-Fans. Im Zentrum von St. Petersburg liegt mit dem Salvador Dali Museum die größte kulturelle Attraktion des Ballungsgebietes. Die Sammlung umfaßt 94 Ölgemälde, über 100 Aquarelle und Zeichnungen, fast 1300 Grafiken, außerdem Skulpturen, Kunstobjekte, Fotografien, Dokumente und eine umfangreiche archivarische Bibliothek. Sie ist die größte Dali-Sammlung der Welt und beinhaltet alle Schaffensperioden des Malers. Zu verdanken hat St. Petersburg diese einmalige Sammlung dem Ehepaar Morse, die seit 1942 persönliche Freunde und Mäzene von Dali und Sammler seiner Werke sind. Sie stifteten ihre umfangreiche Sammlung 1980 der Bevölkerung Floridas und 1982 wurde das Dali Museum eröffnet. Die Galerie führt die Besucher von den frühen Werken im impressionistischen Stil über die surrealistische und klassische Periode bis zu den Meisterwerken des unverkennbaren Dali-Stils. Die berühmten zerfließenden Uhren, Doppelbilder und monumentalen Gemälde sind die Highlights des Museums. Neben den Kunstwerken steht auch das exzentrische Leben Dalis, eines der größten Künstler des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt der Ausstellung. Vom Dali Museum fuhren wir zum Fort De Soto Park und bezogen unseren reservierten Stellplatz, umgeben von Palmen und dichter Vegetation. Wir beobachteten drei Waschbären, die auf unserem Platz irgendetwas eßbares gefunden hatten. Unsere Vorgänger auf diesem Platz hatten Salzgebäck für die Tiere deponiert, was wir erst einmal eingesammelt haben. Wir zogen uns damit zwar den Unmut der Waschbären zu, konnten aber nicht einfach zusehen, wie die Tiere dieses schädliche Zeug fressen.

Da wir für die zweite Nacht auf einen anderen Stellplatz wechseln mußten, fuhren wir nach dem Frühstück auf einen der vielen Parkplätze im Park und machten unsere Fahrräder startklar. Auf dem Recreational Trail, einem von der Straße getrennten Wegesystem für Fußgänger, Radfahrer und Skater, fuhren wir durch den gesamten Park. Am North und East Beach, sowie an den beiden Piers in die Tampa Bay und den Golf von Mexiko machten wir Pausen und genossen das herrliche Wetter. Vom East Beach aus hat man einen schönen Blick auf die Sunshine Skyway Bridge, die die Tampa Bay überspannt und St. Petersburg und Bradenton miteinander verbindet. Die Brücke ist über 20 km lang und die Fahrbahn befindet sich an der höchsten Stelle 19 Stockwerke über der Wasseroberfläche. Unsere Freude über das Wetter wurde noch größer, als wir in einem Telefonat mit Freunden erfuhren, daß Norddeutschland im Schnee versinkt. Unser letzter Stop führte uns zu dem 1898 erbauten Fort De Soto auf der Spitze des Mullet Key, das dem Park seinen Namen gegeben hat. Das Fort wurde zum Schutz der Tampa Bay während des spanisch-amerikanischen Krieges erbaut, die Kanonen wurden jedoch nie abgefeuert. Zurück auf dem Campingplatz saßen wir auf unserem sehr schön am Wasser gelegenen Stellplatz vor unserem Wohnmobil, als sich ein Hörnchen an unsere Erdnußtüte heranschlich. Später erkundete dann auch noch ein Waschbär, ob es etwas Eßbares zu erbeuten (erbetteln) gibt. Direkt von unserem Platz aus erlebten wir dann noch einen phantastischen Sonnenuntergang.

Wir verließen den Park bei leichtem Regen und fuhren über die Sunshine Skyway Bridge weiter in Richtung Süden. Von Bradenton aus nutzten wir wieder die Nebenstraßen auf den vorgelagerten Inseln Anna Maria Island und Longboat Key. Dem sehr touristischen Sarasota schenkten wir keine Beachtung und gelangten über Siesta Key, wo wir an dem herrlichen weißen Strand spazierengingen und die kleine Ortschaft Osprey in den Oscar Scherer SP. Der sehr schön angelegte Campingplatz war leider ausgebucht und wir mußten mit einem Platz in der "Overflow-Area" innerhalb eines Picknickbereiches Vorlieb nehmen.

Wir begannen den nächsten Tag mit einer 90minütigen, rangergeführten Kanutour auf dem South Creek, der durch den gesamten Park hindurch fließt. Der Ranger erklärte die Flora und Fauna des Parks im und am sehr flachen und ziemlich schlammigen Fluß. Nach anfänglichem Nebel siegte schließlich die Sonne und wir hatten perfektes Kanu-Wetter. Uns ging es in der Gruppe allerdings etwas zu langsam voran, so daß wir beschlossen, das nächste Mal auf die Rangerinformationen zu verzichten und uns allein auf den Weg zu machen. Auf dem Hwy 41, dem Tamiami Trail (Tampa-Miami Trail) fuhren wir dann weiter in südlicher Richtung. Über Port Charlotte und Fort Myers erreichten wir die Koreshan SHS, wo wir übernachten wollten. Da die vergleichsweise günstigen Campingplätze der State Parks aber auch bei den Snowbirds sehr beliebt sind, war auch hier alles ausgebucht. So mußten wir auf einen mit $ 29 recht teuren privaten Campingplatz ausweichen, um für den Besuch der beiden Inseln Sanibel und Captiva, wo es keine Campingmöglichkeiten gibt, einen guten Ausgangspunkt zu haben. Wir hoffen, daß die Snowbirds nicht zu einem Problem für uns werden und wir nicht häufiger auf ausgebuchte Plätze treffen. Am Abend nutzten wir den einzigen Vorteil der privaten Plätze und machten es uns im platzeigenen Pool und Spa gemütlich.

Die beiden vorgelagerten Inseln Sanibel und Captiva Island, die über eine Brücke mit dem Festland verbunden sind, gehören zu den schönsten der ganzen Westküste. Vorbei an luxuriösen Anwesen und durch üppige subtropische Vegetation, die ein wenig an die Südsee erinnert, führt eine Durchgangsstraße über die ganze Länge der Insel bis Captiva Island. Berühmt sind die beiden langgestreckten Inseln vor allem wegen der zahllosen Muscheln, die mit jeder Flut an den flachen Stränden angeschwemmt werden. Hier verdient sich die Region ihren Spitznamen "Shell Coast" zu Recht. Rund 400 Muschelarten kommen vor und machen Sanibel und Captiva zu einem Mekka der Muschelsammler. Auf Sanibel wirkt alles sehr dezent, sogar die sonst allgegenwärtige Infrastruktur aus tankstellen, Fast Food Restaurants und Shopping Zentren. Für den "einfachen" Besucher ist es allerdings etwas schade, daß die Küstenlinie größtenteils in privatem Besitz ist und die wenigen Public Beaches nur sehr wenig Parkraum bieten. Auf Captiva ist der öffentliche Strandzugang noch weiter eingeschränkt und auch die Parkplatzsituation ist die gleiche wie auf Sanibel. Die von Mangroven überwucherte Landseite von Sanibel Island ist fast vollständig im J.N. "Ding" Darling NWR unter Schutz gestellt. Auf mehr als 2.000 ha Fläche dehnt sich dort eine unberührte Urlandschaft aus mit kleinen Lagunen und Wasserläufen, in denen Alligatoren zu finden sind. Auf dem 8 km langen Wildlife Drive lassen sich zahlreiche Wasservögel beobachten, darunter die seltenen Rosa Löffler, Reiher, Pelikane und rund 200 weitere Vogelarten. Der Park verdankt seinen Namen einem politischen Karikaturisten und Pionier der Naturparkbewegung namens Jay Norwood Darling, der seine Karikaturen mit "Ding" signierte. Wir begannen unseren Besuch der beiden Inseln mit diesem Naturpark und konnten viele Wasservögel und auch Alligatoren beobachten. Danach fuhren wir auf der Durchgangsstraße bis nach Captiva, fanden aber auf keinem der wenigen Parkplätze eine Möglichkeit unser Wohnmobil abzustellen. So fuhren wir zum Parkplatz am Besucherzentrum des Parks zurück und nutzten mit unseren Fahrrädern das gut ausgebaute Netz von Radwegen auf Sanibel Island. So kamen wir dann doch noch an den Strand, der allerdings, wie schon die Wildlife Refuge und die gesamte Insel, sehr voll war. Da die Snowbirds alle nach Weihnachten aufbrechen empfiehlt sich ein Besuch Südfloridas ohne überfüllte Parkplätze und Strände vor dieser Zeit. Wir verließen die Inseln und fuhren über Fort Myers Beach bis nach Bonita Springs, wo wir uns vorsichtshalber einen Campingplatz reserviert hatten.

Das Corkscrew Swamp Sanctuary ist ein 43 km² großes Naturschutzgebiet unter der Verwaltung der Audubon Society und liegt ungefähr 25 km westlich von Immokalee. Die Zypressen in diesem Park, dem größten Zypressenwald der USA, sind zum Teil über 700 Jahre alt und damit die ältesten Bäume im östlichen Nordamerika. Ein ca. 3 km langer Boardwalk führt durch dieses Schutzgebiet, in dem neben den riesigen kahlen Zypressen, Farnen und Schlingpflanzen auch zahlreiche Tiere zu beobachten sind. Wir konnten Wasserschlangen, Alligatoren, Schildkröten, Eidechsen, Raubvögel, Ibisse und nistende Waldstörche (Wood Stork) auf unserem Weg entdecken. Mit $ 6,5 ist der Eintritt in dieses Schutzgebiet zwar nicht gerade billig, aber es lohnt sich auf jeden Fall diesen schönen Park zu besuchen. Auf unserem Weg zurück zum Tamiami Trail kamen wir duch die Big Cypress National Preserve, eines der letzten Rückzugsgebiete des vom Aussterben bedrohten Florida-Panthers. Sowohl auf dem Hwy 29, als auch auf der 41 konnten wir von der Straße aus Wasservögel, Schildkröten und Alligatoren beobachten. In Ochopee sahen wir uns das kleinste Post-Office der USA an, das direkt am Hwy 41 liegt. Wir begingen dann den Fehler auf die als Scenic Route beschriebene Loop Road (Hwy 94) abzubiegen. Diese unbefestigte Straße ist zwar zu Beginn noch in recht gutem Zustand, wird dann aber so schlecht, daß ich sie nicht einmal für PKW-Fahrer empfehlen kann. Mit dem Wohnmobil war es eine Katastrophe und wir benötigten für die knapp 40 km mehrere Stunden. Da wir dann auch noch die öffentlichen Campinglätze, die an dieser Straße liegen sollten verfehlten, mußten wir auf der #41 ein Stück zurückfahren, um zu einem anderen Platz zu kommen. Die Campingplätze in den Recreation Areas von Florida sind kostenlos, bieten aber auch keinerlei Anschlußmöglichkeiten für Wohnmobile.

Auf dem Tamiami Trail fuhren wir wieder in östlicher Richtung und bewunderten die vom Morgennebel befeuchteten Spinnweben, die in der Sonne glitzerten. Geli wäre dabei fast auf einen sich an der Straße sonnenden kleinen Alligator getreten und hat sich mächtig erschrocken. Die Straße führt am Nordrand des Everglades NP entlang und bietet beim Shark Valley Information Center die Möglichkeit in diese subtropische Wildnis einzudringen. Hier beginnt eine 24 km lange Ringstraße, die nur für die von der Parkverwaltung eingesetzten Tram-Bahnen, Radfahrer und Fußgänger zugänglich ist. Da wir bei unserem letzten Floridaaufenthalt an der Tram-Tour teilgenommen hatten, nahmen wir diesmal unsere Fahrräder. Die ebene und durchgehend asphaltierte Strecke durch die Sumpflandschaft der Everglades eignet sich perfekt für eine Radtour. Die Reise führt zu einem 20 m hohen Observation Tower mit einer Aussicht auf das, was dem Park seinen Namen gegeben hat: sumpfige Wiesen (glades), die sich ewig (ever) fortsetzen. Am Turm sahen wir ein nistendes Päarchen des Red-shouldered Hawk, Alligatoren, Anchingas, Schildkröten und Fische. Auf der gesamten Strecke durch dieses Strömungsgebiet zwischen dem Lake Okeechobee und dem Meer sahen wir neben zahlreichen Watvögeln nicht weniger als 69 Alligatoren am und zumTeil auch auf dem Weg. Dieser Tierreichtum und das herrliche Wetter machten diese Tour zu einem wunderschönen Erlebnis. Von Shark Valley aus fuhren wir dann bis nach Florida City südlich von Homestead am Hauptzugang zum Everglades NP. Seit unserem letzten Aufenthalt hat sich Homestead sehr verändert, da der Hurrican Andrew im August 1992 große Teile der Stadt zerstört hat. Wir füllten unsere Vorräte auf und nutzten den Rest des Nachmittages für fällige "Hausarbeiten".

Die gewaltigen Sumpfgebiete der Everglades sind die letzte große Wildnisregion im Ostteil der Amerikas und die größte subtropische Wildnis der USA, die fast die gesamte südliche Spitze Floridas einnimmt. Der Park umschließt eine Fläche von 5667 km² an der Südspitze der Everglades. Die Indianer nannten die Sümpfe Pa-hay-okee, was "fließendes Gras" bedeutet. Tatsächlich sind die Everglades eigentlich ein gewaltiger Fluß, 80 km breit, 160 km lang aber nur wenige Zentimeter tief, der mit nur ganz wenig Gefälle vom Lake Okeechobee nach Süden in die Florida Bay fließt. Diese Naturlandschaft aus Sumpfwiesen mit dschungelartigen Bauminseln (Hammocks) und Mangrovensümpfen ist ein Refugium für 700 Pflanzen-, 300 Vogel- und zahlreiche Tierarten. Doch dieses Naturparadies ist in Gefahr: Einst floß das Wasser, lebenspendendes Element dieses Ökosystems, vom Lake Okeechobee ungehindert südwärts. Doch mit der Erschließung und Besiedlung Südfloridas wurde Wasser zunehmend in Siedlungen und große Farmen abgeleitet, die Feuchtlebensräume im Park gehen zurück, weil nicht genügend Wasser in die Everglades gelangt. Seit der Gründung des Nationalparks 1947 und besonders in den letzten Jahren wurde einiges zur Erhaltung der Everglades getan. Ob diese Maßnahmen Erfolg haben werden und das einzigartige Ökosystem zu retten ist, werden aber erst die nächsten Jahrzehnte zeigen. Die Main Park Road (Hwy 9336) verbindet den Haupteingang südwestlich von Florida City mit Flamingo an der Florida Bay. Von dieser Straße aus führen mehrere Lehrpfade in die Sümpfe, so daß man die verschiedenen Vegetationszonen des Parks gut erkunden kann. Besonders interessant sind der Anchinga und der Gumbo Limbo Trail, die beide beim Royal Palm Visitor Center beginnen. Der 800 m lange Anchinga Trail führt als Boardwalk über einen Süßwasserkanal in dem Alligatoren, Schildkröten, Fische, Stelzvögel und die namengebenden Schlangenhalsvögel (Anchingas) heimisch sind. Die langgezogenen Knochenhechte können sogar Trockenzeiten in einem Schlammloch überstehen, weil sie eine einfache Lunge besitzen. Der ebenfalls 800 m lange Gumbo Limbo Trail führt zu einem Hammock mit tropischen Laubbäumen, darunter Gumbo Limbos und Würgefeigen. Der Gumbo Limbo wird wegen seiner rot abschuppenden Haut auch "Touristenbaum" genannt. Mit unseren Mountainbikes machten wir uns auf den Long Pine Key Nature Trail. Dieser Weg führt durch Kiefernwälder, die einst die ganz Südflorida bedeckten. Inklusive des Rückwegs über die Straße waren wir 22 km auf zum Teil recht holprigen Wegen unterwegs. Der Mahogany Hammock Trail (800m) führt in ein üppiges Hartholz-Laubwaldgebiet. Der größte lebende Mahagonibaum in Nordamerika ragt hier zwischen seltenen Paurotispalmen, Würgefeigen und Waldhyazinthen empor. Von hier aus fuhren wir duch bis Flamingo, wo wir uns auf dem Campground einen Platz sicherten und die Nachmittagssonne genossen.

Nachdem wir in Flamingo einen kurzen Spaziergang an der Florida Bay unternommen hatten, machten wir uns auf den Rückweg nach Homestead. Am Mrazek Pond, einem bei Ornithologen und Fotografen sehr beliebten Teich nördlich von Flamingo konnten wir Reihern, Ibissen, Kormoranen, Anchingas und den seltenen Waldstörchen und Rosa Löfflern beim Fischen zusehen. In Homestead wollten wir uns noch einmal den Orchid Jungle, eine der größten Orchideensammlungen der Welt ansehen, die uns bei unserem Besuch vor fünf Jahren sehr gut gefallen hatte. Wir mußten leider feststellen, daß diese schöne Anlage 1992 dem Hurrican Andrew zum Opfer gefallen war. Der Sturm hatte damals eine 30 km breite Schneise der Verwüstung hinterlassen und 60 Menschenleben gefordert. Auf dem Hwy 1 fuhren wir dann noch bis nach Key Largo, wo wir uns einen Campingplatz reserviert hatten. Die Preise der Campingplätze auf den Keys beginnen bei 25 Dollar für eine Nacht und erreichen teilweise astronomische Werte. Dennoch sind viele Plätze ausgebucht, da hier in den Wintermonaten absolute Hochsaison ist. Wir konnten für Key West bisher keine Reservierung bekommen, werden morgen aber auf jeden Fall bis dort fahren, da Key West eine unserer Adressen für postlagernde Sendungen ist. Wir beendeten den Tag mit einem entspannenden Bad im Pool und Spa des Campingplatzes.

Die Florida Keys haben ihren Namen nicht von dem englischen Wort "key" für Schlüssel sondern es ist eine Ableitung des spanischen Wortes "cayo". Damit sind kleine Inseln gemeint, meist Riffe aus Sand oder Korallen, die nahe an der Oberfläche in Küstennähe im Meer liegen. Die Florida Keys haben ihre Form in Tausenden von Jahren erhalten, in denen der Wasserspiegel sich mal gehoben, mal gesenkt hat. Seit der letzten Eiszeit ist der Meeresspiegel stark gefallen und hat die Keys freigelegt. Die Inselkette ragt etwa 240 km in den Golf von Mexiko. Der Overseas Highway (US 1) verbindet die Inseln durch 42 Brücken, deren längste über 11 km lang ist. Dieser Highway wurde großenteils auf den Fundamenten von Henry Flagler´s Eisenbahnlinie errichtet. Flagler hatte sie unter großem Aufwand gebaut und 1912 in Betrieb genommen. Nur vier Monate nach der Vollendung seines Lebenswerkes starb der Eisenbahnkönig. Seine Eisenbahn fuhr jedoch bis 1935 weiter als ein schwerer Hurrican sie teilweise zerstörte und der Betrieb eingestellt wurde. Auf den Brücken und Dämmen der Bahnlinie wurde 1938 der Overseas Highway eröffnet und Flagler´s Traum vom Weg über das Wasser hat damit bis heute Bestand. Auf dem ersten Abschnitt der Straße über die größeren Keys merkt man noch nicht sehr viel davon, daß man sich auf einer Inselkette befindet. Erst nach dem Matecumbe Key werden die Inseln immer kleiner und die Brücken immer länger. Nach dem Ort Marathon kommt man über die längste Brücke der Strecke, die Seven Mile Bridge. Hier führt die alte Eisenbahnbrücke, die heute als Angelpier genutzt wird, parallel zu dem 1982 errichteten Highway. Ab der Seven Mile Bridge wird die Fahrt auf dem Overseas Highway über die immer kleiner werdenden Inseln zu einer Reise zwischen Himmel und Wasser. Unser Versuch im Bahia Honda SP auf dem gleichnamigen Key mit den schönsten Stränden der gesamten Florida Keys eine Campingplatzreservierung für die Rückreise zu bekommen scheiterte an der allgegenwärtigen Überfüllung. In Key West erreicht man den südlichsten Punkt der kontinentalen USA, nur knapp 150 km von Kuba entfernt. Key West liegt geographisch auf der Höhe von Assuan (Ägypten), Karachi (Pakistan) und Taiwan. Als Erstes holten wir vom Post Office unsere Post ab, leider sind nicht alle Briefe, die uns telefonisch angekündigt worden waren, angekommen. Danach bezogen wir unseren Stellplatz auf Jabour´s Trailer Court, den wir heute telefonisch reserviert hatten. Dieser Campingplatz ist zwar nicht besonders schön und extrem teuer, bietet aber die einmalige Lage mitten in Key West. Vom Campingplatz aus machten wir uns mit unseren Fahrrädern auf den Weg. Fahrräder, die sich auch vielerorts mieten lassen, sind das beste Verkehrsmittel um überfüllten Straßen und Parkplätzen aus dem Weg zu gehen. In dieser Stadt, 1822 als Flottenstützpunkt gegen Piraten gegründet, glaubt man nicht in den USA zu sein. Architektur und Menschen bieten eine eigentümliche Mischung von kubanischer, karibischer und amerikanischer Atmosphäre. Viele Hippies und Homosexuelle prägen das liberale, lebensfrohe Flair dieser bekanntesten Kleinstadt Floridas. Wir radelten am Friedhof der Stadt vorbei, wo aufgrund des hohen Grundwasserspiegels die Toten überirdisch in kleinen Mausoleen beigesetzt werden. Von der White Street Fishing Pier beobachteten wir von Motorbooten gezogene Paraglider und einen Osprey (Raubvogel) beim Verzehr seiner Beute. Am Southernmost Point, dem südlichsten Punkt der kontinentalen USA, drängten sich die Touristen um die große bunte Boje, die diese Stelle markiert und von der aus nur noch 90 Meilen bis Kuba sind. Wir sahen uns dann einige der schönen alten Häuser in der South und Duval Street an und machten einen Stop am Lighthouse Museum und am Ernest Hemingway House. Über die Caroline Street mit ebenfalls sehenswerten alten Häusern erreichten wir dann wieder unseren Campingplatz. Seit unserem letzten Besuch 1991 wurde in Key West so mancher Dollar für Restaurierungsarbeiten ausgegeben, besonders die nördliche Duval Street und das Gebiet um den Mallory Square erstrahlt in frischem Glanz. Zum Sonnenuntergang machten wir uns zu Fuß auf zum Mallory Pier, wo allabendlich die berühmten Sonnenuntergänge mit Gauklern und Trödlern als "Sunset Celebration" gefeiert werden. Wie in den letzten Tagen überall, war es auch hier wieder völlig überfüllt, so daß wir vom Sonnenuntergang nich sehr viel gesehen haben und uns langsam wieder nach einsameren Gegenden sehnen.

Bevor wir Key West wieder verließen, schlenderten wir noch einmal vom Campingplatz aus über die nördliche Duval Street und den Mallory Square. Auf dem Sugarloaf Key fuhren wir zu einem kleinen Flugplatz, vom dem aus Rundflüge über die Keys angeboten werden. Für $ 50 pro Person buchten wir einen Flug über die südlichen Keys bis hinunter zu dem westlich von Key West gelegenen Boca Grande Key. Der 45minütige Flug über diese phantastische Inselwelt war sehr beeindruckend und in dem glasklaren Wasser konnten wir Meeresschildkröten, Rochen und Haie entdecken. Da ich zwar die herrliche Aussicht liebe, daß Fliegen aber nicht so gut vertrage, mußte ich mich nach der Landung erst einmal ein wenig erholen. Nach einigen kleineren Stops, unter anderem an der Seven Mile Bridge, bezogen wir wieder den Campingplatz in Key Largo, auf dem wir zwei Tage zuvor übernachtet hatten. Nach einem kleinen Einkauf aßen wir im "The Fish House" in Key Largo am Mile Marker 102,4 zu Abend. In diesem, auch von vielen Einheimischen geschätzten Fischrestaurant werden einige Gerichte aus der reichhaltigen Auswahl nach Art der Cajuns, sehr scharf zubereitet. An der Restaurantdecke hängen Fischernetze, durchwirkt mit elektrischen Kerzen in Form von Fischen, Muscheln und Krabben. Auf dem Campingplatz bildeten Pool und Spa einmal mehr die letzten Stationen des Tages.

Gleich nach dem Frühstück versuchte ich mit der Moturis-Niederlassung in Miami/Fort Lauderdale einen Termin für eine Inspektion unseres Wohnmobiles zu vereinbaren, da wir mittlerweile fast 15.000 km gefahren sind. Die Beschäftigten dort zeigten sich jedoch wenig kooperativ und lehnten die Arbeiten ganz ab, als sie erfuhren, daß das Wohnmobil von uns gekauft und nicht gemietet worden ist. Wir fuhren dann von Key Largo zurück nach Homestead, wo wir zwei Wohnmobilfirmen aufsuchten, weil wir annahmen, daß diese Firmen auch Inspektionen durchführen. Sie beschränken sich aber auf Arbeiten an der Wohnkabine, konnten uns jedoch eine Werkstatt am Ort empfehlen. Die Firma Jesse Young Automotive hat dann auch eine große Inspektion für knapp $ 180 durchgeführt und wir fühlten uns bei dieser Werkstatt in guten Händen. Während der 3stündigen Inspektionsdauer fuhren wir mit unseren Fahrrädern zu einigen Geschäften: Bei Radio Shack, einer USA-weit vertretenen Elektrogeräte-Kette informierten wir uns über CB-Funkgeräte für einen Einbau in unseren "Roadrunner". Bei verschiedenen Autohändlern sahen wir uns nach einem Wagen um, den wir mit zurücknehmen können, falls wir uns entschließen das Wohnmobil nicht mitzunehmen. Wir haben dabei speziell an Dieselfahrzeuge gedacht, um die hohen Benzinkosten in Deutschland zu umgehen, mußten aber erfahren, daß in den USA nur Pickups mit Dieselmaschinen ausgerüstet werden und PKW fast ausschließlich mit großvolumigen und dementsprechend durstigen Benzinmotoren zu haben sind. Weitere Überraschungen erlebten wir bei zwei lokalen Banken, die unseren $ 500 Travellerscheck nicht wechseln wollten. Wir fanden dann aber noch eine Filiale einer größeren Bank, die den Scheck ohne Probleme und Gebühren in Bargeld umtauschte. Nachdem wir unseren Wagen wieder abgeholt hatten, steuerten wir zum zweitenmal den preiswerten öffentlichen Campground in Florida City an.

Unser erstes Ziel war heute der Biscayne NP östlich von Florida City. Für eine Kanutour an der mit Mangroven bewachsenen Atlantikküste war es uns zu windig und die dreistündige Bootstour, die Geli aufgrund ihrer Neigung zur Seekrankheit nicht mitmachen wollte, war mir allein dann auch zu lang. So begnügten wir uns mit einem Blick über die Biscayne Bay und fuhren dann wieder zurück. In Homestead kauften wir uns dann ein CB-Funkgerät, daß auch lokale Wettersender empfangen kann. Im Süden von Miami bogen vom Hwy 1 auf den Rickenbacher Causeway ab, der über Virginia Key nach Key Biscayne führt, dem nördlichsten der Florida Keys. Am Südende von Key Biscayne liegt die Bill Baggs Cape Florida SRA, die wir von unserem letzten Besuch in bester Erinnerung hatten. Das Naturschutzgebiet wurde jedoch im August 1992 von Hurrican Andrew stark verwüstet und wir haben es kaum noch wiedererkannt. Die Strände sind zwar nach wie vor fabelhaft aber die Vegetation braucht sicher noch einige Zeit bis sie sich erholt hat. Von Virginia Key aus warfen wir noch einen Blick auf die Skyline von Miami und fuhren in Richtung Norden bis in die Nähe von Fort Lauderdale. Auf dem Campingplatz stand dann Wäsche waschen, Brot backen und der Einbau des Funkgerätes auf dem Terminplan. In Fort Lauderdale, dem "Venedig Amerikas", daß von unzähligen Kanälen mit einer Gesamtlänge von fast 270 km durchzogen wird fuhren wir auf den Hwy A1A. Diese Straße führt fast durchgehend direkt an der Küste oder auf dem der Küste vorgelagerten Inselstreifen entlang. Wir folgten dieser Strecke bis nach West Palm Beach und bogen dann auf den Hwy 98 zum Lake Okeechobee ab. Dieser riesige, relativ flache Süßwassersee, mehr als dreimal so groß wie der Bodensee, ist das Herzstück Südfloridas und die Heimat zahlloser Vögel. Wir übernachteten in Pahokee auf einem Campingplatz direkt am Ufer des Sees, der weitestgehend eingedämmt ist und deshalb wenig Aussichtsmöglichkeiten bietet. Heute hat es seit Wochen wieder einmal geregnet und die Temperatur fiel von 27° auf 15° Grad.

Vom Lake Okeechobee fuhren wir wieder zurück an die Küste und ab Fort Pierce auf den vorgelagerten Inseln. Die Küste ist hier nicht ganz so zugebaut wie weiter südlich und bietet viele öffentliche Strandzugänge. Wir unternahmen einen kurzen Strandspaziergang am aufgewühlten Atlantik. In Merrit Island, vor den Toren des John F. Kennedy Space Center fanden wir einen Campingplatz.

Spaceport USA wird das große Besucherzentrum des John F. Kennedy Space Center mit Raketenpark und Weltraummuseum genannt. Von hier aus starten die Tourbusse zur Erkundung des NASA-Geländes mitten in der Merrit Island NWR. Da wir vor fünf Jahren an einer Tour teilgenommen hatten beschränkten wir uns heute auf die im Besucherzentrum angebotenen Attraktionen: Space Gallery, ein Weltraummuseum zur Geschichte der amerikanischen Raumfahrt, NASA Art Gallery mit Bildern zum Thema Raumfahrt, Shuttle Plaza mit einem originalgetreuen Nachbau eines Space Shuttle, Spaceport Theater mit einem Film zur Apollo 13 Mission und einem Film im überdimensionalen IMAX-Format. Der Weltraumwerbefilm "The Dream is alive" gibt dem Besucher einen Einblick in das Space Shuttle Programm und durch den riesigen Bildschirm und das hervorragende Tonsystem ist man mitten im Geschehen. Zweifel am Sinn der bemannten Raumfahrt kommen einem hier nur beim Betrachten des Astronauts Memorial, einer Gedenktafel für alle bei Weltraumflügen ums Leben gekommenen Astronauten. Vom Space Center aus fuhren wir auf dem gebührenpflichtigen Beeline Expressway in Richtung Orlando. Am Hwy 17/92 liegt nördlich von Kissimmee die Hauptverwaltung von Tupperware mit einer kleinen Ausstellung und Geschenken für die Besucher. Südlich der Stadt fanden wir einen Campingplatz etwas abseits des Touristentrubels rund um Orlando. Als wir am Abend in dem Tupperware-Katalog blätterten und die für deutsche Verhältnisse extrem günstigen Preise sahen (ca. 40-50% des deutschen Preises), beschlossen wir unser Wohnmobil zu "vertuppern".

Ein Anruf bei der örtlichen Tupperware Managerin und die Lieferung auf unseren Campingplatz für heute Abend war perfekt. Doch zunächst fuhren wir nach Orlando, um uns Sea World anzusehen. Bei unserem Besuch von Sea World in San Diego 1990 waren wir total begeistert und hatten für den heutigen Tag eine entsprechend hohe Erwartungshaltung. Die Parkgebühr für unser Wohnmobil betrug $ 7, der Eintritt für zwei Personen schlug mit knapp $ 80 zu Buche. Falls wirklich ein Teil dieses Geldes in Schutzprogramme für bedrohte Meerestiere investiert wird, kann man ja diese hohen Preise vielleicht noch akzeptieren. Doch was wir dann dafür geboten bekamen, hat uns doch etwas enttäuscht. Sea World hat den Ruf die größten und interessantesten Ozeanarien der Welt zu unterhalten und bei unserem Besuch in San Diego hatten wir auch noch den Eindruck, daß dieses Bestreben im Vordergrund steht. Hier wurden jedoch viele Bereiche unnötigerweise verkitscht und showmäßig aufgezogen, so daß die Tiere schon fast in den Hintergrund traten. So wird der Besuch der Eisbär-, Belugawal- und Walroßbecken zu einem simulierten Flug zu einer Arktisstation, die dann nahtlos in einen Souvenir-Shop übergeht. Überhaupt sind die Souvenir-Shops, Snack-Bars und Amusement-Bereiche wesentlich zahlreicher als die eigentlichen Ausstellungsbereiche. Wir hatten den Eindruck, daß sich Sea World in den vergangenen sechs Jahren von einem Ozeanarium mit vereinzelten Showbestandteilen zu einem Disney World mit Tierbestandteilen entwickelt hat. Die saisonbedingte Überfüllung des Parks hat den nicht so positiven Eindruck sicherlich noch zusätzlich verstärkt. Nichts desto trotz sind die einzelnen Ausstellungsbereiche sehenswert, insbesondere dann, wenn sie nicht in zu sehr aufgebauscht sind. Besonders gut hat uns der Bereich der Manatees gefallen, in dem auch auf die Bedrohung dieser Tiere hingewiesen wird. Sehr schön ist auch die Pinguin-Abteilung und das Haibecken. In der "Wild Artic" mit Eisbär-, Belugawal- und Walroßbecken schienen uns die Lebensräume der Tiere doch etwas zu klein, von der bereits erwähnten "Anreise" ganz zu schweigen. Da das Wal- und Delphinstadium wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war, blieb als große Show nur die Präsentation der Killerwale. Diese Show hat uns zwar auch nicht so gut gefallen wie die in San Diego, aber man hatte hier das Gefühl, daß die Tiere nicht überfordert werden und die Darbietungen mehr Spiel als Dressur sind. Die an sich recht gute Wasserski-Show wurde als "Baywatch at Seaworld" auch ein bißchen zu sehr aufgebauscht. Wir verließen nach ca. 6 Stunden den Park und waren mit dem Gegenwert, den wir für unsere insgesamt fast $ 90 erhalten hatten, nicht sehr zufrieden. Den während des Tages aufgekommenen Hunger bekämpften wir dann mit einem "All you can eat Buffet" bei Sizzler, ehe wir auf den Campinplatz zurückfuhren. Hier hatten wir dann noch unsere private Tupperparty und Geli hat inzwischen unseren gesamten Vorratsschrank auf Tupperware umgestellt.

Nachdem wir in Kissimmee einige Besorgungen gemacht hatten, fuhren wir auf die I-4, die aus dem dichtbesiedelten Ballungsraum um Orlando nach Norden zur Atlantikküste führt. Die Interstate endet in der Motorsportmetropole Daytona Beach, wo wir uns eigentlich den 37 km langen befahrbaren Strand ansehen wollten. Wir kamen allerdings mitten die Daytona Bike Week hinein, die alljährlich in der ersten Märzwoche stattfindet und mehr als 500 .000 Motorradfahrer anlockt. Wir hatten noch nie so viele Motorräder auf und an den Straßen gesehen und waren froh, als wir diesem Gewühl auf der A1A unbeschadet entkommen waren. Südlich von St. Augustine fanden wir in der Anastasia SRA einen sehr schön gelegenen Campingplatz.

Da es uns hier sehr gut gefiel, beschlossen wir eine weitere Nacht in der Anastasia SRA zu bleiben. Nachdem wir uns einen Stellplatz für die zweite Nacht gesichert hatten, füllten wir unsere Vorräte auf und fuhren anschließend zum Campingplatz zurück. Mit unseren Fahrrädern erkundeten wir dann St. Augustine, die älteste kontinuierlich bewohnte Ansiedlung der USA. Beim heutigen St. Augustine betrat im Jahre 1513 Ponce de León als erster Weißer den Boden Floridas. Gut 50 Jahre später versuchten französische Hugenotten etwas weiter nördlich eine Kolonie zu gründen und forderten damit den Zorn der spanischen Krone heraus. Noch im Herbst desselben Jahres, 1565, ging der spanische Konquistador Pedro Menéndez de Avilés mit 1500 Soldaten an Land, vernichtete die französische Kolonie und gründete eine spanische Siedlung: St. Augustine. Die Stadt blieb seither dauerhaft besiedelt - und ständig umkämpft: Indianer, Piraten und britische Truppen belagerten und brandschatzten sie. St. Augustine wechselte im Laufe der Jahrhunderte ständig die Besitzer. Erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als Florida zu den USA kam, kehrte Ruhe ein. Doch dann begann der Eisenbahnmagnat Henry Flagler 1885 mit dem Bau seiner Eisenbahnlinie. St. Augustine wurde zum Winterkurort schwerreicher Industrieller, die hierher vor dem kalten Winter flohen. Der Aufschwung der Stadt währte allerdings nich lange: Als die Bahnlinie weiter nach Süden geführt wurde, zogen auch die reichen Urlauber weiter. Als älteste Stadt der USA und schönste Stadt Nordfloridas erlebt St. Augustine jetzt einen neuen Besucherboom. Schon bei der Fahrt über die Bridge of Lions fällt das Castillo de San Marcos NM, eine massive sternförmige Festung am Hafeneingang ins Auge. Das Castillo, das zwischen 1672 und 1695 von den Spaniern zum Schutz gegen die Engländer errichtet wurde, kann besichtigt werden. Da gerade einige Busladungen von Touristen angekommen waren, beschlossen wir auf eine Besichtigung der Festung zu verzichten. Etwas weiter nördlich der Festung befindet sich das Visitor Center der Stadt und ein altes Stadttor markiert den Beginn der malerischen St. George Street, der Hauptachse der Stadt. Die St. George Street und viele weitere Gassen der hübschen Altstadt sind für den Autoverkehr gesperrt und man ist zu Fuß oder mit einer der wartenden Pferdekutschen bestens gerüstet. Viele der Häuser in der nörlichen St. George Street sind originalgetreu im spanischen Stil restauriert, so auch das älteste hölzerne Schulgebäude. In der Cathedral of St. Augustine gibt es die älteste katholische Pfarrei Amerikas. Es lohnt sich sich auf jeden Fall der St. George Street auch über den Fußgängerbereich hinaus zu folgen, denn auch außerhalb dieses doch recht touristischen Bereiches gibt es sehr schöne alte Häuser zu sehen. In einer kleinen Seitenstraße befindet sich mit dem Gonzales.Alvarez House das älteste Haus Amerikas. Aber nicht alles in St. Augustine stammt aus spanischer Zeit: Im Südteil der Stadt stehen rings um eine hübsche Plaza die prunkvollen Hotels, die Henry Flagler Ende des 19. Jahrhunderts für seine betuchte Klientel erbauen ließ. Das maurisch angehauchte Poce de León Hotel ist heute das Flagler College und das in spanischem Neobarock gestylte Alcazar Hotel dient als Ausstellungsgebäude des Lightner Museum, das eine große Sammlung von Kunst des !9. Jahrhunderts birgt. In der Nähe dieser Gebäude befindet sich auch die Flagler Memorial Prebyterian Church, die von Flagler in Erinnerung an seine Tochter erbaut wurde. Auf dem Rückweg zum Campingplatz machten wir an einem Minigolfplatz Station. Die Plätz in den USA locken die Besucher im Gegensatz zu unseren Minigolfplätzen nicht durch die Raffinesse der Bahnen, sondern durch Gestaltung der gesamten Anlage an. In direkter Nachbarschaft zur Anastasia SRA liegt das St. Augustine Lighthouse, ein gut 50 m hoher Leuchtturm. Schon die Spanier hatten an dieser Stelle einen hölzernen Beobachtungsturm errichtet, der 1824 zu Floridas erstem Leuchtturm wurde. Nachdem dieser Turm 1870 in sich zusammenfiel, wurde er 1875 durch den heutigen Turm ersetzt. Über 219 Stufen erklommen wir den Turm und genossen den herrlichen Blick über St. Augustine und die Strände des Atlantik. Kaum hatten wir wieder unser Wohnmobil erreicht, grollte der erste Donner des für heute angekündigten Gewitters zu uns herüber. Der Regen setzte jedoch erst später ein, so daß wir in aller Ruhe unsere Fahrräder verstauen konnten. Das Gewitter soll wieder einen drastischen Temperatursturz zur Folge haben: Von 25-30° C in den vergangenen Tagen, soll das Quecksilber in den nächsten Tagen nur noch 10-15° C anzeigen und es muß mit Nachtfrösten gerechnet werden.

Bei ca. 7° C begannen wir den nächsten Tag mit einem Strandspaziergang in der Anastasia SRA und sahen uns anschließend das Castilo de San Marcos NM an. Man kann die Unterkünfte, Lagerräume und eine Kapelle besichtigen und den herrlichen Blick vom Dach der Festung auf die Bucht und die Stadt genießen. Auf dem Hwy 1 fuhren wir in nördlicher Richtung und erreichten kurz vor der Grenze zu Georgia die größte Stadt Floridas: Jacksonville. Die Stadt hat über 600 .000 Einwohner und ist flächenmäßig die größte Stadt der USA, sie ist fast so groß wie das Saarland. Da die Industriestadt Jacksonville touristisch nicht sehr viel zu bieten hat, schenkten wir ihr weiter keine Beachtung und erreichten schließlich die Grenze zu Georgia. Nach fast vier Wochen Florida, mit überwiegend hervorragendem Wetter aber auch viel zu vielen Touristen waren wir froh wieder in weniger überfüllte Regionen zu kommen. Ungefähr 13 km südlich von Waycross erreichten wir die Abfahrt zum Laura S. Walker SP, wo wir auf einen wunderschön an einem See gelegenen Campingplatz übernachteten.

In der Nacht gab es dann tatsächlich Frost und auch über Tag gingen die Temperaturen kaum über den Gefrierpunkt hinaus. Wir erreichten bei eisiger Kälte den Okefenokee Swamp Park. Der Okefenokee Swamp gehört mit 60 km Länge und 40 km Breite zu den größten und am besten erhaltenen Sümpfen der USA. Die Indianer, die dort schon vor fast 5.000 Jahren lebten, nannten ihre Heimat das "Land der zitternden Erde", denn was dort wie fester Boden aussieht, ist oft zwar meterdick und vegetationsbestanden, aber in Wirklichkeut eine schwimmende, instabile Torfinsel. In diesem riesigen zypressenbestandenen Schutzgebiet leben Schwarzbären, Luchse, Ottern, Biber, Opossums, Schildkröten, Schlangen, Alligatoren und unzählige Wasservögel. Im Park werden einige dieser Tiere in Freigehegen gehalten, ein Film informiert die Besucher über die Flora und Fauna des Gebietes und eine besondere Präsentation ist den Reptilien gewidmet. Eine ungefähr 20minütige Bootsfahrt durch die Sümpfe ist im Eintrittspreis enthalten und man kann über Holzstege einen ca. 30 m hohen Aussichtsturm erreichen, der einen schönen Rundumblick bietet. Auf dem Parkplatz entdeckten wir dann, daß unser Auto eine ölige Flüssigkeit verliert, die wir als das Öl der Servolenkung identifizieren konnten. Wir füllten etwas von dieser Flüssigkeit nach und versuchten im nahegelegenen Waycross eine Werkstatt zu finden, die den Schaden beheben kann. Am Samstag Nachmittag war das natürlich ein aussichtsloses Unterfangen. So kauften wir bei einem Walmart noch etwas von diesem Öl und fuhren weiter in Richtung Atlantikküste. Kurz bevor wir die Hafenstadt Brunswick erreichten bogen wir nach Jekyll Island ab und bekamen auf dem einzigen Campingplatz der Insel noch einen Stellplatz. Wir werden jetzt mehrmals täglich unser Auto überprüfen und am Montag hoffentlich eine Werkstatt finden, die das Leck abdichten kann.

Wir begannen den nächsten Tag mit einem Spaziergang zur Fishing Pier von Jekyll Island, die in den St. Simons Sound hineinreicht. Der kräftige Wind ließ uns die ohnehin niedrigen Temperaturen noch kälter empfinden, so daß wir es auf der Pier nicht sehr lange aushielten. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz fing es auch noch an zu regnen, so daß wir richtiges Norddeutsches Schmuddelwetter hatten. Jekyll Island bildet zusammen mit St. Simons Island und Sea Island die Georgia´s Golden Isles, die schon vor 4.000 Jahren von Indianern bewohnt waren. Auf Jekyll Island errichteten sich Ende des 19. Jahrhunderts viele amerikanische Millionärsfamilien eine Winterresidenz. Diese Villen im Historic District von Jekyll Island, Jekyll Club Village genannt, können teilweise besichtigt werden. Aufgrund des schlechten Wetters begnügten wir uns mit einem Blick aus dem Auto auf einige dieser wunderschönen Häuser. Auch die über 30 km langen Radwege und der herrliche Strand wurden ein Opfer der Witterung und wir fuhren im strömenden Regen bis nach Savannah. Auf dem Campingplatz standen dann wieder einmal Hausarbeiten auf dem Programm. Mehrmalige Ölkontrollen ergaben heute keine weiteren Hinweise auf eine undichte Stelle, falls auch morgen früh noch kein Öl fehlt, können wir wohl auf einen Werkstattbesuch verzichten. Wir haben jetzt schon vermutet, daß es sich nur um bei der Inspektion zu reichlich eingefüllte Mengen eines der Öle handelte.

Bei unserer morgentlichen Ölkontrolle konnten wir feststellen, daß das Öl aus zwei Schlauchverbindungen tropft. Wir konnten die Schlauchschellen etwas fester anziehen und so das Leck beseitigen. Wir fuhren dann zum Visitor Center von Savannah, wo wir in den Shuttle Bus umstiegen, der Stops an 32 Punkten der historischen Altstadt erlaubt. Die Stadt genießt ihren Ruf als unumstrittene Königin unter den Städten Georgias um so mehr, als sie zum Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe 1996 ausgewählt wurde. Savannah wurde 1733 vom englischen General Oglethorpe gegründet, der an der Mündung des Savannah River mit einer Gruppe von Siedlern an Land ging, um für die englische Krone eine neue Kolonie zu schaffen. Nach seinen Plänen entstand ein Grundriß, der 24 öffentliche Plätze vorsah, von denen heute noch 21 vorhanden sind. Um diese Plätze liegen im größten historischen Distrikt der USA liebevoll restaurierte Bauten und grandiose Eichenalleen. Zu den schönsten Seiten der Stadt gehört die Riverfront am Ufer des Savannah River, wo aus den Baumwollagern des vorigen Jahrhunderts Restaurants, Hotels und Geschäfte geworden sind. Die Renovierung dieser Flaniermeile ließ zum Glück eine Reihe alter Hausfassaden und holpriges Kopfsteinpflaster übrig, das dem Hafenviertel eine altertümliche Atmosphäre verleiht. An der City Hall beginnt eine der schönsten Straßen der Stadt, die Bull Street. Wir folgten dieser Straße bis zur Jones Street, in der sich ebenfalls viele schöne restaurierte Häuser befinden. Von hier aus fuhren wir mit dem Shuttle zurück zum Visitor Center. Da die Besichtigung der Stadt länger gedauert hatte als geplant, beschlossen wir eine weitere Nacht in Savannah zu bleiben. Da wir die Verschiffung des Wohnmobils oder eines Autos nach Beendigung unserer Reise von Savannah aus planen, informierten wir uns auf dem Rückweg zum Campingplatz bei einigen Autohändlern über einige Wagen, die uns interessieren.

Über die I-95 verließen wir Savannah und erreichten nach wenigen Kilometern die Grenze zu South Carolina. Nachdem wir uns im Welcome Center mit dem nötigen Informationsmaterial versorgt hatten, verließen wir die Interstate in Richtung Beaufort. In seiner fast dreihundertjährigen Geschichte hat Beaufort Indianer, Franzosen, Engländer und den Bürgerkrieg überdauert und ist heute eine touristisch reizvolle Stadt mit viktorianischem Flair. Der historische Ortskern läßt erkennen, daß die Einwohner von dem im 18. und 19. Jahrhundert florierenden Hafen, der mit seinem Warenumschlag in South Carolina an dritter Stelle stand, nicht schlecht profitierten. Anhand des Stadtplans, den wir im Visitor Center erhielten, konnten wir die sehenswerten Antebellum-Gebäude, daß heißt die vor dem Bürgerkrieg errichtete Häuser und Kirchen, in einer guten Stunde bequem zu Fuß erreichen. Viele dieser Villen sind von schönen Gärten umgeben und der geringe Straßenverkehr in den engen mit Eichen bestandenen Straßen macht einen Spaziergang zu einem erholsamen Erlebnis. Von Beaufort aus fuhren wir zu einem Campingplatz kurz vor Charleston, dessen Besichtigung für morgen auf dem Programm steht.

Das auf einer Halbinsel zwischen den in den Atlantik mündenden Flüssen Cooper und Ashley River liegende Charleston hat, was vielen Orten vergleichbarer Größe fehlt: einen eigenen Charakter. Im Kern der 1670 von einem englischen Kolonialisten namens Charles Towne gegründeten Hafenstadt besitzen vor allem die über 1500 historischen Gebäude eine außerordentliche Anziehungskraft. Luxusvillen verstecken sich in parkähnlichen Gärten, und nur ein paar Schritte weiter führen holprige Pflastergassen durch bescheidenere Wohnviertel mit wildwuchernden Vorgärten und liebevoll restaurierten Fassaden. "Old Charleston" wurde mit seinen stattlichen Häusern und schönen Kirchen als eine der ersten amerikanischen Altstädte unter Denkmalschutz gestellt. Die Stadt war in der Sommersaison ein Magnet gesellschaftlichen Lebens, weil die Plantagenbesitzer dann aus dem heißen Hinterland an die kühlere Küste kamen und ihre Stadthäuser bezogen. Um einen Überblick über Old Charleston zu erhalten machten wir eine einstündige Rundfahrt mit einer Pferdekutsche, ein sehr informatives aber mit $ 15 pro Person nicht ganz billiges Vergnügen. Die Kutschfahrten beginnen alle am City Market, einem ehemaligen Frischwarenmarkt, der heute von Souvenirläden genutzt wird. Diesen Platz kann man vom Visitor Center (Meeting Street Ecke Ann Street) bequem zu Fuß erreichen. Direkt am Visitor Center beginnen auch verschiedene Stadtrundfahrten und es steht reichlich Parkraum (gebührenpflichtig) auch für Wohnmobile zur Verfügung. Wir fuhren im Anschluß an unsere Kutschfahrt mit dem Wohnmobil an die Südspitze der Halbinsel, wo es rund um die White Point Gardens und die Kanonen der "Battery" ebenfalls Parkmöglichkeiten für PKW und kleinere Wohnmobile gibt. Hier befinden sich an der South Battery und dem südlichen Ende der Meeting Street einige der schönsten und elegantesten Residenzen der Altstadt. Von der Promenade am Zusammenfluß von Asley und Cooper River hat man einen schönen Blick über die Bucht, den Flugzeugträger U.S.S. Yorktown, Fort Moultrie und das auf einer vorgelagerten Insel liegende Fort Sumter, wo der Bürgerkrieg begann. Wir verabschiedeten uns hier mit einem Blick über die Bucht auch vom Atlantik, da wir von Charleston aus unseren Weg zurück nach Kalifornien, an die Küste des Pazifik antreten werden. Auf dem Hwy 61 verließen wir Charleston in nordwestlicher Richtung und erreichten, nachdem wir einige alte Plantagen passiert hatten, den Colleton SP, wo wir übernachteten.

Da wir uns Ende April mit Freunden in Los Angeles verabredet haben und bis dahin noch ein weiter Weg vor uns liegt, beschlossen wir heute etwas "Strecke zu machen". Der direkt am State Park vorbeiführende Hwy 15 brachte uns zur I-26, auf der wir heute South Carolina durchquerten. Vorbei an Columbia, der Hauptstadt des Staates und Spartanburg fuhren wir bis zu Kreuzung mit dem Hwy 11, der als Cherokee Foothills Scenic Highway parallel zur Staatsgrenze mit North Carolina am Fuße der Appalachen entlang führt. An diesem schönen, einem alten Pfad der Cherokee-Indianer folgenden Highway liegen verschiedene Naturschutzgebiete und State Parks. In einem der ältesten und populärsten State Parks South Carolinas, dem Table Rock State Park hatten wir den schön im Wald gelegenen Campingplatz fast für uns alleine. Der Park liegt am Fuße der 952 m hohen abgerundeten Kuppel des Table Rock Mountain und bietet neben Ausblicken auf den Berg auch Wassersportmöglichkeiten auf dem zum Park gehörenden Pinnacle Lake und zahlreiche Wanderwege.

Wir folgten dem Cherokee Foothills Scenic Highway weiter in westlicher Richtung und bogen nach der Überquerung eines Seitenarms des Lake Keowee auf den Hwy 130 nach Norden ab. Nach knapp 20 km erreichten wir die Whitewater Falls, die aus zwei Wasserfällen bestehen. Von dem kurzen Weg zu den Fällen hat man einen schönen Blick auf den in der Ferne liegenden Lake Keowee. Beide Fälle stürzen jeweils über 120 m über felsiges Gelände in die Tiefe und im Bereich der mittleren Kaskaden verläuft die Grenze zwischen den beiden Carolinas. In North Carolina fuhren wir auf dem landschaftlich sehr reizvollen Hwy 64 weiter in westlicher Richtung. Kurz hinter der Ortschaft Highlands führt die Straße an den Bridal Veil Falls und Dry Falls vorbei, die wir uns leider nicht ansehen konnten, da wir uns mitten in einem Gewitter mit strömendem Regen und Hagelschauern befanden. Die Straße wird im weiteren Verlauf in Richtung Franklin immer enger und dürfte für größere Wohnmobile problematisch werden, wenn der Gegenverkehr kein weites Ausholen in den engen Kurven erlaubt. In Franklin flüchteten wir vor dem Wetter in einen Walmart und hatten als wir den Laden nach einer knappen Stunde wieder verließen strahlend blauen Himmel. Nördlich des touristisch überfrachteten Cherokee, dem Zentralort des gleichnamigen Reservates, erreichten wir den Great Smoky Mountains NP, in dem wir übernachten wollten. Im Visitor Center erfuhren wir dann, daß in diesem Jahr erstmals alle Campingplätze des Parks über Winter geschlossen bleiben und erst am 29.03. wieder öffnen. Der Grund für die vollständige Schließung seien die 25 prozentigen Haushaltskürzungen, erklärte uns der Ranger. So mußten wir wieder zurück nach Cherokee, wo wir auf einem eigentlich noch geschlossenen Campingplatz einen Platz für eine Nacht bekamen.

Auf der Grenze von North Carolina und Tennessee liegt der 2100 km² große Great Smoky Mountains NP am südlichen Ende der Appalachen. Der Park besitzt einige der schönsten Laubwälder der Welt sowie eine unvergleichliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Die Tierwelt des Parks reicht von wilden Truthähnen bis zu Schwarzbären. Wegen seines Reichtums an ursprünglicher, östlicher Waldvegetation ist der Park in den Rang eines "International Biosphere Reserve" erhoben worden. Die Smoky Mountains gehören zu den ältesten Gebirgen der Erde. Die Gletscher der Eiszeit drangen bei ihren Südwärtsbewegungen bis an diese Berge vor, die so zu einer Nahtstelle zwischen südlicher und nördlicher Flora wurden. Man zählt allein über 130 Arten von Bäumen und Rhododendren, Azaleen, Bergmagnolien und Orchideen gedeihen hier. Zwischen Waldland und schroffen Felsen wachsen über 1500 Arten blütentragender Pflanzen - und zwar einige von ihnen nur hier. An anderen Stellen herrscht Buschwerk vor; es bedeckt baumlose Flächen und bildet Lorbeerdickichte aus, durch die schwer durchzukommen ist. Wald und Unterholz zusammen bringen eine dicke Schicht atmender Blätter hervor. Die Feuchtigkeit und der Kohlenwasserstoff, die die Blätter abgeben, bilden den dünnen Dunstschleier, der den Bergen ihren Namen gibt. Die Cherokee-Indianer nannten die Berge aufgrund ihres bläulichen Dunstes "Shaconage", was "Platz des blauen Rauches" bedeutet. Durch die Luftverschmutzung der letzten Jahre sind dem Dunst mikroskopisch kleine Sulfatpartikel beigefügt worden, wodurch sich die Sicht seit 1950 um 30 % verschlechtert hat. Die Verschmutzung hat auch die Fichtenbestände geschädigt, die größten in den südlichen Appalachen. An mehreren Stellen im Park findet man Überreste der spärlichen Besiedlung des Parkgebietes durch Bergbauern im 19. Jahrhundert. Der Park hat keine spektakulären Landschaften zu bieten, er lockt die Besucher mit fast 1500 km Wanderwegen und entwickelt seine größte Anziehungskraft im Herbst, wenn die Laubverfärbung beginnt. Für viele Bewohner der umliegenden Großstädte dient der Park als Naherholungsgebiet, was ihm zu einem der meistbesuchten National Parks der USA macht. Die Hauptverkehrsader des Parks ist der Hwy 441, der den Park durchquert und im Parkgebiet Newfound Gap Road genannt wird. Von zahlreichen Aussichtspunkten aus können die scheinbar endlosen, parallel verlaufenden niederen Gebirgszüge der Appalachen überblickt werden. Die Newfound Gap Road, die auf etwa 600 m Meereshöhe beginnt und bis auf über 1500 m ansteigt, verbindet die beiden großen Visitor Centers des Parks, Sugarlands und Oconaluftee. Die Straße, die von den Laubwäldern der tieferen zu den Fichten- und Tannenwäldern der höheren Lagen emporsteigt, führt in der Vertikalen vor, was ökologisch einer Reise von Georgia nach Kanada entspricht. Mit Regen ist in diesem Gebiet immer zu rechnen, und wenn es im Tiefland klar ist, kann in der Höhe Dunst oder Nebel herrschen. Wir begannen unseren Besuch mit dem Pioneer Farmstead am Oconaluftee Visitor Center. Ein kurzer Weg führt zu einer Gruppe von Farmgebäuden des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die die Nationalparkgesellschaft aus historischen Farmgebäuden des Parkgebietes zusammengestellt hat. Die Mingus Mill, eine alte mit Wasserkraft betriebene Getreidemühle war leider geschlossen, ebenso die Clingmans Dome Road, die zu einem Aussichtsturm auf dem Clingmans Dome führt, dem mit 2025 m höchsten Berg des Parks. Wir erreichten dann die Paßhöhe des Newfound Gap (1539 m), auf der die Grenze zwischen North Carolina und Tennessee verläuft. Bei Chimneys beginnt in einem hübschen Picknickplatz der ca. 1,5 km lange Hardwood Nature Trail, der in die ursrüngliche Vegetation des Parks hineinführt. Als wir das Sugarland Visitor Center erreichten fing es an zu regnen, so daß wir beschlossen unseren Parkbesuch für heute zu beenden und uns im nahegelegenen Gatlinburg einen Campingplatz zu suchen. Dieser Ort ist touristisch dermaßen überfrachtet, daß wir beschlossen auf dem Weg zurück in den Park die Gatlinburg-Umgehung zu nutzen. Wir fanden nach einigem Suchen einen Platz der geöffnet hatte und nutzten unsere relativ frühe Ankunft zum Waschen unserer Wäsche.

Durch den Gatlinburg Bypass konnten wir den Touristennepp dieses Ortes umfahren und bogen beim Sugarland Visitor Center in Richtung Cades Cove ab. Der erste Abschnitt dieser Strecke, die Little River Road, überquert den Sugarland Mountain bei Fighting Fish Gap und führt dann zur Schlucht des Little River hinunter. Kurz vor dem Erreichen des Flußtales beginnt der gut ausgebaute, 4 km lange Wanderweg zu den Laurel Falls. Nach der einstündigen Wanderung kamen wir zum landschaftlich schönsten Abschnitt der Little River Road, die immer am gleichnamigen Fluß entlang bis nach Townsend führt. Einige Haltepunkte bieten Blicke in das Tal und auf den glasklaren Fluß. Hinter dem Abzweiger nach Townsend beginnt die Laurel Creek Road, die durch Kiefer- und Eichenwälder führt, die sich aufgrund von Waldbränden in verschiedenen Wachstumsphasen befinden. Diese Straße endet in Cades Cove, das historisch in das Jahr 1819 zurückführt, als die Cherokee-Indianer Siedlern per Vertrag erlaubten, das weite Hochtal zu roden. Gegen 1850 lebten hier über 680 Menschen. Sie hinterließen Gebäude, die sich zu einem Freilichtmuseum entwickelt haben, dessen Objekte entlang der 18 km langen, einbahnig zu befahrenden Cades Cove Loop Road aufgereiht sind. Benannt ist dieses fruchtbare Tal angeblich nach der Frau des Cherokeehäuptlings Abram, wobei sich aus dem ursprünglichen Kates Cove dann Cades Cove entwickelt hat. Ein Faltblatt, das am Anfang der Straße erhältlich ist, gibt einen Einblick in die Geschichte dieser Siedlung und beschreibt die gut gekennzeichneten Haltepunkte. Unseren ersten Stopp machten wir beim John Oliver Place, einer aus handbehauenen Baumstämmen errichteten Blockhütte aus dem Jahre 1826. Von der Terrasse blickt man auf das langgestreckte, grüne Tal hinunter. Die Methodist Church hat einen Eingang für Männer und einen anderen für Frauen und Kinder. Auch beim Gottesdienst trennte eine Barriere die Geschlechter. Die einfache Kirche wacht über einen Friedhof , von dessen Steinen man die Vergangenheit ablesen kann. Viele Haltebuchten der Straße bieten einen Überblick über das offene Wiesenland in der weiten Talmulde von Cades Cove. Rund um die Cable Mill, eine alte mit Wasserkraft betriebene Getreidemühle, sind weitere Häuser aufgestellt worden, die zum Teil möbliert sind. Wir fuhren dann über die Laurel Creek Road zurück und folgten der Little River Road nach Townsend. Direkt hinter der Nationalparkgrenze gibt es mehrere Campingplätze, die sich als Ausgangsbasis für eine Parkerkundung eignen, wenn wie in unserem Falle die Plätze des Parks geschlossen sind. Über Maryville erreichten wir schließlich Knoxville, eine weitere unserer Adressen für postlagernde Sendungen. Im Süden der Stadt bezogen wir einen Campingplatz und werden morgen das Post Office aufsuchen.

Nachdem wir das für postlagernde Sendungen zuständige Postamt gefunden hatten, wurden wir mit reichlich Post belohnt, da alle Freunde und Verwandten die teilweise zurückgekommene Post noch einmal losgeschickt hatten. Noch auf dem Parkplatz des Postamtes verschafften wir uns einen Überblick über die erhaltenen Sendungen. Auf der Weiterfahrt machte sich dann unser Funkgerät nützlich, weil wir dank einer Funkdurchsage einen Stau auf der I-40 in Knoxville umfahren konnten. Am Hwy 25E bietet der Veterans´ Overlook einen herrlichen Blick in das Tal des zum Cherokee Lake aufgestauten Holston River. Im Drei-Staaten-Eck von Kentucky, Tennessee und Virginia liegt der Cumberland Gap NHP     an einem natürlichen Durchbruch in den Cumberland Mountains. Auf ihren Streifzügen überwanden indianische Jäger die Cumberland Mountains, lange bevor westwärts drängende Pioniere den 518 m hohen Paß Mitte des !8. Jahrhunderts entdeckten. Nachdem der legendäre Daniel Boone und seine Holzfäller 1775 einen 208 Meilen langen Wilderness Trail durch diese bewaldete Wildnis erschlossen hatten, strömten Siedler nach Westen. Vom Visitor Center führt eine schmale Straße, die eigentlich für Fahrzeuge über 20 Fuß Länge gesperrt ist, aber von unserem 21 Fuß langen Roadrunner ohne Probleme zu meistern war, zum auf 744 m Höhe gelegenen Pinnacle Overlook. Von hier überblickt man die auf Kentucky, Tennessee und Viginia aufgeteilten Cumberland Mountains. Den Campingplatz des Parks, schön im Wald gelegene 160 Stellplätze hatten wir ganz für uns allein.

Die Nacht brachte uns nicht nur heftigen Regen, der geradezu auf unser Wohnmobil trommelte, sondern auch einen weiteren Temperatursturz. Hatten wir gestern noch ca. 17° C, mußten wir uns heute mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt begnügen. Auf unserem Weg zur Mammoth Cave erwischte uns dann auf dem Cumberland Parkway ein kräftiger Schneesturm, der innerhalb kurzer Zeit 15-20 cm Schnee brachte. Als abzusehen war, daß wir den Campingplatz an der Mammoth Cave nicht mehr erreichen können, suchten wir uns den nächstgelegenen Campingplatz als Zufluchtsort. So Sitzen wir voerst auf dem Green River Lake Campground der KOA-Kette zwischen Columbia uns Campbellsville fest. Die Campingplatzbetreiber sind sehr nett und haben uns ihre Hilfe und Unterstützung angeboten, falls das Wetter noch schlechter wird. In den Nachrichten haben wir gerade gehört, daß in weiten Teilen Kentuckys Tausende ohne Strom und damit auch ohne Heizung sind. Auch die Stromversorgung auf dem Campingplatz war schon zusammengebrochen, funktioniert aber zur Zeit zum Glück wieder. Die meisten Schulen bleiben morgen geschlossen und die Wetternachrichten sprechen von einem "schweren Wintersturm", der auch schon zu zahlreichen Unfällen auf den Highways geführt hat. Die ganze Zeit über haben wir mit ein wenig Schadenfreude auf unsere Verwandten und Freunde geschaut, die unter dem harten Winter in Deutschland zu leiden hatten und jetzt haben wir unsere eigene Schneekatastrophe. Allerdings sind wir durch diesen Wintereinbruch auch noch zu einem unerwarteten Vergnügen gekommen, wir haben auf dem Campingplatz einen Schneemann gebaut, der genauso groß war wie Geli. Danach vertrieben wir uns die Zeit beim Poolbillard im Aufenthaltsraum des Campingplatzes, ehe wir es uns in unserem verschneiten Wohnmobil gemütlich machten. Wenn die Stromversorgung hier nicht wieder zusammenbricht, werden wir diesen Wintereinbruch wohl auf diesem Platz "aussitzen".

Unsere Zwangspause nutzten wir für einen ausgiebigen Spaziergang durch den verschneiten Wald bis zu einer alten Blockhütte am Fluß. Wir stapften durch den hohen Schnee und genossen die traumhaft schöne Winterlandschaft. Zusammen mit den Kindern der Campingplatzeigentümer bauten wir einen weiteren, ca. 2,5 m hohen Schneemann, was nicht nur den Kindern riesig Spaß gemacht hat. Nach einer Aufwärmpause im Motorhome spielten wir noch einige Partien Pollbillard und unterhielten uns mit unseren Gastgebern. Selbst dieser unfreiwillige Ruhetag verging wie im Flug und wir haben ihn nicht wie eine aufgezwungene Unterbrechung empfunden. In den Nachrichten erfuhren wir dann, daß immer noch weite Teile Kentuckys ohne elektrische Energie auskommen müssen, mehr als 60.000 Menschen sind davon betroffen. Besitzer geländegängiger Fahrzeuge werden aufgerufen sich für Notfalleinsätze zur Verfügung zu stellen. Da es heute den ganzen Tag über weiter geschneit hat und auch in der Nacht noch mehr Schnee geben soll, müssen wir vielleicht noch einen weiteren Tag auf besseres Wetter warten.

Am nächsten Morgen sah die Welt dann aber schon wieder viel freundlicher aus, es hatte aufgehört zu schneien und teilweise blitzte sogar die Sonne zwischen den Wolken hervor. So machten wir uns auf den Weg zum ungefähr 80 km entfernten Mammoth Cave NP. Die Mammoth Cave besitzt einen ganz anderen Charakter als die in vielen Regionen anzutreffenden Tropfsteinhöhlen: Hohlräume, die sich während Jahrmillionen im relativ weichen Kalkstein durch die Einwirkung leicht sauren Regenwassers gebildet hatten und unterirdische Wasserläufe wurden durch eine Faltung der Erdkruste angehoben und quasi "trockengelegt". Über 560 km des fünfstöckigen Höhlensystems sind kartiert und laufend werden neue Höhlen entdeckt. Zwei Gesteinsschichten dehnen sich unter den bewaldeten Hügeln des Mammoth Cave NP aus : Eine Decke aus Sandstein, bis zu 15 m dick, liegt wie ein Schirm über einem Sockel aus Kalkstein; wo der Schirm undicht ist, dringt Oberflächenwasser in die Tiefe und löst den Kalk. Die Mammoth Cave ist das längste bekannte Höhlensystem der Welt; sie ist eine "Stätte des Welterbes" der UNESCO und eine Intenational Biosphere Reserve. Die Höhle war den prähistorischen Indianern der Gegend schon vor über 4500 Jahren bekannt, was zahlreiche Funde von Fackeln, Sandalen, Seilen, Töpferwaren und anderen Kunsterzeugnissen sowie 7 auf natürliche Weise mumifizierte menschliche Körper in den Höhlengängen bezeugen. Weiße Siedler entdeckten die Höhle 1798 und sie ist immer noch so "gewaltig , düster und fremd" wie es Stephen Bishop, ein junger Sklave und der erste Führer, beschrieben hat. Nur mit einer flackernden Schmalzöllamoe ausgerüstet, entdeckte und kartierte er viele Gänge dieser riesigen Höhle. Auch heute noch wird in der Mammoth Cave darauf verzichtet die Unterwelt in grelles Licht zu tauchen, so daß man nie das Gefühl verliert, daß man sich tief unter der Erde befindet. Wenn der Ranger dann nach vorheriger Ankündigung das Licht ausschaltet, erfährt man was totale Dunkelheit ist und wieviel Licht ein einziges Streichholz zu spenden vermag. Die Besucher werden auf unterschiedlichen Touren über einen Teil der auf knapp 20 km erschlossenen Höhlengänge in über 100 m Tiefe geführt. Wir nahmen an der Historic Tour teil, die den historischen, 1798 entdeckten Eingang benutzt und in etwa 2 Stunden einen rund 3 km langen Rundgang durch das Höhlensystem bietet. Unweit des Eingangs, bei der Rotunda in 40 m Tiefe, finden sich Spuren der Nutzung der Höhle als Salpetergrube im frühen 19. Jahrhundert. Sklaven schleppten Baumstämme herein, bauten Laugenfässer und füllten sie mit Erdreich aus der Höhle. Das Wasser, das man in die Fässer schüttete, sickerte als Salzlauge heraus. Durch ausgehöhlte Baumstämme führte man die Lauge ab und das Wasser zu. Aus den Nitraten, die man gewann, stellte man dann Schießpulver her. Der Broadway, die Hauptstraße im Untergrund, führt zur Methodist Church, wo um 1800 Gottesdienste stattgefunden haben sollen. Ein Stück weiter erinnert Booth´s Amphitheater an den Auftritt des Schauspielers Edwin Booth, der hier den Hamlet-Monolog vorgetragen hat; auf einen Knopfdruck des Rangers hallen Hamlets Worte wider. Die Bottemless Pit erschien früheren Besuchern in der Tat als bodenlos: Das Loch ist 32 m tief, und wenn man hochschaut, dann wölbt sich noch eine Kuppel 12 m hoch darüber. Auf dem Rückweg kommt man durch Fat Man´s Misery, einem engen Durchlaß, dessen Wände Generationen von "Höhlenforschern" glattpoliert haben. Schließlich kommt man zur Great Relief Hall, einer großen Kammer, die in früheren Zeiten als Ballsaal genutzt wurde. Dann geht es weiter zu den letzten Höhepunkten der Tour: Mammoth Dome, 59 m vom Boden bis zur Decke und Ruins of Karnak, ein beeindruckendes Ensemble funkelnder Säulen, den wenigen Tropfsteinformationen in diesem Teil der Höhle. Über 130 Stufen führt ein steiler Turm wieder zum Eingangsbereich zurück. In Cave City bezogen wir einen der wenigen geöffneten Campingplätze.

Nach ungefähr 150 km auf der I-65 erreichten wir Nashville, nicht nur die Hauptstadt von Tennessee, sondern auch die unumstrittene Hochburg der amerikanischen Country Music. Wir suchten uns einen Campingplatz in der Nähe des Opryland USA, einem Vergnügungspark, der ganz im Zeichen der Country Music steht und seit 1974 Heimat des Grand Ole Opry House ist. Das Opryland Hotel bietet nicht nur ein Ticket-Office für die Veranstaltungen in der Grand Ole Opry, sondern ist auch aufgrund der gelungenen architektonischen Gestaltung einen Besuch wert. Wir bekamen im Hotel dann auch noch Karten für die abendliche Show in dieser "Mother Church of Country Music", aus der seit 1925 an jedem Wochenende zwei Radioshows übertragen werden. Begonnen hatte alles in einem kleinen Rundfunkstudio des Nashville Radiosenders WSM. Da immer mehr Leute diese Shows auch sehen wollten, wurde der Veranstaltungsort mehrfach verlegt: Von 1943 bis 1974 fand die Grand Ole Opry im 3.000 Plätze bietenden Ryman Auditorium in der Innenstadt von Nashville statt, wo die Karriere vieler Country-Sänger begann. Seit 1974 bildet das Grand Ole Opry House das Herzstück des Opryland USA und die Konzerthalle mit 4400 Plätzen ist das größte Sendestudio der Welt. Heute gehören 72 Country-Sänger zum Ensemble der Grand Ole Opry und sorgen jeden Freitag- und Samstagabend für abwechslungsreiche Shows. Dabei ist von den lebenden Legenden über die heutigen Superstars bis hin zu jungen Talenten alles vertreten was in der Country Music einen Namen hat. Etwas verwirrend für uns als europäische Konzertbesucher waren die regelmäßigen Werbepausen in dieser live ausgestrahlten Radioshow, wobei die Werbeblöcke vom Moderator der Show auf der Bühne verlesen wurden. Für uns war Grandpa Jones der absolute Star der dreieinhalbstündigen Show. Der mittlerweise fast 83jährige Louis Marshall Jones ist seit nunmehr über 60 Jahren als Grandpa Jones eine Größe der Country Music. Zu Beginn seiner Karriere bedurfte es noch maskenbildnerischer Fähigkeiten, dem aus einem Gag heraus entstandenen Image als Grandpa gerecht zu werden, heute hat die Zeit das Image eingeholt. Grandpa Jones betritt zwar als "alter Mann" die Bühne, doch sobald er mit Gitarre oder Banjo in der Hand am Mikrofon steht, fallen die Jahre von ihm ab und er bietet mit kräftiger Stimme und lebhaftem Temperament mitreißende Country-Music. Auch für uns, die wir keine eingefleischten Country-Fans sind, war diese Show ein interessantes Erlebnis und sehr gute Unterhaltung.

Am nächsten Vormittag stand dann die Innenstadt von Nashville auf unseren Programm. Wir verließen die I-65 am Exit 85, um uns bei der Tourist Information das nötige Material zu beschaffen. Wir folgten dann dem durch türkisfarbene Linien auf den Bürgersteigen markierten, ca. 3 km langen City Walk. Der schönste Teil dieses Weges ist im Umfeld des State Capitols, einem Gebäude im neugriechischen Stil aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, daß statt von der üblichen Kuppel von einem hohen Turm beherrscht wird. Da neben dem Capitol noch etliche weitere Gebäude im Stil der griechischen Antike errichtet wurden, hat Nashville auch den Beinamen "Athens of the South". Vom Fuße des auf einem Hügel gelegenen Capitols hat man einen schönen Überblick über die Stadt. Am Rayman Auditorium, dem ehemaligen Standort der Grand Ole Opry, vorbei kamen wir zu unserem Wagen zurück. Einen kurzen Stop in der Music Row Area, einem Bereich um die 16. und 17. Straße, in dem alles rund um die Country Music und ihre Stars vermarktet wird, nutzten wir nur für einen Blick auf die Skyline von Nashville. Auf der I-40 machten wir uns dann auf den Weg nach Memphis, unserem nächsten Ziel. Auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe des Highways fanden wir einen Platz für die Nacht, da wir Memphis heute nicht mehr erreichen konnten.

Wir umfuhren die Innenstadt von Memphis und erreichten bei 3764 Elvis Presley Blvd unser heutiges Ziel: Graceland, das einstige Wohnhaus von Elvis Presley, dem "King of Rock ´n Roll". Gegenüber der Villa befindet sich Graceland Plaza, ein Besucherzentrum mit einem Museum für 22 Autos und Motorräder von Elvis, einer Ausstellung mit persönlichen Dingen und seinen beiden Privatjets, die ebenfalls zu besichtigen sind. Ein 22minütiger Film mit dem Titel "Walk A Mile In My Shoes" gibt einen Überblick über die einmalige Karriere von Elvis. Das eigentliche Graceland ist von einer Natursteinmauer umgeben, an der sich zigtausende von Anhängern mit Botschaften ins Jenseits, mit späten Liebesschwüren und Danksagungen verewigt haben. Die Villa ist wie zu seinen Lebzeiten eingerichtet und neben dem eigentlichen Wohnhaus können das Büro zur Beantwortung seiner Fanpost, seine Squaschhalle und das Trophäengebäude mit den vielen Gold- und Platinplatten besichtigt werden. Die letzte Station der Besichtigung ist der Meditation Garden, in dem Elvis und Angehörige seiner Familie beigesetzt sind. Nach dreieinhalb Stunden auf den Spuren von Elvis verließen wir Memphis und fuhren auf der I-55 in nördlicher Richtung, durchquerten Arkansas und erreichten Missouri, wo wir auf einem Campingplatz in der Nähe des Highways übernachteten. 

Nachdem wir in St. Genevieve  unsere Vorräte ergänzt hatten, erreichten wir am frühen Nachmittag St. Louis.  Im Jahre 1804 wurde St. Louis der Ausgangspunkt für die Entdeckungsreisen von Lewis und Clark, deren neuentdeckte Route wenige Jahre später einen Siedlerstrom nach Westen auslöste. Der stählerne, 192 m hohe Gateway Arch am Mississippiufer symbolisiert die geschichtliche Funktion der Satdt als "Tor zum Westen". Nach jahrelanger Planung, der Architektuwettbewerb, den der Finne Eero Saarinen mit seinem Bogen aus rostfreiem Stahl gewann, fand bereits 1947 statt, wurde der Gateway Arch nach einer Bauzeit von 30 Monaten im Oktober 1965 fertiggestellt. Das Wahrzeichen von St. Louis befindet sich im Mittelpunkt des Jefferson National Expansion Memorial inmitten einer Parkanlage. Auch aus der Nähe betrachtet scheint die Geometrie des Bogens mit dem Dreiecksprofil allen physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu widersprechen. Wie eine Stabilität erreicht wurde, die nicht nur Starkwinden ohne weiteres trotzt, sondern auch noch den Betrieb einen sogenannten Tramway im sich nach oben verengenden Inneren des Profils erlaubt, erläutert ein aussagekräftiges Faltblatt des National Park Service und der mitreißende Film "Monument To The Dream", der den Bau des Monumentes dokumentiert. Im Tiefgeschoß unter der Arch befindet sich das Besucherzentrum mit dem Museum of Westward Expansion, das der Erschließung des Westens durch die Expedition von Lewis und Clark gewidmet ist. Präsident Thomas Jefferson, der durch die Entsendung der beiden Abenteuerer die vollständige Eroberung Amerikas ermöglichte, gab dem Park seinen Namen und wird durch eine Bronzestatue geehrt. Hier starten auch die Bahnen, eine in jedem Bein, die die Besucher zur Kuppe des Bogens transportieren. Jeder Wagen hat 8 Kapseln , in die je 5 Personen passen. Nach einer vierminütigen Fahrt, während der Elektromotoren die Kapseln im Gleichgewicht halten, erreicht man den Observation Room, der einen phantastischen Überblick über die Stadt bietet. Besonders ins Auge fallen dabei das Old Courthouse, ein Gerichtsgebäude aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, die Old Cathedral am Fuße der Arch und die riesige Schüssel des Busch Stadium. Wir verließen dieses faszinierende Bauwerk, überquerten den Mississippi und bezogen in Fairmont City  einen Campingplatz.

Ganz in der Nähe des Campingplatzes befindet sich die Cahokia Mounds SHS, wo sich die Überreste der größten prähistorischen indianischen Stadt nördlich von Mexiko befinden. Die pyramidenähnlichen Erdhügel, die sogenannten "Mounds", sind hier besser erhalten als an anderen ähnlichen Stätten in Nordamerika. Aufgrund verschiedener Sonnensymbole, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, wird Cahokia auch "City of the Sun" genannt. Die weltweit wichtige Bedeutung der Cahokia Mounds zur prähistorischen Geschichte Nordamerikas wurde auch von der UNESCO anerkannt, die das Gebiet 1982 zur World Heritage Site erklärte. Die 880 ha große Fläche wird von der Illinois Historic Preservation Agency verwaltet, die ein hervorragendes Interpretive Center geschaffen hat. Man sollte mit dem Besuch der ungemein plastischen Ausstellung und der hervorragend gemachten Orientation Show "City of the Sun" beginnen, da dadurch das Verständnis für die Indianerkultur und für die tonbandgeführten Exkursionen zu den Mounds gesteigert wird. Die erste Besiedlung der Cahokia Mounds durch die prähistorischen Indianer der späten Waldkultur fand im Jahre 700 statt. Um 850 bis 900 entwickelte sich die Kultur der Mississippi-Indianer. Übrigens wurde die Bezeichnung Wald- und Mississippi-Indianer von Archäologen gegeben, es handelt sich hierbei also nicht um Stammesnamen. Diese Menschen entwickelten ein anderes Kultursystem, in dem sie hauptsächlich Mais und Kürbis anbauten. Diese feste Nahrungsgrundlage in Verbindung mit der Jagd, dem Fischfang und dem Sammeln wilder Früchte ermöglichte es ihnen eine sehr komplizierte Gemeinschaft mit einer hochspezialisierten sozialen, politischen und religiösen Struktur zu entwickeln. Der heute als Cahokia bekannte Ort wurde das regional Zentrum für die Mississippikultur mit vielen umliegenden Dörfern und weit entfernten Satellitenstädten. Die Stadt Cahokia umfaßte nahezu 15,6 km² und hatte eine Bevölkerung von bis zu 20..000 in ausgedehnten Ortsteilen. Die Häuser waren in Reihen angeordnet, gruppiert um offene Plätze. Die Hauptackerflächen befanden sich außerhalb der Stadt, kleinere Gartenflächen konnte man aber auch innerhalb der Wohngebiete antreffen. Ursprünglich gab es 120 Hügel, jedoch konnte man nur 109 lokalisieren. Viele wurden durch moderne Landwirtschaft oder die städtische Bebauung verändert oder zerstört. 68 von ihnen blieben innerhalb der Grenzen der Historic Site erhalten. Die Hügel wurden ausschließlich aus Erde errichtet. Die Menschen transportierten den Boden, der mit Werkzeugen aus Stein, Holz oder Muscheln ausgehoben wurde, auf ihrem Rücken in Körben auf die Hügel. Man schätzt, daß 13,5 Millionen Kubikmeter Erde nur für die Hügel durch die Indianer bewegt wurden. In erster Linie dienten die Hügel den zeremoniellen Zwecken, nur wenige wurden für Beisetzungen benutzt. Die meisten Menschen werden wohl auf Friedhöfen innerhalb und außerhalb der Stadt beerdigt worden sein. Der häufigste Hügeltyp in Cahokia ist der Plattformhügel, er ist quadratisch oder rechteckig mit schräge abfallenden Seiten. Die flache Oberfläche diente als Grundfläche für die Gebäude. Der größte Mound des Parks, der Monks Mound hat eine Grundfläche von 74.000 m² und ist über 30 m hoch. Die genaue Funktion der kegelförmigen und firstartigen Hügel ist nicht bekannt. Jedoch könnten beide Formen für die Bestattung wichtiger Personen oder zur Markierung herausragender Plätze gedient haben. Der Grund, warum Cahokia ausstarb, ist nicht bekannt. Vermutlich trieben den Cahokianer Raubbau an vielen Bodenschätzen in ihrem Gebiet, was einen Materialmangel zur Folge hatte. Eine klimatische Veränderung im 13. Jahrhundert mag sich ungünstig auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln ausgewirkt haben. Der allmähliche Rückgang in der Population begann 1300 und 1500 war der Ort verlassen. Wohin die Menschen gingen oder welchen Stamm sie sich zuordneten, ist unbekannt. Der Name Cahokia ist auf den Cahokia-Nebenstamm der Illini-Indianer zurückzuführen, welche die späteren Einwanderer in diesem Gebiet waren und kurz vor den Franzosen gegen Ende des 16 Jahrhundert eintrafen. Bevor wir St. Louis in südwestlicher Richtung verließen fuhren wir an das östliche Ufer des Mississippi, um einen letzten Blick auf die Gateway Arch und die Skyline zu werfen. Auf der I-44 fuhren wir in Richtung Springfield und übernachteten in der Nähe des Highways.

In Springfield verließen wir die Interstate und erreichten nach wenigen Meilen auf dem Hwy 65 den kleinen Ort Branson, inmitten der Ozark Mountains. Erstmals haben wir von Branson gehört, als wir von El Paso aus einen Ausflug nach Mexiko unternommen haben. Die anderen Teilnehmer dieser Fahrt berichteten von den Shows in Branson, Missouri, besonders von der Show eines japanischen Geigers namens Sushi Tobacco oder so ähnlich. In der Tat bietet Branson ein Stück Nashville gemischt mit einem Tick Las Vegas. Der nicht einmal 4.000 Einwohner zählende Ort verfügt über knapp 40 Theater mit ungefähr 50.000 Plätzen und lockt pro Jahr fast 8 Millionen Besucher an. Der Aufstieg Bransons vom verschlafenen Erholungsort zur Boomtown begann in den späten 50er Jahren mit dem Bau des Table Rock Dam, der den White River zum Table Rock Lake aufstaut. In dieses neu geschaffene Erholungsgebiet kamen immer mehr Besucher, zu deren abendlicher Unterhaltung 1960 die ersten Musikshows entstanden. Das Showgeschäft war geboren und erweiterte sich stetig. In den letzten 10-15 Jahren setzte dann ein gewaltiger Boom ein, der Branson über die Grenzen Missouris hinaus bekannt gemacht hat. Auch wir wurden auf unserer Fahrt durch Missouri immer wieder auf Branson hingewiesen und auf unsere Frage nach der besten Show wurde uns stets die des Japaners, dessen Namen sich aber keiner merken konnte, empfohlen. Wir fuhren also das Visitor Center an und reservierten uns zwei Plätze für die Show des Shoji Tabuchi, wie der Künstler richtig heißt. Nachdem wir die Tickets für die Abendvorstellung abgeholt hatten, bezogen wir einen Campingplatz in der Nähe des Theaters, so daß wir zu Fuß zur Show gehen konnten. Das in Violettönen gehaltene Theater entpuppte sich als im Las Vegas Stil aufgemachtes Fantasyland. Besonders interessant ist die Gestaltung der Toiletten: Während im Vorraum der Männerwelt ein großer Billardtisch denjenigen, die es nicht so eilig haben, etwas Unterhaltung bringt, werden die Damen mit frischen Orchideen auf den Waschtischen, Blumengestecken und mit einer Kosmmetikartikel verteilenden Mitarbeiterin verwöhnt. Die Show, an der ca. 80 Musiker, Tänzer und Mitarbeiter hinter der Bühne beteiligt sind, beginnt mit einer Lasershow. Als dann Mr. Tabuchi mit seiner Violine die Bühne betritt, wird sofort klar, daß er ein Meister seines Faches ist. Virtuos spielt er sich durch die Musikgeschichte von Klassik, Musical, Gospel, Jazz, Rock und Country und stellt die Highlights verschiedene Epochen in Medleys zusammen. Seine Gesangseinlagen gehören aufgrund seines starken Akzents zu den weniger begeisterden Teilen der ansonsten sehr guten Show, die immer dann brillant wird, wenn Shoji Tabuchi und seine Violine das Geschehen dominieren. Nach zweieinhalb Stunden sehr guter Unterhaltung gingen wir zum Campingplatz zurück.

Wir verließen Branson nach einem kurzen Abstecher zum Table Rock Lake auf dem Hwy 65 in südlicher Richtung. Schon kurz hinter Branson erreichten wir die Grenze zu Arkansas und bogen dann in Harrison auf den "Arkansas Scenic 7 Byway" ab, der zu den schönsten Nebenstraßen der USA gehört und über ca. 270 km Harrison mit Hot Springs verbindet. Die Straße schlängelt sich durch die abgeflachten Berge der Ozark Mountains, die zwischen 450 und 750 m hoch sind. Wind und Wasser formten sie über Jahrtausende aus dem Ozark-Plateau, einer gewaltigen Hochebene. Leider waren die Aussichtspunkte aufgrund des trüben, regnerischen Wetters wolkenverhangen, so daß ein Blick in die Täler nicht möglich war. In Lurton hielten wir bei Nellie´s Gift Shop, wo Nellie die Arbeiten fingerfertiger Hobbykünstler der Umgebung, vor allem Quilts, jene aufwendigen Patchworkarbeiten, ausstellt und verkauft. Wir erreichten schließlich Russellville und fanden südlich der Stadt im Lake Dardanelle SP einen schönen Campingplatz am Ufer des Sees.

Wieder zurück auf dem Scenic Highway 7 erreichten wir einige Meilen südlich von Russellville den Nimrod Dam, der den Fourche River zum Nimrod Lake aufstaut. Ohne weitere Unterbrechung fuhren wir bis nach Hot Springs, in dessen Zentrum sich der Hot Springs NP befindet. Die meisten Nationalparks sind Tausende von Hektar groß, liegen fernab von den Städten und behüten ihre Naturdenkmäler vor kommerzieller Ausbeutung. Nicht so Hot Springs. Dieser kleinste NP der USA liegt mitten in einer Stadt, die ihr Geschäft damit macht, das wichtigste Gut des Parks zu gewinnen und zu vertreiben: mineralhaltiges Wasser aus heißen Quellen. Diese Quellen machten Hot Springs attraktiv seit die ersten Menschen vor ungefähr 10..000 Jahren die Gegend besiedelten. Bearbeitete Steine zeugen davon, daß die Indianer die Quellen kannten und sie auch nutzten. Für sie war die Gegend ein neutrales Gebiet, in dem die verschiedenen Stämme jagten, handelten und badeten. Aus Überlieferungen geht hervor, daß die Indianer dem Wasser heilende Wirkung zuerkannten. Diese therapeutische Wirkung verdankt das Wasser seinen Mineralien und seiner Temperatur von 62° C. Das Thermalwasser ist nicht nur völlig geruchs- und geschmacksfrei, es ist auch natürlich steril. Es handelt sich um Regen- und Schmelzwasser, daß durch feine Poren und Risse in das Schiefergestein eindringt aus dem die meisten Berge um Hot Springs herum bestehen. Während das Wasser immer tiefer hinabsickert, heizen es die zunehmend wärmeren Felsschichten auf und filtern alle Verunreinigungen heraus. Dabei werden Mineralien aus dem Gestein gelöst. Schließlich trifft das Wasser auf die Verwerfungen und Fugen des Hot Spring Sandsteins, welche es zur Westseite des Hot Spring Mountains führen, wo es an die Oberfläche tritt. Aus den insgesamt 47 Quellen des Parks strömen täglich etwa 3,2 Millionen Liter Wasser, das für seine Reise durch die Gesteinsschichten nach wissenschaftlichen Untersuchungen bis zu 4.000 Jahre benötigt. Der kommerzielle Badebetrieb begann praktisch gleichzeitig mit der Besiedlung des Gebietes Anfang des 19. Jahrhunderts. Bereits 1832 stellte die Regierung Teile des Gebietes unter ihren Schutz und schuf damit das erste Naturschutzgebiet der USA, Nationalpark ist Hot Springs aber erst seit 1921. Das Herzstück des Parks ist auch heute noch die Bathhouse Row in der Central Avenue, der Hauptstraße von Hot Springs. In diese Badehäuser wurde das Wasser geleitet und für die Therapien auf angenehme Temperaturen abgekühlt. Auch heute fließt das Wasser in ein komplexes Röhren- und Speichersystem, woraus dann kommerzielle Bäder und parkeigene Brunnen gespeist werden an denen sich jeder kostenlos Wasser abfüllen kann. Von den 8 Badehäusern der Bathhouse Row ist das Buckstaff das einzige, das Bäder noch in herkömmlicher Form anbietet. Alle anderen Häuser fielen dem Niedergang des Badebetriebes nach dem 2. Weltkrieg zum Opfer und waren dem Verfall preisgegeben. In den 80er Jahren begannen dank privater Spenden unter der Aufsicht des National Park Service umfangreiche Renovierungsarbeiten zur Erhaltung dieser historischen Bausubstanz. Im Fordyce Bad befindet seit Abschluß der Widerherstellungsarbeiten im Mai 1989 das Visitor Center des Nationalparks. Auch der gesamte Innenausbau dieses Bades mit Mobiliar und Therapieeinrichtungen ist im alten Stil restauriert worden und dient heute als Museum. Hinter dem Maurice Bad kann man zwei heiße Quellen besichtigen, die nicht an das Rohrleitungssystem angeschlossen wurden. Dieser ungewöhnliche NP umfaßt aber nicht nur die Badehäuser, sondern auch die umliegenden Berge, die durch Wanderwege und Parkstraßen erschlossen sind. Wir hatten uns die Erkundung des Hot Springs Mountain mit seinem 66 m hohen Aussichtsturm für den nächsten Tag vorgenommen, so daß wir Hot Springs verließen, um im Lake Ouachita SP nordwestlich der Stadt zu übernachten. Dieser Park verfügt über einen sehr schönen, im bewaldeten Uferbereich des Lake Ouachita gelegenen Campingplatz.

Als wir dann am nächsten Morgen auf dem Hot Springs Mountain Drive unterwegs waren, war das Wetter so schlecht, daß wir von den verschiedenen Aussichtspunkten nicht ins Tal hinabsehen konnten. Auch die Spitze des Aussichtsturms war in den tiefhängenden Wolken verschwunden, so daß wir ohne Turmbesichtigung in Richtung Little Rock weiterfuhren. Während sich Hot Springs noch damit gerühmt hatte die Heimatstadt von Bill Clinton zu sein, war Little Rock schon auf den in die Stadt führenden Highways mit dem Slogan: "The first capitol Bill Clinton called home". Der kleine Felsen, nach dem die Stadt benannt ist, hat den Entdeckern des Arkansas River als Merkmal gedient. Heute ist Little Rock Hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum des Staates Arkansas. Das aus Arkansas-Kalkstein gebaute State Capitol ist, wie viele andere auch, eine verkleinerte Version des Capitols in Washington. Obwohl heute Samstag war stand das Capitol zur Besichtigung offen und eine kleines Faltblatt informierte uns über die einzelnen Räume. Besonders eindrucksvoll sind die Kronleuchter und Buntglasfenster in der großen Rotunde, sowie im Senat und Repräsentantenhaus. Der ehemalige Tagungsraum des Obersten Gerichtshofs und der Konferenzraum des Gouverneurs mit Porträts aller Gouverneure von 1900 an waren weitere Sationen auf unserem Weg durch das Capitol. Von Little Rock fuhren wir auf der I-40 in westlicher Richtung und übernachteten im Lake Fort Smith SP nahe der Grenze zu Oklahoma.

Wir setzten unsere Fahrt auf der I-40 fort und erhielten im Oklahoma Welcome Center sehr ausführliches Informationsmaterial. Kurz bevor wir Oklahoma City erreichten, verließen wir die Interstate und fanden im Little River SP südöstlich der Stadt einen schönen Platz zum Übernachten.

Über Nebenstraßen erreichten wir Anadarko, "The Indian Capitol of the Nation", von wo aus im vorigen Jahrhundert die Indianer verwaltet wurden, die aus anderen Staaten vertrieben und in die Prärie Oklahomas umgesiedelt worden waren. Diese unmenschliche Deportation, auch bekannt unter dem Namen "Trail of Tears", kostete Tausenden das Leben. Während die Indianer auf ihrem Marsch ins unbekannte Exil ums Überleben kämpften, wurde ihr Land im Rahmen einer Lotterie meisbietend versteigert. Die Überlebenden gründeten moderne Staatsgebilde mit Regierungen, Schulen, Farmen und Geschäften. Als dann in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts Oklahoma zur Besiedlung freigegeben wurde, erfüllte sich der Wunsch der Indianer nach einem eigenen Staat nicht, sie mußten sich das 1907 gegründete Oklahoma mit den Neusiedlern teilen. Südlich von Anadarko liegt Indian City USA, ein Freilichtmuseum, in dem die Dörfer von sieben verschiedenen Indianerstämmen unter der Aufsicht der Universität von Oklahoma originalgetreu restauriert wurden. Auf einer 45minütigen Tour erklärte uns der indianische Führer anhand der Dörfer das Leben und die Sozialstruktur der Pawnee, Wichita, Caddo, Kiowa, Navajo, Pueblo und Apache. In ihrer Verschiedenheit geben sie Einblick in die traditionelle Lebensweise der sieben Stämme. Manche betrieben Ackerbau und waren ortsgebunden, andere zogen auf der Jagd nach Büffeln und anderem Wild nomadisierend umher. Viele Dinge des täglichen Lebens, die in den Wohnräumen zu besichtigen sind, vermitteln ein sehr lebendiges Bild vom Alltag dieser Menschen. Auf unserem Weg zurück zur I-40 kamen wir südlich von Hinton zum Red Rock Canyon SP mit einem sehr schönen in dem versteckten Tal gelegenen Campingplatz. Da ich mit einer Erkältung zu kämpfen hatte, nutzte Geli die Zeit und malte einen zweiten, kleineren Roadrunner auf das Heck unseres Wohnmobils. Jetzt fehlt nur noch der Schriftzug "Roadrunner" auf der Frontseite, die Buchstaben dafür haben wir auch schon.

Die I-40, die auf diesem Abschnitt teilweise mit der "Historic Route 66" identisch ist, führte uns in den Panhandle von Texas, jene nordwestliche, nach Oklahoma hineinreichende Ausbuchtung des Staates. Der gesamte Panhandle wird von den High Plains, einer 1000-1150 m hohen Hochebene eingenommen. Südöstlich von Amarillo hat der Prairie Dog Town Fork des Red River den zum Teil über 300 m tiefen Palo Duro Canyon in den roten Sandstein dieser Hochebene gegraben. Der Palo Duro Canyon SP, der größte texanische State Park, ist eine bizarre, bunte Felsenwelt, die durch eine etwa 25 km lange Parkstraße erschlossen wird. Viele Reit- und Wanderwege ermöglichen ein tieferes Eindringen in diesen landschaftlich sehr reizvollen Park, der mit seinen verschiedenfarbigen Gesteinsschichten und Felsformationen ein wenig an den Grand Canyon erinnert. Unter der Führung eines Parkrangers werden Fahrten mit einer Miniatureisenbahn angeboten und in den Sommermonaten wird im Amphitheater des Parks das historische Musical "Texas" aufgeführt. Die sieben Campingbereiche des Parks mit insgesamt 146 Stellplätzen liegen entlang der Parkstraße und sind sehr schön in die Landschaft integriert. Alle Wanderwege des Parks sind auch für Mountainbiker freigegeben und es gibt drei gesonderte Mountainbike-Wege mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Nachdem wir uns auf der Parkstraße einen Überblick verschafft hatten, bezogen wir unseren Stellplatz und gingen ein Stück auf dem Givens, Spivey & Lowry Running Trail. Da es heute mit 25-30 ° C nicht nur sommerlich warm war, sondern wir auch strahlend blauen Himmel hatten, ergaben sich auf dieser Wanderung phantastische Einblicke in den Palo Duro Canyon.

Am nächsten Morgen machten wir unsere Fahrräder startklar und nahmen den Lighthouse Trail in Angriff. Dieser Weg führt zu den drei herausragenden Felsformationen des Parks: Capitol Peak, Castle Peak und Lighthouse Peak. Dieser sehr schöne, zum Teil für Fahrradfahrer aber auch sehr schwere Weg durch den Canyon war für mein Hinterrad wohl zuviel, ich hatte einen Platten. Aufpumpen half leider nicht weiter, da die Luft sofort wieder entwich. Uns blieb also nur die Wahl an Ort und Stelle einen anderen Schlauch einzubauen oder zu schieben. Ich entschloß mich die letzten 2 km zu schieben und Geli fuhr zurück zum Campingplatz und brachte den Wagen zum Parkplatz des Trails, wo wir dann gleichzeitig ankamen. Nachdem wir die Räder wieder aufgeladen hatten, verließen wir den State Park und fuhren nach Amarillo zurück. Auf der I-40 kamen wir dann am westlichen Ortsausgang an der Cadillac Ranch vorbei. Dieses Kunstobjekt aus 10 mit dem Kühler voran in der Erde versenkten Cadillacs, die auch noch im gleichen Winkel wie die Cheopspyramide stehen sollen, soll das "Goldene Zeitalter" von 1949 bis 1963 repräsentieren. Wir durchquerten den Texas Panhandle auf der I-40 und gewannen mit dem Grenzübertritt nach New Mexico eine Stunde, da wir von der Central in die Mountain Time Zone kamen. Wir verließen die Interstate und übernachteten im Ute Lake SP in der Nähe von Logan.

Der Hwy 54 brachte uns zurück zur I-40, auf der wir dann bis nach Albuquerque fuhren. Je näher wir der Stadt kamen, desto gespannter wurden wir, wer uns denn diesmal geschrieben hat. Nachdem wir das Postamt für General Delivery ausfindig gemacht hatten, konnten wir einen ganzen Schwung Briefe und Karten in Empfang nehmen. Es ist schön zu wissen, daß Freunde und Verwandte uns noch nicht vergessen haben. Vom Postamt fuhren wir zu einem privaten Campingplatz in der Nähe des Albuquerque International Balloon Fiesta Park, wo Anfang Oktober das größte Ballon-Festival der Welt stattfindet. Leider nimmt dieser Platz für diese Zeit keine Reservierungen entgegen, bietet aber zusätzliche 300 Plätze ohne Anschlüsse an. Bevor wir endlich unsere Post lesen konnten, stand noch ein Großeinkauf auf dem Programm. Der Abend war dann mit der Beantwortung der Briefe ausgefüllt.

Den nächsten Tag gingen wir ganz ruhig an, nach dem Ausschlafen ging es in den platzeigenen Pool und Spa. Während unsere Wäsche in der Laundry war frühstückten wir und erledigten weitere Hausarbeiten. Gegen Mittag verließen wir den Campingplatz und fuhren in die Old Town von Albuquerque, das historische Zentrum der 1706 von Spaniern am Ostufer des Rio Grande gegründeten Stadt. Am Old Town Plaza, der von der 1792 erbauten Kirche San Felipe de Neri beherrscht wird, konzentrieren sich heute Souvenir- und Schmuckläden, Galerien und Restaurants. Doch Old Town hat mit typischen Bauten im Adobe-Stil (Baumaterial sind luftgetrocknete Lehmziegel), verwinkelten Höfen und winzigen Balkonen nocj viel von seinem traditionellen Charme behalten. Auf dem Rückweg zu unseren Auto sahen wir uns noch einige der Skulpturen an, die in den Außenanlagen des Albuquerque Museums aufgestellt sind. Unser nächstes Ziel, das Indian Pueblo Cultural Center wird von den 19 in New Mexico vertretenen Stämmen von Pueblo Indianern unterhalten. Architektonisch stand das Pueblo Bonito im Chaco Canyon NHP Pate für dieses Museum. Eine selbstgeführte Tour durch die Ausstellung bringt einem das Leben, die Sitten und Gebräuche, das Kunsthandwerk und die Geschichte der Pueblo-Indianer näher. In den zu dem Komplex gehörenden Geschäften wird anspruchsvolles indianisches Kunsthandwerk aller Art angeboten, ein Restaurant bietet indianische Gerichte. Von hier aus fuhren wir zum Campingplatz zurück, den wir gleich für zwei Nächte reserviert hatten.

Bevor wir Albuquerque verließen, fuhren wir zur Talstation der Sandia Peak Aerial Tramway. Die Bahn wurde von einer schweizer Firma von 1964-66 erbaut und führt über nur zwei Türme von 1999 m auf 3163 m Höhe, bei einer Länge von etwa 4,5 km. Von der Aussichtsplattform bietet sich ein herrlicher Blick, nicht nur auf Albuquerque, sondern über weite Teile New Mexicos bis hinauf nach Santa Fe, unserem nächsten Ziel. Santa Fe ist die fast ein wenig provinziell wirkende aber sehr attraktive Hauptstadt New Mexicos. Schon vor Jahrzehnten erlassene Baugesetze sorgen dafür, daß die einfallslose, kleinstädtische Zweckarchitektur, wie sie in vielen US-Städten zu sehen ist, nicht nur aus dem historischen Zentrum um die Plaza verbannt blieb. Der ein- bis dreistöckige, von der Pueblokultur inspirierte Adobe-Baustil überwiegt nicht nur im Zentrum der Altstadt, sondern dominiert fast die gesamte Architektur von der Familienvilla in den Vororten über die öffentlichen Gebäude und Hotels bis zu den Shopping Malls. Die spanisch-mexikanische Epoche, obwohl nach fast 250jähriger Dauer bereits 1846 beendet, hat Santa Fe bis auf den heutigen Tag stärker geprägt, so scheint es, als der American Way of Life seither. Die auffälligsten Bauten im Adobe-Stil liegen rund um die zentrale Plaza und sind wie der Palace of the Governors bereits kurz nach der Gründung der Stadt durch die Spanier 1610 entstanden. Auf dem überdachten Gehsteig dieses ältesten erhaltenen öffentlichen Gebäudes der USA breiten tagtäglich Indianer aus den umliegenden Pueblos ihren Schmuck und andere kunstgewerbliche Arbeiten zum Verkauf aus. Ein anderes Adobe-Gebäude ist das benachbarte Museum of Fine Arts, das sich mit seinen Ausstellungen auf die Kunst des Südwestens konzentriert. Als nächstes sahen wir uns die 1886 vollendete St Francis Cathedral an, die mit der Conquistadora Chapel, daß´warscheinlich älteste Marienheiligtum des Landes enthält. Die 1873 erbaute Loretto Chapel, die wegen der Miraculous Staircase, einer ohne Stützen und Nägel erbauten zweimal gewundenen Wendeltreppe berühmt ist, konnten wir leider nur von außen bewundern, da sie aufgrund einer Hochzeit geschlossen war. Ebenso geschlossen war die San Miguel Chapel von 1610, die älteste noch ihrer Bestimmung dienende Kirche der USA. Gegenüber dieser Kapelle befindet sich das älteste Haus der USA, heute ein Restaurant. Das State Capitol, das sogenannte Roundhouse, ist einer indianischen Zeremonienstätte (Kiva) nachgebildet und der Grundriß bildet ein Sonnensymbol der Zia-Indianer. Vom Capitol aus gingen wir zurück zum Auto und fanden auf der Trailer Ranch in der Cerrillos Road einen Platz für die Nacht.

Auf unserem Weg von Santa Fe nach Taos bogen wir in Española von der Hauptverbindung ab und fuhren über die sogenannte High Road (Hwy 76, 518), eine schöne aber kurvenreiche Strecke durch das Bergland. In dem kleinen Ort Ranchos de Taos treffen die beiden Straßen wieder aufeinander. Das 1615 von den Spaniern gegründete Taos sieht mit seinen Adobe-Gebäuden um die zentrale Plaza aus wie eine Miniaturausgabe von Santa Fe. Genau wie Santa Fe ist auch Taos ein Künstlerort mit vielen Galerien und Schmuckgeschäften. Die eigentliche Sehenswürdigkeit der Stadt ist das von der UNESCO als World Heritage Site anerkannte Taos Pueblo einige Kilometer nördlich der Stadt. Leider war dieses seit fast 1.000 Jahren bewohnte Pueblo, das aus verschachtelten, mehrstöckigen und stufenförmig übereinander angeordneten Bauten im Adobe-Stil besteht, aufgrund religiöser Zeremonien für die Öffentlichkeit geschlossen. Wir beschlossen, es im Herbst noch einmal zu versuchen und fuhren, diesmal auf dem Hwy 68, bis nach Española zurück, wo wir übernachteten.

Von Española sind es nur wenige Kilometer bis zum Bandelier NM, wo in der Abgeschiedenheit des Frijoles Canyon Ruinen der Anasazi-Indianer zu finden sind, die von etwa 1200 bis 1600 hier gelebt haben. Wir sicherten uns zunächst einen Stellplatz auf dem sehr schönen, zum Park gehörenden Juniper Campground. Hier reparierten wir mein Fahrrad und machten uns dann, nach einer kleinen Stärkung, mit den Rädern auf den Weg zu den Ruinen. Ganz in der Nähe des Campingplatzes gibt es einen Overlook, der einen wunderschönen Überblick über den Frijoles Canyon mit den Ruinen bietet. Wir konnten uns von diesem Aussichtspunkt zwar auf die Abfahrt ins Tal freuen, begannen aber auch schon mit Schrecken an die Rückfahrt zu denken. So rauschten wir mit bis zu 50 km/h von der Hochebene des Pajarito-Plateaus tief hinunter in das Tal des El Rito de los Frijoles (kleiner Fluß der Bohnen). Hinter dem Visitor Center, in dem es eine kurze Filmvorführung und ein Museum zu sehen gibt, beginnt der Frijoles Ruins Trail. Dieser Weg führt vorbei an den Ruinen von Kivas und mehrstöckigen Lang- und Rundbauten zu Höhlenwohnungen, die hier mit Anlehnhäusern kombiniert wurden. Stufenpfade und hölzerne Leitern ermöglichen die Erkundung der guterhaltenen kleinen Quartiere in und an den Felswänden aus Tuffstein. Dieses Tuffgestein, aus dem das gesamte Pajarito-Plateau besteht, geht auf zwei gewaltige Vulkanausbrüche des Jemez-Vulkans vor über einer Million Jahren zurück. Eine bis zu 300 m dicke Schicht aus Vulkanasche bedeckte damals tausende von Quadratkilometern. Im Laufe der Zeit verhärtete sich diese Vulkanasche zu den rosa Felsen aus Tuffgestein der heutigen Canyonwand. Durch Erosion wurden einst mit Gasen angefüllte Löcher freigelegt und bildeten damit den Grundstock für die Felsensiedlung der Anasazi, die einige dieser natürlichen Löcher vergrößerten und als erste Wohnung benutzten. Ein wichtiger Teil der Anasazi-Kultur waren die Kivas, runde unterirdische Räume, die überwiedend religiösen Zeremonien dienten. Zwei dieser Kivas sind hier restauriert worden und erlauben so, da man das aus Holz und Erde bestehende Dach weggelassen hat, einen Einblick in diese Heiligtümer der Indianer. Die Tyuonyi-Ruine war einst ein zwei- bis dreistöckiger Pueblo-Bau mit bis zu 400 Räumen. Vom weiteren Verlauf des Weges hat man einen schönen Überblick über die als Rundbau angelegte Tyuonyi-Ruine, deren Errichtung vor etwa 600 Jahren begann. Zu dieser Zeit waren auch die Felsenwohnungen bewohnt und es ist nicht geklärt, nach welchen Kriterien die Wohnungen am Canyonrand oder auf dem Canyongrund vergeben wurden. Neben den vielen Felsenwohnungen, an denen der Weg vorbeiführt, steht das Talus-Haus, ein rekonstruiertes Anlehnhaus, von denen einige, teilweise drei oder vier Stockwerke hoch, an den Canyonwänden entlang gebaut waren. In einer als Kiva genutzten Felshöhle befinden sich Felszeichnungen der "gefiederten Schlange Awanyu", die Wasser symbolisiert und ein rotgefärbtes Gesicht mit einer weißen Feder. An einer weiteren Höhlen-Kiva vorbei führt der Pfad zu einer Long House genannten Ruine, die über 200 m an der Canyonwand entlang läuft. Oberhalb dieser mehrstöckigen Siedlung haben die Indianer Felszeichnungen eingemeißelt, die aber nur schwer zu erkennen sind. Das letzte Ziel dieses ungefähr 4 km langen Weges ist die Ceremonial Cave, die sich 50 m über dem Canyonboden befindet. Über vier hölzerne Leitern erreicht man diese große natürliche Höhle, in der man in ein kleines Kiva hinabsteigen kann. Man glaubt heute zu wissen, warum sich die Indianer in diesem Gebiet ansiedelten und es nach 400 Jahre wieder verließen: Der Fluß sicherte die ganzjährige Versorgung mit Trinkwasser, die fruchtbare vulkanische Erde versprach gute Ernten, es gab reichlich jagbares Wild und Material zum Wohnungsbau. Nach 400 Jahren intensiver Bewirtschaftung, des Holzschneidens und Pflanzensammelns und intensiver Jagd waren die Land- und Bodenschätze erschöpft und das Land konnte die Indianer nicht mehr ernähren. Nach und nach zogen die Bewohner in andere Gegenden ab und als die Spanier in den späten 1500er Jahren ankamen, waren die Siedlungen im Frijoles Canyon verlassen. Als wir wieder am Visitor Center ankamen, begann der schwerste Teil unseres Weges. Bei ca. 25° C und auf einer Höhe von ungefähr 2.000 m hatten wir auf dem Weg zurück zum Campingplatz ungefähr 200 Höhenmeter zu überwinden. Dank unserer 21 Gänge haben wir es mit einigen Pausen und unter heftigem Schnaufen dann auch geschafft, würden bei einem weiteren Besuch aber mit dem Wagen zum Visitor Center fahren. Den Besuch des Bandelier NM sollte man so einrichten, daß man die Ruinen erst am Nachmittag besichtigt, da sie dann sehr schön von der Sonne beschienen werden.

Gleich nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zu unserem heutigen Ziel, dem Chaco Culture NHP. Die letzten 30 km auf dem unbefestigten Hwy 57 hatten es dann noch einmal in sich und kosteten uns fast 2 Stunden. Nach starken Regenfällen oder bei ungünstigen Wettervorhersagen sollte man besser auf einen Besuch des Chaco Canyon verzichten. Im Visitor Center gab man uns die Empfehlung mit 60 km/h über die teilweise waschbrettartige Oberfläche der Straße zu fahren, um die Erschütterungen zu minimieren. Man teilte aber unsere Befürchtungen, daß dieses Vorgehen für Pkw richtig sein mag, unser Wohnmobil aber wohl vollständig zerlegen würde. Wir haben es auf jeden Fall irgendwie geschafft den Chaco Canyon, ein in die Hochebene des San Juan Becken eingekerbtes breites Tal zu erreichen. Wir sicherten uns ersteinmal einen Stellplatz auf dem relativ kleinen Campingplatz in einem Seitental des Canyon. Direkt am Campingplatz gibt es eine kleine Ruine und man hat einen sehr schönen Blick durch das Tal auf die 2019 m hohe Fajada Butte. Mit unseren Rädern fuhren wir dann zum Visitor Center zurück und informierten uns über die Chaco-Kultur. Es ist erstaunlich, daß gerade im Chaco Canyon, dieser wild zerklüfteten Felsschlucht aus rotem Sandstein, die Anasazi-Kultur entstand und sich zu einer einzigartigen Kulturerscheinung in Nordamerika entwickelte. Diese Landschaft, in einer Höhe von 1650 bis 2100 m gelegen, ist eine charakteristische Wüstensteppe des südlichen Colorado-Plateaus mir langen strengen Wintern, einer relativ kurzen frostfreien Anbauperiode und unvorhersagbaren Niederschlägen während der heißen Sommermonate. Es fällt daher schwer, sich diesen öden Landstrich vor ungefähr 1.000 Jahren als das Zentrum einer blühenden Kultur vorzustellen. Die Chaco-Bewohner bebauten den flachen Talboden und errichteten mehrgeschossige Großhäuser, die mit anderen Pueblo-Siedlungen im San Juan Becken durch ein weitreichendes Straßennetz verbunden waren. Die ersten Siedlungsüberreste der Chaco-Anasazi-Kultur reichen bis ins frühe 10. Jahrhundert zurück. Das Erscheinungsbild dieser prähistorischen Kultur wird von der Architektur am deutlichsten geprägt. Form und Größe der errichteten Häuser unterscheiden sich von denen der vorhergehenden Kulturstufen durch eine weitaus großzügigere Ausführung bei der Planung, daß heißt, daß bereits bei der Grundsteinlegung ein Konzept des mehrgeschossigen Pueblos zugrunde lag. Sechs Großhäuser - Pueblo Bonito, Chetro Ketl, Una Vida, Peñasco Blanco, Hungo Pavi und Kin Bineola - wurden in dieser frühen Phase angelegt. Das Siedlungsmuster eines Großhauses, umgeben von meheren Kleinhäusern, verbreitete sich von nun an im gesamten Nordwesten des heutigen Bundesstaates New Mexico. Entlang der mehr als 640 km Verbindungsstraßen zu den etwa 75 Siedlungsablegern entstanden kleinere Zwischenstationen, alles Zeugnisse für ein komplexes Gesellschaftssystem, das eng mit Chaco Canyon verbunden war. Einhundert Jahre später, um etwa 1000, war Chaco Canyon bereits zum sozio-politischen Zentrum des San Juan Beckens aufgestiegen. Es könnten an die 5.000 Menschen in fast 400 Siedlungen im Chaco-Einflußgebiet gelebt haben, oder mindestens an die 2.000 im Chaco-Kerngebiet - je nach dem welche Kriterien für die Bestimmung der prähistorischen Einwohnerzahl zugrunde gelegt werden. Eine neue Mauerbauweise, die Zweischalenmauer aus flachgeformten Sandsteinplatten mit Bruchsteinkern in Lehmmörtel gebettet, erhöhte die statische Stabilität soweit, daß die Tragwände bis zu einer Höhe von drei Stockwerken errichtet werden konnten. In der traditionellen Anasazi-Bauweise wurden einzelne Räume nach Bedarf an die vorhandenen angesetzt, jedoch weisen einzelne Großhäuser bereits von Anbeginn auf eine systematische Planungsarbeit hin. Wahrscheinlich war Chaco bereits zu dieser Zeit der Mittelpunkt eines ausgedehnte politischen und wirtschaftlichen Verteilungsnetzes, das den Austausch von Handelsgütern kontollierte und seinen Einfluß über ein weites Gebiet ausübte. Wie kann man dieses schnelle Wachstum erklären? Nach Meinung einiger Archäologen entwickelte sich Chaco als Reaktion auf die Verschiebung des ökologischen Gleichgewichts der Umwelt zu einem administrativen und religiösen Zentrum. Die hohe Variabilität der örtlichen Niederschläge machten den Bodenbau zum Risikofaktor. Ein Jahr konnte ertragreich sein, das folgende aber zu trocken und im dritten zerstörte ein später Frost die jungen Triebe. Nach dieser Theorie kann Chaco Canyon als eine Art "Hauptstadt" betrachtet werden, die den Feldbau im Umland als eine Art logistisches Zentrum leitete. In einem guten Erntejahr wurden die überschüssigen Ressourcen aus verschiedenen Satellitensiedlungen in Chaco zentral gelagert und später in Gebiete umverteilt, in denen die Ernte ausblieb. Der Verfall der Chaco-Anasazi-Kultur scheint mit einer länger andauernden Dürreperiode im San Juan Becken zwischen 1130 und 1180 einherzugehen. Ausbleibende Regenfälle, verbunden mit einer Überstrapazierung des Ökosystems, führten wahrscheinlich zu einer Nahrungsknappheit. In dieser Lage konnte auch ein in dieser Zeit von den Chaco-Bewohnern entwickeltes Wasserkontrollsystem der anhaltenden Dürre nicht Einhalt gebieten. Als Folge dieser verhängnisvollen Entwicklung zerfiel der soziale Zusammenhalt und die Chaco-Bewohner wanderten in regenreichere Gebiete aus. Zurück blieben die Spuren ihrer einst blühenden Kultur aus den Jahren zwischen 900 und 1150. Die Besichtigung dieser Spuren, d.h. der Pueblo-Ruinen haben wir uns für morgen vorgenommen, sie sind über eine ca. 13 km lange, asphaltierte Parkstraße zu erreichen.

Wir verließen den Campingplatz bereits um kurz vor 8 Uhr und fuhren zum Visitor Center. Dort füllten wir unseren Frischwassertank auf, da es auf dem Campingplatz zwar eine Dumpstation, aber kein Frischwasser gibt. Vom Parkplatz des Besucherzentrums führt ein kurzer Pfad zur Una Vida Ruine. Die nur teilweise ausgegrabene Ruine sieht heute noch weitestgehend so aus, wie sie von Anghörigen der US-Army 1849 entdeckt und beschrieben wurde. Ihr Baubeginn wird auf 930 datiert und sie zählt somit zu den ältesten Pueblos im Chaco Canyon. Die Anlage besteht aus 150 Räumen und 5 Kivas. Etwas oberhalb des Pueblos befinden sich sogenannte Petroglyphs, Felszeichnungen der Anasazi an der Wand des Canyons. Auch die zwischen 900 und 1100 bewohnte Hungo Pavi Ruine, die wir als nächstes aufsuchten, ist größtenteils unausgegraben, d.h. in ihrem natürlichen Zustand erhalten geblieben. Chetro Ketl wurde um 1020 begonnen und der Gesamtbau war 1054 beendet. Um 1100 wurden dann Erweiterungen und Umbaumaßnahmen durchgeführt, so daß die Anlage schätzungsweise 500 Räume und 16 Kivas umfaßte. Man schätzt, daß allein zum Bau von Chetro Ketl 50 Millionen Sandsteinblöcke aus den umliegenden Hängen geschnitten wurden. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Chetro Ketl befindet sich mit dem Pueblo Bonito das größte und berühmteste Großhaus im Chaco Canyon, das von ca. 900 bis fast 1200 durchgehend bewohnt wurde. Es liegt am Fuß eines 30 m hohen Plateaus auf der Nordseite des Canyons, hat im Grundriß deutlich die Form eines "D" und bedeckt eine Fläche von 12.000 m². In mehreren Stufen erbaut, umfaßte dieses Pueblo nach seiner endgültigen Fertigstellung im 12. Jahrhundert mehr als 650 Räume und 40 Kivas und war vier Stockwerke hoch. Erste Ausgrabungen fanden um 1900 statt und intensive Grabungen folgten dann in den 20er Jahren. Die Siedlung gilt als typisches der klassischen Bonito-Phase (1020 bis 1120) der Chaco-Anasazi-Kultur. Unseren nächsten Stop machten wir am völlig erhaltenen Kiva der Casa Rinconada auf der Südseite des Canyon, der größten Kiva im ganzen Park. Mindestens 18 Groß-Kivas sind in Chaco nachgewiesen. Diese unterirdischen Steinbauten sind mit 15 bis 20 m Durchmesser und bis zu 4 m Tiefe doppelt so groß wie die anderen Kivas im Chaco-Gebiet. Im Fußboden gibt es gemauerte Vertiefungen, in denen einst massive Dachstützpfeiler verankert waren. Vom Rand dieser erhöht liegenden Kiva überblickt man weite Teile des Chaco Canyon und auch das Pueblo Bonito, Chetro Ketl, Pueblo del Arroyo und Kin Kletso. Ein weiterer Haltepunkt der Parkstraße ermöglicht einen Blick auf die Prehistoric Stairway, einen zur leichteren Begehung des Canyon in den Fels gehauenen Treppenaufgang, von denen meherere im Parkgebiet zu finden sind. Es ist schon faszinierend durch diese Überreste einer ehemals blühenden Kultur zu gehen und ein wenig von dem Leben zu erahnen, das die Indianer hier damals geführt haben. Den monumentalen Gesamteindruck ruft im Chaco Canyon nicht nur das mächtige Mauerwerk selbst hervor, sondern auch die enorme Arbeitsleistung, die dieses Projekt erfordert haben muß. Wir verließen den Chaco Canyon in nördlicher Richtung und diese Straße erwies sich tatsächlich als etwas besser als die südliche Zufahrt. Außerdem wagte Geli den Versuch die unebenen Stellen mit etwas höherer Geschwindigkeit zu passieren, was auch recht gut funktionierte. Nachdem wir wieder eine richtige Straße, den Hwy 44, unter den Rädern hatten, fuhren wir bis nach Farmington, wo wir unsere Vorräte ergänzten und uns einen Campingplatz suchten.

Das Aztec Ruins NM, 22 km nordöstlich von Farmington, verdankt seinen Namen einer Fehleinschätzung der ersten Siedler, die irrtümlich annahmen, daß nur Angehörige des berühmten Aztekenvolkes in Mexiko so bemerkenswerte Gebäude hätten errichten können. Es handelt sich aber um ein Pueblo der Anasazi-Indianer, das zur Blütezeit der Chaco-Kultur Anfang des 12. Jahrhundert errichtet wurde und dessen Bewohner engen Kontakt mit den Menschen im Chaco Canyon hatten. Mit dem Niedergang der Chaco-Kultur um 1150 wurde auch dieses Pueblo aufgegeben. Fast 80 Jahre später ließen sich von der Mesa Verde Kultur beeinflußte Anasazi hier nieder und nahmen umfangreiche An- und Umbauten an dem Pueblo vor. So lassen sich im Aztec Ruins NM nicht nur zwei verschiedene Baustile nachweisen, Archäologen haben auch verschiedene Artefakte gefunden, die den unterschiedlichen Kulturlinien der Anasazi entstammen. Mit dem Niedergang der Mesa Verde Kultur gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde auch das Pueblo von Aztec endgültig aufgegeben. In dem Zeitraum von der Wiederentdeckung im Jahre 1859 bis zum Übergang in Privateigentum 1889 wurden nicht nur zahlreiche Artefakte geplündert, sondern auch fast ein Viertel der Steine von den Siedlern als Baumaterial für ihre Häuser benutzt. Die systematischen Ausgrabungen begannen 1916 und endeten sieben Jahre später mit der Ernennung zum National Monument. Im Mittelpunkt der Aztec Ruins steht heute ein eindrucksvoller rekonstruierter Kiva mit fast kapellenartigen Ausmaßen. Im Visitor Center sind einige der Ausgrabungsfunde, Töpferwaren, Waffen und Schmuck, ausgestellt. Von den Aztec Ruins fuhren wir in nördlicher Richtung nach Colorado und fanden in der Nähe des Mesa Verde NP einen Campingplatz.

Mesa Verde, grüne Tafel, nannten die frühen spanischen Entdecker den über 2.000 m hohen, nadelwaldbedeckten Tafelberg im äußersten Südwesten Colorados, auf welchem sich der gleichnamige Nationalpark befindet. Die Tafel ist nach Süden hin geneigt und überragt die sie umgebende wüstenhafte Ebene um 150 bis 500 m. Nicht weniger als 10 in Nordsüdrichtung verlaufende Canyons durchfurchen den südlichen Teil der Mesa. In den Cayonwänden befinden sich die schönsten indianischen Felsnischensiedlungen Nordamerikas, die den Park zum kulturhistorisch bedeutsamsten Nationalpark der USA machen. Gleichzeitig ist er auch der einzige Nationalpark, der nicht die Wunder der Natur, sondern die Kultur der Indianer zum Thema hat. Die Mesa Verde war vom 1. bis Ende des 13. Jahrhunderts von den Anasazi-Indianern bewohnt. Die Archäologen unterscheiden vier Kulturperioden: Die erste, die Korbflechterperiode, dauerte etwa von Christi Geburt bis 450. Die Menschen lebten in niedrigen Höhlen an den Abhängen der Mesa, jagten Wild und bauten Kürbis und Mais an. Sie stellten Gefäße von so dichtem Geflecht her, daß Wasser darin aufbewahrt werden konnte. Diese Kulturperiode wurde von der Veränderten Korbflechterperiode abgelöst. Zum erweiterten Ackerbau trat die Truthahnzucht, zur Flechterei die Töpferei, ferner kamen Pfeil und Bogen in Gebrauch. Man zog von den Höhlen auf die Mesa, wo einfache, teilweise in den Boden eingelassene Häuser, die sogenannten "pithouses", gebaut wurden. Die Zeit von 750 bis 1100 wird die Periode der Dorfbildung genannt. Die Menschen schlossen sich in Dörfern, Pueblos zusammen und die Grubenhäuser wurden verbessert und zu überirdischen Lehmhäusern erweitert. In dieser Zeit tauchten erstmals Kivas auf, jene Gemeinschaftshäuser, die religiösen und gesellschaftlichen Anlässen dienten. Es folgte von 1100 bis 1300 die vierte und letzte Periode, die Große oder Klassische Puebloperiode. Die Indianer verließen die Mesa, um in den mehr Schutz bietenden großen Felsnischen der Canyons die mehrstöckigen Siedlungen aus Stein und Lehm zu bauen, die den Mesa Verde NP berühmt gemacht haben. Die Kivas wurden größer und das religiöse Leben vielfältiger. Eine verfeinerte Töpferkunst ist zu erkennen, die Töpfereien wurden mit geometrischen Formen einfarbig verziert. Im Gebiet des Nationalparks hat man über 4.000 Überreste der indianischen Besiedlung gefunden, sie reichen von Erdwohnungen und mehrstöckigen Gebäuden auf der Mesa bis hin zu Höhlendörfern in den Felsen. Die an Zahl und Zustand einzigartigen Felsenwohnungen, die "cliff dwellings", sind aber die Hauptattraktion des Parks. Auf der Suche nach ihren verirrten Rindern stießen zwei Cowboys im Jahre 1888 an den Rand eines steilwandigen Canyons. Durch dichtes Schneetreiben hindurch erblickten sie auf der anderen Seite die Umrisse von Mauern und Türmen. Voller Eifer stiegen die Cowboys zur verlassenen Stadt hinunter und durchforschten das verzweigte Netz von Räumen, das sie "Cliff Palace" tauften. Im Inneren fanden sie Steinwerkzeuge und Keramik. Später fand man heraus, daß die Räume fast sechs Jahrhunderte lang unbewohnt gewesen waren. Der Entdeckung folgten Jahre mutwilliger, ja systematischer Zerstörung, Ausdruck der Verachtung, die man damals indianischem Kulturgut gegenüber empfand. Das beim Häuserbau verwendete Holz wurde verbrannt, die Ruinen wurden teilweise niedergerissen und die Töpfereien und Knochen, Zeugen des täglichen Lebens der Anasazi, zerstört. Die Gründung des Nationalparks 1906 gebot diesem Treiben einhalt und die Ruinen wurden unter der Regie der Nationalparkverwaltung teilweise restauriert. Trotz intensiver archäologischer Forschung ist man sich nicht darüber im klaren, warum die Anasazi ihre Wohnstätten verließen. Heute glauben die Archäologen, die Anasazi seien möglicherweise Opfer ihres eigenen Erfolges geworden. Ihr Trockenfeldbau wat so ertragreich, daß die Bevölkerung anschwoll, vielleicht bis auf 5.000 Personen. Der Wald schwand, das Wild wurde weniger und die Böden erschöpften sich. Zu Jahren der Dürre und Mißernten mögen noch Fehden zwischen den Dörfern oder mit anderen Indianerstämmen hinzugekommen sein. Am Ende des 13. Jahrhunderts hatten die Anasazi das Plateau für immer verlassen. Wir folgten der zum Teil steil ansteigenden Parkstraße vom im Norden gelegenen Eingang hinauf auf die Mesa. Dabei bieten der Mancos Valley Overlook und der Montezuma Valley Overlook weite Blicke über das Colorado Plateau und die dieses Plateau begrenzenden Gebirgszüge. Den spektakulärsten Überblick verschafften wir uns vom Park Point, dem mit 2621 m höchsten Punkt des Parks. Südlich des Far View Visitor Center, daß von Ende September bis Mitte Mai geschlossen ist, erreichten wir die Far View Ruins. Das Gelände um diese Ruinen war ein künstlich bewässertes Ackerbaugebiet, das von etwa 900 bis 1300 genutzt wurde. Die Ruinen einiger Häuser, eines Turmes und eines Wasserreservoirs, des "Mummy Lake" sind hier zu besichtigen. Kurz bevor wir das in der Wintersaison auch als Visitor Center dienende Chapin Mesa Museum erreichten, folgten wir einen kleinen Stichstraße zum Cedar Tree Tower und einer Kiva. Der Turm diente vermutlich als Wachturm und hat eine unterirdische Verbindung zur nahegelegenen Kiva. Im sehr sehenswerten Chapin Mesa Museum vermittelt eine Ausstellung ein plastisches Bild von den Felsenwohnungen, ihrer Entstehung, der Bauart der Häuser und der Lebensweise ihrer Bewohner. Hervorragende Dioramen bringen dem Besucher die wechselvolle Geschichte der Anasazi näher und ein Diavortrag gibt einen Überblick über den Park. Umfangreiche Funde an Töpferwaren, Waffen und Kleidung werden auf interessante Werise interpretiert und ermöglichen einen kleinen Einblick in die Anasazikultur. Vom Museum führt ein kurzer Pfad zum Spruce Tree House, einem der größten Felswandsiedlungen in Mesa Verde. Es enthält 114 Räume und 8 Kivas, 100 bis 125 Menschen haben in dieser Siedlung gelebt. Drei der acht Kivas sind mit rekonstruierten Dächern versehen; man kann über eine Leiter durch das Rauchloch einer Kiva in die dunkle Kammer hinuntersteigen - und sich mit etwas Phantasie in die Zeit der Anasazi zurückversetzen. Die Ruins Road, zwei jeweils etwa 10 km lange Schleifen, erschließen die Sehenwürdigkeiten der Chapin Mesa. Da der Cliff Palace Loop, der zum Cliff Palace und zum Balcony House führt, saisonbedingt noch geschlossen war, machten wir uns auf den Mesa Top Loop. Der erste Stop dieser Schleife führt zu den Überresten eines "pithouse" aus der Veränderten Korbflechterperiode. Vom Navajo Canyon Viewpoint überblickt diesen über 200 m tiefen Canyon und kann auf der gegenüberliegenden Seite die Ruine des Echo House, eines Dwellings mit 20 Räumen und 2 Kivas erkennen. Das Square Tower House, das man von einem Aussichtspunkt aus überblicken kann, ist die höchste Ruine im Park. Der turmartige, vierstöckige an die Felswand gelehnte Bau ist der Rest einer größeren, nicht zugänglichen Anlage. Die nächsten Haltepunkte widmen sich weiteren Pithouses und frühen Pueblos, die aber nur noch in Ansätzen zu erkennen sind. Mit dem Sun Point Overlook erreicht man den wahrscheinlich besten Aussichtspunkt des Parks, der den Blick auf 12 Dwellings ermöglicht. Neben den Ruinen des Fire Temple, New Fire House, Oak Tree House und Sunset House ist von hier auch der Cliff Palace, das mit 217 Räumen und 23 Kivas größte Cliff Dwelling Nordamerikas zu bewundern. Der letzte Halt führt zur rätselhaftesten Ruine des Parks, dem frei auf dem Cayonrand stehenden Sun Temple. Es ist ein unbedachtes großes Mauerwerk, das nie bewohnt war, offensichtlich unvollendet blieb und zeremoniellen Zwecken gedient haben muß. Der Canyonrand am Parkplatz des Sun Temple bietet den besten Blick auf Cliff Palace, mit dem wir uns vom Mesa Verde NP verabschiedeten und zum Campingplatz zurückfuhren.

Als wir am nächsten Morgen die Vorhänge unseres Wohnmobils aufzogen, erlebten wir eine Überraschung. Es hatte in der Nacht kräftig geschneit und alles um uns herum war weiß. Auch der Hwy 160 nach Cortes war noch recht verschneit, so daß wir schon überlegten in Cortes einen Campingplatz anzusteuern und besseres Wetter abzuwarten. Wir vertrödelten einige Zeit in einem Einkaufszentrum und als wir wieder herauskamen hatte es aufgehört zu schneien. Wir fuhren also weiter und hatten von der Straße einen schönen Blick auf die verschneiten Ute Mountains. Wir erreichten das Four Corners Monument, das bei aller Gradlinigkeit der Staatengrenzen in den USA der einzige Punkt ist, an dem vier Staaten (Arizona, Colorado, New Mexico und Utah) aneinander grenzen. Das Monument wurde bereits 1912 eingerichtet, die ursrünglich aus Zement bestehende Markierung ist mittlerweile durch eine Granitplatte mit Bronzeeinlagen ersetzt worden. Die Inschrift " Four States Here Meet In Freedom Under God" umschließt den Schnittpunkt der Staatsgrenzen. Bunte Verkaufsstände für Navajo-Schmuck, Keramik und weitere kunstgewerbliche Gegenstände bilden den Rahmen für dieses Monument. Wir verließen den Hwy 160 in südlicher Richtung und steuerten unser nächstes Ziel, das Canyon de Chelly NM an. Auf der Landkarte sieht der Canyon de Chelly ungefähr so aus wie der Fußabdruck eines Vogels in feuchter Erde. An der Ferse liegt bei dem Ort Chinle der Eingang zum Canyon, die Zehen entsprechen seinen drei Armen: dem eigentlichen Canyon de Chelly in der Mitte, der sich nach Osten 40 km weit in das Defiance Plateau gräbt; dem Canyon del Muerto (Massacre Canyon), der sich über etwa 32 km in nordöstlicher Richtung erstreckt; und dem Monument Canyon, der nach Südosten abzweigt. Geologisch gesehen ist der Canyon de Chelly nur eines der vielen Täler, dessen Flüsse im Frühjahr das Wasser der Schneeschmelze und im Sommer den Regen aus den Chuska Mountains aufnehmen. In historischer und völkerkundlicher Hinsicht jedoch ist der Canyon de Chelly ein einzigartiges Freilichtmuseum, das einen Überblick über 3.000 Jahre Kulturgeschichte vermittelt. Und davon einmal abgesehen sind seine steil aufragenden Sandsteinwände ganz einfach schön anzusehen und diverse Aussichtspunkte erlauben aus luftiger Höhe wahrhaft spektakuläre Einblicke in die Felsnischen mit ihren Ruinen 800 Jahre alter Indianersiedlungen. Wann erstmals Jäger und Sammler in diesen Wüstencanyon gelangten, ist nicht bekannt, aber was sie hierher lockte, steht eindeutig fest: ständig verfügbares Wasser. Der Name "de Chelly" ist eine spanische Übersetzung des Navajo-Wortes "Tsegi" und bedeutet übrigens soviel wie "Fels-Canyon". Die ersten seßhaften Bewohner - sie gehörten der Korbflechter-Kultur an - hatte der Canyon de Chelly kurz vor Chisti Geburt. Nur wenige Familien, höchstens 200 Menschen , dürften es zunächst gewesen sein. Sie flochten Körbe, bauten auf den Feldern, die noch heute von den Navajos genutzt werden, Mais und Kürbisse an und lagerten ihre Vorräte in Speichergruben unter Felsvorsprüngen. In solchen Gruben, wie man sie heute noch in der Mummy Cave Ruin im Canyon del Muerto sehen kann, bestatteten sie auch ihre Toten. Als ihre Zahl zunahm, gingen die Canyonbewohner schon bald dazu über, große oberirdische Kornspeicher aus Stein zu bauen. In den nächsten 900 Jahren lernten sie, Gefäße zu töpfern und mit Pfeil und Bogen zu jagen. Und sie zogen in mehrstöckige Wohnanlagen um, die sie in Felsnischen mauerten. Diesen Pueblo-Bewohnern gab man den Namen Anasazi, was in der Navajo-Sprache "die Alten" bedeutet. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts dürften um die 800 Anasazi im Canyon de Chelly gelebt haben. Sie hielten Hunde und Truthähne als Haustiere, webten Baumwollstoffe und stellten erlesene Töpferwaren her, die sie mit aufwendigen Mustern dekorierten.

Die Anasazi entwickelten eine hierarchische politische Ordnung und eine komplexe Religion, die möglicherweise sogar von zentralamerikanischen Kulturen beeinflußt war. Um 1300 herum verließen die Anasazi den Canyon de Chelly, zur gleichen Zeit wie auch Mesa Verde verlassen wurde. Bis etwa 1750 gab es im Canyon de Chelly keine Siedler. Dann fanden von Ute- und Komantschen-Stämmen nach Westen gedrängte Navajos dort Zuflucht und begannen, das 500 Jahre zuvor verlassene Land wieder zu bebauen. Heute bestellen in den Sommermonaten noch etwa 450 Navajos auf dem Canyongrund ihre Maisfelder und lassen hier ihre Ziegen und Schafe weiden. Da die kriegerischen Navajos fortlaufend die spanischen Siedlungen im Tal des Rio Grande überfielen, trieb 1804 eine spanische Strafexpedition die Navajokrieger und ihre Familien in einer Felsenhöhle des Canyon del Muerto zusammen. Die Indianer starben im Hagel der Musketenkugeln. Masscre Cave hat man den Ort des Geschehens getauft, und auch der Name des Canyonarmes - Canyon del Muerto oder Massacre Canyon erinnert an seine blutige Vergangenheit. Nach der Eingliederung des Territoriums in die Vereingten Staaten (1848) drängten immer mehr Weiße in das einstige Land der Navajos. Da die Indianer ihnen im Weg waren, vor allem beim möglichen Abbau von Gold, das man in den Chuska Mountains und weiter westlich vermutete, beschloß der zuständige Gouverneur 1863, mit den Navjos kurze Prozeß zu machen. Der berühmt-berüchtigte Colonel Kit Carson wurde damit beauftragt, möglichst viele von ihnen zu töten oder gefangenzunehmen. Carsons Truppen richteten im Canyon de Chelly schreckliche Verwüstungen an. Sie brannten die Hogans der Navajos nieder und nahmen Barboncito, einen ihrer angesehensten Häuptlinge gefangen. Mehr als 8.000 Indianer mußten den langen Marsch nach Osten antreten, zu einem trostlosen Reservat in New Mexiko. Dank General Wiliam Tecumseh Sherman wurde nach dem amerikanischen Bürgerkrieg eine mildere Haltung gegenüber den Indianern eingenommen. 1868 erklärte man das angestammte Land der Navajos zum Reservat und Barboncito und sein Volk kehrten 4 Jahre nach ihrer Vertreigung zurück in den Canyon de Chelly, das "Herz des Navajolandes". Für traditionsbewußte Navajos ist der Canyon noch heute weitmehr als ein historisches Schlachtfeld. Ihrer Stammesmythologie zufolge wurden sie hier nämlich vom heiligen Volk in die Kunst des Lebens eingewiesen. Nur an diesem heiligen Ort können ihre Medizinmänner daher jene Zeremonien durchführen, die Geist und Seele in Gleichklang bringen sollen. Aufgrund dieser besonderen Stellung des Canyons ist er Besuchern auch nur in Begleitung von Navajo-Führern oder Parkrangern zugänglich. Wir näherten uns dem Canyon aus nordöstlicher Richtung und fuhren den North Rim Drive am Canyon del Muerto entlang. Von den verschiedenen Aussichtspunkten des Nordrandes bietet der Canyon eine schlicht überwältigende Kulisse. Aus einer Perspektive wie vom 60. Stockwerk eines Hochhauses erscheinen selbst die größten Ruinen wie bloße Miniaturen. Auch die Felder, die Pferde und Hogans der Navajo, die heute auf dem Canyongrund leben, schrumpfen auf Spielzeugformat zusammen. Wir hielten zuerst am Mummy Cave Overlook, der neben dem phantastischen Blick in den Canyon auch noch die Mummy Cave Ruin zu bieten hat, ein Cliff Dwelling der Anasazi. Der Massacre Cave Overlook erlaubt einen Einblick in die Schlucht, in der 1804 viele Navajos den mexikanischen Soldaten zum Opfer fielen. Beim Antelope House Overlook blickt man auf eine weitere Ruine, die mit Felsmalereien von Antilopen verziert ist. Auch der letzte Stop des North Rim Drive, der Ledge Ruins Overlook, ermöglicht den Blick auf eine Ruine, deren Bauweise doch sehr denen von Mesa Verde ähnelt. Da das Visitor Center in Chinle schon geschlossen hatte, suchten wir uns einen Stellplatz auf dem kostenlosen Cottonwood Campground, von wo aus wir morgen den South Rim Drive, am eigentlichen Canyon de Chelly entlang, in Angriff nehmen wollen.

Die Aussichtspunkte am South Rim Drive, wie Tunnel Canyon Overlook, Tsegi Canyon Overlook und Junction Overlook bieten weitere schöne Einblicke in den Canyon de Chelly. Vom White House Overlook sieht man das berühmteste Cliff Dwelling des Parks, die auf zwei Ebenen angelegte White House Ruin, die ihren Namen einer weißverputzten Wand in der oberen Ebene verdankt. Der am Parkplatz beginnende White House Trail zur Ruine ist der einzige Weg in den Canyon, der ohne Führer begangen werden darf, wenn man sich strickt an den vorgeschriebenen Weg hält. Vom Sliding House Overlook sieht man eine Ruine, bei deren Bau sich die Anasazi verschätzt hatten, der Höhleboden war zu schräge und das Pueblo rutschte den Abhang hinunter. Der Spider Rock Overlook ermöglicht den Blick auf den sich 240 m über der Talsohle erhebenden Spider Rock, der nach einer Legende der Navajos die Heimat der Spinnen-Frau ist, die den Navajos das Weben lehrte. Der letzte Aussichtspunkt, der Face Rock Overlook bietet nochmals einen Einblick in den Canyon und einige weniger gut erhaltene Ruinen. Auf dem Hwy 191 verließen wir den Cayon de Chelly in südlicher Richtung und erreichten bei Ganado die Hubbell Trading Post NHS. John Lorenzo Hubbell wurde 1853 in Pajarito, New Mexico, einer kleinen Siedlung südlich von Albuquerque, geboren. Autodidaktisch machte er sich als junger Mann während seiner Reisen im Südwesten und als Angestellter und Spanischübersetzer des US-Militärs mit dem Leben, Brauchtum und der Sprache der Navajo-Indianer bekannt. Hubbell - von den Weißen "Don Lorenzo", von den Navajos "Old Mexican" oder "Double Glasses" genannt - nahm im Jahre 1876 die ersten Handelskontakte mit den Navajo auf und förderte ihre handwerkliche Geschicklichkeit, besonders ihre Teppichweberei. Die noch heute funktionierende, 1883 erbaute Trading Post ist die älteste in dem Navajo Reservat. Er lieferte nicht nur Handelsgüter und Lebensmittel an die Navajos, er fungierte in vielfacher Hinsicht als Vermittler zwischen der angloamerikanischen und der Navajo-Kultur. Er versuchte das gegenseitige Verständnis zu verbessern und fungierte oft als Sprecher und Advokat der Navajos gegenüber der Regierung. Als er 1930 starb führten seine Söhne das Geschäft in seinem Sinne weiter und 1967 übernahm die Nationalparkverwaltung die Organisation der Trading Post. Wir fuhren auf der #191 weiter bis zur I-40 und fanden in Holbrook einen Campingplatz, den wir gleich für zwei Tage reservierten, um genügend Zeit für den Petrified Forest NP zu haben.

Nach dem wir ausgeschlafen hatten, fuhren wir über die I-40 zum Nordeingang des Petrified Forest NP. Im Painted Desert Visitor Center sahen wir uns die Ausstellungsstücke und einen knapp 20minütigen Film über den Versteinerungsprozeß des Holzes an. Dabei viel unser Blick auch auf eine Uhr und wir stellten fest, daß Arizona die Umstellung auf die Sommerzeit wohl nicht mitgemacht hatte. Eine Rangerin bestätigte uns, daß in Arizona immer die Mountain Standard Time gilt, das ganze Jahr. So bekamen wir eine Stunde geschenkt, die wir für den Besuch des Parks nutzen konnten. Im nördlichen Parkteil erstreckt sich die sogenannte "Painted Desert", die "Bemalte Wüste", die aus unterschiedlich stark verwitterten violetten, rotbraunen, grauen und weißen waagerechten Ablagerungsschichten aus weichem, lehmigem Gestein und harter vulkanischer Asche besteht. Die Parkstraße führt am Rand der Painted Desert entlang und acht Aussichtspunkte ermöglichen einen Blick über die Badlands des Black Forest, durch die sich der Lithodendron Wash schlängelt. Im Hintergrund ist der mit 1900 m höchste Berg des Parks, der Pilot Rock zu erkennen. Nachdem wir die I-40 und die Santa Fe Railroad überquert hatten erreichten wir die Puerco Indian Ruin, eine der größten prähistorischen Stätten im Park. An Anasazi-Ruinen haben wir in letzter Zeit besseres gesehen, aber es gibt hier sehr interessante Felszeichnungen der Indianer. Am Newspaper Rock gibt es ebenfalls zahlreiche Felsmalereien, die aber nur von einem Aussichtspunkt aus größerer Entfernung zu betrachten sind. Südllich des Newspaper Rock erreicht man das Gebiet des eigentlichen Petrified Forest, des "Versteinerten Waldes". Dieses trockene Hochplateau war einmal ein riesiges, von vielen Flüssen durchkreuztes Überschwemmungsgebiet. Im Süden wuchsen am Rand der Zuflussgewässer hohe, stattliche, tannenähnliche Bäume. Die hohen Bäume - zu 99 Prozent Koniferen - stürzten um und wurden von den angeschwollenen Flüssen in das Überschwemmungsgebiet abgetrieben, wo sie dann von Schlick, Schlamm und vulkanischer Asche bedeckt wurden. Dieser Deckmantel von Ablagerungen schnitt die Sauerstoffzufuhr ab und verlangsamte dadurch den Fäulnisprozeß. Nach und nach sickerte dann silikathaltiges Grundwasser in die Baumstämme hinein und ersetzte allmählich das ursprüngliche Holzgewebe mit Silikat-Ablagerungen. Dieser Prozeß zog sich über eine sehr lange Zeit hin; die Silikate erhärteten zu Quarzkristallen und die Baumstämme blieben als versteinertes Holz erhalten. Verunreinigungen, die als Spurenelemente im Wasser enthalten waren und Oxyde haben die Buntheit der Versteinerungen bewirkt. Das alles geschah vor ungefähr 200 Millionen Jahren, im späten Trias. Danach sank der ganze Landstrich ab, wurde überschwemmt und von Frischwasser-Ablagerungen bedeckt. Vor etwa 17 Millionen Jahren folgte dann eine massive Anhebung des Geländes bis weit über den Meeresspiegel. Bei dieser tektonischen Hebung gingen viele der Baumstämme durch die enormen Kräfte zu Bruch. Die Kräfte der Erosion trugen die Schichten der erhärteten Sedimente ab, so daß die versteinerten Baumstämme und die fossilen Überresten von Tieren und Pflanzen an der Erdoberfläche freigelegt wurden und auch heute immer noch werden. Eine Nebenstraße führte uns in das Blue Mesa genannte Gebiet, eigentümliche Badlands, deren Lehmschichten hier eine blaue, purpur- und cremefarbene Bänderung aufweisen. Der Blue Mesa Trail führt auf einer Länge von 1,6 km durch die mit versteinerten Baumstämmen gespickte, tief zerschnittene Hochebene. Im Crystal Forest, dem Kristallwald, sieht man besonders farbenprächtige versteinerte Bäume. Am Long Logs Haltepunkt befindet sich die größte Zusammenballung versteinerten Holzes im Park. Hier finden sich bis zu 50 m lange Stämme, viele wild durcheinandergeworfen, sowie Querprofile fossiler Stämme in schönen Farben. Ein kurzer Weg führt zum Agate House, wo in den 1930er Jahren zwei Räume dieses 800 Jahre alten Anasazi-Pueblo wiederhergestellt wurden. Das Besondere an diesem Bauwerk sind die in vielen Farben schillernden Wände aus versteinertem Holz. Wir beendeten unseren Besuch am Rainbow Forest Museum, dem südlichen Visitor Center des Parks. Nachdem wir uns die interessanten Ausstellungsstücke, die neben versteinertem Holz auch aus Nachbildungen im Park gefundener Saurierskelette und Überresten der Anasazi-Kultur bestehen, angesehen hatten, begaben wir uns auf den Giant Logs Trail, der direkt hinter dem Museum beginnt und weitere versteinerte Baumstämme zu bieten hat. Wir waren wieder genauso begeistert von diesem außergewöhnlichen Nationalpark, wie bei unserem ersten Besuch vor 6 Jahren. Die vielen Besucher stellen aber eine ernsthafte Bedrohung für diesen einmaligen Park da, denn trotz strenger Verbote und drastischer Strafen stehlen die Parkbesucher jährlich mehr als 12 Tonnen des fossilen Gesteins und machen den Park so Jahr für Jahr ein Stück ärmer. Man kann sich nur wünschen, daß die Menschen irgendwann vernünftiger werden und das in vielen Parks veröffentlichte Motto: "Lasse nichts zurück außer Fußabdrücke, nehme nichts mit außer Erinnerungen" beherzigen. Wir fuhren über den Hwy 180 zurück nach Holbrook auf unseren Campingplatz.

Wir verließen Holbrook in südlicher Richtung auf dem Hwy 77 und trafen in Show Low auf den als Scenic Road markierten Hwy 60. Die Straße verläuft durch das Reservat der Apachen und ist landschaftlich wirklich sehr reizvoll. Der Höhepunkt auf dieser Strecke zwischen Show Low und Globe ist die Fahrt durch den Salt River Canyon mit einigen lohnenden Aussichtspunkten. In Globe verließen wir den Hwy 60 um noch einmal zum Tonto NM zu fahren, das bei unseren ersten Besuch im vergangenen Dezember aufgrund der Haushaltsstreitigkeiten der Regierung geschlossen war. In der Windy Hill Recreation Site fanden wir einen sehr schönen Campingplatz am Ufer des Roosevelt Lake, ganz in der Nähe des Tonto NM.

Im Tonto NM findet man in Felsüberhängen, von denen das gesamte Tonto Basin überblickt werden kann, fast 700 Jahre alte Ruinen von Cliff Dwellings. Diese Felsensiedlungen waren die Heimat der Salado-Indianer, die diesen Namen von Archäologen nach dem lebensspendendenRio Salado oder Salt River erhalten haben. Für ungefähr drei Jahrhunderte lebten sie in diesem Gebiet von dem, was die Natur der bergigen Wüstenlandschaft hergab. Dier erste dauerhafte Besiedlung dieses Gebietes erfolgte ungefähr in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts durch Indianer der Hohokam-Kultur. Um 850 hatten sie sich im Tonto Basin mit Pithouse-Siedlungen etabliert und lebten hier für ungefähr dreihundert Jahre im Tal des Salt River. Durch interne Weiterentwicklung oder äußere Einflüsse hat sich die Lebensweise der Indianer im Laufe der Zeit so sehr verändert, daß sie ab etwa 1150 weder der Hohokam-Kultur noch einem anderen Kulturkreis des Südwestens zugerechnet werden konnten. Es hatte sich offenbar eine neue Kultur entwickelt, die Salado-Kultur. Wie ihre Vorgänger betrieben auch die Salado Ackerbau. Ihre Pueblos befanden am Flußufer in der Nähe ihrer Mais-, Bohnen-, Kürbis- und Baumwollfelder und sie nutzten die umliegenden Hügel für die Jagd und das Sammeln von Früchten und Kräutern. Sie trieben Handel mit benachbarten Stämmen und schlossen sich dem bestehenden Handelsnetz an, das von Colorado bis Mexiko und Kalifornien reichte. Mit dem Erfolg der Salado wuchs auch ihre Bevölkerung, so daß im frühen 14. Jahrhundert einige ihren Wohnsitz in die umliegenden Hügel verlegten. Sie nutzten dabei natürliche Höhlen im Fels als Standorte für ihre Pueblos, die hauptsächlich zum Schlafen, Kochen, der Lagerung von Vorräten und dem Schutz dienten. Das tägliche Leben fand größtenteils draußen, vor den Pueblos statt. Das heute Lower Ruin genannte Pueblo bestand aus 16 Räumen im Erdgeschoß, von denen 3 eine zweite Etage hatten. Ganz in der Nähe dieses Pueblos befand sich ein Anbau mit weiteren 12 Räumen. Die in der Nähe gelegene Upper Ruin war sehr viel größer - 32 Räume, von denen 8 aufgestockt waren. Das Hochland lieferte den Indianern eine Vielzahl verwertbarer Pflanzen und Tiere, wobei die Frucht der saguaro-Kakteen besonders beliebt war. Da der Ackerbau aufgrund des steilen und rauhen Geländes schwierig war, spezialisierten sich einige der Felsenbewohner auf das Weben und Töpfern. Sie tauschten dann ihre Waren gegen Lebensmittel und Baumwolle, die im Tal angebaut wurden. Irgendwann zwischen 1400 und 1450 verließen die Salado aus unbekannten Gründen das Tonto Basin und überließen ihre nicht einmal 150 Jahre alten Felsensiedlungen den Kräften der Natur. Die Pueblos blieben über 400 Jahre unentdeckt, bis in der Mitter der 1870er Jahre die ersten Siedler und Soldaten in das Tonto Basin kamen. Wie bei vielen anderen Überresten der indianischen Kultur folgten auch hier Jahre der Plünderung und Zerstörung. Mit dem Bau des Roosevelt Dam ab 1906 wurde den Ruinen mehr Aufmerksamkei geschenkt und sie wurden schließlich von Präsident Theodore Rossevelt zum National Monument erklärt. Während die schwieriger zu erreichende Upper Ruin nur nach vorheriger Anmeldung unter Führung eines Rangers besichtigt werden kann, steht die Lower Ruin zur Besichtigung frei und wir genossen nicht nur dieses interessante Pueblo, sondern auch den herrlichen Blick auf den Roosevelt Lake und die einsetzende Kaktusblüte. Besonders Ocotillo und Prickly Pear Kakteen waren in voller Blüte. Wir fuhren dann zurück nach Globe und von dort weiter auf dem Hwy 60 in westlicher Richtung. Fünf Kilometer hinter Superior erreichten wir das zum State Park System von Arizona gehörende Boyce Thompson Southwestern Arboretum, den ältesten Botanischen Garten Arizonas. Der 1924 von dem Bergbau-Magnaten William Boyce Thompson gegründete Park ist die Heimat von Wüstenpflanzen aus aller Welt und auch zahlreiche Tiere, vor allem Vögel fühlen sich hier sehr wohl. Ein gut ausgebautes Wegenetz führt durch diesen Park, der von der Universität Arizonas auch für biologische Forschungsarbeiten genutzt wird und natürlich jetzt im Frühling besonders reizvoll war. Über den Hwy 79 erreichten wir den Catalina SP, auf dessen Campingplatz wir einen der letzten Plätze ergattern konnten.

Wie schon bei unserem letzten Besuch in Tucson Anfang Januar, hatten wir uns auch heute wieder einen "Arbeitstag" vorgenommen. In der gleichen Waschanlage wie damals, stand auch diesmal die Reinigung des Wohnmobils und der Fahrräder auf dem Programm. Wir fuhren dann wieder zu dem städtischen Gilbert Ray Campground in den Tucson Mountain Park westlich der Stadt. Der Platz liegt mitten in der Sonora Wüste und die schön zwischen den Kakteen liegenden Stellplätze sind mit Stromanschluß ausgestattet. Nach weiteren Arbeiten am Wohnmobil und den Fahrrädern, wir haben heute den Schriftzug "Roadrunner" an der Alkovenfront des Wohnmobils angebracht, genossen wir den herrlichen Sonnentag auf diesem schönen Campingplatz. Ein phantastischer Sonnenuntergang über der Wüste und ein abendlicher Spaziergang über den Platz, bei dem wie Fledermäuse beobachten konnten, beendeten diesen "arbeitsreichen" Tag. Bei diesem Spaziergang kamen wir mit einem schweizer Ehepaar ins Gespräch, das für fünf Wochen im Südwesten unterwegs ist und denen wir einge Tips für ihre Route geben konnten. Ab morgen steht bei uns auch wieder "Urlaub" auf dem Programm, wir wollen uns den östlichen Teil des Saguaro NP, die Rincon Mountain Unit, ansehen, der bei unserem letzten Besuch aufgrund der US-Finanzkrise geschlossen war.

Nach einer Einführung in die Flora und Fauna des Saguaro NP im Visitor Center und durch ein deutschstämmiges Volunteer-Ranger Paar begaben wir uns auf den landschaftlich schönen, knapp 13 km langen Cactus Forest Drive. Die Straße windet sich durch das Herz eines ausgedehnten Saguaro-Waldes und bietet einen ausgiebigen Blick auf alles in der Sonora Wüste lebende. Die Saguaro (Armleuchterkaktee) wird als die Monarchin der Sonora Wüste, als das höchste Symbol des amerikanischen Südwestens, als Pflanze mit Persönlichkeit, aber auch als enormer Stachelschreck beschrieben. Jahrhundertelang machten die Bewohner der Sonora Wüste Gebrauch von den Produkten der Saguaro-Kaktee. Im Sommer liefert die Kaktee eine reichliche Ernte an saftigen feigenartigen Früchten, die Kerne dienten als Nahrung oder Hühnerfutter und das starke hölzerne Gerüst, das der Kaktee hilft, ihr enormes Gewicht zu tragen wurde als Baumaterial für Hütten und Zäune benutzt. Die Saguaro hat viele Eigenschaften, die ihr helfen, das in der Wüste so kostbare Wasser aufzunehmen und zu konservieren. Akkordeonartige Falten erweitern sich und halten das durch die Wurzeln gesammelte Wasser. Schwammartiges Fleisch im Stamm und in den Armen dient als Reservoir, das das Wasser als langsam verdunstende, gelatineartige Masse hält. Blätter, über die das Wasser verdunsten könnte fehlen ganz und die Photosynthese, die normalerweise in den Blättern stattfindet, findet im Stamm und in den Armen statt. Lange Stacheln und eine wächserne Haut bieten zusätzlichen Schutz vor Feinden und Austrocknung. Das nur etwa einen Meter tiefe, aber weit verzweigte Wurzelsystem kann bei einem einzigen Regenschauer bis zu 700 l Wasser aufsaugen, genügend für ein ganzes Jahr. Eine Kaktee produziert Zehntausende von winzigen Samen pro Jahr und über 40 Millionenin ihrer Lebenszeit von 175 bis zu 200 Jahren. Die Überlebenschancen eines solchen Samens sind winzig, von all den Samen, die eine Kaktee während ihres Lebens produziert, wächst höchstens einer zu einer ausgewachsenen Saguaro heran. Eine Saguaro wächst ungewöhnlich langsam. Das Hauptwachstum findet in den Regenmonaten des Sommers statt. Nach dem ersten Jahr wird aus dem Samen ein Sämling von etwa 1 cm Größe. Nach 15 Jahren ins die Saguaro kaum 30 cm groß und nach 50 Jahren kann sie eine Größe von 2 m erreicht haben. Nach ungefähr 75 Jahren wächst der erste Arm und gleichzeitig blüht die Saguaro zum ersten Mal und fängt an Früchte zu tragen. Nach 100 Jahren kann eine Saguaro 8 m hoch sein. Die größten und majestätischsten sind bis zu 16 m hoch, 7300 kg schwer und über 150 Jahre alt. Uns hatte der Westteil des Parks, den wir im Januar trotz Finanzkrise besuchen konnten, besser gefallen, da die Kakteen dort dichter stehen und ungewöhnlicher geformt sind, dafür ist die Vegetation im Ostteil vielfältiger. Hier konnten wir neben den Saguaros auch zahlreiche andere Kakteenarten, Mesquite-Bäume und Creosote-Büsche bewundern. Wir verließen Tucson und fuhren wieder über die Highways 86 und 85 durch die Sonora Wüste und die Papago Indian Reservation, diesmal aber in umgekehrter Richtung, zum Organ Pipe Cactus NM. Auch hier suchten wir wieder zuerst das Visitor Center auf, beschafften uns Informationsmaterial über den Park und spezeill über den knapp 34 km langen Ajo Mountain Drive, den wir morgen mit unseren Fahrrädern in Angriff nehmen wollen. Diesmal bekamen wir auch einen Stellplatz auf dem in ein Kakteenfeld eingebetteten Campingplatz. Das Organ Pipe Cactus NM ist ein Schaukasten für die reiche Pflanzen- und Tierwelt der Sonora Wüste. Der Park ist sozusagen eine Menagerie von Lebensformen, die es geschafft haben, sich den extremen Temperaturen, der intensiven Sonne und den nur kärglichen Regenfällen dieser Region anzupassen. Die auffälligsten Repräsentanten dieser Lebenskünstler sind die 29 Kakteenarten, die im Park beheimatet sind, darunter Saguaro- und die namensgebenden Orgelpfeifen-Kakteen. Die Orgelpfeifen-Kaktee ist eine Riesenkakteenart, die, obwohl in Mexiko sehr häufig, in den USA selten ist. Das Hauptvorkommen beschränkt sich auf diesen Park. Da der Winter in der Sonora Wüste sehr trocken war, sind einige Kakteen, vor allem aber die vielen Wildblumen wie Mohn, Lupinen und Eulenklee noch nicht in Blüte oder werden vielleicht auch gar nicht erblühen. Wie auch schon im Saguaro NP sind aber Prickly Pear, Ocotillo und vereinzelt auch Saguaros in Blüte und verleihen der Wüste einige Farbtupfer. Wie die Pflanzen, so haben sich auch die Tiere der Wüste den besonderen Lebensumständen anpassen müssen. Der Großteil der Wüstenbewohner, z.B. Känguruhratten, Wildkaninchen, Zwergeulen und Schlangen sind Nachttiere, die sich am Tag in schattige Verstecke zurückziehen. Die Tiere, die sich aus tagsüber hinauswagen, wie Dickhornschafe, Kojoten, Javelinas, Eidechsen und Vögel, beschränken ihre Exkursionen normalerweise auf die frühen Morgen. und späten Abendstunden. Um trotz des ständigen Wassermangels überleben zu können, haben die Tiere die verschiedensten Mechanismen entwickelt, um wasser zu finden und zu speichern. Dabei hat die Känguruhratte wohl den wirtschaftlichsten Wasserhaushalt aller Wüstentiere - sie braucht überhaupt nicht zu trinken. Sie produziert die benötigte Flüssigkeit über einen überaus komplexen chemischen Verdauungsprozeß selbst und vergeudet keinen Tropfen, da sie weder schwitzt noch Wasser abscheidet. Das Organ Pipe Cactus NM ist ein beispielhaftes Naturreservat, in dem sich eines der fundamentalen Ökosysteme der Welt in fast unverfälschter Urform erhalten konnte. Die Vereinten Nationen erkannten diese ökologische Bedeutung des Gebietes und verliehen ihm 1976 den Status eines internationalen Biosphären-Reservates. Wir machten uns nach dem Abendessen auf den ungefähr 2 km lanngen Desert View Nature Trail, der direkt am Campingplatz beginnt. Von diesem Weg aus bieten sich herrliche Aussichten in das Sonoyta-Tal und auf die mexikanischen Cubabi-Berge mit ihrem rosa schimmernden Granitgestein. Vom höchsten Punkt des Weges genossen wir den Sonnenuntergang über der Sonora Wüste.

Gleich nach dem Frühstück machten wir uns vom Visitor Center aus auf den 34 km langen Ajo Mountain Drive, eine wild geführte, teilweise recht rauhe und mit dem Fahrrad auch anstrengende Tour durch ein phantastisches Gelände. Die Straße windet sich am Vorgebirge der Ajo-Mountains, der höchsten Gebirgskette der Gegend, entlang. Sie führt durch besonders beeindruckende Wüstenlandschaften und Bestände riesiger Orgelpfeifen-Kakteen. Wir bewältigten die Strecke in zweieinviertel Stunden reiner Fahrzeit, waren aber ungefähr vier Stunden unterwegs. Unsere erste größere Pause machten wir am Birdseye Point, wo wir nach einer anstrengenden Steigung die herrliche Aussicht genossen. Am Arch Canyon sieht man einen, 220 m oberhalb der Straße gelegenen, natürlichen Steinbogen, den die Kräfte der Erosion in den Fels gearbeitet haben. Der Bogen ist 11 m hoch und 27 m breit. Hier hatten wir auch den höchsten Punkt der Rundstrecke erklommen und die zweite Hälfte der Fahrt verlief auf abschüssigen oder ebenerdigen Strecken wesentlich schneller. Wir sahen sehr viele blühende Ocotillos, blühende Cholla-Kakteen, einen blühenden Saguaro und natürlich die Ajo-Mountains, die die Kulisse dieser einmaligen Wüstenlandschaft bilden. Als wir nach vier Stunden wieder am Motorhome ankamen, waren wir zwar ziemlich kaputt, aber doch froh diese Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt zu haben. Zum einen erlebt man die Landschaft mit dem Rad viel intensiver und zum anderen hätte die teilweise recht ruppige Strecke unser Wohnmobil wieder arg durchgeschüttelt und wir hätten nicht so viel gesehen. Nach einer ausgiebigen Stärkung fuhren wir in nördlicher Richtung zur I-8 und dann westlich bis nach Yuma, wo wir einen Campingplatz in der Nähe der Interstate fanden, auf dem Bugainville und Hibiscus wunderschön blühten.

In Richtung San Diego liegen gleich hinter der kalifornischen Grenze die Imperial Sand Dunes, die so gewaltig sind, daß sie bei den Dreharbeiten für "Lawrence von Arabien" als Arabische Halbinsel dienten. Heute waren sie fest in der Hand der Freizeitsportler, die mit Buggies und kleinen "Wüstenflitzern" die Dünen befuhren. An der mexikanischen Grenze entlang verläuft die I-8 durch das künstlich bewässerte Imperial Valley nach San Diego. Um den horrenden Campingplatzpreisen in San Diego zu entgehen, blieben wir in El Cajon, einem Vorort ungefähr 25 km von der Innenstadt entfernt. Hier fanden wir einen sehr schönen Campingplatz und verbrachten einen ruhigen Nachmittag am Pool.

Wir verbrachten den gesamten heutigen Tag im Zoo von San Diego, der nicht nur der größte der USA ist, sondern wohl auch der beste. Alles paßt dort zusammen: die wechselnde Topographie, die üppige Flora, Tiere in Freigehegen oder großzügigen Käfigen und die intelligent gemachten Tiervorführungen. Mit seinem Bestand von mehr als 800 Arten, darunter einige der seltensten, gehört der San Diego Zoo zu den größten der Welt. Er genießt weltweite Anerkennung wegen seiner artgerechten Tierhaltung und der erfolgreichen Aufzucht bedrohter Tierarten. Der Zoo hat eine Größe von gut 50 ha und beheimatet mehr als 4.000 Tiere. Nach der 40minütigen Rundfahrt sahen wir uns die "The Wild Ones Show" im Hunte Amphitheater an. Von dort aus gingen wir dann durch den Bear Canyon zu dem neugestalteten Freigehege der Gorillas inmitten tropischer Regenwaldvegetation. Ein weiterer Höhepunkt waren die Orang-Utans, die gerade Nachwuchs hatten. Sehr schön ist auch der Tiger River und das "Hippo Beach" genannte Gehege der Flußpferde, wo man diese mächtige Tiere in ihrer natürlichen Umgebung, d.h. unter Wasser beobachten kann. Mit der Skyfari, einer Seilbahn, die den Park überspannt, fuhren dann zurück zum Haupteingang. Seit unserem ersten Besuch des Zoos vor sechs Jahren hat sich sehr vieles verändert, viele Gehege sind neu angelegt oder modernisiert worden und wir waren heute genauso wie damals begeistert von diesem wirklich einmaligen Zoo. Auf dem Rückweg zu unseren Campingplatz in El Cajon kamen wir dann in die Rush-Hour, so daß wir erst gegen 18 Uhr wieder auf dem Platz waren und uns im Pool und Spa von den Anstrengungen des Tages erholen konnten.

San Diego, sehr schön an zwei natürlichen Buchten, der San Diego und der Mission Bay gelegen, wurde bereits 1542 von dem spanischen Seefahrer Juan Rodriguez Cabrillo angesteuert. Aber erst 227 Jahre später erfolgte 1769 die Einrichtung eines militärischen Außenpostens. Gleichzeitig gründete der Franziskanerpater Junípero Serra die Mission San Diego de Alcala. Nach der Eroberung Kaliforniens durch die Amerikaner ging die Entwicklung lange Zeit an San Diego vorbei. Erst um die Jahrhundertwende entstanden mit der Anbindung der Stadt an das Eisenbahnnetz ein nennenswerter Hafen und Industrie. Als nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges das pazifische Oberkommando der Marine von Hawaii nach San Diego verlegt wurde, expandierte die Stadt weiter. Lebensqualität und hoher Freizeitwert - das sind die Schlagworte, mit denen San Diego wirbt. Gut 300 Sonnentage im Jahr, ein auch im Winter angenehm warmes Klima und über 110 km Küste am strahlend blauen Pazifik bieten ideale Lebensbedingungen und Erholungsmöglichkeiten. Wir begannen unseren Besuch an der Mission Basilica San Diego de Alcala. Die ursprüngliche Mission, am 16. Juli 1769 gegründet, wurde bereits fünf Jahre nach der Gründung ins Hinterland verlegt, um näher an den Dörfern der zu missionierenden Indianer zu sein. Eben diese Indianer überfielen die Mission 1775, ein Jahr nach ihrer Verlegung, töteten den Pater und brannten die Gebäude nieder. Zwischwn 1776 und 1780 wurde die Mission wieder aufgebaut, bei Erdbeben Anfang des 19. Jahrhunderts beschädigt und mittlerweile hervorragend restauriert. Diese Mission war die erste in einer Kette von 21 Missionen, die sich an der Pazifikküste nordwärts bis nach San Francisco erstrecken, sie hat daher den Beinamen "Mother of the Missions". Die weiteren Missionen wurden im Abstand von jeweils einer Tagesreise erbaut und bilden zusammen den Camino Real, den Königsweg. Von der Mission fuhren wir weiter zur Old Town, der historischen Keimzelle San Diegos. Das kleine Viertel mit historischen Adobe-Bauten und viktorianischen Häusern steht heute als Old Town San Diego SHP unter Denkmalschutz. Rund zehn Gebäude um die Old Town Plaza sind originalgetreu möbliert und als Museum zu besichtigen. Trotz dieses musealen Hintergrundes ist die Old Town heute mehr ein kommerziell bestimmtes Touristenziel mit sehr vielen Restaurants und Shops. Uns war es hier schon zu sehr kommerziell, so daß wir die Old Town relativ schnell wieder verließen und nach Coronado fuhren. Um dieses, am Ende einer die South San Diego Bay umschließenden Halbinsel gelegene Seebad zu erreichen, passiert man die San Diego Coronado Bay Bridge. Diese gewaltige Brückenkonstruktion, die auch das Durchfahren größter Schiffe (Flugzeugträger) ermöglicht, bietet herrliche Ausblicke auf San Diego und die vorgelagerte Halbinsel. Von der Promenade des Coronado Tideland Park genossen wir den herrlichen Blick auf die imponierende Brücke und die eindrucksvolle Skyline von San Diego. Über die I-5 und die Küstenstraße S21 machten wir uns auf den Weg nach Los Angeles, wo wir uns in vier Tagen mit Schulfreunden treffen werden, um dann vier Wochen gemeinsam durch den Südwesten zu fahren. In dem zum State Park System gehörenden San Clemente State Beach fanden wir einen, für State Parks recht teuren Campingplatz. Vom Steilufer des Parks beobachteten wir den sehr schönen Sonnenuntergang über dem Pazifik.

Auf unserem weiteren Weg nach Los Angeles verließen wir die I-5, um auf dem Pacific Coast Highway, der später in den legendären Highway #1 übergeht, direkt an der Küste entlangzufahren. In Dana Point, einem malerischen Städtchen mit Yachthafen und felsumsäumten Buchten, hielten wir an einem Aussichtspunkt inmitten eines schönen Wohngebietes. Einige Kilometer weiter folgt in schöner Lage an der Steilküste der Nobelort Laguna Beach. Bemerkenswerte Villen säumen hier die Uferlinie und die farbenprächtig blühenden Gärten verleihen dem Ort ein besonderes Flair. Wir bummelten an einer der hübschen kleinen Strandbuchten unter felsigen Steilhängen und sahen den Surfern zu. In Long Beach fuhren an den schier endlosen breiten Sandstränden entlang und statteten der Queen Mary einen kurzen Besuch ab. Dieser 1934 in England gebaute, größte Nordatlantik Luxusliner seiner Zeit, liegt seit 1967 im Hafen von Long Beach und dient mit seinen weitgehend im Originalzustand erhaltenen Kabinen als Hotel- und Restaurantschiff. Mit der Verlegung der Spruce Goose, des größten jemals gebauten Flugzeuges in ein Flugzeugmuseum , hat der Bereich um die Queen Mary mit dem einem englischen Fischerdorf nachempfundenen "Londontowne" deutlich an touristischer Attraktivität verloren. Von Long Beach fuhren wir über das hervorragend ausgebaute Schnellstraßennetz zum Dockweiler Beach RV Park, einem öffentlichen Campingplatz direkt am Strand unterhalb der Startbahn des Los Angeles Airport. Der Fluglärm ist zwar etwas unangenehm, aber für unsere Zwecke war dieser Platz optimal, da er die beste Lage zum Flugplatz und für die Erkundung der Stadt bietet. Los Angeles, daß ist Megastadt und Mekka der Schönen und Reichen, Traumfabrik des Films aber auch Endstation der armen Ghettobewohner - die größte Stadt Kaliforniens ist die nicht immer schöne, aber immer faszinierende Vision der Metropole von Morgen. L.A., wie die Bewohner ihre Stadt nennen, ist eine Superstadt, die eigentlich gar keine ist. Zumindest nicht im europäischen Sinn, denn es gibt kein historisch gewachsenes Zentrum, keine Altstadt und keine Vororte. Alles zwischen den San Gabriel Mountains und dem Pazifik ist Stadtlandschaft: die Metropolitan Area von L.A. ist mit 14,5 Millionen Einwohnern nach New York das zweitgrößte Ballungsgebiet der USA und erstreckt sich über 100 km in nord-südlicher und west-östlicher Ausdehnung. Das 1781 als Mission "El Pueblo de Nuestra Señora la Reina de los Angeles de Porciuncula" von dem Franziskanerpater Junípero Serra gegründete Los Angeles ist heute das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Westküste. Ein urbaner Alptraum aus fünf Regierungsbezirken und 88 einzelnen Städten, autogerecht erschlossen mit fast 2.000 km zehnspuriger Autobahnen, auf denen tagtäglich über 7 Millionen Autos fahren.

Heute hatten wir einige organisatorische Dinge zu erledigen: zunächst fuhren wir zum Flughafen, um mit den Örtlichkeiten vertraut zu sein, wenn wir übermorgen unsere Schulfreunde abholen. Gleichzeitig wollten wir bei der Einwanderungsbehörde am Flughafen unsere Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen, was aber nicht möglich war, man verwies uns auf die Hauptverwaltung in der Innenstadt. Als wir dort ankamen, war die zuständige Stelle geschlossen, da dort Donnerstags nur bis mittags gearbeitet wird, so müssen wir es morgen noch einmal versuchen. Zurück auf dem Campingplatz machten wir unsere Räder startklar und radelten auf dem 35 km langen Coastel Bicycle Path, einer Betonspur auf dem Strand, die sich von Santa Monica bis zur Halbinsel Rancho Palos Verdes ersteckt und direkt am Campingplatz vorbeiführt, bis zur Marina del Rey. Dieser Hafen ist der größte Yachthafen der Welt und war der Ausgangshafen der olympischen Segelwettbewerbe 1984. Am Abend konnten wir dann noch einen herrlichen Sonnenuntergang an der Santa Monica Bay erleben, wobei die Sonne hinter den Santa Monica Mountains versank und den Himmel glutrot färbte.

Gleich nach dem Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt, um die Verlängerung unserer Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Nachdem wir uns eine gute Stunde in die riesige Schlange vor dem Büro der Einwanderungsbehörde eingereiht hatten, erklärte uns ein sehr unfreundlicher Einwanderungsbeamter, daß wir die Verlängerung schriftlich beantragen müssen und gab uns herablassend die nötigen Formulare, Adressen und Erläuterungen. Würde ein deutscher Beamter einen amerikanischen Touristen auf diese Weise behandeln, wäre er gleich in den Schlagzeilen. Hier scheint es jedoch ganz normal zu sein, daß das Land der Einwanderer, wie Amerika auf dem Logo der Einwanderungsbehörde genannt wird, Antragsteller behandelt wie Störenfriede. Nach dieser weniger schönen, aber dennoch interessanten Erfahrung, wollten wir von der Aussichtsplattform der City Hall einen Blick auf die Downtown von L.A. riskieren. Leider wurde auch aus diesem Vorhaben nichts, da die Renovierungsarbeiten zur Beseitigung der letzten Erdbebenschäden noch nicht abgeschlossen waren und die Plattform deshalb gesperrt war. So kehrten wir ein wenig frustriert zum Wohnmobil zurück und verließen die Innenstadt. Auf dem Weg zurück zum Campingplatz beschlossen wir auf dem Parkplatz einer Shoppingmall die Schreibarbeiten für die Antragstellung zu erledigen. Für alle, die in die gleiche "exotische" Situation kommen und länger als 6 Monate in den USA bleiben wollen, folgt eine Beschreibung der erforderlichen Vorgehensweise. Zunächst einmal benötigt man das Formblatt I-539 der Einwanderungsbehörde und die Adresse, an die der Antrag zu senden ist. Beides erhält man nach mehr oder weniger langem Warten bei der Einwanderungsbehörde. Ferner ist eine Adresse in den USA erforderlich, an die die Behörde die neue Aufenrhaltsgenehmigung oder die Ablehnung schicken kann. Wir haben telefonisch mit der Moturis-Niederlassung in San Francisco vereinbart, ihre Adresse anzugeben. Das Formblatt ist sehr einfach auszufüllen, es muß aber auf einem gesonderten Blatt erläutert werden, wie man den Aufenthalt finanzieren will. Hier machte sich unser Sammelordner, den wir für die Einreise im Dezember vorbereitet hatten bezahlt und wir konnten die entsprechenden Unterlagen daraus kopieren. Wir fügten dem Antrag unsere Beurlaubungsverfügungen, die Krankenversicherungsbestätigungen, Kontoauszüge, Quittungen des Travellercheques-Umtausches und den Kaufvertrag für das Motorhome bei. Dazu kommen die Originalabschnitte, die der Einwanderungsbeamte am Flughafen in den Paß geheftet hat, wobei wir Kopien für den Paß anfertigen mußten. Bei einem Postamt mußten wir für die Gebühren in Höhe von $ 85 eine Money-Order, eine Zahlungsanweisung, tätigen und den Beleg dem Antrag beifügen. Dieses ganzen Paket schickten wir dann an die angegebene Adresse und hoffen jetzt, daß wir in vier Wochen, wenn unsere Freunde aus San Francisco abfliegen, bei Moturis unsere neue Aufenthaltsgenehmigung vorfinden werden. Ab morgen beginnt also unsere vierwöchige Rundreise durch den Südwesten der USA, sozusagen ein Urlaub im Urlaub, da wir unsere bisherigen Reisegewohnheiten, dem engen Zeitrahmen unterordnen müssen.

Nach dem Ausschlafen haben wir noch ein paar "Hausarbeiten" erledigt und sind ein Stück am Strand spazieren gegangen. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir dann zu dem Hotel, daß Sigrid und Thomas für die ersten beiden Nächte reserviert hatten und von dort mit den Shuttle zum Flughafen. Nach 5 Monaten in Freiheit und ohne jede Abhängigkeit nur auf uns gestellt, sind wir uns nicht so sicher, wie wir damit zurechtkommen mit anderen zusammen zu reisen, wenn auch in zwei getrennten Wohnmobilen. Andererseits freuen wir uns natürlich nach so langer Zeit wieder jemanden aus dem Freundeskreis zu treffen und zu hören was in der Zwischenzeit zu Hause alles passiert ist. Die beiden kamen etwas verspätet an, hatten den Flug aber sehr gut überstanden, so daß wir nach einem kurzen Erfrischungsstop im Hotel zu unserem Campingplatz weiterfuhren. Die Zeit verging beim gegenseitigen Erählen wie im Flug und nach dem Abendessen brachten wir die beiden, die mittlerweile über 24 Stunden auf den Beinen waren, in ihr Hotel zurück. Als wir wieder unseren Campingplatz erreichten, erzählte uns unser Nachbar, daß das olympische Feuer, das heute in L.A. angekommen war, auf dem Weg quer durch die USA nach Atlanta am Campingplatz vorbeigetragen wird. Wir konnten dann tatsächlich den Fackelläufer und die Begleitfahrzeuge passieren sehen. Die Fackel wird über 46 Staaten und 15.000 Meilen durch die USA getragen, ehe die olympische Flamme in Atlanta entzündet wird.

Nachdem wir uns mit Sigirid und Thomas in ihrem Hotel zum Frühstücksbuffet getroffen hatten, fuhren wir zu den Universal Studios nach Hollywood. Universal empfängt seine Besucher mit einem richtigen, in drei Teile gegliederten Vergnügungspark. Wichtigste Attraktion ist die einstündige Backlot Tram Tour mit einem Blick hinter die Kulissen und vielen spektakulären Effekten. Internationale Straßenszenen, Spezialeffekte und Sets bekannter Filme und Fersehserien gehören zu dieser Tour. Für Schrecken und Spaß ist gesorgt, wenn eine Flutwelle anrollt, die Brücke am Kwai unter der Tram "zusammenbricht", der Weiße Hai und King Kong versuchen sich Touristen zu angeln. Leider war das künstliche Erdbeben der Stärke 8 wegen Wartungsarbeiten nicht Bestandteil der Tour und gerade dieser Teil hatte uns bei unserem ersten Besuch vor 6 Jahren am besten gefallen. Zum Bereich des Entertainment Center gehören mehrere Showbühnen, die durch verschiedenen Straßenzüge, in denen sich diverse Shops und Restaurants befinden, miteinander verbunden sind. Auf der Animal Actors Stage kann dressierte "Tierschauspieler" bei der Arbeit beobachten. Die Beetlejuice´s Rockin´ Graveyard Revue ist eine Musik-Show, die ohne die obskure Verkleidung der Darsteller gar nicht so schlecht wäre. Die anderen Shows, wie The Wild Wild Wild West Stunt Show, The Flintstones Show und die Waterworld Show waren entweder aufgrund des sehr starken sonntäglichen Besucherandrangs überfüllt oder zeitlich für uns nicht erreichbar. Der Back To The Future The Ride, ist eine von der Videotechnik her hervorragend gemachte "Flugillusion", die die Besucher aber etwas zu hart durchschüttelt. In dem dritten Teilbereich, dem Studio Center kann man etwas über die Produktion der Filme Backdraft, Back to the Future und die Hitchcock-Filme erfahren. Eine weitere, sehr gut gemachte Bahn führt zu einer Reise per Fahrrad mit E.T. durch den Weltraum. Von den Universal Studios fuhren wir über den Hollywood Boulevard, Berverly Hills und Santa Monica zurück zum Hotel, wo wir Sigrid und Thomas absetzten und dann zum Campingplatz fuhren, um uns von den Anstrengungen des Tages zu erholen.

Um 8 Uhr haben wir Sigrid und Thomas vom Hotel abgeholt und sind dann zu Moturis gefahren. Die Beiden konnten dann auch gleich ihr Wohnmobil übernehmen und wir haben unseren Roadrunner zur Inspektion gegeben. Leider mußten wir dann auf unseren Wagen sehr lange warten, so daß wir recht spät aus Los Angeles losgekamen. Nachdem wir in Anaheim in der Nähe von Disneyland einen Campingplatz bezogen hatten, stand noch ein Großeinkauf auf dem Programm und ein gemeinsamer Grillabend beendete dann den Tag.

Den heutigen Tag verbrachten wir bei Mickey Mouse und seinen Freunden im Disneyland oder Magic Kingdom, wie es auch genannt wird. Auf rund 30 ha Fläche rund um das im König-Ludwig-Stil erbaute Sleeping Beauty Castle erbaute Walt Disney 1955 den ersten Vergnügungspark der Welt. Der Eintrittspreis ist mit $ 34 zwar recht hoch, es wird aber auch einiges dafür geboten. Wir begannen unseren Besuch mit einer Fahrt der Disneyland Railroad, die das gesamte Areal umrundet und so einen sehr guten Überblick vermittelt. Über die Main Street, in der sich in Häusern im Stil der Jahrhundertwende Ausstellungen, Geschäfte und Restaurants befinden gingen wir zum New Orleans Square. An diesem Platz befinden sich, meiner Meinung nach zwei der besten Bahnen des Parks: Bei Pirates of the Caribbean führt eine eher sanfte Wildwasserbahn durch eine unterirdisch aufgebaute Piratenwelt und in der Haunted Mansion befindet sich eine hervorragend aufgemachte und sehr phantasievolle Geisterbahn. In der Critter Country besuchten wir das Country Bear Playhouse, wo elektronische Bären eine Show mit Country und Western Musik zum Besten geben. Der Splash Mountain ist eine Wildwasserbahn, die ihrem Namen alle Ehre macht, denn dort "fällt" man fünf Stockwerke tief in das feuchte Nichts und wird auch ordentlich naß dabei. Im Frontierland standen natürlich der Schaufelraddampfer Mark Twain Riverboat und die Tom Sawyer Island im Vordergrund. Die Sleeping Beauty Castle war unser einziges Ziel im Fantasyland, während wir uns in Mickey´s Toontown die phantasievollen Gebäude ansahen und eine Fahrt mit der Roger Rabbit´s Car Toon Spin unternahmen, die aber für mich das lange Anstehen nicht wert war. Gleich zwei lohnenswerte Kinos gibt es im Tomorrowland: Im Magic Eye Theater gibt es die Abenteuer des "Captain EO" im 3D-Format mit Michael Jackson in der Hauptrolle und im Circle Vision, einem 360 Grad Rundum-Kino sahen wir die sehr gut gemachte "American Journey", einen Film, der die Hauptattraktionen des Reiselandes USA von Alaska bis Hawaii und von San Francisco bis New York in sehr schönen Bildern aneinanderreiht. In der Main Street erlebten wir dann noch die Cruisin´ the Kingdom Cavalcade, einen Umzug der klassischen Disneycharaktere durch den Park. Außer das Adventureland, das wir von unseren Besuch vor sechs Jahren noch sehr gut in Erinnerung hatten, haben wir alle Bereiche des Magic Kingdom angelaufen und verließen nach sieben Stunden, etwas erschöpft den Park. Da wir die 2,5 km vom Campingplatz mit dem Fahrrad zurückgelegt hatten, konnten wir wenigstens die $ 7 Parkgebühr für Wohnmobile sparen und hatten gleichzeitig noch etwas Ausgleich zum vielen Laufen und Stehen im Park. Auf dem Campingplatz standen dann nur Essen und Ausruhen auf dem Programm.

Gleich nach dem Frühstück verließen wir Anaheim in Richtung Joshua Tree NP, den wir dann über die Highways 91, 60 und 10 erreichten. Besonders der Hwy 60, ein reiner Zubringer von der 91 zur 10, verläuft zum Teil durch ein landschaftlich reizvolles Gebiet. Wir erreichten den Park über den Highway 10 am südlichen Eingang bei Cottenwood . Von dort aus fuhren wir auf der Parkstraße in Richtung Norden. Etwa auf halber Strecke zwischen Cottonwood und Twentynine Palms liegt der Cholla Cactus Garden, in dem ein Lehrpfad durch eine dichte Ansammlung von Bigelow Kakteen führt. Obwohl wir uns diese Kakteen schon im vergangenen Dezember ausführlich angesehen hatten, hielten wir auch heute kurz an, da einige der Kakteen noch Blüten trugen. Von hier aus fuhren wir zum Hidden Valley Campground, der aber leider ausgebucht war. Auf dem Ryan Campground fanden wir schließlich einen freien Stellplatz, der für zwei Wohnmobile ausreichte. Mit den Fahrrädern fuhren wir zum Hidden Valley Campground zurück, wo die Queen Valley Road, eine nicht asphaltierte Straße beginnt. An dieser Strecke liegt der Parkplatz zum Barker Dam, den wir dann über einen knapp 2 km langen Rundweg erreichten. Der kleine Damm wurde ungefähr zur Zeit der Jahrhundertwende erbaut, um Regenwasser für die Viehhaltung und den Bergbau zu speichern. Um das kleine Becken hat sich heute eine reichhaltige Pflanzenwelt etabliert und das Wasser wird von den Tieren des Parks genutzt. Als wir dann zum Campingplatz zurückkamen, waren Sigrid und Thomas schon da und wir erlebten einen schönen Sonnenuntergang bevor wir den Tag mit einem Lagerfeuer beendeten.

Wir sind am nächsten Morgen sehr früh aufgestanden, um im Licht der aufgehenden Sonne die Umgebung des Campingplatzes zu erkunden. Nach dem Frühstück nutzten wir dann die noch etwas kühleren Temperaturen für den Ryan Mountain Hiking Trail. Dieser knapp 5 km lange Weg (retour) führt auf den Gipfel des Ryan Mountain, wo man in 1664 m Höhe einen herrlichen Überblick über das Parkgebiet hat. Diese phantastische Aussicht ist eine ausreichende Entschädigung für die Anstrengungen des teilweise recht steilen Aufstiegs. Zum Abschluß unseres Besuches fuhren wir zur Hidden Valley Picnic Area, wo der 1,6 km lange Hidden Valley Nature Trail, der wohl eindrucksvollste Trail des Parks, mitten hinein in das Herz des Wonderland of Rocks führt. Dieses "versteckte Tal" wird vollständig von riesigen Felsblöcken eingeschlossen und war schon den Indianern bekannt, wie archäologische Funde beweisen. Später wurde es dann von Viehdieben als Versteck benutzt und heute ist ein Paradies für Kletterer und Freeclimber. Wir verließen den Park in östlicher Richtung und fuhren bis nach Prescott in Arizona, wobei besonders das letzte Stück des Hwy 89 durch den Prescott National Forest landschaftlich sehr schön ist.

Ehe wir unsere Fahrt fortsetzten fuhren wir zurück in die Stadt, wo Sigrid und Thomas sich ein Handfunkgerät gekauft haben, so daß wir ab jetzt auch während der Fahrt über CB-Funk miteinander Kontakt aufnehmen und Stops oder den weiteren Routenverlauf besprechen können. Wir haben heute diese Möglichkeit schon intensiv genutzt und finden, daß sie das Fahren in Kolonne erheblich erleichtert. Von Prescott ging es dann in nordöstlicher Richtung durch den Prescott National Forest über Jerome und Cottonwood zum Montezuma Castle NM. Dieses Pueblo der Sinagua-Indianer in den Felshängen am Beaver Creek wurde von den ersten Siedlern, die es entdeckten irrtümlich für ein Aztekenschloß gehalten und sie gaben der Felssiedlung daher den Namen des letzten Herrschers der Azteken - Montezuma. Heute wissen wir zwar, daß sich die Azteken niemals soweit nördlich von ihrer Heimat in Mexiko aufgehalten haben. aber der Name ist geblieben. Hier im Montezuma Castle lebte ungefähr drei Jahrhunderte lang eine bäuerliche Gemeinde von vielleicht einem Dutzend Familien, insgesamt etwa 50 Personen. Die Archäologen glauben, daß die Sinagua wegen Überbevölkerung um 1100 aus der Gegend des heutigen Flagstaff hierher abgewandert sind. Ihr Name, "Sinagua", ist eine Anlehnung an das spanische "sin agua", was nichts anderes bedeutet als "ohne Wasser". Um 1150 begannen die Sinagua mit dem Bau von Montezuma Castle, das seine heutigen Ausmaße von 5 Stockwerken und 20 Räumen etwa 1300 erreichte. Die Felssiedlung wurde möglicherweise zu Verteidigungszwecken errichtet, seine Lage hatte aber auch mehrere ökologische Vorteile: die Felshöhle bot Schutz vor Regen und Schnee und auch vor starker Sommerhitze, da sich die Wohnungen über dem Talboden befanden lagen sie nah bei den Äckern, ohne kostbaren Ackerboden zu belegen. Auf diesem vom Beaver Creek bewässerten Boden bauten die Sinagua Mais, Bohnen, Kürbisse und Baumwolle an und bejagten das vom Wasser angelockte Wild. Ab 1400 begannen die Sinagua das Gebiet wieder zu verlassen und 1450 hatten sie Montezuma Castle vollständig aufgegeben. Man vermutet, daß auch hier eine anhaltende Dürre und die Überwirtschaftung des Bodens zur Aufgabe der Siedlung geführt haben. Einige Überlieferungen und Lebensgewohnheiten der Hopi-Indianer lassen vermuten, daß sich die Sinagua den Hopis auf den Mesas, den Hochebenen weiter nordwestlich angeschlossen haben. Nachdem die Felssiedlung über 600 Jahre allen Witterungseinflüssen getrotzt hatte, nahm der Verfall der alten Mauern alarmierende Ausmaße an, als Besucher um 1930 begannen das Pueblo zu stürmen. Aus diesem Grunde wurde Montezuma Castle 1951 für die Öffentlichkeit geschlossen und ist heute eine der besterhaltenen prähistorischen Strukturen des Südwestens. Durch den Red Rock und den Oak Creek Canyon erreichten wir schließlich Flagstaff, unser heutiges Etappenziel.

Am nächsten Tag trennten sich unsere Wege für einen Tag, während Sigrid und Thomas einen Tagesausflug zum Petrified Forest unternahmen, steuerten wir die berühmteste Schlucht der Welt, den Grand Canyon NP an. Obwohl am Parkeingang der Trailer Village Campground, der einzige mit Anschlüssen im Parkgebiet, als ausgebucht gekennzeichnet war, bekamen wir ohne Probleme einen Stellplatz für drei Nächte und konnten für unsere "Mitfahrer" eine Reservierung vornehmen. Nachdem wir unseren Roadrunner abgestellt und angeschlossen hatten, schnappten wir uns unsere Fahrräder und nahmen den West Rim Drive in Angriff. Der Drive folgt dem Canyonrand auf 13 km und endet an einem Souvenirladen, dem Hermits Rest. Die Strecke bietet einzigartige Ausblicke über den Colorado River und das Labyrinth seiner Setencanyons sowie die breiten Felsterrassen unter dem Rim. Wir hielten an allen Aussichtspunkten und genossen die immer wieder neuen Einblicke in diese phantastische Schlucht. Besonders schön ist der Hopi Point, der weit in die Schlucht hineinragt und so grandiose Einblicke sowohl in westlicher als auch in östlicher Richtung ermöglicht. Der Colorado, der von hier oben wie ein kleiner Bach aussieht, ist in Wirklichkeit ein 100 m breiter Strom, der zusammen mit seinen Nebenflüssen ein Zwölftel der kontinentalen USA entwässert. Als wir wieder auf dem Campingplatz ankamen, hatten wir für die Strecke bis Hermits Rest und das Anfahren aller Aussichtspunkte knapp 33 km zurückgelegt.

Als wir uns am nächsten Morgen gerade mit den Rädern auf den Weg zum Trailhead des South Kaibab Trail machen wollten, tauchten Sigrid und Thomas auf dem Campingplatz auf. Aufgrund eines Feuers in Flagstaff konnten sie die Nacht nicht auf dem vorgebuchten Campground verbringen sondern sind dann noch in Richtung Grand Canyon weitergefahren und haben südlich des Parks übernachtet. Während die beiden sich auf den West Rim Drive begaben, steuerten wir den South Kaibab Trail an, der sich auf der Westseite von Yaki Point in Serpentinen abwärtsschlängelt. Der Weg führt letztlich zum Fluß am Grunde des Canyons (11 km), wir begnügten uns jedoch mit der Teilstrecke bis Cedar Ridge (2,5 km). Bis Cedar Ridge ist man schon 445 Höhenmeter abgestiegen, doch scheint der Canyon keine Spur nähergerückt. Wir waren eine zeitlang alleine an diesem herrlichen Aussichtspunkt und konnten die himmlische Ruhe und die phantastische Perspektive in vollen Zügen genießen. Wir mußten uns unseren Rastplatz nur mit einigen Erdhörnchen teilen, die sich (vergebens) Hoffnung auf einen Teil unserer Verpflegung machten. Für den Abstieg hatten wir, unterbrochen durch etliche Fotostops und vier Muli-Karavanen circa eine Stunde gebraucht. Zu unserem eigenen Erstaunen brauchten wir für den Aufstieg auch nicht länger, wobei wir aber weniger Pausen machten. Auf dem Rückweg zum Campground warfen wir von einer Haltebucht am Straßenrand und vom Mather Point noch einmal einen Blick auf den South Kaibab Trail und Cedar Ridge, was vom Rand aus viel weiter und tiefer im Canyon wirkt als vom Trail selbst. Nach 5 km Wanderung und 14 km Fahrradtour haben wir uns auf dem Campinplatz erst einmal ausgeruht. Nach dem gemeinsamen Grillen besuchten wir dann noch den Diavortrag eines Rangers über "Hiking" im Grand Canyon. Obwohl der Ranger mit seinem Slang etwas schwer zu verstehen war hat sich der Besuch dieser Veranstaltung aufgrund seiner Bilder und Erzählungen gelohnt. Da wir uns für morgen die Beobachtung des Sonnenaufgangs vorgenommen hatten, gingen wir an diesem Abend alle sehr früh schlafen.

Um 5 Uhr brachen wir dann zum Yavapai Point auf, um den Sonnenaufgang zu erwarten. Dank des wolkenlosen Himmels konnten wir sehr gut beobachten, wie sich die Sonne langsam über den Rand des Canyon schiebt und ihn dann in ein Meer aus Farben verwandelt. Zum Frühstück fuhren wir zum Campingplatz zurück und steuerten anschließend einige Aussichtspunkte des East Rim Drive an, der bis Desert View knapp 40 km am Canyonrand entlang führt und phantastische Fernblicke über den Hauptcanyon bietet. Wir begannen am Grandview Point, der vielleicht die schönste Aussicht am South Rim bietet. Über einige der namenlosen Haltebuchten am Straßenrand erreichten wir schließlich den Yaki Point, von dem aus man auf die dunkel schimmernde Granite Gorge, den innersten Canyon, hinunterblickt. Die imposante Pyramide des Vishnu Temple (2386 m) beherrscht den Blick nach Osten. Wir verließen dann den Park und sahen uns im IMAX-Theatre in Tusayan den sehr eindrucksvollen und hervorragend gemachten Film "Grand Canyon - The Hidden Secrets" an. Der Betrachter wird nicht nur in das Innerste des Canyons geführt, sondern erlebt gleichzeitig eine 34minütige Zeitreise, die mit der erste Besiedlung durch Indianer vor etwa 4.000 Jahren beginnt und in der heutigen Zeit endet. Dieser Film ist wirklich sehr empfehlenswert, ganz gleich ob als Einstimmung vor dem Besuch des Parks oder nachdem man seine eigenen Hidden Secrets bereits entdeckt hat. Zurück im Park, besuchten wir das Hopi House, einen im indianischen Pueblo-Stil erbauten Shop, in dem indianisches Kunsthandwerk aller Art angeboten wird. Auch wenn man nichts kaufen will, sind die Ausstellungsräume und die Galerie im Obergeschoß einen Besuch wert. Auf dem Campingplatz ruhten wir uns dann etwas aus, um für den Sonnenuntergang, den wir uns vom Powell Memorial aus ansahen, wieder fit zu sein.

Nach drei erlebnisreichen Tagen brachen wir heute unsere Zelte ab und sahen uns auf dem Weg zum Lake Powell noch einige Aussichtspunkte des East Rim Drive an. Vom Moran Point aus sahen wir uns die Hance Rapids an, die mit einem Gefälle von 10 m - über Felsen - zu den größten Stromschnellen und schwierigsten Wildwasserstrecken am Colorado. Einen etwas anderen Stop bieten die Tusayan Ruins und das gleichnamige Museum. Anhand der Überreste eines Anasazi-Pueblos aus dem Jahre 1185 und verschiedener Artefakte erfährt man etwas über die amerikanischen Indianerkulturen. Am Lipan Point, dem Punkt mit der schönsten Aussicht auf den östlichen Canyon, blickt man auf die Stelle, wo sich der Colorado durch das Kaibab Plateau gesägt und den Grand Canyon am tiefsten ausgefräst hat. Hier macht der Fluß einen großen Bogen nach Westen und fließt in einer S-Kurve um das Unkar Delta herum, wo vorzeitliche Menschen Ackerbau betrieben haben. Vom Desert View aus nahmen wir dann Abschied vom Grand Canyon. Der 1932 als Aussichtsturm und Rastplatz erbaute, 20 m hohe Watchtower ist das Wahrzeichen dieses Punktes. Der Turm ist den prähistorischen Türmen nachempfunden, wie sie in vielen indianischen Pueblos des Südwestens zu finden sind und seine Innenwände hat der indianische Künstler Fred Kabotie mit Bildern zur Hopi-Mythologie verziert. Über die Straßen #64 und #89 erreichten wir bei Page die Lake Powell NRA. In Wahweap Marina, einem kleinen Ort direkt am Ufer des Sees, fanden wir einen Campingplatz und buchten für den nächsten Tag eine Bootstour zur Rainbow Bridge, der größten natürlichen Brücke der Welt. Von unserem etwas erhöht gelegenen Platz erlebten wir zum Abschluß dieses Tages noch einen schönen Sonnenuntergang.

Den Vormittag des nächsten Tages nutzten wir in Page, Arizonas jüngster Stadt, die erst 1957 beim Bau des Glen Canyon Dammes entstand, zum Auffüllen unserer Vorräte. Um 13 Uhr starteten wir über den zum Lake Powell aufgestauten Colorado River zu unserer halbtägigen Bootstour zur Rainbow Bridge. Der Lake Powell ist der zweitgrößte künstliche See der USA und ein wichtiges Wassersport- und Urlaubsgebiet. Der See bietet auch die bequemste Möglichkeit die Rainbow Bridge zu erreichen, denn die Anreise durch das Reservat der Navajo erfordert einen über 20 km langen Ritt oder Fußmarsch durch unwegsames Gelände. Wir kamen nach etwa 2 Stunden Fahrt, vorbei an den gelblich bis orangerot schimmernden Wüstenbergen des Glen Canyon, an der Rainbow Bridge an. Mit einer Spannweite von 84 m ragt die Rainbow Bridge etwa 88 m über einem Nebenarm des Colorado River auf. An der Spitze ist die Brücke 13 m dick und 10 m breit. Die vorherrschende Farbe der Felsbrücke ist lachsfarben mit dunklen Streifen, der sogenannten durch Eisenoxyd oder Hämatit verursachten Wüstenfirnis. Die Bildung der Brücke erfolgte durch Wasser, das auf dem Weg zum Colorado River vom 3166 m hohen Navajo Mountain abfloß und sich seinen Weg durch die weicheren Sandsteinschichten gesucht hat. Die Navajo verehren die Rainbow Bridge seit Jahrhunderten als heiligen Ort, der in ihrer Sprache "Nonnezoschie" heißt, was soviel bedeutet wie "ein zu Stein verwandelter Regenbogen". Nach einer Navajo-Legende begab sich einst ein junger Gott in dem rot- und purpurfarbenen Canyon zur Jagd und wurde von einer gewaltigen Gewitterflut überrascht. Der allmächtige Himmelsvater erbarmte sich des jungen Gottes und warf einen Regenbogen, über den der junge Gott sich retten konnte. Unter seinen Füßen wurde der Regenbogen zu Stein und so blieb er bis heute, ein Zeichen der Wohltätigkeit des Himmelsvaters. Da einige unvernünftige Besucher diesem für die Indianer heiligen Ort nicht mit der notwenigen Erfurcht und voller Respekt begegnet sind, sondern glaubten sich im weichen Gestein verewigen zu müssen, haben die Navajos bei der Nationalparkverwaltung protestiert. Die Besucher dürfen die Brücke jetzt nicht mehr durchschreiten, der an den Bootsanlegern beginnende Weg endet vor der Brücke. Für dieses einmalige Naturdenkmal ist es sicherlich besser so und dem gewaltigen Eindruck vor den Kräften der Natur tut es keinen Abbruch. Besonders schön ist die Rainbow Bridge im Licht der Nachmittagssonne, wenn die Farben besonders brillant leuchten.Gegen 18 Uhr ging die insgesamt 160 km lange Bootsfahrt in Wahweap Marina zu Ende und wir hatten einen herrlichen, sommerlich warmen Nachmittag auf dem Lake Powell erlebt.

Vom Campingplatz fuhren wir die Aussichtspunkte am Lake Powell an, die sehr schöne Ausblicke nicht nur auf den See, sondern auch auf Wahweap Marina, den Navajo Mountain und den Glen Canyon Dam bieten. Der Lake Powell, mit dessen Aufstauung 1963 begonnen wurde, ist 227 km lang, hat aufgrund seiner vielen Buchten und Canyons aber eine um ein Vielfaches längere Uferlinie. Er ist maximal 171 m tief und faßt bis zu 33,3 Milliarden m³ Wasser, hat diesen Stand aber erst 1980, 17 Jahre nach Beginn der Stauung, erreicht. Der Glen Canyon Dam wurde von 1956 bis 1963 erbaut, ist 216 m hoch und an seiner Sohle 107 m dick. Seine Turbinen und Generatoren liefern bis zu 1,3 Millionen kW in sieben verschiedene Staaten der westlichen USA. Auf dem Hwy 98 verließen wir Page und erreichten kurz hinter dem Ortsausgang, bei der Milepost 299, den Zugang zu den unter Navajo Verwaltung stehenden Antelope und Corkscrew Canyons. Von dem Parkplatz am Highway führt ein etwa 5 km langer Sandweg zu den Canyons. Wer die Kosten für den von den Navajos per geländegängigem Pickup angebotenen Transport sparen will, erwirbt nur die Besuchserlaubnis und muß sich zu Fuß auf den Weg machen, was ich keinem empfehlen würde. Bei diesen Canyons handelt es sich um extrem schmale Sandsteinklammen, auch "slot canyons" genannt, die durch Auswaschungen aus versteinerten Sanddünen entstanden sind und eine unglaubliche Formen- und Farbenvielfalt bieten. Die beste Zeit zum Besuch dieser Canyons ist Mittags, da erst durch die hochstehende Sonne etwas Licht in die pittoresken Felsspalten fällt. Nach diesem wirklich beeindruckenden Besuch der Canyons fuhren wir ohne weiteren Stop zum Monument Valley. Als weltweit bekannte Kulisse für Wildwestfilme und Zigarettenwerbung ist diese Felslandschaft zum Inbegriff des Südwestens geworden. Ein Tal im herkömmlichen Sinne ist Monument Valley nicht, vielmmehr handelt es sich um die Überreste einer vor Jahrmillionen zusammenhängenden Hochebene. Die Kräfte der Erosion ließen einige Steinpfeiler und zerklüftete Bergstümpfe aus härterem Gestein übrig, die zum Teil eigenwillige Formen aufweisen. Über eine Stichstraße vom Hwy 163 erreicht man das hoch über den Tal liegende Visitor Center von dessen Aussichtsterrassen sich das Kerngebiet der spektakulären Massive überblicken läßt. Dieses Gebiet des Monument Valley Navajo Tribal Park ist kein Teil des US-Nationalparksystems, sondern ein unter Navajo-Hoheit stehender Landschaftspark inmitten des Reservats der Navajo. Die Besucher können auf einer etwa 25 km langen Sand- und Schotterstrecke, dem Valley Drive, die elf nummerierten Aussichtspunkte dieses Parks auf eigene Faust erkunden. Mit Campingfahrzeugen ist diese Strecke allerdings nicht machbar, so daß wir für den nächsten Morgen eine geführte Jeeptour gebucht haben, die zusätzlich zum Valley Drive auch für die Öffentlichkeit ansonsten nicht zugängliche Teile des Parks umfaßt. Auf dem in seiner Lage unschlagbaren Mitten View Campground in der Nähe des Visitor Centers erlebten wir noch einen sehr schönen Sonnenuntergang.

Kurz nach 8 Uhr begann unsere Jeeptour, die unter der Führung unseres Navajo-Tourguide Lesley knapp drei Stunden dauern sollte. Neben den auch auf dem Valley Drive erreichbaren Monolithen, wie Left und Right Mitten, Merrick Butte, Elephant Butte und Three Sisters fuhren wir auch in die für den Privatverkehr gesperrten und nur mit geländegängigen Fahrzeugen erreichbaren Teile des Parks. Wir sahen die Arches Sun´s Eye, Ear of the Wind, Moccasin Arch und Big Hogan, mehrere Petroglyphs aus der Zeit der Anasazi um 1300 und die Echo Cave Ruin, die Ruine eines Anasazi-Pueblo aus der gleichen Zeit. Vorbei an einer der Quellen des Parks, erreichten wir schließlich über die Totem Poles, den Artist Point, das North Window und The Thumb wieder das Visitor Center. Dank der wirklich hervoragenden Führung durch Lesley wurde diese Tour durch das Monument Valley zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Wir fuhren auf der Straße #163 in nördlicher Richtung und erreichten nach wenigen Kilometern den kleinen Ort Mexican Hat, der seinen originellen Namen einem auffälligen Sandsteingebilde verdankt, das an einen mexikanischen Sombrero erinnert. Ein kurzer Abstecher über die #261 und #316 brachte uns in den Goosenecks SP, wo man von einem Viewpoint am Ende der Straße auf den San Juan River blickt. Der relativ klein und harmlos wirkende Fluß hat es im Laufe der Zeit geschafft sich in starken Krümmungen 300 m tief in den Sandstein zu graben. Der fotogene Blick auf die Meander des San Juan River lohnt diesen kleinen Umweg allemal. Zurück auf der #163 ging es weiter in nördlicher Richtung bis zur Einmündung in die #191 nach Moab. Etwa auf halber Strecke zwischen Monticello und Moab zweigt eine Straße zu dem phantastischen Aussichtspunkt Needles Overlook ab. Vom Rim Trail an der Abbruchkante hoch über dem Colorado schaut man über eine sagenhafte Landschaft aus einem Netz von Canyons, flachsohligen Tälern, Steinbögen und gewaltigen Mauern aus Sandstein, in die Türme und Säulen geschnitten sind. Diese grandiose Landschaft gehört zum Canyonlands NP und ist weitestgehend nur mit Geländewagen zugänglich. Obwohl der Aussichtspunkt selbst nicht zum Gebiet des Nationalparks gehört vermittelt er doch einen Eindruck von der Größe und Gewaltigkeit dieses Parks. Der Abstecher "kostet" zwar ungefähr 70 km, dieser hervoragende Aussichtspunkt ist es aber wert. Kurz vor Moab liegt direkt am Hwy 191 die Wilson Arch, ein schöner Felsbogen, der nach einem frühen Siedler in dieser Gegend benannt ist. Zwischen Moab und dem Eingang zum Arches NP bezogen wir einen Campingplatz und wollen morgen ganz früh in den Nationalpark aufbrechen.

Riesige Steinbögen, balancierende Felsbrocken, mächtige Steinsäulen und Reihen übergroßer Felslamellen erwarten den Besucher im Arches Nationalpark, der selbst in dieser an Naturwundern so reichen Region ein wiederum anderes und ganz besonderes Landschaftserlebnis bietet. Die Erosionskräfte von Wind und Wasser, extreme Temperaturen und Bewegungen unterirdischer Salzschichten sind für die faszinierend geformten Felsen des Arches NP verantwortlich. Die Größe der mehr als 1.700 katalogisierten Arches im Park reicht von 1 m (kleinere Öffnungen gelten nicht als Arch) bis zum Landscape Arch, der sich 32 m in die Höhe aufschwingt und 93 m umspannt. Alle Entwicklungs- und Zerfallsstufen sind hier zu sehen. Delicate Arch, das alleinstehende Überbleibsel einer längst verwitterten Steinwand steht direkt an einem Canyon, wo die La Sal Mountains einen kon- trastreichen Hintergrund bilden. Säulen, Zinnen und Felsblöcke, die auf einer unzulänglichen Basis balancieren sind weitere Sehenswürdigkeiten. Die Entstehung dieser eigentümlichen Felsgebilde aus rotem Sandstein beruht hauptsächlich auf zwei Ursachen. Zum einen löst das leicht kohlensaure Regenwasser, welches im durchlässigen Sandstein versickert, das die Sandkörner verfestigende Bindemittel (Oxyde) auf, so daß die Sandkörner herausfallen. Zum anderen besteht die über 100 m mächtige sogenannte Entrada Sandsteinformation, in der die Gesteinsgebilde entstanden sind, aus drei Schichten oder Zonen unterschiedlicher Härte, wobei die mittlere die weicheste ist und folglich am schnellsten verwittert. In diesem Bereich entstehen zunächst kleine Nischen, dann Höhlen und Löcher, die sich im Laufe der Jahrtausende zu Steinbögen ausweiten. Wenn die Bögen einstürzen, bleiben Steinsäulen oder -pfeiler mit balancierenden Steinbrocken zurück. Um 7.30 Uhr trafen wir am Visitor Center des Arches NP ein und erhielten mit viel Glück einen der letzten freien Stellplätze auf dem herrlich gelegenen Devils Garden Campground, den wir dann auch noch - allerdings ausnahmsweise - mit zwei Wohnmobilen belegen durften. Nachdem wir uns diesen Stellplatz gesichert hatten, fuhren wir zum Parkplatz des Devils Garden Trail. Dieser Weg führt zu sieben der bekanntesten Steinbögen, jeder davon mit einem eigenen Profil. Zuerst sahen wir uns die an einem kurzen Stichweg gelegenen Tunnel Arch und Pine Tree Arch an. Nach knapp 2 km erreichten wir schließlich die Landscape Arch, ein dünnes Felsband, das sich in einem zarten 32 m hohen Bogen von 93 m Länge über eine steile Düne spannt. Diese Arch ist einer der längsten freischwebenden Naturbögen der Welt. Ein etwas rauher führt nach Landscape Arch noch etwa 2 km weiter zum Double-O-Arch. Am Wege liegt die Wall Arch und zwei weitere Abzweigungen führen zur Navajo Arch und Partition Arch. Bei der Double-O-Arch schwebt ein Rundbogen von 50 m Durchmesser über einer kleineren Öffnung. Von hier aus machten wir uns auf den Rückweg und erreichten inklusive aller Abzweigungen nach ungefähr 10 km Fußmarsch wieder unser Wohnmobil. Zu einer kurzen Erholungs- und Stärkungspause fuhren wir auf unseren Campingplatz, ehe wir zu einer weiteren Besichtigung des Parks aufbrachen. Über Skyline Arch, wo 1940 eine große Steinmasse aus dem Bogen herrausbrach und dessen Öffnung verdoppelte, Sand Dune Arch und Broken Arch erreichten wir den Fiery Furnace Viewpoint. Hier ballen sich gewaltige Felsblöcke und -türme und bilden eine Art Irrgarten. Einen angelegten Weg hinunter gibt es nicht, der Zugang erfolgt über Trampelpfade. Wer nicht 100 %ig seinen Weg verfolgt, kann bei einer Kletterpartie zwischen den bizarren Formationen und Felsspalten sehr schnell die Orientierung verlieren. Aus diesem Grunde ist für eine Wanderung in diesem Gebiet eine Erlaubnis der Parkverwaltung erforderlich, oder man schließt sich am besten einer durch einen Ranger geführten Wanderung an. Unseren nächsten Stop legten wir am Delicate Arch Viewpoint ein, von wo der Bogen aber klein und wenig beeindruckend erscheint. Am Parkplatz der Wolfe Ranch, wo in einer einfachen Blockhütte der Bürgerkriegsveteran John Wesley Wolfe und sein Sohn Fred zwischen 1888 und 1910 eine kleine wenig ertragreiche Ranch betrieben, beginnt die 2,4 km lange Wanderung zur Delicate Arch. Dies ist dank der herrlichen Ausblicke eine der schönsten Wanderungen im gesamten Gebiet der Canyonlands. Der Weg überwindet 150 m Höhenunterschied und führt größtenteils über glattpolierten Sandstein, den sogenannten Slickrock. Nichts geht über den sich urplötzlich öffnenden Blick auf den schönsten aller Arches über einer trichterartig ausgewaschenen Felsfläche vor dem Hintergrund der schneebedeckten La Sal Mountains. Der Delicate Arch, wohl einer der grazielsten Steinbögen überhaupt, ist 26 m hoch und 20 m breit. Nach dem etwas beschwerlichen Abstieg fuhren wir, nach insgesamt ca. 15 km Wanderung doch ziemlich erschöpft, zum Campingplatz zurück.

Bei der Ausfahrt am nächsten Tag sahen wir uns die Sehenwürdigkeiten am ersten Teil des Arches Scenic Drive an, die wir bisher ausgelassen hatten. Nach einem kurzen Stop am Panorama Point, von wo Salt Valley und Fiery Furnace zu sehen sind, bogen wir in die Stichstraße ein, die in die Windows Section führt. Sie endet vor einer Wand aus Sandstein, die von mehreren Bögen durchbrochen wird. Ein kurzer Rundweg führt zum North und South Window und zur Turret Arch. Von der Turret Arch aus hat man sowohl das North als auch das South Window im Blick, die zusammen den Namen "spectacles" - Brille tragen. Ein paar hundert Meter entfernt beginnt der Weg zur eindrucksvollen Double Arch, von derem kleineren Fenster, das immerhin die Ausmaße der Delicate Arch besitzt, man einen phantastischen Ausblick über die Windows Section hat. Vorbei an den Zinnen und Monolithen des Garden of Eden kamen wir wieder zur Parkstraße zurück und stoppten am Balanced Rock, einem 39 m hohen, merkwürdig geformten Felsturm. Vom Courthouse Tower Viewpoint sieht man riesige Monolithen wie Sheep Rock und The Three Gossips. Der La Sal Muntain Viewpoint bietet nicht nur einen Blick auf die gleichnamige Gebirgskette sondern auch über weite Teile des Parkgebietes. Nachdem wir den Park verlassen hatten, ergänzten wir in Moab unsere Vorräte und fuhren über die Straßen #191, die I-70 und die #24 in Richtung Capital Reef NP. Etwa 30 km vor Hanksville zweigt eine gut 20 km lange, nur zur Hälfte asphaltierte Straße zum Goblin Valley SP ab. Unweit des Parkeingangs befindet sich der kleine Campingplatz, auf dem wir uns erst einmal zwei Stellplätze sicherten und uns etwas von den Anstrengungen der vergangenen Tage erholten. Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang machten wir uns dann auf dem Weg zum eigentlichen Goblin Valley, dem Tal der Kobolde, das seinen Namen wegen der seltsamen von der Erosion geschaffenen Sandsteinskulpturen erhielt. Der rote Schiefer und der feine Sandstein der vor 150 Millionen Jahren entstandenen Entrada-Formation haben eine unterschiedliche Härte und wurden deshalb durch Wind und Wasser zu den hübschen Zwergentürmchen modelliert. Im Goblin Valley, das wie eine große Schüssel vor dem Betrachter liegt, drängen sich die putzigen Figuren dicht an dicht. Die bauchigen Steinfiguren regen die Phantasie an und sind menschlich viel faßbarer als die überdimensionalen Naturwunder der umliegenden Parks - ein lustige Intermezzo, in dem man stundenlang phantasierend herumlaufen kann. Am Aussichtspunkt oberhalb des Tales kamen wir mit dem hier stationierten Ranger Tim Smith ins Gespräch, der uns erzählte, daß er in den Wintermonaten von Dezember bis März und in den heißen Monaten Juli und August meistens völlig allein im Park ist. Ohne seine drei Pferde und zwei Hunde hätte er es wohl keine drei Jahre in dieser Einsamkeit ausgehalten, obwohl im die Unabhängigkeit seines Berufes gefällt. Als die Sonne hinter dem San Rafael Reef versank und den Kobolden ihre glutrote Farbe nahm, fuhren wir zum Campingplatz zurück und genossen noch etwas die Ruhe und Abgeschiedenheit dieses schönen Naturparks.

Über Hanksville erreichten wir den Capitol Reef NP, dessen Herzstück die sogenannte Waterpocket Fold, eine gigantische über 160 km breite Falte in der Erdkruste ist. Der Park enthält diese Erdfalte und ihr spektakuläres, erodiertes Wirrwarr an bunten Klippen, massiven Domen, in den Himmel ragende Spitztürmen, starre Monolithen, sich windende Schluchten und anmutige Bögen. Die Waterpocket Fold besteht aus zahlreichen Schichten von Ablagerungsgestein. Diese ursprünglich horizontalen Schichten wurden von Sedimenten geformt, die sich über Jahrmillionen in Meeren, Gezeitenniederungen, Wüsten und anderen Umgebungen ablagerten. Als sich dann die riesige Landmasse des Colorado Plateaus zu heben begann, wurden die hiesigen Gesteinsschichten zu einer riesigen Falte aufgeworfen. Allmählich wurden viele der oberen Schichten der alten Falte vollständig weggewaschen und heute bleibt nur eine Andeutung der früheren, ungeheuerlichen Größe der Waterpocket Fold. Während Wind und Wasser langsam weiter die Falte abtragen, entstehen aus dem Gestein immer neue Formen. Die vielen Erosionslöcher auf der Kuppe der Falte bilden nach den seltenen Regenfällen natürliche Wasserspeicher und gaben der ganzen Verwerfung ihren Namen. Capitol Reef ist nach einem besonders malerischen Teilstück der Bergkette am Fremont River benannt, wo senkrechte Felswände den frühen Pionieren den Weg versperrten: Sie fühlten sich an ein Riff erinnert. Als sie dann auch noch einen kuppelartigen weißen Monolithen entdeckten, der aussah wie das Capitol in Washington, war der Name perfekt. Obwohl heute die Staatsstraße 24 das "Riff" durchquert, ist im Inneren des Parks das Fortkommen noch immer beschwerlich. In dem vom Hwy 24 erschlossen Teil des Parks kontrastiert die rauhe Schönheit der turmhohen Felsen mit der grünen Oase, die Mormonen im 19. Jahrhundert beim Dorf Fruita am Fremont River schufen. Ihre Ggräben bewässern noch immer Obstbäume auf Feldern, die von Fremont-Indianern vor 700 Jahren verlassen wurden. Das eindrucksvollste Andenken an die Fremont-Kultur bilden die noch heute erhaltenen Felsmalereien. Von Osten kommend erreichten wir zuerst die Behunin Cabin, ein einzimmriges Steinhaus, das einmal eine zehnköpfige Familie beherbergt hat. Die Eltern und die zwei jüngsten Kinder schliefen drinnen, die übrigen draußen in einer nahen Felsnische. Vorbei an den gewaltigen Formationen des Navajo und Capitol Dome erreichten wir den Parkplatz, an dem der ca. 3,5 km lange (retour) Naturlehrpfad zur 38 m hohen Hickman Bridge beginnt. Nach dieser kurzen Wanderung hielten wir an den Petroglyphs, wo Fremont-Indianer große, menschliche Gestalten mit Kopfschmuck und Dickhornschafen ähnelnde Tiergestalten in den Fels geritzt haben. Während der 10minütigen Dia-Schau im Visitor Center fiel leider der Projektor aus, so daß wir diese Einführung in den Park nur teilweise verfolgen konnten. Nachdem wir uns die The Castle und Chimney Rock genannten Felsformmationen angesehen hatten, fuhre wir über die unbefestigte Stichstraße zum Goosenecks Overlook. Ein kurzer, leichter Pfad führt zum Aussichtspunkt über den tiefen Mäandern des Sulphur Creek hinauf. Ehe wir den Park wieder verließen hielten wir noch an den Twin Rocks, einem imposanten Gesteinspaar direkt am Hwy 24. Der Hwy 12 führte uns durch den Dixie National Forest auf eine Höhe von fast 3.000 m, wo verschiedene Aussichtspunkte weitschweifende Panoramen des Capitol Reef NP ermöglichen. Auch im weiteren Verlauf passiert diese Straße mit den Escalante Canyons traumhafte Landschaften, ehe man die ersten Ausläufer des Bryce Canyon NP am Straßenrand entdeckt. Wir bezogen den zum Ruby´s Inn gehörenden Campingplatz, wo wir mal wieder unsere Wäsche waschen und die Akkus der Videocamera und des Laptops aufladen konnten.

Wahrscheinlich sind die Kräfte der natürlichen Erosion nirgends greifbarer als im Bryce Canyon. Das Gewirr seiner "Hoodoos" genannten unwirklichen Türme und Spitzen zieht im Jahr ca. 1,5 Millionen Besucher an. Wasser hat die zerrissene Landschaft von Bryce geschaffen, und es schafft sie noch immer. Es spaltet die Felsen, indem es in Spalten gefriert und sich ausdehnt - ein Prozeß, der sich 200mal im Jahr wiederholt. Der Abfluß von heftigen Gewittern im Sommer nagt an den weichen Kalken und spült durch die Rinnen. Wir begannen den nächsten Tag mit einem Besuch des Visitor Centers und sicherten uns anschließend einen Stellplatz auf dem zum Park gehörenden North Campground. Von hier aus fuhren wir zum Sunset Point, wo wir unser Wohnmobil stehen ließen und mit Sigrid und Thomas zum Bryce Point fuhren. Während die beiden die Panorama-Straße des Parks abfuhren, machten wir uns über eine gut 6 km lange Kombination der Peekaboo und Navajo Trails auf den Rückweg zum Sunset Point. Über einen steilen Abstieg gingen wir vorbei an Formationen wie Wall of Windows und Three Wisemen mitten hinein in die geologische Wunderwelt des Bryce Canyon. Durch ein Labyrinth verschiedenfarbiger und immer unterschiedlich geformter Hoodoos gelangten wir schließlich zum Kreuzungspunkt mit dem Navajo Trail. Zuerst ging es steil in Serpentinen aufwärts, dann mündet der Weg in eine enge Schlucht mit steilen Wänden namens Wall Street ein. Etliche Douglastannen, bis 700 Jahre alt, wachsen zwischen den turmhohen Felsen. Im weiteren Verlauf führt der Weg direkt an der, neben dem Amphitheater berühmtesten Formation des Parks, Thor´s Hammer vorbei. Nachdem wir die ungefähr 160 m Höhenunterschied bewältigt hatten, erreichten wir auf 2400 m Höhe wieder unseren Wagen. Trotz der Anstrengungen lohnt sich ein Abstieg in den Canyon auf jeden Fall, denn nur so kann man die "Zauberkraft" der bizarren Sandsteinformationen hautnah und viel intensiver erleben. Der Eindruck ist auch noch gewaltiger und ich denke auch tiefsitzender als bei einem bloßen Abfahren der Aussichtspunkte. Bedingt durch die Anstrengungen der letzten Tage und die Höhenluft machte sich bei uns beiden ein Zustand körperlicher Ermüdung bemerkbar, so daß wir uns vor der Weiterfahrt eine Stunde lang ausruhten. Da wir uns zusätzlich auch noch mit irgendetwas den Magen verdorben haben müssen, beschlossen wir zum Campingplatz zurückzufahren und unser Besichtigungsprogramm für heute zu beenden.

Am nächsten Morgen waren wir soweit wieder fit, daß wir uns den Sonnenaufgang am Bryce Point, dem höchsten Aussichtspunkt am Rande des Amphitheaters ansehen konnten. Die Farben beginnen zu glühen, noch ehe die Sonne über dem Aquarius Plateau erscheint, dem mit 3.000 m höchsten Tafelland Nordamerikas. Zuerst berührt das Licht den Rand des Amphitheaters, dann greift es tiefer ins Becken hinein und setzt die dichtgedrängten Steinsäulen in Brand. Sehr deutlich sind dann auch die flachen Höhlen dicht unter dem Rand, Grottoes genannt, zu erkennen. Nach dem Frühstück auf dem Parkplatz des Bryce Point fuhren wir vor dem Verlassen des Parks noch den nördlichsten Aussichtspunkt, den Fairyland Point, an. Von hier eröffnet sich eine der schönsten Aussichten des Parks. Farbstrotzende Spitztürme und Monolithen sind zum Greifen nahe. Einige stehen für sich allein wie Schachfiguren, andere sind wie zu einem Chor arrangiert. Wir verließen den Bryce Canyon und erreichten über die Highways 12, 89 und 9 den Osteingang des Zion NP. Hier erwartet den Besucher am Ufer des Virgin River eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch des Wilden Westens. Auf seinem Wege von den Hochplateaus Utahs zur Wüste hinunter sägt sich der Virgin River durch einne Schlucht, die so tief und eng ist, daß die Sonne kaum je den Boden erreicht. Wo der Canyon sich verbreitert, beginnt der Fluß einen Spießrutenlauf um hohe Palisadenwände, die von glatten Gipfeln und Trockentälern gekrönt sind. Steilklippen, die 1.000 m tief abfallen, mächtige Pfeiler, tiefe Nischen - die Ausmaße sind gewaltig. Den Mormonenpionieren im 19. Jahrhundert galten diese gehauenen Felsen als die "natürlichen Tempel Gottes". Und so nannten sie den Canyon nach der Himmelsstadt: Little Zion. Fließendes Wasser hat im Laufe der Zeiten die roten und weißen Bänke des Navajo-Sandsteins durchschnitten und die Steilwände von Zion herausgearbeitet. Das Canyongebiet war vor Millionen Jahren nichts weiter als eine große Wüste. Der Wind häufte langsam Düne um Düne aufeinander, bis der Sand eine Tiefe von 600 m erreicht hatte. Heute kann man die Spuren dieser Stürme an reizvollen Kreuzschichtungen an den Felswänden ablesen. Anders als beim Grand Canyon, wo man von oben in den Canyon hinabschaut, steht man im Zion Canyon gewöhnlich unten und schaut hinauf. Die vertikale Topographie des Ortes zwängt die meisten der 2,5 Millionen Besucher pro Jahr zwischen die Wände des Canyons. Seitens der Parkverwaltung erwägt man, wegen der Staus und der Parkplatzknappheit, den Zion Canyon Scenic Drive innerhalb der nächsten fünf Jahre völlig für den Individualverkehr zu schließen und stattdessen Pendelbusse oder Trams einzuführen. Der Zion-Mt. Carmel Highway führt zwischen dem Hochplateau des East Entrance und dem Wüstenboden des South Entrance fast 600 Höhenmeter abwärts. Kurz hinter dem östlichen Eingang liegt Checkerboard Mesa, verwitterte Sandsteinbänke, die vertikal zerklüftet sind. Nach einer kurvenreichen Fahrt am Trockenbett eines Baches entlang, erreicht man kurz vor der Einfahrt in den Zion-Mt. Carmel Tunnel den Parkplatz des Canyon Overlook Trail. Von diesem Aussichtspunkt kann man den nahen Canyon in seiner ganzen Gewaltigkeit erleben. Der Weg führt 1,5 km (retour) hoch über den engen Windungen des Pine Creek entlang und endet oberhalb der Great Arch an einem eindrucksvollen Aussichtspunkt mit Blick auf den The West Temple, Towers of Virgin, Pine Creek Canyon und den Zion-Mt. Carmel Highway. Die Straße verschwindet dann in dem engen Zion-Mt. Carmel Tunnel und kommt 1,8 km später, 255 m über der Talsenke wieder zum Vorschein. Der Tunnel wurde 1930 vollendet; er hat eine halbe Million Dollar und zwei Menschenleben gekostet. Fahrzeuge über 3,4 m Höhe und/oder über 2,4 m Breite können den engen Tunnel nur als Einbahnstraße benutzen und müssen für den Aufwand der halbseitigen Sperrung eine Gebühr von $ 10 entrichten. Die Straße führt in Spitzkehren die Flanke des Pine Creek Canyon hinunter, vorbei am 120 m hohen Great Arch. Die Geologen nennen ihn einen "blinden Bogen", weil er in die Felswand zurückversetzt ist. Wir erreichten den Zion Canyon an der Stelle, wo der Pine Creek in die North Fork des Virgin River einmündet. Der Canyon ist durchschnittlich 800 m breit, seine Wände sind 600 bis 900 m hoch. Wir fuhren zunächst nicht in das Tal hinein, sondern besuchten das Visitor Center und sicherten uns einen Stellplatz auf dem Watchman Campground. Erst danach begaben wir uns auf den ca. 10 km langen Zion Canyon Scenic Drive, der den Windungen des Virgin River folgt. Wir hielten am Court of the Patriarchs, wo einer kurzer Pfad zu einen Aussichtspunkt auf den The Sentinel und die Three Patriarchs (Abraham, Isaac, Jacob) führt. Weiter ging die Fahrt zu den Emarald Pools. Ein beliebter Spazierweg führt zu einigen natürlichen Becken im Fels, die von kleinen Wasserfällen gespeist werden. An der Zion Lodge vorbei fuhren wir bis zum Haltepunkt Weeping Rock. Hier beginnt ein 800 m langer (retour) Naturlehrpfad, der hinter einen Wasservorhang führt, welcher von der Decke einer Felsnische herabfällt. Es ist Wasser, das durch den Sandstein gesickert ist, bis es auf Tonschiefer traf und bei Weeping Rock an die Oberfläche geleitet wurde - 2 Jahre nachdem es als Regen auf dem Hochplateau niederging. Wir fuhren von hier aus zurück zum Campingplatz und beendeten den Tag mit dem Ranger-Programm im Amphitheater. In der Einleitung zu seinem Vortrag ging der Ranger auf das Spannungsfeld zwischen unser hochtechnisierten Gesellschaft und dem Nationalparkgedanken ein. Als er dann mit seinem Diavortrag begann, spielte ihm ausgerechnet die Technik einen Streich und die Projektionsanlage ging kaputt. Dank seines schauspielerischen Talentes und fundierten Wissens über den Park rettete er den Abend und "veranstaltete" eine interessante Frage und Antwort Stunde, während der Fledermäuse über das Amphitheater schwirrten.

Über den Hwy 9 verließen wir den Zion NP und nahmen dann die I-15 in Richtung Las Vegas. Ein Abstecher brachte uns zum Valley of Fire SP, dessen Reiz phantastische Sandsteinformationen in Farbgebungen von weiß bis rot ausmachen. Der rote Aztekensandstein, der dem Park seinen feurigen Charakter aufdrückt, wurde durch vom Wind verwehte Sanddünen gebildet, die sich während der Juraformation vor etwa 135-150 Millionen Jahren ablagerten. Der graue Kalkstein der Muddy Mountains, der die südliche und westliche Grenze des Parks umschließt, wurde durch vom Wasser angeschwemmte Ablagerungen auf dem Grund eines Binnensees gebildet, der sich während der paläozoischen Periode vor etwa 300-600 Millionen Jahren in dieser Gegend erstreckte. Erdverschiebungen und -verwerfungen gefolgt von massiver Erosion haben die heutige Landschaft geschaffen. Wir hielten zunächst an den Cabins, drei einfache Kabinen, die in den 30er Jahren als Übernachtungsmöglichkeiten für Reisende gebaut wurden. Am Visitor Center informierten wir uns über die Entstehungsgeschichte und Sehenswürdigkeiten des Parks. Danach fuhren wir auf der 11 km langen Stichstraße zu den White Domes. Dabei passierten wir die Rainbow Vista mit ihren vielfarbigen Sandsteinformationen. Zurück auf der Parkstraße hielten wir am Atlatl Rock, einem Felsen mit Indianerzeichnungen der Anasazi-Indianer, die bis etwa 1150 in dieser Gegend gelebt haben. Seinen Namen hat der Felsen von der zeichnerischen Darstellung des at-lat-l, eines eingekerbten Stockes, der zum Fortschleudern von Speeren benutzt wurde (Vorläufer von Pfeil und Bogen). Die letzten Attraktionen, die wir ansteuerten waren die Beehives, eigentümlich erodierte Sandsteinformationen. Zurück auf der I-15 fuhren wir ohne weitere Unterbrechung zum Circusland RV Park nach Las Vegas. Nachdem unsere Bemühungen Karten für die Show von Siegfried & Roy zu bekommen erfolglos waren, haben wir uns mit dem Dinner-Buffet im Mirage getröstet. Nach der Rückkehr auf den Campingplatz waren wir zu müde für eine weitere Erkundung von Las Vegas.

Am nächsten Morgen fuhren wir zum MGM Grand Hotel und beschafften uns Karten für die EFX-Show mit Michael Crawford. Den weiteren Vormittag verbrachten wir mit Shopping, wir suchten unter anderem noch einmal den Fahrradladen auf, wo wir im Dezember unsere Fahrräder gekauft hatten. Um 14.30 Uhr wurden wir zu unseren Rundflug mit Scenic Airlines abgeholt, den wir telefonisch vom Bryce Canyon aus gebucht hatten. In einer kleinen Maschine mit 19 Sitzplätzen flogen wir in knapp eineinhalb Stunden über Las Vegas, Lake Mead, Hoover Dam und den westlichen Grand Canyon. Die Sicht war recht gut, obwohl es etwas bewölkt war. Der Flug war aber recht unruhig, so daß Thomas so schlecht geworden ist, daß die beiden nicht mehr mit zur EFX-Show gekommen sind. Wir konnten ihre beiden Tickets zurückgeben und gingen dann voller Erwartung in die Show. Was wir erlebten, war eine im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Show, der unserer Meinung nach aber der rote Faden fehlte. Die Mischung aus Musical, Ballett und Variete war an sich gar nicht schlecht, aber die scheinbar zusammenhangslose Aneinanderreihung der Sequenzen ließ jeden Handlungsrahmen vermissen. Die Spezialeffekte waren auf dem neuesten Stand der Technik, ebenso wie die gesamte technische Durchführung der Show, aber wir hatten für die $ 70 pro Kopf doch etwas mehr erwartet. Besonders gut haben uns lediglich die Gesangseinlagen von Michael Crawford, der wirklich eine hervorragende Stimme besitzt und die Aufführungen des Balletts gefallen. So verließen wir nach der Show etwas enttäuscht das MGM und fuhren zum Campingplatz zurück.

Nach einem ausführlichen Frühstücksbuffet im Luxor machten wir uns auf den Weg in Richtung Yosemite NP. Da Sigrid und Thomas mit dem Mietwohnmobil nicht durch das Death Valley fahren dürfen, umfuhren wir den Park auf dem Hwy 95. Bei Beatty bogen wir zur Rhyolite Ghosttown ab, einer der Städte, die in der Gier nach Reichtum flüchtig aufgestellt und ebenso hastig wieder verlassen und den Naturelementen übergeben worden sind. In Rhyolite stehen noch mehrere Häuser, darunter das weitestgehend aus Flaschen errichtete Bottle House, und Grundmauern aus der Zeit der Gold- und Silberfunde. Über die Straßen 266, 168 und 395 ging es dann weiter in Richtung Yosemite, wo wir in der Nähe des Lake Crowley einen Campingplatz fanden.

Aus unserem geplanten Besuch des Devils Postpile NM wurde leider nichts, da die Stichstraße zum Park noch wegen Schnees gesperrt war. Ein kleiner Abstecher führte uns dann zu den Tuffsteinskulpturen am Mono Lake in der Mono Lake Tufa State Reserve. Der Mono Lake, ein faßt eine Million Jahre altes, abflußloses Binnenmeer ist zu salzig, als daß Fische in ihm leben könnten; und doch birgt es eine reiche Biomasse: Milliarden winziger Algen, von denen sich kleine Krabben ernähren. Diese wiederum sind die Nahrungsgrundlage für Millionen von Zugvögeln und die kalifornischen Seemöwen, die hier brüten. Um seine ökologische Balance zu halten und um die starke Verdunstung auszugleichen, braucht der Mono Lake die Schmelzwasser aus der Sierra Nevada. Aber die wenigen Zuflüsse des Sees werden zur Trinkwasserversorgung von Los Angeles abgeleitet und der dadurch ständig sinkende Wasserspiegel gefährdet den Bestand des Sees. Fast 15 m ist der Spiegel des Sees seit den 40er Jahren schon abgesunken, und das brackige Wasser versalzt immer mehr. Zwar wurde der Mono Lake kürzlich zur "Scenic Area" erklärt, doch das bringt nur geringen Schutz. Wenn es den verzweifelt kämpfenden Umweltschützern nicht gelingt, vor Gericht einen Durchbruch zu erzielen, wird der See in 10 bis 15 Jahren völlig versalzen und sterben. Doch nun zu bizarren Tuffsteinskulpturen, die entstehen, wenn unterirdisches Frischwasser am Boden des Sees austritt und sich das Kalzium des Frischwassers mit dem kohlensauren Salz des Seewassers verbindet. Um die Öffnung der Frischwasserquelle bildet sich eine Tuffsäule, die bis zur Wasseroberfläche des Sees emporwächst. Der sinkende Wasserspiegel stoppt das Wachstum und das Tuffgestein wird von den Kräften der Erosion weiter bearbeitet. Die Formationen in der von uns besuchten South Tufa Area sind zwischen 200 und 900 Jahren alt, wesentlich ältere Tuffsäulen findet man hoch über dem heutigen See an der früheren Küstenlinie des Mono Lake. Vom Mono Lake aus wollten wir über den Hwy 120, die Tioga Road in den Yosemite NP fahren, doch aus diese Straße war aufgrund der Witterungsverhältnisse noch gesperrt. Im Information Center in Lee Vining erfuhren wir, daß auch einige der nördlich des Parks gelegnen Paßstraßen über die Sierra Nevada noch gesperrt sind, so daß wir einen Umweg von fast 500 km machen müßten, um in den Park zu gelangen. Wir beschlossen daher heute nur bis zum Lake Tahoe zu fahren, damit wir nicht zwei Tage hintereinander nur fahren müssen.

Heute trennten sich unsere Wege, da Sigrid und Thomas noch zum Yosemite NP fahren wollen, während wir beschlossen haben, uns den Park nach der Abreise der beiden in Ruhe anzusehen. Wir haben uns für morgen auf einem Campingplatz in Novato, nördlich von San Francisco verabredet. Wir fuhren zunächst an der Ostseite des auf 1900 m Höhe gelegenen Lake Tahoe entlang, wo einige Aussichtspunkte herrlich Ausblicke auf ein grandioses Panorama bieten. Der azurblaue See, umgeben von den Bergen der Sierra Nevada, die ihm um bis zu 1200 m überragen, nimmt eine Fläche von 520 km² ein und ist damit der größte alpine See in Nordamerika. Von der nordwestlichen Ecke des Sees nahmen wir die I-80 und damit das Gebiet um die San Francisco Bay ins Visier. Doch bevor wir die Metropole erreichten bogen wir auf den Hwy 12 ab und fuhren durch die südlichen Teile des Napa und Sonoma Valley, das Weinanbaugebiet Kaliforniens. Vorbei an zahllosen Weinfeldern, schloßartigen Weingütern und hübschen Orten bogen wir in Santa Rosa in westlicher Richtung ab und erreichten in Bodega Bay den Pazifik. Bodega Bay, Heimat einer großen Fischereiflotte, wurde 1962 durch den Hitchcock-Thriller "Die Vögel" bekannt, der hier gedreht wurde. Wir fanden einen Campingplatz in dem öffentlichen Doran Regional Park, direkt an der Bodega Bay, wo uns beim abendlichen Strandspaziergang ein Seehund genauso beobachtete wie wir ihn.

In der Nacht fing es an zu regnen, so daß wir beschlossen den Tag ganz ruhig angehen zu lassen. Erst gegen 11 Uhr verließen wir den Campingplatz und fuhren auf der Traumstraße #1 in südlicher Richtung. Hinter Bodega Bay verläßt die #1 die Küste und folgt dann in attraktivem Verlauf den Konturen der Tomales Bay. Aufgrund des schlechten Wetters war diese Strecke für uns nicht ganz so traumhaft, wie sie bei schönem Wetter sicherlich ist, aber es war trotzdem sehr beeindruckend. Die ursprünglich geplanten Besuche der Point Reyes National Seashore und des Muir Woods NM ließen wir wegen des Wetters ausfallen und erreichten schon am frühen Nachmittag den vereinbarten Campingplatz in Novato. Beim Friseur erfuhr Geli, daß es im Bereich der San Francisco Bay heute ein Erdbeben der Stärke 4,7 gegeben hatte. Als wir auf dem Campingplatz unseren Fernseher einschalteten, war das Beben das Hauptthema der Nachrichten. Für die erdbebengewohnten Nordkalifornier war es aber nur ein kleiner "Shaky", der auch keinen wesentlichen Schaden angerichtet hat. Wir nutzten den Nachmittag für einen "Hausputz" und das Waschen unserer Wäsche, ehe Sigrid und Thomas gegen 18.30 eintrafen. Sie konnten im Yosemite nur die Talregionen besuchen, da auch die Glacierpoint Road noch geschlossen war. Hoffentlich sind die Straßen nächste Woche offen, wenn wir den Park besuchen und uns dort mit einem weiteren Schulfreund und seiner Familie treffen wollen.

Wir verließen den Campingplatz in Novato und erreichten nach kurzer Fahrt auf der #101 den Golden Gate, das Tor zur Bucht von San Francisco. Die ersten spanischen Entdecker segelten im 16. Jahrhundert - wohl wegen des häufigen Nebels - mit schöner Regelmäßigkeit am Golden Gate vorbei. So konnten die Miwok-Indianer, die hier schon seit 500 v. Chr. siedelten, noch einige Zeit in Ruhe leben. Erst 1769 kam Gaspar de Portola auf dem Landweg von San Diego und entdeckte die riesige Bucht, einen der besten Naturhäfen der Welt. Sieben Jahre später begann die Kolonisierung. Juan Bautista de Anza errichtete ein Presidio, ein Militärfort, der Franziskanerpater Junipero Serra gründete die Missionsstation San Francisco de Asis. Die Spanier brachten jedoch nicht nur das Rüstzeug Gottes im Gepäck, sondern auch allerlei Viren und Bakterien - schon 50 Jahre später waren die Indianer nahezu ausgestorben. Das kleine Dorf an der Bay entwickelte sich nur zögerlich, doch dann kam das Jahr 1848 und mit ihm der Goldfund in der Sierra Nevada. Innerhalb weniger Jahre wuchs San Francisco auf 50.000 Einwohner an. Aus allen Teilen der Welt strömten Goldsucher herbei, ließen ihre Schiffe im Hafen zurück und zogen in die Berge. San Francisco wurde zum Sündenpfuhl. In unzähligen Kneipen und Bordellen verpraßten die Glücksritter ihre Funde. Theater, Banken, Restaurants und Hotels wurden in Rekordzeit gebaut, ebenso eine Eisenbahnverbindung an die Ostküste. 1869 wurde die Bahn eingeweiht, 1870 zählte die Stadt bereits 150.000 Einwohner und 1873 ratterte die erste Cable Car über die Hänge der Stadt. Zur Jahrhundertwende wohnten bereits 425.000 Menschen in der City. Dann kam das berüchtigte Erdbeben: Am Morgen des 18.04.1906 begannen die Häuser zu schwanken. 55 Sekunden lang bebte die Erde in einer Stärke von 8,3 auf der Richterskala. 452 Menschen starben, doch fast 300.000 wurden obdachlos, da rund 80% der Häuser San Franciscos im, durch das Beben ausgelösten Großfeuer zerstört wurden. Schon vier Jahre später war die Stadt fast vollständig wiederaufgebaut. Die Roaring Twenties, die goldenen 20er Jahre, verhalfen der Stadt zu neuer Blüte, und selbst der nachfolgende Börsenkrach hatte seine positiven Seiten: Durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung wurden in den 30er Jahren die Golden Gate Bridge und die Bay Bridge gebaut. Nachdem San Francisco im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle als Kriegshafen spielte, wurde es in den folgenden Jahrzehnten zum beleibten Tourismusziel und modernen Finanzplatz. Man baute die Häuser, aus Angst vor Erdbeben nur sehr vorsichtig immer höher, die Skyline entstand. Die 60er Jahre, die große Zeit des Protestes und der Gegenkultur, legten den Grundstein für den Ruf San Franciscos , eine der tolerantesten Städte der USA zu sein. Doch das die Stadt nach wie vor auf unsicherem Boden steht, hat erst 1989 ein weiters schweres Erdbeben gezeigt. Wir begannen unseren Besuch gleich an der Golden Gate Bridge, die nach fünfjähriger Bauzeit 1937 eröffnet wurde. Sie ist 2,7 km lang und die beiden Pylonen ragen 227 m hoch über die schmale Meerenge des Golden Gate auf. Jährlich fahren 50 Millionen Autos über die sechs Fahrspuren, bedeutend mehr, als die Konstrukteure planten. Doch das Bauwerk hält, zumal es ständig ausgebessert und verstärkt wird. Wir nahmen die letzte Ausfahrt vor der Brücke und nutzten die Aussichtspunkte entlang der Zufahrt zum Marinehead SP, von denen der Blick durch und über das rote Wunderwerk auf die Skyline der City fällt. Von der Golden Gate aus steuerten wir den innenstadtnahen San Francisco RV Park in der King Street, südöstlich der I-80 an. Im Office des Campingplatzes kauften wir uns Dreitagespässe für die öffentlichen Verkehrsmittel San Franciscos und nahmen den Bus, der direkt am Platz hält in die Innenstadt. In der Powell Street stiegen wir in eines der berühmte Cable Cars um und erreichten auf diesem Wege Fisherman´s Wharf. Die altertümlichen Vehikel werden von einem Stahlkabel gezogen, das in einer Spalte zwischen den Schienen verläuft. Eine Greifzange, Grip genannt, krallt sich hinein und die Wagen rattern mit 15 km/h durch die Innenstadt. Die Bezeichnung Fisherman´s Wharf bezieht sich auf ein relativ kleines Gebiet rund um den ehemaligen Fischereihafen San Franciscos an der Jefferson Street. Die Fischerboote und Werften sind hier lange verschwunden, an ihrer Stelle liegen Privatyachten und Charterboote an den Stegen. An Land beherrschen unzählige Souvenir Shops, Boutiquen, Bars, Fast und Sea Food Restaurants das Bild dieser vollständig kommerzialisierten Touristenfalle. Vom restaurierten Pier 39 am Ostende der Wharf hat man nicht nur einen schönen Blick auf die Gefängnisinsel Alcatraz, sondern auch auf eine Seelöwen-Kolonie, die es sich auf des Stegen der Pier bequem gemacht hat. Wir verließen das Hafenviertel und gingen über die Leavenworth Street zur Lombard Street hinauf. Diese "kurvenreichste Straße der Welt" gehörte bis 1922 mit einem Gefälle von 27% zu den steilsten Straßen San Franciscos. Um die Durchfahrt zu erleichtern, wurden acht Serpentinen gebaut, die mit den Hortensienbeeten und den gepflegten Anwesen der Lombard Street ihren unverkennbaren Charakter verliehen haben. Vom oberen Ende an der Hyde Street hat man einen schönen Blick über die Lombard Street und den Telegraph Hill mit Coit Tower auf die Bucht. In der Hyde Street bietet sich auch ein klassisches San Francisco Motiv: die heranfahrenden Cable Cars vor dem Hintergrund von Alcatraz. Wir folgten der Hyde Street bis zur Union Street und nahmen von dort aus den Bus zurück zum Campingplatz.

Am nächsten Tag begannen wir unsere Bus-Rundreise durch San Francisco mit der Fahrt zum Alamo Square, wo viktorianische Holzhäuser in der Steiner Street einen reizvollen Kontrast zur modernen Skyline im Hintergrund bilden. Von hier aus ging es dann, wiederum per Bus, weiter zum Telegraph Hill, einem 100 m Hügel am Rande der Innenstadt, der von dem 68 m hohen Coit Tower beherrscht wird. Der Turm wurde nach einer exzentrischen Millionärin, Lillie Hitchcock Coit, benannnt, die Anfang des Jahrhunderts der Stadt San Francisco $ 100.000 hinterließ, um den Feuerwehrmännern, die nach dem Erdbeben von 1906 die Feuersbrunst bekämpften, ein Monument zu errichten. Ihre Leidenschaft für die Feuerwehr war so groß, daß sie die erste freiwillige Feuerwehrfrau San Franciscos wurde. Das Innere dieses 1934 erbauten Memorial ist mit Wandmalereien von 25 verschiedenen Künstlern verziert, die teilweise sozialkritische Szenen aus dem Arbeitsleben der 30er Jahre darstellen. Der Turm bietet aufgrund seiner günstigen Lage einen hervorragenden Überblick über Teile der Stadt, die Bucht und hinüber zur Golden Gate Bridge. Im Financial District ist die 260 m hohe Transamerica Pyramide, die angeblich erbebensicher gebaut wurde, der absolute Blickfang. Auf dem Telegraph Hill trennten wir uns von Sigrid und Thomas und fuhren zur Grant Avenue, wo man durch ein chinesisches Drachentor die Chinatown San Franciscos betritt. Die mit fast 80.000 Bewohnern neben der Chinatown von Vancouver größte chinesische Ansiedlung außerhalb Asiens ist bereits während der Goldgräberzeit um 1850 entstanden und umfaßt etwas acht Straßenzüge beoderseits der Grant Avenue. Hier sind die Straßenschilder zweisprachig, viele Menschen sprechen sogar kaum Englisch. Eine asiatische Welt für sich, die jedoch im Bereich der Grant Avenue zu sehr touristisch aufgemacht ist und daher viel von ihren eigentlichen Flair verloren hat. Die westliche Paralellstraße, die Stockton Street, bietet hingegen ein authentischeres Bild des Lebens der Chinesen. Hier zwischen den Fischgeschäften, den Gemüse- und Obsthändlern und den Imbißstuben mit den Enten im Schaufenster kann man ein unablässiges Gewimmel beobachten, wie wir es auch schon in Hongkong kennengelernt haben. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf dem Campingplatz fuhren wir noch einmal los, um uns im Ansel Adams Center for Photography etwas von dem Werk des berühmten Fotografen anzusehen. Ein Teil des Centers war geschlossen, da hier eine neue Ausstellung vorbereitet wurde und die verbliebenen Räume teilte sich Ansel Adams mit verschiedenen Nachwuchskünstlern. So waren wir von der Ausstellung etwas enttäuscht, konnten in dem angeschlossenen Buchgeschäft doch noch etwas mehr vom Werk Adams in Augenschein nehmen. Als wir zum Campingplatz zurüchkamen, trafen wir auf Sigrid und Thomas, die gerade von ihrem Stadtbummel zurückkamen. Die beiden haben uns dann zum Abschluß ihres Urlaubs und für die geleisteten "Reiseleiterdienste" zum Essen eingeladen. Wir bestiegen ein weiteres Mal den Bus und fuhren zum Pier 39, wo wir am Ende des Pier, im Neptune´s Palace, bei hervorragender Aussicht auf Alcatraz und die Golden Gate Bridge sehr gut gegessen haben. Als wir wieder auf dem Campingplatz waren, haben Sigrid und Thomas ihre Sachen gepackt und wir haben uns zum Abschluß der gemeinsamen Zeit noch auf ein Glas Wein zusammengesetzt.

Am nächsten Morgen mußten wir früh aufstehen, denn wir hatten um 9 Uhr einen Inspektionstermin bei Moturis und Sigrid und Thomas mußten ihr Wohnmobil bis 11 Uhr abgeben und es vorher noch durch die Waschstraße fahren. Bei Moturis erwartete uns Post von der Einwanderungsbehörde, die die Verlängerung unserer Aufenthaltsgenehmigung um ein halbes Jahr, bis Anfang Dezember 1996, enthielt. Der bürokratische Aufwand hat sich also gelohnt und wir können unsere Reise wie geplant fortsetzen. Als Sigrid und Thomas dann in den Moturis-Shuttle zum Flughafen stiegen, verabschiedeten wir uns mit ebenso gemischten Gefühlen von ihnen, wie wir sie vor vier Wochen empfangen hatten. Wir waren mit der Umstellung unserer Reisegewohnheiten und der zusätzlichen "Reiseleitung" besser zurechtgekommen, als wir befürchtet hatten, aber wir freuten uns auch, jetzt wieder frei und unabhängig zu sein. Gegen Mittag war unser Roadrunner wieder startklar und wir fuhren zum Abschluß unseres San Francisco Besuches noch einmal zur Golden Gate Bridge. Von dort aus nahmen wir den Hwy #1 in südlicher Richtung und blieben auf dem Campinglatz der Half Moon Bay State Beach.

Nach einem gemütlichen Morgen ohne das Klingeln eines Weckers und den Zwang zu einer verabredeten Zeit fertig zu sein, begaben wir uns wieder auf die #1 und wollten eigentlich über Monterey und den 17-Mile-Drive bis nach Carmel fahren. Aufgrund des langen Memorial Day Wochenendes herrschte auf der Traumstraße #1 ein alptraumhafter Verkehr. Nach einiger Zeit Stop and Go hatten wir genug und verließen die überfüllte Küstenstraße. Auf dem Hwy 101 kamen wir dann wieder besser voran und fanden im San Lorenzo Regional Park in King City einen schönen Campingplatz im Hinterland.

Wir verließen King City über die Nebenstraße G13, die in den Hwy 25 einmündet. Die #146 führte uns dann von der Ostseite her in das Pinnacle NM. Direkt vor der Parkgrenze liegt der privat betriebene Pinnacles Campground, auf dem wir uns einen Platz sicherten. Hier erfuhren wir auch, daß das Parkplatzangebot im Park sehr begrenzt ist und wir beschlossen daher, mit den Rädern in den Park zu fahren. Unvermittelt ragen die Gipfel und Grate der Pinnacles-Formation über sanftem Hügelland auf. Es sind die Reste eines Vulkanberges, der fast 320 km weiter südlich entstand und an der San-Andreas-Spalte entlang nach Nordwesten verschoben wurde. Die Geschichte des Parks begann vor etwa 23 Millionen Jahren als flüssiges Magma aus der San-Andreas-Spalte austrat und einen Vulkankegel formte. Der auf der Pazifik Platte gelegene Teil der Vulkanformation wanderte in nordwestliche Richtung und seine von den Kräften der Erosion geformten Zinnen und Türme bilden heute das Pinnacles NM. An der Stelle, wo der Vulkan ursprünglich entstanden ist, befindet sich auf der Nordamerikanischen Platte die Neenach-Formation, die andere Hälfte des einstigen Vulkans. Nachdem wir die Steigung zum Bear Gulch Visitor Center bewältigt und uns Informationsmaterial über den Park beschafft hatten, begaben wir uns auf den Weg zum Bear Gulch Reservoir. Der rauhe Pfad führt durch die Bear Gulch Caves zum mehrere hundert Meter höherliegenden Reservoir. Zwischen herabgestürzten, regelrechte Höhlen bildeten Felsen geht es streckenweise steil berauf, festes Schuhwerk und eine Taschenlampe sind erforderlich. In dem Felstunnel wird es zum Teil recht niedrig, eng und feucht, so daß der Weg bei meiner Größe von knapp 2 m nicht immer die reine Freude war. Das sehr schön gelegene Reservoir lohnt aber den Aufstieg, auch wenn heute aufgrund des langen Wochenendes sehr viel los war. Für den Rückweg nahmen wir den Rim Trail, um uns die Kletterei ein zweites Mal zu ersparen. Nach ungefähr 5 km Rundweg kamen wir wieder bei unseren am Visitor Center abgestellten Fahrrädern an. Der Rückweg zum Campingplatz wurde auf der in dieser Richtung fast ausschließlich abschüssigen Strecke zu einem reinen Vergnügen.

Wir verließen den Pinnacles Campground und machten uns über die Straßen #25 und #198 auf den Weg zum Sequoia NP. Die Fahrt durch das landwirtschaftlich genutzte San Joaquin Valley mit seinen sanft geschwungenen Hügeln und künstlich bewässerten Feldern bietet keine besonderen landschaftlichen Reize. Wir suchten uns in Three Rivers, kurz vor den Toren des Sequoia NP einen Campingplatz und wollen morgen, wenn sich der Memorial Day Trubel gelegt hat, diesen Park erkunden.

Beim Sequoia NP waren es die Mammutbäume, beim Kings Canyon NP die tiefen Canyon, die den Ausschlag für die Gründung des Parks gaben; 1943 wurden sie zu einem Nationalpark vereinigt, der insgesamt 3495 km² umfaßt. Bergwildnis, durchglitzert von Seen und schäumenden Wasserfällen, und mehrtausendjährige Baumriesen bestimmen das Bild einer von Eiszeitgletschern zerfurchten Landschaft, die sich mitten durch die Sierra Nevada zieht. In diesem Teil der Sierra Nevada sind die wildgezackten Linien, die der große Erdumbruch hinterlassen hatte, bereits durch das Wirken der Elemente abgeschliffen und geglättet worden. Die gewaltige Sierra Nevada selbst ist nichts anderes als eine riesige Scholle der Erdkruste, die im Verlauf der Erdgeschichte in mehreren großen Schüben gehoben wurde und dabei nach Westen abkippte. Auf dem steilen Hang gewannen die Flüsse an Schnelligkeit und Kraft und schnitten ihr Bett tief in den Fels. Dann kamen die Gletscher der letzten Eiszeit und höhlten die entstandenen Canyons weiter aus, bis sie praktisch ihre jetzige Tiefe und Breite erreicht hatten. Der Riesen-Mammutbaum ist von der letzten Eiszeit verschont geblieben und überlebte als einzige Art eines uralten Geschlechts von Riesenbäumen, die von Millionen von Jahren weite Teile der Erde bedeckten. Heute wachsen diese Bäume nur noch in versteuten Hainen in Höhen von 1200 bis 2500 m am Westabhang der Sierra Nevada. Den Sequoien ermöglichten mehrere Faktoren ihr langes (Über-)Leben: Ihre Rinde ist asbestartig faserig und brennt deshalb nur schwer, was bei den zahlreichen Waldbränden Kaliforniens höchst nützlich ist. Auch fließt unter ihrer Rinde kein Harz, sondern ein bitterer, wässriger Saft, der ebenfalls schwer entflammbar ist und zudem das Ungeziefer fernhält. Man hat sogar festgestellt, daß Waldbrände für das Wachstum der Sequoien nötig sind. Erst nach einem Brand können auf dem basischen Ascheboden neue Bäume keimen und das Feuer vernichtet andere Baumarten, so daß Sonnenlicht die jungen Sequoien am Waldboden erreichen kann. Wir erreichten nach wenigen Kilometern auf dem Hwy 198 den Ash Mountain Entrance zum Sequoia NP. Von hier aus führt der Generals Highway in endlos scheinenden Serpentinen auf das Hochplateau in etwa 2.000 m Höhe. Wir hatten auf dieser ungefähr 27 km langen Strecke das Glück einen jungen Schwarzbären beobachten zu können und genossen vom Amphitheater Point den Ausblick auf den 2050 m hohen Moro Rock und das Tal des Kaweah River. Im Giant Forest angekommen, passierten wir die Four Guardsmen, eine Vierergruppe von Mammutbäumen direkt an der Straße und sicherten uns zunächst einen Stellplatz auf dem Lodgepole Campground. Unser nächster Halt galt demm General Sherman Tree, dem (volumenmäßig) größten Lebewesen der Erde. Er ist zwischen 2300 und 2700 Jahre alt und 83,8 m hoch; er hat einen Basisumfang von 31,3 m und ein Volumen von 1487 m³. Sein größter Zweig befindet sich 40 m über der Basis, ist über 2 m dick und 38 m lang und damit größer als die meisten "normalen" Bäume. Am Fuße des Sherman Tree beginnt der bequeme, 3,2 km lange Congress Trail. Der Lehrpfad führt zu jungen Mammutbäumen, die erst etwa 140 Jahre alt sind; zu Bäumen die zwar vom Feuer gesengt, aber nicht vernichtet wurden; und zu gefallenen Riesen, die nicht verrotten, weil das in ihnen enthaltene Tannin das Faulen verhindert. Nach einem kurzen Stop an der Round Meadow fuhren wir zum Parkplatz des Moro Rock, wo wir uns ersteinmal stärkten ehe wir den steilen Aufstieg in Angriff nahmen. Nach 400 Stufen und 90 m Höhenunterschied standen wir auf 2050 m Höhe, 1200 m über dem Boden des Canyons. Leider waren die Gipfel der Sierra Nevada etwas wolkenverhangen, aber der Ausblick ist auf jeden Fall spektakulär. Zusätzlich konnten wir beim Auf- und Abstieg einige Eidechsen, Hörnchen und Kolibris beobachten. Vom Moro Rock fuhren wir dann zurück zum Campingplatz, der direkt an einem Arm des Kaweah River liegt.

Auf dem Generals Highway fuhren wir in nordwestlicher Richtung, verließen den Sequoia NP und fuhren eine zeitlang durch den Sequoia National Forest, ehe wir den Kings Canyon NP erreichten. In der Grant Grove steht, umgeben von imposanten Artgenossen, der volumenmäßig zweitgrößte Baum der Erde, der General Grant Tree, der zwischen 1800 und 2.000 Jahre alt und 81,5 m hoch ist; er hat einen Basisumfang von 32,8 m und ein Volumen von 1344 m³. Er hat dem 1890 zum Schutz der Grant Grove geschaffenen Park seinen Namen gegeben, der bis zur Gründung des Kings Canyon NP 1940 Bestand hatte. Der General Grant Tree gilt als Weihnachtsbaum der Kalifornier und ist ein kalifornisches Nationaldenkmal. Von der Grant Grove führt der Hwy 180 in den eigentlichen Kings Canyon hinein. Die abwechslungs- und aussichtsreiche Bergstraße zwängt sich in den Canyon des South Fork Kings River hinein. Am Junction View blickten wir auf den wilden Zusammenfluß von Middle Fork und South Fork Kings River. Vorbei an den tosenden Grizzly Falls, die von den Schmelzwasser auffangenden Grizzly Lakes gespeist werden, erreichten wir die Cedar Grove, wo die Straße vor bis zu 1600 m hoch aufragenden Felswänden endet. Wir sicherten uns zunächst einen Stellplatz auf dem Sentinel Campground, einem der vier Campingplätze am Ufer des Kings River. Über Canyon Viewpoint und die Roaring River Falls erreichten wir bei Roads End das Ende des Hwy 180. Nach einer kurzen Wanderung auf dem Paradise Valley Trail fuhren wir zum Campingplatz zurück, wo wir nach dem Abendessen noch etwas am Flußufer spazierengingen.

Am nächsten Morgen wollten wir an einem der angebotenen Ausritte durch die Cedar Grove teilnehmen, hätten aber zwei Stunden warten müssen, so daß wir dieses Vorhaben aufgaben. Wir fuhren dann am tosenden Kings River entlang und verließen den Hwy 180 vor erreichen der Grant Grove in Richtung Hume Lake. Die schmale Nebenstraße führt zu dem hübsch gelegenen See am gleichnamigen Ort und trifft dann auf den Generals Highway. Kurz vor der Ausfahrt aus dem Kings Canyon NP befindet sich der Parkplatz des Big Stump Trail. Der 1,6 km lange Weg führt in das Big Stump Basin, eine Bodensenke mit vielen Mammutbaumstümpfen aus der Siedlerzeit, als die Bäume noch nicht geschützt waren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind hier die vermutlich größten Sequoien überhaupt gefällt worden und die riesigen Baumstümpfe sind noch heute Zeugen dieser massiven Zerstörung. Einzig der gewaltige Stamm des Mark Twain Tree wurde 1891 für wissenschaftliche Zwecke gefällt und Scheiben aus seinem mächtigen Stamm befinden sich in naturkundlichen Museen von New York und London. Nach dieser kurzen Wanderung verließen wir den Park und "stiegen" über den Hwy 180 mehr als 1500 Höhenmeter in das San Joaquin Valley hinab. In Fresno, dem wichtigsten landwirtschaftlichen Zentrum Kaliforniens, suchten wir uns einen Campingplatz.

Nach einem ausführlichen "Hausputz" und dem Auffüllen unserer Vorräte verließen wir Fresno auf dem Hwy 41 in Richtung Yosemite NP, wo wir uns übermorgen mit Kai, einem weiteren Schulfreund von uns, und seiner Familie treffen wollen. Nach kurzer Fahrt bogen wir auf die #145 zum Millerton Lake ab. Der 1944 durch den Bau des Friant Dam und die dadurch bedingte Aufstauung des San Joaquin River entstandene Millerton Lake ist das Herz der Millerton Lake SRA. Ein herrliches Naherholungsgebiet mit einem sehr schönen Campingplatz direkt am See. Bedingt durch saisonbedingte Wasserzuläufe und das periodische Ablassen von Wasser über den Friant Dam unterliegt der See sehr starken Schwankungen in seiner Wassermenge und flächenmäßigen Ausdehnung. Wir hatten Glück, denn der See war sehr voll und begann nur wenige Meter von unserem Stellplatz entfernt. Da wir keinen Bootsverleih finden konnten, fuhren wir zu unserem Platz zurück und gingen in dem 23° C warmen Wasser schwimmen. So verbrachten wir den Nachmittag bei herrlichem Wetter auf dem Campingplatz und beobachteten die zahlreichen Hörnchen und ließen den Tag gemütlich am Lagerfeuer ausklingen.

Als erstes gingen wir am nächsten Morgen wieder Schwimmen und verbrachten noch den gesamten Vormittag auf diesem herrlichen Platz. Nach wiederum nur sehr kurzer Fahrt erreichten wir Oakhurst, die letzte größere Ortschaft vor dem Yosemite NP. Hier bezogen wir einen Campingplatz, um erst morgen, wenn sich der größte Wochenendandrang gelegt hat, in den Park zu fahren. Vom Campingplatz aus spazierten wir noch einmal in den Ort, wo wir zufällig an einem Kino vorbeikamen und uns kurzentschlossen den neuen Whoopi Goldberg Film "Eddie" ansahen. Im Vergleich zu Deutschland war es hier mit $ 3,5 pro Person ein recht preiswertes Vergnügen, zumal uns der Film sehr gut gefallen hat. Da wir von Kai nichts mehr gehört haben, hoffen wir, daß es bei dem vereinbarten Treffen morgen im Yosemite NP bleibt. Wir hatten heute vergeblich versucht im Yosemite Valley einen Campingplatz zu reservieren. Die zu reservieren sind, sind angeblich auf Monate ausgebucht und die anderen arbeiten auf "first come first serve" Basis. Wir werden morgen also früh aufstehen und uns als erstes um einen Campingplatz im Park bemühen.

Gewaltige Gletschertäler, senkrechte Granitwände, schäumende Wasserfälle: Die dramatische Bergwelt im Yosemite NP ist das Kronjuwel Kaliforniens und ein Mekka der Bergwanderer und Naturfreunde. Der 3084 km² große Park wurde 1890 gegründet und ist heute einer der attraktivsten und gleichzeitig vielseitigsten Naturparks Nordamerikas - leider auch einer der überfülltesten. Sein populärster Teilbereich ist das nur 15 km² große, malerische, tief in die Sierra Nevada eingeschnittene Yosemite Valley. In diesem kleinen Teil des Parks drängen sich über 90% der mehr als 3,5 Millionen jährlichen Besucher, während man im Hinterland des Tales, in den Hochgebirgsregionen und auf den über 1200 km Wanderwegen noch Einsamkeit und ursprüngliche Natur erleben kann. Speziell an Sommerwochenden kommt es dank der Nähe des Parks zu den Bevölkerungszentren um San Francisco und Los Angeles häufig zu einem derartigen Andrang der Besucher, daß der Parkservice die Einfahrt in das Yosemite Valley sperren muß, um ein völliges Verkehrschaos zu verhindern. Die Geschichte Yosemites begann vor 500 Millionen Jahren, als die Sierra Nevada noch von einem vorzeitlichen Meer überflutet war. Dicke Sedimentschichten hatten sich auf dem Meeresboden abgelagert, als er durch gewaltige Erdbewegungen aufgefaltet, verzerrt und über den Meeresspiegel emporgehoben wurde. Gleichzeitig drang aus der Tiefe des Erdinneren geschmolzenes Gestein empor und erhärtete unter dem Sediment allmählich zu Granit. Erosion wusch das Sedimentgestein an vielen Stellen fort und legte den Granit bloß. Während die Auffaltung noch im Gange war, begannen Wasser und später Gletscher sich in den Fels zu nagen und der Landschaft ihre heutige Form zu geben. Verwitterung und Erosion verändern auch heute noch ständig das Gesicht von Yosemite. Die grandiose Schönheit des Tales hat die Menschen bereits seit 4.000 Jahren in ihren Bann gezogen, wie archäologische Funde belegen. Zur Zeit der Eroberung des amerikanischen Westens durch Pelzjäger, Goldsucher und Siedler pflegten Miwok-Indianer im kühlen Yosemite Valley und auf den Weiden des heutigen Parkgebietes die heißen Sommermonate zu verbringen. Sie lebten vom Jagen, Fischen und vom Sammeln genießbarer Pflanzen. Mit den Weißen kamen sie 1848 in Berührung, nachdem in Mariposa im Südwesten des Parks Gold gefunden worden war. Binnen kurzer Zeit überschwemmten Goldsucher, die sogenannten Fortyniners, die Gegend und machten den Indianern den Lebensraum streitig. Camps und Handelsplätze entstanden, die die Indianer in Abständen überfielen und niederbrannten, was 1851 den Mariposa-Indianerkrieg auslöste. Im Verlaufe dieses Krieges gelangte eine Einheit des Mariposa-Freiwilligenbataillons, welches die Goldsucher zur Indianerbekämpfung gebildet hatten, durch Zufall in das Yosemite Valley. Der Feldarzt, der die Einheit begleitete, war von der stillen Erhabenheit des Tales tief beeindruckt und benannte es zu Ehren der bereits dem Untergang geweihten Miwok-Indianer, in deren Sprache "uzumatis" (Grizzlybär), was zu "Yosemite" wurde. Die Kunde vom strahlend schönen Yosemite Valley verbreitete sich schnell, und 1855 kamen die ersten Touristen. Ihnen folgten Siedler und Hotelbesitzer. Dann kamen auch die ersten Naturschützer, die nicht nur für die Erhaltung des Tales, sondern auch um die Rettung eines Bestandes von Riesen-Mammutbäumen kämpften. Bereits 1862 wurde die Schaffung eines Naturreservates gefordert und 1864 durch die Unterstellung des Tales unter staatlichen Schutz verwirklicht. Wir fuhren vom südlichen Parkeingang in Richtung Yosemite Valley und ließen dabei die Mammutbäume in der Mariposa Grove und das Pionier-Museum in Wawona unbeachtet. Wir hielten am direkt hinter dem Wawona-Tunnel gelegenen Tunnel View, der aufgrund des grandiosen Panoramas auch Inspiration Point genannt wird und neben dem Glacier Point den schönsten, von der Straße aus erreichbaren Blick auf das Yosemite Valley bietet. Der 2147 m hohe, bei Extrem-Bergsteigern beliebte El Capitan, die mit 2695 m höchste und das Tal beherrschende Kuppel des Half Dome, sowie die Cathedral Rocks und der 189 m hohe Bridalveil Fall zeugen davon, daß das Yosemite Valley seinem Ruf als "Das unvergleichliche Tal" gerecht wird. Im Tal angekommen steuerten wir das Campground Registration Office an, wo wir für heute auf die Warteliste kamen, aber für die nächste Nacht gleich einen Platz reservieren konnten. Hier hinterließen wir für Kai eine Nachricht und machten uns dann mit den Fahrrädern auf den Weg durch das Tal. Bei herrlichem Wetter und großenteils von der Straße getrennten Radwegen war das genau die richtige Art der Fortbewegung. Im Visitor Center hinterließen wir ebenfalls eine Nachricht und fuhren dann weiter zu den Yosemite Falls, den höchsten Wasserfällen Nordamerikas und dritthöchsten der Welt. Von 739 m Höhe über dem Talboden stürzt das Wasser 436 m über den Upper Yosemite Fall, geht dann in die 206 m lange Middle Cascade über, um dann die letzten 97 m bis zum Talboden über den Lower Yosemite Fall zurückzulegen. Ein kurzer Weg führt zum Fuße des 97 m hohen Lower Yosemite Fall. Wir fuhren auf der Parkstraße, zum Teil sehr dicht am Merced River entlang, weiter in westlicher Richtung. Einige Abstecher an den Fluß und zu den herrlichen Wiesen am Talboden boten phantastische Ausblicke auf den Half Dome, die Cathedral Rocks und den El Capitan. Über die El Capitan Bridge erreichten wir wieder die südliche Parkstraße, die uns ins Tal zurückführte. In der Nähe der kleinen Kapelle, wo gerade eine Hochzeit stattfand, bot sich uns nocheinmal ein schöner Blick auf die Yosemite Falls. Kurz vor 15 Uhr waren wir wieder am Campground Registration Office und bekamen auch einen Stellplatz zugewiesen. Nach einer Verschnaufpause und dem Abendessen fuhren wir noch einmal zum Visitor Center und sahen uns in einem der Auditorien einen Film über den berühmten Naturfotografen Ansel Adams an. Auf dem Rückweg zu unserem Wagen fiel uns ein Zettel auf, der außen an einem Fenster des Visitor Centers angeklebt war. Es war eine Nachricht von Steffi und Kai, die vergeblich versucht hatten uns über die Anrufbeantworter-Funktion unserer Telefonkarte zu erreichen und nun alle Campingplätze nach uns absuchten. Wir fuhren gleich zu unserem Campingplatz zurück und trafen dort tatsächlich auf Kai, der sich zu Fuß auf den Weg gemacht hatte, während Steffi und die Kinder im Wohnmobil geblieben waren. Da, wie wir erfahren hatten, zwei Autos und bis zu sechs Leute auf einem Stellplatz campen dürfen, fuhren wir zu unserem Platz und haben bis nach Mitternacht am Lagerfeuer zusammengesessen.

Trotz der langen gestrigen Nacht machten wir uns sehr früh auf den Weg zum Glacier Point. Nach einem kurzen Stop am Tunnel View fuhren wir auf der ungefähr 25 km langen und kurvenreichen Stichstraße bis zum Glacier Point. Unterwegs haben wir, in sehr großer Entfernung, zwei Schwarzbären gesehen und einen Zwischenstop am Washburn Point, einem Aussichtspunkt mit Blick auf den Half Dome, die 181 m hohen Nevada, die 97 m hohen Vernal und die 113 m hohen Illilouette Falls, sowie die in der Ferne liegenden Gipfel der High Sierra eingelegt. Vom Glacier Point, einer 980 m über dem Talboden aufragenden Felsklippe, überblickt man das gesamte Yosemite Valley und auch die Yosemite Falls in ihrer vollen Länge. Zusätzlich liegt einem natürlich auch das bereits vom Washburn Point aus erkennbare Panorama zu Füßen. Auf dem Rückweg zum Campingplatz hielten wir an dem 189 m hohen Bridalveil Fall. Vom Aussichtspunkt aus waren die Fälle aufgrund des starken Sprühnebels fast nicht zu erkennen, aber der Weg dorthin war zumindestens sehr erfrischend. Gegen Mittag waren wir wieder auf dem Campingplatz und beschlossen in der größten Hitze eine Pause einzulegen, um am Nachmittag vom Happy Isles Nature Center aus auf dem Mist Trail bis zur Fallkante der Vernal Falls hinaufzusteigen. Der Mist Trail führt in einem Canyon zwischen Half Dome und Glacier Point hinauf und verläuft im letzten, sehr steilen Abschnitt direkt durch den Sprühnebel des Vernal Fall. Wir wurden auf diesem Teilstück zwar naß bis auf die Haut, aber ein durch die Nachmittagssonne gebildeter phantastischer Regenbogen hat uns für diese Mühen entschädigt. Für den Rückweg wählten wir den etwas weiteren, aber dafür trockenen Weg über den John Muir Trail, der neben einem herrlichen Ausblick auf den Vernal Fall auch den Blick zum höher gelegenen, 181 m hohen Nevada Fall ermöglicht.

Den nächsten Morgen ließen wir gemütlicher angehen und bezogen nach dem gemeinsamen Frühstück den neuen Campingplatz, den Kai für die nächsten zwei Nächte reserviert hatte. Von hier aus machten wir uns mit den Rädern auf den Weg zu dem idyllisch unter dem großartigen Half Dome Panorama gelegenen Mirror Lake. Der See, der langsam austrocknet und im Sommer schon meist trocken liegt, war noch gut gefüllt und machte seinem Namen alle Ehre, denn in seinem ruhigen Wasser spiegelten sich die umliegenden Berge. Wir nutzten das schöne Radwegsystem des Parks zu einer Rundfahrt durch das Yosemite Valley. In der Nähe der Swinging Bridge Picnic Area machten wir eine kurze Pause uns genossen den herrlichen Ausblick auf den Half Dome, die Leidig Meadow und die Yosemite Falls. Nach einem Einkauf im Village Store fuhren wir zum Campingplatz zurück, wo wir uns um 17 Uhr zum Grillen verabredet hatten. Nach dem Abendessen fuhren wir mit unserem Wohnmobil zum Tunnel View, um das herrliche Panorama des Yosemite Valley einmal im Licht der tiefstehenden Sonne zu erleben. Ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer, bei dem wir auf unseren 9. Hochzeitstag anstießen, beendete dann unseren dritten Tag im Yosemite NP.

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Steffi, Kai, Josephine und Lennart, die noch einen weiteren Tag im Yosemite NP bleiben und von hier aus nach San Francisco weiterfahren wollten. Wir folgten der Big Oak Flat Road (Hwy 120), einer ehemaligen Bergbaustraße, nach Westen aus dem Tal heraus. Bei Crane Flat bogen wir dann rechts in die Tioga Road, die nördliche Parkstraße ein. Die erst seit wenigen Tagen geöffnete Straße führt in eine Hochgebirgslandschaft voller schneebedeckter Gipfel, kristallklarer Bergseen und riesiger Wiesen durch das Hochplateau der Sierra Nevada. Wir hielten am Siesta Lake, dem Olmsted Point, von dem aus der Half Dome im Yosemite Valley und der von kahlen Granitbergen umgebene Tenaya Lake zu sehen sind. Unweit des östlichen Visitor Centers breiten sich die Tuolumne Meadows, die größten Hochgebirgswiesen der Sierra Nevada, aus. Vor Millionen Jahren lagen sie unter einer 600 m dicken Eisschicht begraben, jetzt sind sie im Sommer von Wildblumen überzogen. Die Straße steigt an der Ostgrenze des Parks zum 3031 m hohen Tioga Pass an. Der bereits außerhalb des Nationalparks liegende Tioga Lake war noch weitestgehend zugefroren, während uns im gut 1.000 m tiefer gelegenen Tal des Mono Lake Temperaturen von fast 30° C erwarteten. Wir blieben in Lee Vining, am Rande des Mono Lake, auf einem privaten Campingplatz mit Blick auf den See.

Wir verließen Lee Vining auf dem Hwy 395 in Richtung Reno und bogen nach ungefähr 30 km auf die #270 zum Bodie SHP ab. Die letzten 5 km dieses 20 km langen Zubringers sind nicht asphaltiert und versetzten uns schon ein wenig in die Zeit zurück als hier im kargen High Desert Country im Grenzgebiet zu Nevada Bodie als Stadt der Sünde und des Lasters bekannt war. Bodie wurde nach Waterman S. Body benannt, der hier im Jahre 1859 Gold entdeckte. In der Zeit ihrer Hochkonjunktur betrugen die Einnahmen der etwa 30 Bergwerksgesellschaften etwa $ 400.000 im Monat, insgesamt ungefähr 90 bis 100 Millionen Dollar. Um 1879 hatte Bodie 10.000 Einwohner, die aber mit dem wirtschaftlichen Rückgang der Minen nach und nach die einstige Boomtown verließen, bis die Stadt in den 30er Jahren sich selbst überlassen war. Brände, Sand- und Schneestürme und die "nagende Zeit" hatten über 90% der Gebäude zerstört, ehe Bodie im Jahre 1962 zum State Historic Park erklärt wurde. Seit dieser Zeit wird die Stadt einem Zustand "erstarrten Verfalls" erhalten und ist eine Mischung zwischen echter Geisterstadt und einem Living Museum. Die Ausdehnung des Ortes und die Vielzahl der noch vorhandenen Zeugnisse seiner Vergangenheit geben Bodie eine Sonderstellung unter den Ghost Towns. Zwischen Carson City und Reno übernachteten wir auf dem sehr schön gelegenen Campingplatz des Washoe Lake SP, in einem weiten Tal zwischen der Carson Range der Sierra Nevada und der Virginia Range.

Nach wenigen Kilometern auf dem Hwy 395 erreichten wir Reno, Las Vegas´ kleine Schwester und nach eigenen Angaben "The Biggest Little City in the World". Wir reservierten auf dem innenstadtnahen Keystone RV Park einen Stellplatz für zwei Nächte und machten uns auf die Suche nach dem zuständigen Postamt für General Delivery. Zehn Briefe von Freunden und Verwandten konnten wir in Empfang nehmen und wir haben sie auf einer Bank am Truckee River dann auch gleich gelesen. Nachdem wir am Nachmittag ein paar Einkäufe erledigt hatten, machten wir uns am Abend auf den Weg zur Casino Row, wir die Virginia Street, die Hauptstraße Renos, auf 500 m Länge im Zentrum der Stadt genannt wird. Da für Reno, im Gegensatz zu Las Vegas, das Glücksspiel nicht der allein dominierende Wirtschaftsfaktor ist, fallen die Kasinos hier auch nicht ganz so extravagant aus wie in Las Vegas. Reno hat sich von einer Boomtown der Goldrauschzeit zu einer modernen Stadt und dem kommerziellen und kulturellen Zentrum für den Norden Nevadas entwickelt, die aber dennoch die meisten Besucher durch ihre Spielkasinos anlockt. Wir schlenderten über die Casino Row und besuchten unter anderen das "Eldorado" und das "Circus Circus", wo wir mehrere Stofftiere gewannen und aus diesem Grunde mit dem Taxi zum Campingplatz zurückfuhren.

Wir fuhren zum Brunch-Buffet ins "Eldorado" und besuchten anschließlend die ehemalige Goldrauschstadt Virginia City. Nachdem 1859 die berühmte Comstock Lode, eine der ertragreichsten je gefundenen Silber- und Goldader entdeckt worden war, schnellte diese Stadt zu einer der reichsten Städte des Landes empor und hatte in kurzer Zeit über 30..000 Einwohner. Nachdem ein Feuer 1875 die damals wichtigste Siedlung zwischen Denver und San Francisco zerstört hatte, wurde sie binnen eines Jahres wieder aufgebaut und blieb nach dem Ende des Goldrausches eine wohlerhaltene Ghosttown. Wir begannen unseren Besuch an der St. Mary´s Catholic Church und sahen uns anschließend die guterhaltenen Häuser in der Hauptstraße an. Auf dem Rückweg nach Reno genossen wir von einem der Aussichtspunkte am Hwy 341 den Ausblick über Reno und die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada. Vom Campingplatz aus machten wir uns mit den Fahrrädern noch einmal auf den Weg in die Stadt und fuhren am Ufer des Truckee River entlang, der einmal quer durch Reno fließt. Als wir wieder auf dem Campingplatz waren, haben wir eine kleine Reparatur am Wohnmobil durchgeführt und uns an die Beantwortung der Briefe gemacht.

Über die Straßenkombination #395, #70 und #89 fuhren wir durch die landschaftlich sehr reizvolle nördliche Sierra Nevada in Richtung Lassen Volcanic NP. Von einem Aussichtspunkt am Lake Almanor hatten wir zum ersten Mal einen Blick auf den 3187 m hohen Lassen Peak, der den Nationalpark beherrscht. Der Lassen Peak ist der südlichste der Cascade Mountains, einer Vulkankette, die sich von der kanadischen Grenze bis nach Kalifornien erstreckt. Weiter nördlich gehören Mount Baker, Mount Rainier, Mount St. Helens und Mount Hood zum pazifischen "Ring of Fire", der um den Pazifik liegenden Vulkane. Der Lassen Peak ist, wie einige weitere Berge im Lassen Volcanic NP, kein Vulkan im herrkömmlichen Sinne. Der eigentliche Vulkanberg war der etwa 3500 m hohe Mount Tehama, der einen Basisdurchmesser von fast 20 km aufwies. Der Mount Tehama stürzte, nachdem sich die Magmakammer nach mehreren Ausbrüchen entleert hatte, in sich zusammen, wodurch eine riesige, schüsselförmige Caldera entstand. Den Rand dieser Caldera bilden der Lassen Peak und die weiteren Berge des Parks, die Reste des ehemaligen Kraters des Mount Tehama, die vor 600.000 bis 200.000 Jahre aus Lava enstanden. Der Lassen Peak war zwischen 1914 und 1921 zum letzten Mal aktiv, in diesem Zeitraum wurden über 200 zum Teil spektakuläre Ausbrüche registriert. Heute beschränkt sich die geothermmische Aktivität auf einige hydrothermale Gebiete im Park mit Heißwasserquellen, Fumarolen und schwefligen Schlammbecken. Schon bei der Einfahrt durch den Southwest Entrance machte uns ein Schild darauf aufmerksam, das die Parkstraße gesperrt und damit eine Durchfahrt in nördlicher Richtung nicht möglich ist. Im Information Center erfuhren wir, daß die Parkstraße bereits geöffnet war, ein neuerlicher Wintereinbruch mit über 1 m Neuschnee aber wieder zur Schließung geführt hat. So konnten wir uns nur das geothermische Gebiet Sulphur Works ansehen, wo ein kurzer Boardwalk uns zu fauchenden Fumarolen, Löchern voller kochendem Schlamm und heißen Quellen führte. Ab dem Bumpass Hell Parkplatz war die Straße dann gesperrt und auch der Bumpass Hell Trail, ein Weg zu einem Talkessel voller hydrothermaler Aktivität war noch unter hohem Schnee begraben. So mußten wir uns mit einem Blick auf den Lassen Peak und einen eiszeitlichen Findling begnügen, der in der Nähe des Parkplatzes am Rande des Abgrundes balanciert. Wir fuhren zurück zum Lake Almanor, wo wir am Nordufer einen schönen Campingplatz fanden.

Auf wenig befahrenen Nebenstraßen, vorbei am Eagle Lake, erreichten wir das wenig besuchte Lava Beds NM, das auf halbem Wege zwischen Lassen Volcanic und Crater Lake NP. Wundersame Reste vulkanischer Tätigkeit wie Vulkanaschkegel, kleine Vulkane, Lavafelder und ungefähr 300 teils vereiste, teils farn- und moosbedeckten Lavatunnels und -röhrenhöhlen. Diese entstehen, wenn die äußeren Schichten eines Lavastromes erkalten und sich verfestigen, während die Lava im Inneren noch weiter fließt und so einen Tunnel zurückläßt. Viele der Tunnels und Röhrenhöhlen des Parks sind bei einem gewaltigen Ausbruch des Mammoth Crater an der südlichen Parkgrenze vor 30.000 Jahren entstanden. Einige der Röhren bilden Eishöhlen; Regenwasser dringt durch das poröse Lavagestein in die Höhlen ein, in denen aufgrund der hohen Isulationskraft des Lavagesteins das ganze Jahr über Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes herrschen. Die letzte vulkanische Aktivität liegt etwa 1.000 Jahre zurück, so daß weite Teile der Lavafelder bereits wieder von Pflanzen bedeckt sind, die Nahrung und Schutz für zahlreiche Tiere bietet. In dieser unwirklichen Landschaft lebten die Modoc-Indianer ehe sie von den Weißen in Reservate vertrieben worden. Sie kehrten in ihre heimatlichen Gebiete zurück, was zum Modoc-Indianerkrieg von 1872/73 führte. 52 Krieger der Modocs verschanzten sich unter der Führung ihres Häuptlings Captain Jack in den Lavafeldern. Hier leisteten sie einer zwanzigfachen Übermacht der Armee fünf Monate lang erbitterten Widerstand, der aber letztendlich doch in einem Blutbad für die Indianer endete. Einige der Tunnels und Höhlen liegen entlang der etwa 3,5 km langen Cave Loop Road, sind über Pfade und Leitern zugänglich und können individuell erkundet werden. Festes Schuhwerk ist unbedingt erforderlich, Lampen und Helme können bei Bedarf im Visitor Center geliehen werden. Wir beschafften uns im Visitor Center die nötigen Informationen über den Park, sicherten uns einen Stellplatz auf dem parkeigenen Indian Well Campground und beschlossen die Cave Loop Road morgen mit dem Fahrrad in Angriff zu nehmen.

Wir parkten das Wohnmobil am Visitor Center und fragten dort nach den interessantesten Höhlen entlang der Cave Loop Road, da wir nicht alle 14 besuchen wollten. Dort erfuhren wir, daß einige der Höhlen geschlossen sind, da dort Fledermäuse ihren Nachwuchs aufziehen. Die Ranger empfahlen uns vier der Höhlen und wir machten uns mit den Rädern auf den Weg. Die in der ersten Hälfte recht steile Cave Loop Road führte uns zu den Höhlen Golden Dome, Hopkins Chocolate, Sunshine und Sentinel. Es muß schon eine gewaltige Eruption gewesen sein, deren Lavaströme dieses große Höhlensystem haben entstehen lassen. Auf unserem weiteren Weg durch den Park besuchten wir die beiden Eishöhlen Skull Cave und Merrill Cave. Letztere fand ich interessanter, da sie zum einen nicht so eng ist wie die Skull Cave und auch über vielfältigere Eisformationen verfügt. Von der Fire-Lookout-Station auf dem 1601 m hohen Schonchin Butte hatten wir einen schönen Blick über den Park, auf den verschneiten 4318 m hohen Mount Shasta und den in der Ferne liegenden Mount McLoughlin. Im etwa 50 km nördlich des Parks gelegenen Klamath Falls suchten wir das Oregon Visitor Center auf, um uns mit einer Landkarte und Camping-Informationen einzudecken. Nördlich der Stadt übernachteten wir auf einem privaten Campingplatz.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir den Crater Lake NP über die südliche Zufahrt und hielten am Steel Information Center. Hier erhielten wir das Informationsmaterial über den Park und erfuhren, daß der östliche Teil der Parkstraße (Rim-Drive) noch gesperrt ist und wir nur zwischen der südlichen und nördlichen Zufahrt am See entlang fahren können. Nachdem wir uns im Visitor Center noch einen Film über die Entstehung des Crater Lake angesehen hatten, machten wir uns auf dem Weg zum Kraterrand. Der erste Eindruck von diesem See ist überwältigend: 54 km² Wasser, so tiefblau wie Tinte, von einem bis zu 600 m hohen Felsring umgeben. Nach einer indianischen Legende war der Bluebird grau, bis er in das Wasser des Crater Lake eintauchte. Die stille "Perle des Kaskadengebirges", wir der Crater Lake auch genannt wird, liegt in einem ruhenden Vulkan namens Mt. Mazama. Der letzte Ausbruch dieses Vulkans erfolgte 4860 vor Christus. Damals wurde vulkanische Asche kilometerhoch in den Himmel geschleudert und soviel Bimsstein und Lava ausgestoßen, daß sich die Magmakammer völlig entleerte und die oberen 1500 m des damals 3700 m hohen Mt. Mazama in sich zusammenstürzten. Zurück blieb eine Caldera mit einem Durchmesser von 9 km und einer Tiefe von 1200 m. Im Laufe der Jahrhunderte sammelte sich in diesem abflußlosen Kessel Regen- und Schmelzwasser zu einem See von bis zu 589 m Tiefe, dem tiefsten See der USA. Der Wasserstand des Sees variiert aufgrund des ungefähren Gleichgewichts zwischen Verdunstung und Wasserzufuhr nur geringfügig. Die meisten Niederschläge fallen in diesem Gebiet als Schnee, der die Landschaft mit einer bis zu 15 m dicken Schicht überziehen kann. Trotz der langen und kalten Winter friert der Crater Lake nur sehr selten vollständig zu, letztmalig 1949. Seine gewaltige Wassermenge speichert im Sommer so viel Wärme, daß der See der Vereisung lange widerstehen kann. Wir begannen unseren Besuch im Rim Village, wo es mehere erstklassige Aussichtspunkte direkt über dem See zu finden gibt. Das frische Blau des Crater Lake bedeutet Reinheit und Tiefe. Der See enthält kaum Mineralien und Verunreinigungen. Wenn Sonnenlicht in diesen tiefen, reinen See eindringt, absorbieren die Wassermoleküle alle Farben des Spektrums außer Blau; dies streut an die Oberfläche zurück. Forscher haben kürzlich Grünalgen in einer Rekordtiefe von 220 m gefunden, was bedeutet, daß Licht hier tiefer dringt als in irgendeinem anderen Gewässer der Welt. Wir verließen das Rim Village und fuhren auf dem ersten Drittel des Rim Drive bis zur Abzweigung zum nördlichen Eingang. Da schon auf dieser, geöffneten Strecke, die Schneemassen rechts und links der Straße das Wohnmobil überragten, konnten wir uns kaum vorstellen, wie es in dem noch gesperrten, östlichen Teil des Rim Drive wohl aussehen mag. Der erste Halt auf diesem Abschnitt ist am Discovery Point, von wo eine Gruppe weißer Goldsucher den See am 12.06.1853 entdeckt hatte. Der nächste Aussichtspunkt bietet einen guten Blick auf Wizard Island, so benannt, weil sie dem Spitzhut eines Zauberers ähnelt. Die Insel, die 233 m aus dem Wasser ragt, ist ein klassischer Aschekegel, aufgebaut aus rotglühender Asche vom Grunde der Caldera, die lange nach dem Einsturz des Mt. Mazama außgestoßen wurde. In einer Indianerlegende wird die Insel als Kopf von Llao, dem Herren der Unterwelt, bezeichnet. Der Herr der oberirdischen Welt, Skell, tötete und verstümmelte Llao in der letzten, im wörtlichen Sinne welterschütternden Schlacht auf dem Gipfel des Berges. Der Aufstieg zum Aussichtspunkt auf dem 2446 m hohen The Watchman war aufgrund der Schneeverhältnisse leider nicht möglich, aber zwei weitere Haltepunkte ermöglichten uns grandiose Ausblicke auf diesen phantastischen See, in dem sich der Kraterrand spiegelte. Durch die fast vegetationslose Bimssteinwüste, ein mit diesem leichten Lavagestein aufgefülltes Tal, verließen wir den Crater Lake NP. Wenige Kilometer nördlich der Parkgrenze erreichten wir den Diamond Lake im Umpqua NF. Auf dem direkt am Ufer des Sees gelegenen Diamond Lake Campground fanden wir einen schönen Platz zum Übernachten. Nachdem wir unser Wohnmobil abgestellt hatten, machten wir uns mit den Fahrrädern auf den Weg . Ein sehr schöner Radweg führt am Ufer des Sees entlang, der von dem 2549 m hohen Mt. Bailey überragt wird.

Wir verließen den Diamond Lake in westlicher Richtung und erreichten nach der Überquerung der Coast Range nördlich von Coos Bay die Pazifikküste. Hier befindet sich auch das südliche Ende der Oregon Dunes NRA, eines 60 km langen Wanderdünengürtels zwischen dem Pazifik und dem Hwy 101. Der National Forest Service sorgt hier für den Schutz der Landschaft und ihrer Flora und Fauna und überwacht die Nutzung der über 100 m hohen Sanddünen durch die Off-road Fans mit ihren geländegängigen Fahrzeugen. Wir sicherten uns einen Stellplatz auf dem Campingplatz des Umpqua Lighthouse SP, der neben dem Umpqua River Lighthouse auch über eine Aussichtsplattform oberhalb der 50 m hohen Dünen und einen Badestrand am See verfügt. Auf dem Campingplatz bemerkten wir, daß unser Auto wieder Servolenkungsöl verliert, genau wie vor ein paar Monaten in Georgia schon einmal. So wie damals zogen wir die Schlauchschellen nach und hoffen, daß wir das Problem damit wieder behoben haben.

Wir folgten dem Hwy 101, der immer parallel zu Pazifikküste verläuft, in nördlicher Richtung. Beim Oregon Dunes Overlook befindet sich nicht nur ein schöner Aussichtspunkt über die höchsten Küstensanddünen Nordamerikas, sondern auch ein mobiles Informationszentrum des National Forest Service. Unter der Führung des Volunteer Ranger Jim nahmen wir an einer gut einstündigen Wanderung durch diese Dünenlandschaft teil und erfuhren einiges über die Flora und Fauna dieses Ökosystems. Etwa 20 km nördlich von Florence kamen wir zur Sea Lion Cave, der größten Meereshöhle Nordamerikas und einzigen bekannten Festlandbehausung von Seelöwen. Die Bildung der Höhle begann vor etwa 25 Millionen Jahren, heute hat sie die Grundfläche eines Fußballfeldes und ist zwölf Stockwerke hoch. Im Herbst und Winter suchen Hunderte von Steller Seelöwen in der Höhle Schutz vor dem rauhen Wetter, im Frühling und Sommer ziehen sie ihre Jungen auf den Felsklippen vor der Höhle auf. Wir sahen uns zunächst von einem der Aussichtspunkte die Seelöwenkolonie an und fuhren dann mit dem Fahrstuhl zur 63 m tiefer gelegenen Höhle hinunter. Von einem Seitenarm der Höhle bietet sich ein sehr schöner Blick auf das Heceta Head Lighthouse. Als nächstes fuhren wir zum Cape Perpetua hinauf. Von der Kaphöhe 240 m über dem Meer hatten wir einen phantastischen Blick auf die Pazifikküste und den kleinen Küstenort Yachats. In Waldport überspannt eine schöne Brücke den Alsea River über die der Hwy 101 weiter in nördlicher Richtung führt. Das Cape Foulweather nördlich von Newport hat seinen Namen von James Cook erhalten, der am 07.03.1778, einem sehr stürmischen Tag, hier vorbeisegelte. Von dem Aussichtspunkt in 140 m Höhe überblickte man die rauhe Küstenlinie. Wir verließen dann den Hwy 101 und fuhren auf den Three Capes Scenic Drive. Am ersten der drei Kaps, dem Cape Kiwanda, reservierten wir uns für zwei Nächte einen Stellplatz auf dem in unmittelbarer Strandnähe gelegenen Cape Kiwanda RV Park.

Der nächste Tag war ein "Arbeitstag", den wir aber ganz ruhig angingen. Nach dem Ausschlafen und einem ausgiebigen Frühstück beluden wir die Waschmaschinen der Campground-Laundry und nutzten die Waschzeit für einen kleinen Spaziergang zum breiten Strand, der von einem Hay Stack Rock und dem Sandsteinfelsen des Cape Kiwanda beherrscht wird. Zurück auf dem Campingplatz standen neben der Wäsche noch ein großer "Hausputz" und kleinere Arbeiten am Wohnmobil auf dem Programm. Auch die Leckstelle in unserem Motorraum scheint jetzt dicht zu sein. Vor dem Abendessen machten wir dann noch einen ausführlicheren Strandspaziergang und ließen den Tag dann gemütlich ausklingen.

In seinem weiteren Verlauf passierten wir auf dem Three Capes Scenic Drive dichten Regenwald, Steilhänge, Dünen und Strände. Kurz hinter dem Cape Lookout bietet der Billy Anderson Point einen phantastischen Ausblick auf Cape Meares und die Netarts Bay. Etwas abseits der Straße liegt der winzige Ort Oceanside fast ohne jede touristische Infrastruktur. Im Cape Meares SP führte uns ein etwa 1 km langer Rundweg an den Klippen entlang zum Cape Meares Lighthouse, fast 70 m über dem Pazifik. Ebenfalls in diesem Park befindet sich der Octopus Tree, eine riesige Sitka-Fichte, aus derem mächtigen Stamm sich auf unerklärliche Weise mehrere Seitenarme gebildet haben. In Tillamook trifft der Three Capes Scenic Drive wieder auf den Hwy 101. Am nördlichen Ortsausgang liegen direkt an der Straße zwei Käsehersteller. Der kleine Laden der Blue Heron French Cheese Company bietet neben Käse auch Wein, Gewürze, Honig und Souvenirs. In der Käsefabrik der Tillamook County Creamery Association kann man einen Einblick in die Fabrikhallen für die Herstellung und Verpackung der verschiedenen Käsesorten nehmen und diese auch probieren. Auch das hier angebotene Eis schmeckt wirklich vorzüglich. Von einem Aussichtspunkt am Cape Falcon bot sich uns ein schöner Blick auf den kleinen Badeort Cannon Beach und die Felsklippen des Tillamook Head. In Astoria erreichten wir den gewaltigen Mündungsbereich des Columbia River und verließen über die eindrucksvolle Columbia River Bridge den Bundesstaat Oregon. In Washington fanden wir nach wenigen Kilometern ein Visitor Center in dem wir sehr ausführliches Informationsmaterial bekamen. In dem kleinen Ort Skamokawa fanden wir einen schönen Campingplatz direkt am Ufer des Columbia River.

In der Nacht fing es an zu regnen und die Regenwolken sollten uns den ganzen Tag über begleiten. In Longview nutzten wir das schlechte Wetter für den fälligen Großeinkauf und fuhren von dort aus auf der I-5 in Richtung Norden. Bei Castle Rock verließen wir die Interstate und besuchten das hervorragende Visitor Center des Mount St. Helens National Volcanic Monument, das 8 km östlich der Stadt am Ufer des Silver Lake liegt. Ein sehr informativer Film und nicht minder interessanter Diavortrag gaben uns neben der gut gemachten Ausstellung einen Einblick in die Ereignisse des 18. Mai 1980, als der Mount St.Helens in einer gewaltigen Eruption explodierte. Nach 123 ruhigen Jahren erwachte Mount St. Helens, bedingt durch zahlreiche kleinere Erdbeben in dieser Region, im Frühjahr 1980 wieder zu neuem Leben: Lava schob sich im Vulkan hoch, verursachte weitere Erdbeben, sorgte 6 Wochen lang für kleinere Ascheemissionen und bildete eine 91 m starke Anschwellung an der Nordseite des Berges. Der Auslöser des Ausbruchs am 18. Mai war ein Erdbeben der Stärke 5,1 auf der Richterskala. Die aufgetragene Nordflanke rutschte in das Becken des Spirit Lake und in das Tal des Toutle River hinunter und verursachte den größten Erdrutsch der Geschichte. Eine seitliche Explosion erzeugte einen 343° C heißen, steinbeladenen Strom von Asche und Gas, der eine Geschwindigkeit von 531 km/h hatte und 388 km² des Waldes am Nordhang vernichtete. Eine Asche-Säule stieg aus dem neu entstandenen Krater fast 20 km in die Höhe und verdunkelte weite Teile Washingtons. Vulkanische Schlammfluten (Lahars), dichte Mischungen aus Gestein, Asche und Wasser, ergossen sich ähnlich nassem Beton über die Abhänge des Vulkans. Pyroclastic-Ströme aus verflüssigtem Gestein, heißem Gas und Asche rasten mit fast 100 km/h zu Tal und schufen am Südufer des Spirit Lake eine große Bimsstein-Ebene. Das Ergebnis dieser vulkanischen Aktivitäten war ein um 396 Höhenmeter auf 2550 m reduzierter Mount St. Helens mit einem 1,5 km breiten, nach Norden aufgebrochenen Krater. Schon 1982 stellte der Kongress eingroßes Areal rund um den Berg als Volcanic Monument unter die Verwaltung der Nationalparkbehörde. Der Krater selbst und das von der Zerstörung am stärksten betroffene Gebiet wurden zur Sperrzone erklärt. Man wollte die sich überraschend schnell abzeichnende Erholung der Natur in der Desaster Area, in der zunächst alles Leben untergegangen zu sein schien, ungestört von menschlicher Einwirkung beobachten und auswerten. Uns blieb heute leider ein Blick auf den Mount St. Helens verwehrt, da er unter der dichten Wolkenschicht verborgen war. Wir beschlossen daher, eine Nacht auf dem Campingplatz des Seaquest SP, direkt gegenüber dem Visitor Center, zu übernachten und auf Wetterbesserung zu hoffen. Wir waren trotz des schlechten Wetters froh, daß wir von der Westseite an den Park herangefahren waren, denn zum einen ist das Visitor Center an sich schon einen Besuch wert und zum anderen erfuhren wir hier, daß die östliche Zufahrt zum Windy Ridge Gebiet aufgrund schwerer Straßenschäden voraussichtlich erst im Sommer 1997 wieder geöffnet wird.

Da sich das Wetter etwas gebessert hatte, fuhren wir auf der beim Ausbruch 1980 zerstörten und erst 1992 wieder freigegebenen Straße #504 bis zur Coldwater Ridge, wo sich am Rander der ehemaligen Desaster Area ein weiteres Visitor Center befindet. Es ist schon sehr beeindruckend, wie die Natur in den vergangenen 16 Jahren die nach dem Ausbruch verwüsteten Gebiete zu neuem Leben erweckt hat. Bis auf das mit Schutt angefüllte Tal des nördlichen Toutle River ist auf den ersten Blick von der damaligen Zerstörung nicht mehr viel zu entdecken. Das Coldwater Ridge Visitor Center hat außer der schönen Panorama-Terrasse mit Blick auf den beim Ausbruch entstandenen Coldwater Lake, das Tal des Toutle River und den Mount St. Helens nicht sehr viel zu bieten. Der Blick auf den Vulkan war leider auch heute wolkenverhangen, aber es war zumindestens mehr zu erkennen als gestern. Wir verließen dann den Park und erreichten über die Straßen #12 und #123, vorbei am sehr schön gelegenen Riffe Lake und entlang des Cowlitz River den Mount Rainier NP. Im Ohanapecosh Visitor Center erhielten wir Informationen über den Park und bezogen dann einen Stellplatz auf dem Ohanapecosh Campground am gleichnamigen Fluß. An klaren Tagen ist der 4392 m hohe, eis- und schneebedeckte Vulkan Mount Rainier, dessen letzte größere Aktivität schon fast 2.000 Jahre zurückliegt, noch im 100 km entfernten Seattle klar zu erkennen. Er ist nicht nur der höchste Berg des Kaskadengebirges, sondern auch einer der mächtigsten Vulkane der Welt. Mt. Rainier ist das Geschöpf von Feuer und Eis. Heute weitestgehend ruhig, entstand er vor über einer halben Million Jahren auf einem Lavasockel, den ältere Vulkane geschaffen hatten. Wohl tausendmal quollen im Laufe der Zeit Asche und Lava aus seinem Schlund, füllten die benachbarten Täler und bauten, Schicht um Schicht, den Vulkankegel bis zu einer Höhe von ca. 5.000 m auf. Noch während der Vulkan wuchs, schnitten die ihn umgebenden Gletscher Täler in ihn und sein Umland. Der Ring aus 25 großen Gletschern und Eisfeldern, der den Mt. Rainier umgibt, bildet die größte Eismasse, die ein einzelner Berg der USA südlich von Alaska auf sich versammelt hat. Der Gipfel des Mt. Rainier wurde bei einem der letzten großen Ausbrüche vor 5.000 bzw. 2.000 Jahren weggesprengt ist aber durch kleinere Ausbrüche wieder auf 4392 m emporgewachsen. Der als schlafend, nicht als erloschen geltende Vulkan beschränkt seine heutigen Aktivitäten auf das Ausstoßen heißer Dämpfe aus dem Krater des neuen, etwa 250 m hohen Kegels, der sich im vergrößerten alten Krater gebildet hat. Besonders auffällig ist die außerordentlich üppige Vegetation, die den Berg bis zu seinen Gletschern hinauf bedeckt. In den unteren Lagen findet man einen dschungelartigen Wald mit riesigen, teilweise sehr alten Nadelbäumen. Den mit unterschiedlichen Wildblumen ubersäten Bergwiesen der mittleren Lage folgen saftige Weiden mit Nadelbauminseln, die bis zu den Gletschern und Schlammlawinen hinaufragen. Da die Wettervorhersage für den nächsten Tag recht positiv ist, hoffen wir, daß wir von der Parkstraße aus einen Blick auf den Mt. Rainier werfen können und er sich nicht unter einer Wolkenschicht versteckt.

Wir hatten tatsächlich Glück: Der nächste Tag begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Wir folgten dem Hwy 123 bis zum Stevens Canyon Entrance, dem östlichen Parkeingang. Von hier aus führt die Parkstraße entlang der östlichen und südlichen Grenzen des Parks bis zum westlichen Eingang, dem Nisqually Entrance. Nachdem wir die Backbone Ridge überquert hatten, bot sich uns ein erster, spektakulärer Blick auf den majestätischen Mount Rainier, dessen Eiskuppe sehr schön mit dem blauen Himmel kontrastierte. Am Box Canyon führt der etwa 800 m lange Canyon Stroll zu einer 35 m tiefen, sehr engen Schlucht, die der Muddy Fork des Cowlitz River in einen Lavastrom gefressen hat. Von diesem Weg hat man nicht nur einen Blick auf den Mt.Rainier, sondern auch auf den südlich des Parks gelegenen 3742 m hohen Mt. Adams. Nach der Durchfahrt durch den Stevens Canyon konnten wir einen Schwarzbären beim Überqueren der Straße beobachten, ehe er dann wieder im dichten Unterholz verschwand. Die Parkstraße führt an den typischen, von Gletschern geschaffenen Bergseen Lake Louise und den Reflection Lake vorbei. Die nach ihrer vollständigen Spiegelung des Mt. Rainier benannten Reflection Lakes waren leider noch teilweise mit Eis bedeckt, so daß die Spiegelung nicht ganz so perfekt war. Ein weiterer Aussichtspunkt ermöglicht einen Blick über die Tatoosh Range und auf die Narada Falls. Das Paradise Valley, eine sanfte Hügellandschaft am Fuße des Mt. Rainier, ist das touristische Zentrum des Parks und Ausgangspunkt vieler Wanderwege. Wir hatten uns den Nisqually Vista Trail, einen Lehrpfad durch die Wiesen des Paradise Valley vorgenommen, ließen aber von diesem Vorhaben ab, da das gesamte Tal noch unter einer dicken Schneeschicht verborgen lag. So fuhren wir nach dem Besuch des Henry M. Jackson Memorial Visitor Center gleich weiter zum Halteplatz der Narada Falls. Ein kurz, steiler Weg führt zu einem Aussichtspunkt, von dem man die 51 m hohen, vom Paradise River gebildeten Narada Falls überblickt. Die Fälle sind zwar auch vom Parkplatz aus sichtbar, aber nur der Aussichtspunkt bietet einen Blick auf den Regenbogen, der sich im Sprühnebel der Fälle bildet. Vom Ricksecker Point, der an einer kleinen, nur in einer Richtung zu befahrenden Seitenstraße liegt, warfen wir einen letzten Blick auf Mt. Rainier und das Tal des Nisqually River ehe wir den Park in westlicher Richtung verließen. Während unserer Fahrt in Richtung Pazifikküste konnten wir beobachten, wie sich erste Wolken um den Gipfel des Mt. Rainier sammelten und den Blick versperrten, so daß wir uns um so mehr über unsere phantastische Aussicht freuen konnten. Nördlich von Montesano haben wir uns dann im Lake Sylvia SP einen Stellplatz für die Nacht gesucht.

Über die Küstenstraße #101 erreichten wir unserer nächstes Ziel, den Olympic NP, eine großartige, besonders abwechslungsreiche Landschaft mit Gletschern, schneebedeckten Gipfeln, malerischen Bergwiesen, weiten Tälern, glitzernden Seen und Flüssen mit Wasserfällen, kilometerlangen Meeresstränden mir pittoresken Klippen und bizarren Treibholzgebilden, sowie dem auf der nördlichen Halbkugel einzigartigen Regenwald. Der Olympic NP verdankt diese landschaftliche Vielfalt seiner geographisch und klimatisch exponierten Lage auf der Olympic Peninsula. Wegen seiner ursprünglichen und einzigartigen Landschaft wurde Olympic von den Vereinten Nationen zur International Biosphere Reserve und World Heritage Site, einer "Stätte des Welterbes", erklärt. Die Olympic Mountains im Inneren des Parks sind beinahe rund: 13 Flüsse durchschneiden sie wie die Speichen eines Rades. Es gibt keine Straße, die den Park durchquert, wohl aber ein Dutzend Stichstraßen, die vom Hwy 101 in ihn hineinführen. Bewohner der Olympic Peninsula bezeichnen ihn als Geschenk des Meeres, denn Wasser und Eis gaben ihm das Gesicht. Die Olympics sind auf dem Meeresboden entstanden - Meeresfossilien finden sich auf den Gipfeln der Berge. Vor etwa 30 Millionen Jahren kollidierte die Scholle, die den Pazifischen Ozean trug, mit dem nordamerikanischen Festlandsockel. Als die leichtere ozeanische Scholle unter die schwere festländische glitt, wurde ein Teil des Meeresbodens zu den späteren Olympic Mountains zusammengedrückt. Später gaben Gletscher und Flüsse den Bergen ihre heutige Gestalt. Fast 2 km dicke Gletscher haben auch den Puget Sound und den Hood Canal im Osten, sowie die Strait of Juan de Fuca im Norden ausgeschürft und so die Halbinsel vom Festland abgetrennt. Die Isolation der Halbinsel während der Eiszeit brachte die "endemischen 16" hervor, jene von Biologen so bezeichneten 16 Arten von Wildblumen und Tieren, die nur hier heimisch sind. Dazu zählen die magentarote Olympic-Kastillea, das Olympic-Murmeltier, die Olympic-Mazama-Taschenratte und die Beardslee-Forelle. Andererseits sind auch die "fehlenden 11" bemerkenswert, jene Säugetierarten also, die in den nahen Cascades und Rockies verbreitet sind, in den Olympics aber fehlen. Dies sind unter anderem Grizzlybär, Stachelschwein und Bergschaf. Schneeziegen wurden in den 1920er Jahren eingeführt, haben die Almwiesen aber so geschädigt, daß man 1988 damit begonnen hat, sie in ihre Herkunftsgebiete zurückzubringen. Feuchte Luft vom Pazifik kondensiert in den kühlen Höhen der Olympics und schlägt sich als Regen oder Schnee nieder; damit haben die Westhänge des Gebirges das feuchteste Klima der unteren 48 Staaten. Mt. Olympus, mit 2428 m der höchste Berg im Park, empfängt 5.000 mm Niederschlag jährlich. Wir erreichten den Park im Bereich des über 90 km langen, vom übrigen Parkgebiet völlig separierten Küstenstreifen. Der gemäßigte Regenwald reicht hier bis an den Strand heran, der im südlichen Teil breiter und sandiger ist, als der felsigere und steinigere Teil im Norden. Riesige Treibholzmengen säumen die Küste, sie wurden von Flüssen und Bächen ins Meer gespült und dann an die Küste geworfen. Wir parkten unser Wohnmobil auf den einfachen Campingplatz am South Beach und unternahmen von hier aus einen kurzen Strandspaziergang. In der Kalaloch Information Station verschafften wir uns Informationmaterial über den Park und besuchten dann bei Ruby Beach noch einmal die nebelverhangene Pazifikküste. Dieser Strandabschnitt ist durch die vorgelagerten Felsnadeln wesentlich interessanter als die weiter südlichen Bereiche. Von hier aus war auch die mit einem Leuchtturm besetzte Destruction Island zu sehen. Die etwa 30 km lange Hoh River Road führte uns dann in das Herz des Hoh Rain Forest, einen Regenwald mit dschunngelartiger Vegetationsdichte. Am Visitor Center, wo die Straße endet, beginnen mehrere Wanderwege. Der etwa 2 km lange Spruce Nature Trail führt in ein verzaubertes Land: Sitka-Fichten, Hemlocktannen und Lebensbäume mit bis zu 7 m Umfang ragen 90 m in die Höhe. Bärlapp und Süßholzfarne hüllen Nadelbäume und Breitblatt-Ahorn in ein dichtes Grün. Sämlinge, die auf dem Waldboden selbst keine Chance haben, wuchern auf umgestürzten Bäumen, sogenannten "Ammenbäumen". Man sieht alte Baumriesen, in Reihen aufgestellt: sie stehen auf mächtigen Wurzeln,"Stelzen" genannt, wo einst die Ammenbäume lagen. Wir haben die mächtigen Roosevelt-Hirsche zwar nicht zu Gesicht bekommen, konnten aber ihr eigentümliches Röhren hören. Dafür haben wir viele Hörnchen und Vögel gesehen, die in diesem Dschungel ein reichliche Nahrungsangebot vorfinden. In dem grünen Licht, das verschwommen durch das Blattwerk dringt, wirken die moosbehangenen Baumriesen manchmal geradezu gespenstisch. Zurück auf der #101 suchten wir uns in dem kleinen Ort Forks einen Campingplatz, da die weiteren Sehenswürdigkeiten für heute zu weit entfernt waren.

Wir begannen den Tag mit einem Abstecher zur äußersten Nordwestspitze der Olympic Halbinsel; hier liegt Neah Bay in der Makah Indian Reservation. Im Makah Cultural and Research Center konnten wir in einer sehr interessanten und gut aufbereiteten Ausstellung über 500 Jahre Kultur und Lebensweise der Makah kennenlernen. Eine Meereserosion beim kleinen Küstenort Ozette hatte 1970 ein sehr gut erhaltenes Walfangdorf der Makah zutage gefördert, das vor etwa 500 von einer Schlammlawine begraben worden war. Nach 11 Jahren ununterbrochenen Ausgrabungsarbeiten hatten die Archäologen der Washington State University 55.000 Artefakte freigelegt. Ein kleiner Teil dieser Artefakte, sinnvoll ergänzt durch Replikas verschiedener Gerätschaften und lebensgroße Nachbauten von Booten und einem "Longhouse" verschaffen dem Besucher einen kleinen Einblick in die Lebensweise der Makah-Indianer. Zurück im Olympic NP folgten wir dem Tal des Sol Duc River bis zu den gleichnamigen heißen Quellen. Auf dieser Strecke passierten wir die Salmon Cascades, eine Stromschnelle des Sol Duc River, bei der man in früheren Jahren die Lachse auf ihren Weg zu den Laichgründen beobachten konnte. Die zunehmende Meeresverschmutzung und industriell betriebene Überfischung der Lachsbestände haben jedoch dazu geführt, daß sich nur noch selten ein Lachs hierher "verirrt". Die von den Indianern "Sol Duc" - "perlendes Wasser" genannten heißen Quellen, die sie zu Heilzwecken nutzten, werden seir 1912 kommerziell betrieben und sind schwimmbadähnlich ausgebaut. Wesentlich interessanter fanden wir da den knapp 3 km langen (retour) Weg durch den Regenwald zu den Sol Duc Falls. Kurz hinter der Einmündung der Sol Duc Road auf den Hwy 101 erreicht dieser das Ufer des Lake Crescent, das er die nächsten 16 km auch nicht mehr verläßt. Zahlreiche Parkbuchten bieten die Möglichkeit diesen blauen, fast 200 m tiefen See näher zu betrachten. An der Storm King Information Station beginnt der ebenfalls etwa 3 km lange (retour) Marymere Falls Trail, der durch sehr schönen Tieflandswald führt und an den 30 m hohen Marymere Falls endet. Im weiteren Verlauf führt die Straße am Lake Sutherland vorbei, der einmal mit dem Lake Crescent einen riesigen Gletschersee bildete, bis sie ein gewaltiger Erdrutsch trennte. Nach einer indianischen Überlieferung war der Mount Storm King der Kämpfe zwischen den Quileute- und Clallam-Indianer überdrüssig, so daß er einen Stein warf, der die Kämpfenden tötete und den See spaltet. Kurz vor den Toren von Port Angeles haben wir uns einen Campingplatz gesucht, da schon wieder ein Tag wie im Fluge vergangen war.

Von Port Angeles aus führt eine lohnende Aussichtsstraße, am Hauptbesucherzentrum vorbei, zum Hurricane Ridge hinauf, von wo aus die schneebedeckten Berge des Parks, unter ihnen der 2428 m hohe Mount Olympus, zu sehen sind. Auf knapp 30 km steigt die Straße aus den Tieflandswäldern bis zur Baumgrenze - etwa 1500 m über dem Meer. Während die gesamte Talregion unter einer geschlossenen Wolkendecke lag, war an der Hurricane Ridge, oberhalb der Wolken, bestes Wetter. Uns war dadurch zwar der Blick auf die Strait of Juan de Fuca und Vancouver Island genommen, dafür war der Blick auf die Wolken und die Gipfel der inneren Olympics mit ihren 60 Gletschern einfach phantastisch. Außerdem konnten wir einen Schwarzbären und mehrere Schwarzwedelhirsche beobachten. Auf dem Rückweg, wieder unterhalb der Wolken, konnten wir dann doch noch einen Blick auf die Strait of Juan de Fuca und Vancouver Island werfen bevor wir nach Winslow auf Bainbridge Island fuhren und die Fähre nahmen, die uns in 35 Minuten nach Seattle brachte. Dabei hatten wir beim Einlaufen der Fähre einen schönen Blick auf die Skyline von Seattle. Da es in der Stadt selbst keine Campingplätze gibt, suchten wir uns einen Stellplatz in Bellevue, einem der östlichen Vororte Seattles.

Das 1852 gegründete Seattle ist die größte und bedeutendste Stadt Washingtons und die nördlichste Großstadt der USA. Die Siedler benannten ihre Stadt nach dem Häuptling des Indianerstammes, der ihnen das Land überlassen hatte. Interesse an der Besiedlung bestand wegen des Holz- und Fischreichtums der Gegend, deren Verarbeitung sich die ersten Wirtschaftsunternehmen widmeten. Die Ursprünge des heutigen Seattle gehen auf das Jahr 1889 zurück als die damals 20.000 Einwohner zählende Stadt bis auf die Grundmauern niederbrannte und auf den Ruinen neu errichtet wurde. Den entscheidenden Push bekam die Stadtentwicklung im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts. 1893 wurde die nördlichste transkontinentale Eisenbahnlinie durch die USA fertiggestellt und 1897 machte die SS Portland mit einer Tonne Gold und den Nachrichten von den sagenhaften Goldfunden am Klondike im Hafen von Seattle fest. Eine Flut von Glücksrittern und Abenteurern, die nach Alaska aufbrechen und dort nach dem begehrten Edelmetall schürfen wollten, strömte in die Stadt und mit ihnen kamen auch Geschäftsleute aller Branchen. Seattle selbst machte ein Vermögen mit dem Verkauf von Kleidung und Ausrüstungsgegenständen an die hoffnungsfrohen "sourdoughs", wie man die Neuzuwanderer nannte. Fast über Nacht mauserte sich die hinterwäldlerische Kleinstadt zu einem bedeutenden Industrie-, Schiffahrts- und Handelszentrum. Neben einer maritimen Drehscheibe entwickelte sich Seattle auch zu einem Luftkreuz für den nördlichen Pazifik. Weitere wichtige ökonomische und infrastrukturelle Impulse erhielt Seattle 1962 als Austragungsort der Weltausstellung. Dabei erhielt die Stadt mit der 184 m hohen, futuristischen Space Needle ein herausragendes Wahrzeichen. Seattle liegt auf einer schmalen, hügeligen Landenge zwischen einem tief nach Süden reichenden Meeresarm, dem Puget Sound und dem fast 30 km langen Binnensee Lake Washington. Auf einer Fläche von 228 km² leben etwa 520.000 Seattleites, wie sich die Einwohner der Stadt nennen. Die Kaskaden im Osten und die Olympic Mountains im Westen bewahren Seattle vor extremen klimatischen Schwankungen. Warmes, aber wechselhaftes Sommerwetter und milde Winter mit hohen Niederschlägen sorgen für den Ruf der Stadt als "Rain Capital" der USA. Trotz dieser nicht idealen Witterungsbedingungen zählt Seattle zu den beliebtesten Städten der USA und ist aufgrund der idealen Freizeitmöglichkeiten im Spitzenfeld der US-Städte mit der höchsten Lebensqualität zu finden. Wir fuhren zum Seattle Center, dem Gelände der Weltausstellung von 1962, das heute als Entertainment- und Konferenzkomplex dient. Aufgrund des "typischen" Seattle-Wetters, einem leichten Nieselregen, ließen wir die Space Needle zunächst unbeachtet und nahmen die Monorail, eine moderne Einschienenbahen, die das Seattle Center mit der Innenstadt verbindet. Von der Westlake Mall, wo die Monorail endet, gingen wir zum Pike Place Market, dem ältesten Farmer-Markt Nordamerikas, wo auf etwa 30.000 m² neben Obst, Gemüse und Fisch auch allerlei Kunsthandwerk und Trödel angeboten wird. Vorbei am Seattle Art Museum, einem postmodernen Prachtbau, vor dem die Riesenskulptur des Hammering Man steht, gingen wir hinunter zur Waterfront. Nachdem die Piers durch die Containerschiffahrt an Bedeutung verloren hatten, wurden sie nach und nach zu "Touristenfallen" mit Restaurants, Boutiquen, Galerien und Souvernirshops umgestalltet. Hinter dem Pier 48 beginnt der restaurierte historische Stadtkern, der Pioneer Square Historical District. Das ehemals vernachlässigte Viertel voller Backsteinfassaden wurde durch Antiquitätenläden, Restaurants und Kunstgalerien wiederbelebt. Mit der Monorail fuhren wir dann von der Westlake Mall zurück zum Seattle Center, fuhren aber auch jetzt nicht zu Aussichtsterrasse der Space Needle, da es wieder angefangen hatte zu regnen und uns die schlechte Sicht den hohen Preis von $ 8,5 pro Person nicht wert war.

Am nächsten Tag war das Wetter zwar etwas besser, aber der Himmel war immer noch wolkenverhangen. So verließen wir Seattle über die I-5 in nördlicher Richtung und schwenkten südlich von Everett auf den Cascade Loop ein, der über die Straßen #20, #153, #97A und #2 einen Kreis im nordwestlichen Washington beschreibt. Auf unserem Weg zum Fähranleger in Mukilteo kamen wir an den Boeing-Werken vorbei, wo die Flugzeuge vom Typ 747 und 767 hergestellt werden. Am Tour Center erfuhren wir, daß die kostenlosen Tickets für die heutigen Führungen durch die Produktionsanlagen bereits alle vergeben waren. Hätten wir das geahnt, wären wir heute etwas früher aufgestanden anstatt auszuschlafen. Dafür klappte es mit der Fähre um so besser, kaum hatten wir unseren Fahrschein, waren wir auch schon auf dem Schiff, das uns nach Whidbey Island, der südlichsten der San Juan Inseln brachte. Auf der Insel schien dann auch plötzlich die Sonne und machte die Fahrt über die hübsche Insel zusätzlich zum Vergnügen. Am Deception Pass, einer Meerenge zwischen Whidbey und Fidalgo Island, bietet eine Brücke einen schönen Blick auf die Inselwelt. Über den Hwy 20 verließen wir Fidalgo Island und folgten dem Cascade Loop noch bis Concrete, wo wir uns einen Campingplatz suchten.

Der Hwy 20 wird zwischen Marblemount und Winthrop nicht nur North Cascades Highway genannt, sondern er wird auf diesem Abschnitt auch als die schönste Gebirgsstraße Washingtons bezeichnet. Die Strecke durch den weitestgehend unerschlossenen North Cascades NP wurde erst 1972 fertiggestellt. Die nördlichen Kaskaden mit ihren schneebedeckten Bergen, die steil über dicht bewaldeten Tälern aufragen, werden oft als "Amerikanische Alpen" bezeichnet. Der gesamte Komplex des Nationalparks besteht aus einer North und einer South Unit und zwei Erholungsgebieten, Ross Lake NRA und Lake Chelan NRA, wo die meisten Besuchereinrichtungen konzentriert sind. Der Park umfaßt urwüchsige Wälder, Almwiesen und hunderte von Gletschern. Über 95% des Parkgebietes sind unerschlossen und nur über das fast 600 km lange Netz der Wanderwege zu erreichen. Das Gebiet gehört zur Cascade Range, einem Gebirgszug, der sich von British Columbia bis Nord-Kalifornien erstreckt. Nach geologischer Theorie entstand die Gebirgskette aus einem Mikro-Kontinent einige hundert Kilometer draußen im Pazifik. Dieser trieb mit seiner Scholle langsam auf Nordamerika zu. Vor etwa 100 Millionen Jahren prallte er gegen den nordamerikanischen Kontinent und wurde zu einem Gebirge gestaucht und gefaltet, das dem Festlandssockel aufsaß. Jenes Gebirge wurde abgetragen; was man heute sieht, ist erst vor 5 bis 6 Millionen Jahren entstanden. Der Westen des Parks bekommt durch die vom Pazifik heranströmende feuchte Meeresluft, die an den Westhängen als Regen oder Schnee niedergeht, deutlich höhere Niederschlagsmengen als der Ostteil, was sich in der unterschiedlichen Vegetation widerspiegelt. Wir fuhren von Westen her in den Park hinein und folgten dem Lauf des Skagit River bis zu dem kleinen Ort Newhalem, wo sich das erst 1993 eröffnete Besucherzentrum des North Cascades NP befindet. Mit der Diashow "Meditation on Wilderness", die hier gezeigt wird, erlebten wir gleich zu Beginn unseres Besuches ein absolutes Highlight. Die zwanzigminütige Show ist das Beste, was wir bisher an Präsentation des National Park Service gesehen haben. Hier wird nicht nur ein National Park in schönen Bildern vorgestellt, es ist vielmehr die perfekt in Szene gesetzte audiovisuelle Umsetzung des Nationalparkgedankens und der kybernetischen Zusammenhänge auf unserem Planeten, verbunden mit der indianischen Ideologie des Lebens. Diese Show sollte man auf keinen Fall verpassen, wenn man den North Cascades NP besucht. Direkt am Visitor Center beginnt der kurze Sterling Munro Trail, der an einem Aussichtspunkt auf die Picket Range endet. Zurück auf der Parkstraße sahen wir uns die Gorge Creek Falls und den von Gletschern gespeisten, grünlich schimmernden Diablo Lake an. Die Gletscher zerreiben das anstehende Gestein an ihrer Unterseite zu feinem "Mehl", und dieses "Gletschermehl" reflektiert den grünlen Teil des Spektrums im Gewässer. Am Diablo Lake Overlook konnten wir außerdem zahlreiche Streifenhörnchen und verschiedene Vögel beobachten. Die vielen Strommasten der Seattle City Light Gesellschaft, die die drei Staudämme Gorge, Diablo und Ross zur Stromversorgung Seattles nutzt, stören ein wenig den Ausblick auf die ansonsten schöne Landschaft. Der Ross Lake ist zwar wesentlich größer, bietet von der Straße aus aber keinen so schönen Blick. Am Washington Pass, schon außerhalb des Parkgebietes, erreichten wir mit 1669 m den höchsten Punkt des North Cascades Highway und der Washington Pass Overlook bietet einen hervorragenden Blick auf die Paßstraße und die umliegenden Berge der Cascade Range. Der kleine Ort Winthrop hat sich, obwohl ohne eigene Wildwest-Vergangenheit, einen Westtown-Look zugelegt, der einige hübsche Fotomotive bietet. In Twisp verließen wir die Route des Cascade Loop um über die Straßen #20 und #97 in Richtung kanadischer Grenze weiterzufahren. In Riverside übernachteten wir auf einem kleinen Campingplatz, der praktisch im Garten eines Einfamilienhauses angelegt worden war.  

Nach einer knappen Stunde Fahrt erreichten wir die kanadische Grenze, wo wir ohne Probleme eine Aufenthaltsgenehmigung für 6 Monate bekamen. Osoyoos, der erste Ort in Kanada, liegt am südlichen Ende des Okanagan Valley. Das langgestreckte Tal ist der nördlichste Ausläufer des amerikanischen Great Basin, eines Tieflandgürtels, der sich von Mexiko durch den gesamten Westen der USA bis in den Süden von British Columbia erstreckt. Nur etwa 40cm Niederschläge fallen in dieser extrem trockenen, sonnigen Region. Auf den bewässerten, fruchtbaren Böden gedeihen in großen Plantagen alle erdenklichen Obst- und Gemüsesorten sowie Wein, was dem Tal den Beinamen "Obstgarten Kanadas" eingebracht hat. Im Haynes Point PP bekamen wir den letzten Stellplatz auf einem phantastisch an der Spitze einer schmalen Halbinsel im Osoyoos Lake gelegenen Campground, der uns 1994 bei unserem ersten Canada-Urlaub schon sehr gut gefallen hatte. Da unser Stellplatz von den Vornutzern noch nicht geräumt war, nutzten wir die Zeit für einen Überblick über den Osoyoos Lake, der als einer der wärmsten Badeseen Canadas gilt. Dazu fuhren wir den Hwy 3 durch die Weinberge östlich der Stadt einige Kilometer hinauf. Am Ende der Serpentinenstrecke erreichten wir einen phantastischen Aussichtspunkt mit einem tollen Blick über Osoyoos und das südliche Okanagan Valley. Nach einem Stop an der höllandischen Windmühle des ansonsten eher spanisch-mexikanisch anmutenden Osoyoos, bezogen wir unseren Stellplatz. Wir nutzten das sommerliche Wetter und die angenehmen Wassertemperaturen zu einem relativ faulen Nachmittag auf diesem herrlichen Campingplatz. Ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer beendete diesen erholsamen Tag.

Am nächsten Morgen gingen wir als erstes wieder im See schwimmen, machten uns dann aber früher als geplant auf den Weg, da das Wetter heute nicht so gut war wie am Vortag. Vorbei an großen Obstplantagen folgten wir dem Hwy 97, der Hauptverkehrsader durch das Okanagan Valley, nach Norden, fast durchgehend am Ufer immer neuer langgezogener Seen. Zwischen den Skaha Lake und dem Südende des über 120 km langen Okanagan Lake liegt Penticton, die Tourismushochburg des Tales. Wir fuhren am Ostufer des Okanagan Lake entlang bis nach Naramata, wo es einen Zugang zur ehemalige Trasse der der Kettle Valley Railway gibt. Die Eisenbahnlinie wurde 1916 fertiggestellt und verbannt über diverse Brücken und Tunnels die Städte des südlichen British Columbia miteinander. Nach der Stillegung der Trasse 1961 wurden die Schienen von 1973-79 weitestgehend entfernt und das Kiesbett für Wanderer und Radfahrer freigegeben. Wir fuhren auf der etwas holprigen Strecke oberhalb des Okanagan Lake bis zum ersten Tunnel. Da das Wetter schlechter wurde und die Strecke auch keinen Ausblick mehr bot, kehrten wir nach gut 5 km um und fuhren zum Wohnmobil zurück. Der Hwy 97 verläuft ab Penticton immer am Ufer des Okanagan Lake, ehe wir über eine schwimmende, rund 1,5 km lange Betonbrücke Kelowna, die größte Stadt im Tal erreichten. Hier suchten wir uns einen Campingplatz und gingen noch vor dem Abendessen in den platzeigenen Pool und Spa.

Über die Little White Forest Service Road, eine teilweise sehr steile und von Holztransportern aufgewühlte Forststraße, fuhren wir zur Ruth Station des Kettle Valley Railway südöstlich von Kelowna. Vom Parkplatz aus kommt man nach 14 km zur Myra Station, die ebenfalls über eine Forststraße, die Myra Forest Service Road, zu erreichen ist. Diese für Radfahrer und ausdauernde Wanderer hervorragende Strecke führt über 18 Holzbrücken, die von 1993-95 restauriert oder durch neue ersetzt worden waren und die zum Teil sehr schöne Ausblicke auf Kelowna, den Myra Canyon und die alte Eisenbahnlinie bieten. Im Bereich des Myra Canyon sind auf der fast ebenen Trasse auch noch zwei kurze Tunnel zu passieren. Mit vielen Fotostops und kleineren Pausen haben wir für Hin- und Rückweg mit unseren Rädern 3 Stunden gebraucht. Wir verließen dann das Okanagan Valley und machten uns auf den Weg gen Westen, den wir auf einem Campingplatz in Merritt für eine Nacht unterbrachen.

Unsere Reiseroute des nächsten Tages stand ganz im Zeichen der zahlreichen Flüsse British Columbias: Wir folgten zunächst von Merritt aus dem Hwy 8, der parallel zum Nicola River verläuft. Auf einer kleinen Insel im Fluß konnten wir einen Weißkopfseeadler beim Verspeisen eines riesigen Lachses beobachten. Am Zusammenfluß von Nicola und Thompson River endet der Hwy 8 am Trans Canada Highway #1. Bis Lytton blieben wir am Ufer des Thompson River, um dann noch einmal den Fluß und die Straße zu wechseln. Wir begleiteten den Fraser River flußaufwärts bis nach Lillooet, einem kleinen Ort am Ende der Nugget Route, wie die der Hwy 99 bis nach Vancouver genannt wird. Lillooet hatte seine beste Zeit in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, als es als Bindeglied zwischen der Nugget Route und des Cariboo Trail an der Hauptverkehrsader der Goldsucher auf ihrem Weg nach Wells und Barkerville lag. Einst eine der größten Städte nördlich von San Francisco verlor die Stadt 1863 mit dem weiteren Ausbau des Cariboo Trail an Bedeutung und ist heute nur noch ein kleines Städtchen am Ufer des Fraser River. Wir sahen uns das kleine Museum in der Main Street an und versorgten uns schräg gegenüber beim deutschen Bäcker mit köstlichem Kuchen und vor allem "richtigen" Brot. Von Lillooet folgten wir den Spuren der Goldsucher auf der Nugget Route in Richtung Vancouver. Kurz hinter der Stadt passiert die Straße das südliche Ende des Seton Lake Reservoir, einem schönen Naherholungsgebiet vor einer imposanten Gebirgskulisse. Scheinbar fernab jeglicher Zivilisation schlängelt sich die Straße entlang des Cayoosh Creek durch dichte Wälder und vorbei an klaren Seen. Nach der Überquerung der Lillooet Range beginnt der schönste Abschnitt der auch Duffey Lake Road genannten Straße am Ufer des gleichnamigen Sees entlang. Nur wenige Kilometer hinter Pemberton beginnt das bekannteste Skigebiet British Columbias, in dessen Hauptort Whistler wir nur noch mit Glück einen Campingplatz fanden, da hier an diesem Wochenende ein Mountainbike-Rennen veranstaltet wurde.

Auf unserer weiteren Fahrt in Richtung Vancouver statteten wir dem Brandywine Falls PP am Nordende des Daisy Lake einen Besuch ab. Ein kurzer Weg führt vom Parkplatz zu den 66 m hohen, vom Callaghan Creek gebildeten Brandywine Falls, über die bis zu 600 m³ Wasser pro Minute in die Tiefe stürzen. Nur wenige Kilometer weiter passiert die Straße den Shannon Falls PP, in dem sich die Shannon Falls über eine Fallhöhe von 335 m erstrecken. Südlich von Squamish erreichten wir den Howe Sound, einen Fjord, der sich fast 50 km tief in die steilen Coast Mountains geschnitten hat. Der Hwy 99 verläuft entlang des Ostufers des Howe Sound und geht schließlich in den Hwy 1 über, der uns dann schließlich bis nach Vancouver brachte. Vancouver gilt als eine der schönsten Städte der Welt und ist unbestritten die attraktivste Großstadt Kanadas. Restaurierte historische Bezirke, eine lebendige Innenstadt, zahlreiche gepflegte Parkanlagen und Strände, schöne Vororte und eine moderne Skyline prägen das äußere Erscheinungsbild Vancouvers. Aufgrund ihrer einmaligen Lage zwischen Küstengebirge, Fraser River und Meer trägt die Stadt ihren Titel "Perle am Pazifik" zu Recht. Diese Lage ist es auch, die der Stadt ein für kanadische Verhältnisse ungewöhnlich mildes und ausgeglichenens Klima beschert. Die Geschichte Vancouvers begann schon geraume Zeit vor der eigentlichen Stadtgründung. 1792 steuerte der britische Kapitän George Vancouver auf der Suche nach der legendären Nordwest-Passage sein Schiff für einen Tag in das Burrard Inlet, jene tief in das Land reichende Bucht zwischen Downtown und North Vancouver, nicht ahnend, daß an dessen Ufern später eine nach ihm benannte Stadt entstehen würde. 1808 erforschte der Pelzhändler Simon Fraser den danach als Fraser River bezeichneten Fluß und gelangte dabei auch an sein Mündungsdelta im Süden der heutigen Stadt. Die erste Siedlung gründeten erfolglose Goldsucher 1862 am Ufer des Burrard Inlet. Als offizieller Gründer gilt John Deighton, genannt Gassy Jack, der bei seinem Eintreffen 1867 ein Faß Whiskey im Gepäck hatte und einen Saloon eröffnete. Dieser Umstand bewirkte, daß die Siedlung als Gastowm bekannt wurde. Sie erhielt aber bereits 1869 die offizielle Bezeichnung Granville. An den "Stadtgründer" erinnert heute noch ein Denkmal im Herzen von Gastown, das Gassy Jack auf einem Whiskeyfaß darstellt. Im Jahre 1886 wurden dem mittlerweile 2.000 Einwohner zählenden Granville die Stadtrechte und ein neuer, ehrenvollerer Name, eben der von Kapitän Vancouver verliehen. Mit der Fertigstellung der transkontinentalen Canadian Pacific Railroad waren wortwörtlich die Weichen für den wirtschaftlichen Aufschwung der jungen Stadt gestellt. Viele Chinesen, die beim Bau der Eisenbahn mitgewirkt hatten, wurden in Vancouver seßhaft und begannen, Handelsbeziehungen mit Asien aufzubauen. So entwickelte sich die schnell wachsende Stadt zum wichtigsten wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Zentrum im westlichen Kanada. Wir steuerten den Capilano RV Park in North Vancouver, am Nordende der Lions Gate Bridge an. Es ist ein zwar nicht besonders schöner aber aufgrund seiner Lage für eine Stadtbesichtigung hervorragend geeigneter Campingplatz, wo wir auch schon 1994 übernachtet hatten. Auf dem Faltblatt des Platzes entdeckten wir die Werbung eines deutschen Schlachters, der unweit des Campingplatzes in der Park Royal Mall zu finden ist. Mit unseren Rädern machten wir uns auf den Weg und kamen beladen mit Wurst und Aufschnitt wieder zum Wohnmobil zurück. Es ist kaum zu glauben, aber uns kamen die Wiener Würstchen und der Aufschnitt nach siebenmonatiger Abstinenz wie ein Festmahl vor. So gestärkt fuhren wir mit den Fahrrädern über die 1938 eröffnete Lions Gate Bridge, deren zwei Pylonen 110 m aus dem Wasser ragen und die Straße auf einer Höhe von 70 m über dem Meeresspiegel halten, in den Stanley Park. Der über 4 km² große Stanley Park, eine von dichter Regenwaldvegetation bedeckte Landzunge zwischen English Bay und Burrard Inlet wurde bereits 1889, wenige Jahre nach der Stadtgründung, als Erholungsraum reserviert und nach dem damaligen britischen Generalgouverneur Kanadas, Lord Stanley, benannt. Wir fuhren auf die Seawall Promenade, einen ausgebauten Rad- und Wanderweg von 10 km Länge, der immer am Wasser entlang den gesamten Park umrundet. Unweit des Brockton Point befindet sich eine Gruppe von Totempfählen, alles Originale der Haida-Indianer aus dem Norden von British Columbia. Sie erzählen von der Stammesgeschichte oder aus der Mythologie der Indianer. Vielfach verwendete Motive sind der Adler, als Herr der Lüfte, der Wal, als Herr der Meere, der Wolf, als Herr des Landes und der Frosch, als Bindeglied zwischen Wasser und Land. Von den Totem Poles aus hat man einen phantastischen Blick auf die Skyline von Vancouver, beherrscht vom Canada Place, dem Wahrzeichen der Stadt. Der Brockton Point liegt an der Ostspitze der Halbinsel, ein kleiner Leuchtturm zeigt den Seefahrern den Eingang zum Hafen. Von hier aus hatten wir auch einen schönen Blick über das Burrard Inlet, die Lions Gate Bridge und die Coast Mountains. Auf dem Rückweg zum Campingplatz genossen wir noch einmal den herrlichen Blick von der Lions Gate Bridge auf den Stanley Park und die Skyline von Vancouver.

Am nächsten Morgen verließen wir den Capilano RV Park und fuhren über die Lions Gate Bridge und durch den Stanley Park bis in den nördlichen Innenstadtbereich. In einer Seitenstraße der Georgia Street, die gleichzeitig auch der Hwy 99 ist, fanden wir einen Parkplatz für unseren Roadrunner. Mit den Fahrrädern fuhren wir zum Canada Place, ein Erbe der Weltausstellung EXPO '86, das mit seinem riesigen weißen Zeltdach an die kanadische Pazifikflotte erinnern soll. Dieses neue Wahrzeichen der Stadt beherbergt das World Trade und Convention Centre und bietet Kreuzfahrtschiffen aus aller Welt einen Liegeplatz. Da Vancouver heute, am 01.07.96, nicht nur den Canada Day, den 129. Geburtstag Kanadas, sondern auch den 10. Jahrestag der EXPO feierte, herrschte in der gesamten Innenstadt ein reges Gedränge. Nach einem kurzen Spaziergang zur Waterfront Station fuhren wir mit dem Sea Bus über das binnenseeartige Burrard Inlet zum Lonsdale Quay nach North Vancouver. Während der kurzen Überfahrt hat man einen wunderschönen Blick auf die Skyline von Vancouver. Im ältesten Bezirk Vancouvers, der Gastown an der Water Street, gelang die Restaurierung eines heruntergekommenen, Ende der 60er-Jahre zum Abbruch vorgesehenen Stadtteils. Gastown besitzt gleich zwei Wahrzeichen: Die nach einer Vorlage von 1875 gebaute einzige Dampfuhr (Steam Clock) der Welt, die viertelstündlich pfeift und alle Stunde eine Melodie erklingen läßt. Sie wird vom zentralen Dampfheizungssystem der Gastown angetrieben. Das zweite ist am Maple Tree Square eine Statue des Stadtgründers Gassy Jack, der eigentlich John Deighton hieß und diesen Spitznamen aufgrund seiner lustigen Art erhielt. Zwei Straßen südlich beginnt die Chinatown, die mit der Chinatown von San Francisco um den Titel "Größte chinesische Siedlung außerhalb Asiens" wetteifert. Die Atmosphäre des Viertels ist nicht durch den Tourismus verfälscht und wir haben in einem kleinen Restaurant köstlich gegessen. Mit dem Fahrrad fuhren wir dann über die Robson Street, eine der beliebtesten Einkaufsstraßen der Stadt, zum Wohnmobil zurück. Wir verließen Vancouver über den Hwy 99 in südlicher Richtung und suchten uns in Tsawwassen einen Campingplatz in der Nähe des Fähranlegers der BC-Ferries, mit denen wir morgen nach Vancouver Island übersetzen wollen.

Um 9.00 Uhr legte unsere Fähre von Tsawwassen ab und erreichte nach 90 Minuten Fahrt durch die Gulf Islands bei herrlichem Sommerwetter Swartz Bay auf Vancouver Island. Über 2.000 m hohe Bergketten, immergrüne Urwälder im Norden und liebliche Farmlandschaften im Süden charakterisieren die 460 km lange Insel. Mit einer Fläche von ca. 32.000 km² ist Vancouver Island die größte Pazifikinsel Nordamerikas. Der Japanstrom vor ihrer Küste sorgt für ein deutlich gemäßigteres Klima, als es in den entsprechenden Breiten auf dem Festland herrscht. Ihren Namen erhielt die Insel nach dem britischen Entdecker George Vancouver, der diese Region 1792 in britischen Kolonialbesitz übernahm. Von den einst riesigen Wäldern ist im Süden der Insel heute nicht mehr viel zu sehen: Farmen und Gartenbaubetriebe prägen die Landschaft. An der sonnigen, von hohen Bergzügen geschützten Ostküste florieren Badeorte. An der niederschlagsreichen, zerklüfteten Westküste und im Norden der Insel jedoch findet man noch einzigartige Regenwälder mit Riesen-Lebensbäumen (Cedars) und Douglasien. Um diese letzten Bestände ursprünglicher Natur wird seit einigen Jahren eine scharfe Auseinandersetzung zwischen engagierten Naturschützern und der mächtigen Holzindustrie geführt. Vom Fährhafen fuhren wir über die Saanich Peninsula in Richtung Victoria, der Hauptstadt von British Columbia. Nach einem Einkaufsstop in Sidney steuerten wir die Butchart Gardens an der Westseite der Halbinsel an. Seit 1904 Jennie, die Frau des Zementfabrikanten Robert Pim Butchart, in einem alten Steinbruch die ersten Blumenrabatten anlegte, wurden die vorzüglich gepflegten Gärten ständig erweitert. In diesem, als schönste Gartenanlage Kanadas gepriesenen Park zeigen verschiedene Themengärten eine Fülle von Pflanzen aus aller Welt. Die Anlage ist auch heute noch im Privatbesitz der Familie Butchart und wird von einem Enkel der Gründer geleitet. Auch wenn der Besucherandrang sehr groß war und es in manchen Teilen des Gartens zu regelrechten Staus kam, hat sich der Besuch dieser wirklich schönen Anlage gelohnt. Wir suchten uns dann nördlich von Victoria einen Campingplatz, wo Geli für meinen Geburtstag Kuchen gebacken hat. Mit Einbruch der Dunkelheit fuhren wir in die Stadt, um uns das festlich beleuchtete Capitol anzusehen, bei dem Tausende von Glühbirnen die Umrisse der Fassade markieren.

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